Die Schizophrenie

Schizophrenie

Was ist eine Psychose?

Die Psychose kennzeichnet einen krankhaften Geisteszustand, der geprägt ist durch ein Wahnerleben und die veränderte Wahrnehmung bzw. Interpretation der Wirklichkeit. Dieser Geisteszustand kommt besonders bei der bipolaren Störung (manische Depression) und bei der Schizophrenie zum Tragen. Der Auslöser ist wahrscheinlich in beiden Fällen eine falsche Reaktion des Gehirns wegen fehlerhafter biochemischer Vorgänge. Dieser Einschätzung liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich beide Erkrankungen mit Medikamenten gut in den Griff bekommen lassen.
Nicht nur die Medikamente spielen dabei eine Rolle. So erkennt der an Psychose erkrankte Mensch im psychotischen Zustand meistens nicht, dass er krank ist. Gerade zur schizophrenen Psychose gesellt sich überdies das Erleben einer Beeinträchtigung und von Verfolgung. Aus diesem Grunde ist es oft nötig, den Schizophrenen in der akuten Phase auch gegen seinen Willen in eine psychiatrische Einrichtung zu bringen, um ihn vor einem Suizid oder seine Umgebung vor eventuellen zerstörerischen Aktivitäten zu schützen. Dort erfolgt dann – wiederum zur Not auch gegen seinen Willen - eine Behandlung mit entsprechenden Psychopharmaka. Problematisch wird das dann nach der Entlassung des Patienten nach seiner Genesung, weil bei ihm die Einsicht für die Medikation vorhanden sein muss. Ohne der Gabe von Psychopharmaka tritt die Krankheit dann oft wieder auf. Es gibt aber auch Betroffene, die auch ohne Medizin wieder gesund wurden. Bei 70 Prozent der Betroffenen gelingt es, die Symptome zum Abklingen zu bringen und Rückfälle zu vermeiden.
Ist die Psychose einmal ausgebrochen, dann bedeutet dies für den Erkrankten regelmäßig einen herben Einschnitt in das bisher gewohnte Leben. So behindert oder gar verhindert das Auftreten einer Psychose in jungen Jahren die Ausbildung des jungen Erwachsenen. Da zumeist eine Behinderung bzw. Beeinträchtigung des Leistungsvermögens zurückbleibt, verringern sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Erkrankte wird meistens zum Sozialfall. Hat er etwas mehr Glück, dann erhält er Leistungen von der Rentenversicherung. Kümmert sich seine Umgebung nicht mehr um ihn, dann verfällt er in die soziale Isolation.
Zudem erweckt das Bild der psychisch Kranken in der Öffentlichkeit kein Vertrauen. So wird der Begriff „verrückt“ oder „schizophren“ meistens abwertend verwendet. Und erfährt man einmal etwas von Schizophrenie, dann meist aus den Nachrichten in Zusammenhang mit Mord und Totschlag. Die bizarren Motive der Täter ziehen die Reporter magisch an. Rein statistisch gesehen die Schizophrenen jedoch im Durchschnitt auch nicht gewalttätiger als der als „normal“ bezeichnete Anteil Bevölkerung.

Was ist eine Schizophrenie?

