Film nach Gefühl :Auf einen Trip mit Crystal

10. Juli 14
Film nach Gefühl :Auf einen Trip mit Crystal

Ross, Nikki und ihre Freunde brauchen keinen Schlaf. Der weiße Stoff, den die Protagonisten des Films "Spun – Leben im Rausch"(2002) sich in die Nase ziehen, hält wach. Sie schniefen, und binnen einer Sekunde verengen sich ihre Pupillen, die Zeit beschleunigt sich, die Farben werden bunter.
Ungefähr so muss wohl auch die Welt derer aussehen, die im realen Leben die Droge Crystal Meth konsumieren – wie im Fall des SPD-Politikers Michael Hartmann der gestern seinen Konsum eingeräumt hat. Der jüngste Drogenbericht schreibt in jedem Fall beunruhigende Zahlen. Bundesweit flogen demnach im vergangenen Jahr 3847 Fälle des Handels mit Crystal auf, was einem Zuwachs von 9,5 Prozent entspricht. Die meisten Befragten nehmen Methamphetamin, so der volle Name der Modedroge, um dem Leistungsdruck zu entgehen. Dass sie ein Problem haben, merken sie oft erst, wenn sie eines Tages im Spiegel auf ein zitterndes und abgemagertes Bildnis ihrer selbst blicken.
In "Spun" lernt man die ständig berauschten Protagonisten kennen, als ihr Leben längst abseits aller gesellschaftlichen Bahnen verläuft. Auf der inhaltlichen wie bildsprachlichen Ebene passiert ungefähr das, was die Psyche unter der Wirkung der Droge erlebt: Der wohltuende Zerfall der gewöhnlichen Narrative. Selbst das Triviale, das Alltägliche wirkt spontan, aufregend und unvorhersehbar. Wie die Zeitschrift "Cinema" zu Recht anmerkte: "Viel näher kann ein Film einem Drogentrip nicht kommen." Dabei bringt "Spun" auch den quälenden, schrillen Effekt von Crystal Meth zum Ausdruck. Besonders mit dieser Szene: Als Ross beim Sex mit einer Frau feststellt, dass er dringend Drogen holen muss, lässt er sie ans Bett gefesselt liegen. Nachdem er die Wohnung verlässt, beginnt die CD, die er eingelegt hatte, zu springen. Und springt den ganzen Tag lang, bis Ross wiederkommt.

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