Wer alles in sich reinpfeift, der nimmt auch Crystal

Ostfriesland
09. Juli 2014
„Wer alles in sich reinpfeift, der nimmt auch Crystal“
Hartwig Witt (59) leitet seit 1998 die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (Drobs) in Leer.

Das Wort Crystal Meth taucht im Jahresbericht 2013 der ostfriesischen Fachstellen für Sucht und Suchtprävention nicht auf. Derzeit breite sich die Modedroge aber weiter aus, sagt Hartwig Witt von der Beratungsstelle Drobs. Dafür taucht eine andere Droge auf, die oft unterschätzt werde.
Die gefährliche Modedroge Crystal Meth breitet sich in Deutschland immer weiter aus, spielt aber in Ostfriesland noch keine große Rolle. Das sagen übereinstimmend Hartwig Witt, Leiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (Drobs) Leer, und die Polizei.
Im Jahresbericht 2013 der ostfriesischen Fachstellen für Sucht und Suchtprävention taucht das Wort Crystal Meth nicht auf, dafür sind die Fallzahlen zu gering. „Es steht aber zu befürchten, dass sich das weiter ausbreitet“, sagt Witt. Die synthetisch hergestellte Droge mit aufputschender Wirkung sei verhältnismäßig günstig zu erwerben. „Leute, die alles in sich reinpfeifen, was gerade da ist, nehmen das auch gerne mit.“ Empfänglich dafür seien vor allem Drogenkonsumenten aus der Partyszene, die zum Beispiel Ecstasy und Speed schlucken.
Crystal Meth stammt nach Angaben des Bundeskriminalamtes meist aus tschechischen Drogenküchen und wird vor allem in Sachsen, Bayern und Thüringen konsumiert. Noch scheint die Droge in Ostfriesland nicht angekommen zu sein, heißt es bei der Polizei. „Man muss das aber ganz sicher im Auge behalten“, sagt Lars Zengler, Pressesprecher der Polizeiinspektion Leer/Emden.
Wirkung von Cannabis wird unterschätzt
In Ostfriesland werden laut dem Drobs-Jahresbericht nach wie vor in erster Linie Heroin, Cannabis und Alkohol konsumiert. „Cannabis ist hoffähig geworden“, sagt Witt. 80 Prozent aller Klienten der Beratungsstellen hätten Erfahrung mit dieser Droge. Exzessives Rauchen von Haschisch und Marihuana sei vor allem für Jugendliche gefährlich. Bei Cannabis handelt es sich laut Witt um eine „sehr potente Droge“, deren Einfluss auf das Gehirn oft unterschätzt werde. Witt: „Wenn ein 16-Jähriger drei bis vier Gramm Cannabis am Tag konsumiert, dann ist das atemberaubend viel.“
Heroinsüchtige haben dank ärztlicher Versorgung mit der Ersatzdroge Methadon heutzutage eine wesentlich höhere Lebenserwartung als früher. So kommt es, dass sich das Altersspektrum der Drobs-Klienten verbreitert. Die jüngsten sind zwölf Jahre alt, die ältesten jenseits der 60. Bei den 13 Drogentoten, die der Jahresbericht für 2013 ausweist, handelt es sich laut Witt größtenteils um ältere Heroinabhängige, die an den Spätfolgen des Konsums sterben – an Leberversagen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Das nimmt zu.“ Der Tod durch eine Überdosis sei die Ausnahme.

Zum Quelltext

Kommende Termine

Benutzeranmeldung