Die häufigste Form der endogenen Psychose ist die Schizophrenie.
Ein Schweizer Psychiater prägte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff „Schizophrenie“. Eigentlich handelt es sich um ein wissenschaftliches Konstrukt, weil diese Krankheit kein einheitliches Bild zeigt und sogar bei ein und demselben Patienten zu unterschiedlichen Zeiten einen unterschiedlichen Verlauf nehmen kann. Deshalb spricht man auch von den Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Schizophrenie ist griechisch und bedeutet Bewusstseinsspaltung. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass das Erleben des Erkrankten geteilt ist in die Wahrnehmung der Realität so wie sie ist und in die Wahrnehmung einer "virtuellen" Realität, welche er sich einbildet.
Die Krankheit gibt oft Rätsel auf. Manche der Betroffenen hören innere Stimmen, die sie beeinträchtigen, andere haben optische Halluzinationen, wieder andere fühlen sich von Strahlen bedroht und von magnetischen Einflüssen. Die sich bedroht fühlenden Erkrankten erleben ihr Ausgeliefertsein als Gedankenentzug. Nachvollziehbar ist wohl, dass der Betroffene dann versucht, sich diese für ihn oft auch körperlich erfahrbaren Dinge zu erklären und zu deuten. Dies besonders in der akuten Phase der Psychose und ganz besonders bei der Ersterkrankung, wenn man noch nichts von seinem Kranksein weiß. So kommen Konstrukte zusammen, in denen der Betroffene sich überwacht und verfolgt sieht. Je nach Lebensgeschichte und Erfahrungsschatz werden dann CIA, Stasi oder BND verantwortlich gemacht – man hat ja genug Schlimmes darüber gehört. Wegen der akuten durch den Wahrnehmungsstress verursachten Überforderung des Gehirns kommt es zur Fehlinterpretation. Alles, was um einen herum passiert, wird dann auf die eigene Person bezogen. In Folge bildet sich schnell ein Wahn, in dem sich alles um die eigene Person dreht. Charakteristisch ist dabei, dass dem Betroffenen sein Verstand bleibt. Dieser ist sozusagen in eine Gedankenfalle geraten und wandelt nun auf den Spuren des Wahns. Der Kranke befindet sich im desolaten Zustand der Gedankenverwirrung und der Katatonie. Dennoch arbeitet sein Verstand ganz normal - er sieht sich jedoch wegen der Wahneinbildungen zu seinem unnormalen Verhalten gezwungen.
Die medikamentöse Behandlung mit speziellen Neuroleptika kann dann die Symptome mildern und oft auch den Wahn beseitigen. In besonders schweren Fällen, insbesondere bei Katatonien, greift man dann als ultima ratio sogar zur Elektroheilkrampfbehandlung. Diese hat ohnehin einen schlechten Ruf als Elektroschocktherapie. Dies liegt daran, dass sie früher ohne Narkose durchgeführt wurde und nicht selten als Disziplinierung störender Patienten Verwendung fand.
Die Schizophrenie tritt recht häufig auf. Etwa jeder Hunderste begegnet in seinem Leben mindestens einmal dem Leiden – also sind 800.000 Bundesbürger von dieser Krankheit betroffen. Das bedeutet aber nun nicht, daß jeder Hundertste, dem wir begegnen, vom Wahn befallen ist. Die akute Symptomatik der Krankheit tritt nämlich nur bei einem Drittel der Betroffenen einmal im Leben und dann nach dieser einmaligen Episode nie wieder auf. Ein zweites Drittel hat Rückfälle in größeren Abständen. Zwischen den Schüben sind sie aber völlig gesund in Bezug auf ihren geistigen Zustand. Nach jedem akuten Schub steigen dabei die Beeinträchtigungen weiter an. Erst beim letzte Drittel kommt es zum chronischen Verlauf und es überwiegen die Rückfälle und die Krankheitssymptomatik.
Es gilt für die meisten Betroffenen, dass eine bestimmte, regelmäßig eingenommene Erhaltungsdosis von Neuroleptika in der Regel den Rückfall zu vermeiden hilft. Nach den Rückfällen verbleibt oft eine Behinderung in Form von verminderter Stressverträglichkeit und Defiziten bei der sozialen Kommunikation. Deshalb ist die Schizophrenie eine der Hauptursachen für die Invalidisierung junger Menschen. Bei Männern tritt die Ersterkrankung zumeist angefangen vom Teenageralter bis in die 20er hinein auf, bei Frauen ein paar Jahre später.
Fälschlicherweise nimmt der Volksmund an, die Schizophrenie sei eine Persönlichkeitsspaltung. Diese fällt jedoch unter die Persönlichkeitsstörungen Es handelt sich also bei der gespaltenen Persönlichkeit um eine völlig andere Form psychischer Erkrankung.

Die Ursachen?

Wir wissen bislang nur wenig über die Ursachen für das Entstehen der Schizophrenie. Vor hundert Jahren ging man von der Vererbung aus, weil sie in der Tat oft familiär gehäuft auftritt. Vor 30 Jahren zählte man die gestörten Familienverhältnisse zur Hauptursache der Erkrankung. Zu den familiären psychologischen Faktoren zählten z.B. das Fortbestehen der Mutter-Kind-Symbiose, inkonsequente Erziehung und das Herhalten des Kindes als Ersatzpartner. Heutzutage gehen wir von vielen verschiedenen Faktoren aus, die zum Entstehen der Krankheit führen. Da spielen die biologische Veranlagung, die sozialen Umwelteinflüsse im Verlaufe der Entwicklung und gewisse Stressereignisse eine Rolle bei der Ausbildung einer gewissen Verletzlichkeit, auf deren Grundlage die Krankheit ausbrechen kann. Der Kranke ist also zu sensibel für die durch das Leben tobenden Stürme.
Auslöser sind dann sehr oft belastende oder entlastende Ereignisse im Leben der Person (Todesfall, Trennung vom Partner, Prüfungen..) Inzwischen geht man sogar davon aus, dass jeder Mensch unter gewissen Umständen eine Psychose bzw. eine Schizophrenie entwickeln kann – weil jeder seine eigene, ganz individuelle Stressgrenze hat. Auch heute noch werden in manchen Regimes „gefährliche Staatsfeinde“ mit psychologischen Methoden gefoltert, bis diese gebrochen und psychisch krank sind.
Man geht davon aus, dass eine mit der Erkrankung einhergehende Störung des Gehirnstoffwechsels die Ursache vieler Symptome ist. Das Gehirn verträgt nicht mehr die Flut an Reizen, die von außen eindringt und "schaltet" auf eine andere Stufe der Umweltwahrnehmung. Das überlastete Nervensystem kann dann auch körperlich spürbare Symptome verursachen. Ob sich in dieser Situation dann ein Wahn herausbildet, dürfte dann eine Sache der Erfahrung des Betroffenen sein. So können Patienten, die schon einmal "wahnsinnig" waren, die Gedankenfalle erkennen, in die sie das Gehirn schicken will und entsprechend darauf reagieren, indem sie sich vom Stress zurückziehen und ihre Neuroleptika höher dosieren. Die Medikamente machen den Patienten sozusagen dickfelliger auf biochemischer Grundlage.

Warum wird einer „verrückt“?

Das Gehirn befindet sich also in einer bestimmten Phase der Erkrankung in einer Streßsituation. Die stets eingehenden optischen und akustischen Umweltinformationen nehmen überhand und werden nicht mehr vom Unterbewusstsein gefiltert. Also schaltet das Gehirn einen zusätzlichen Filter ein, der die Bedeutung des Wahrgenommenen verschiebt und die Wahrnehmung des Erkrankten wird „verrückt“.
Die Gehirnzonen, die uns unter normalen Umständen von für uns nur zweitrangigen Informationen schützen, so dass wir uns zum Beispiel auf eine Sache konzentrieren können, funktionieren nicht mehr richtig. So kann der Betroffene auf Farben reagieren, deren plötzliche Wahrnehmung er auf die eigene Person bezieht. Der Erkrankte erkennt nun neue Bedeutungsinhalte in den Dingen und fühlt sich deshalb wie ein „Erleuchteter“. Er verfällt also in eine „psychospirituelle Krise“ (Peter R. Breggin). Neben dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein, hat der Schizophrene oft körperliche Symptome und Halluzinationen. Auch diese Symptome verlangen nach einer Begründung. So kann der Betroffene eventuelle Beschwerden in der Herzgegend mit einem Strahlengerät begründen, das Fremde auf ihn ausgerichtet haben. Immerhin ist man ja etwas Besonderes und schon deshalb zeigt der Geheimdienst Interesse an einem.
Sieht der Betroffene plötzlich Bilder oder Lichterscheinungen, so kann er etwa annehmen, diese seien extra für ihn projiziert worden, damit er ein Rätsel löst, um die Welt zu retten.
Ein Wahn kann also auf vielerlei Art entstehen und sich zu einem ganzen Wahngebilde entwickeln, das dann zu einer festen Überzeugung werden kann. Aus diesem Grunde fällt es auch gar so schwer, einem Kranken klarzumachen, daß er der psychiatrischen Behandlung bedarf. Denn der Betroffene kann dann davon überzeugt sein, dass es sich dabei nur um ein Komplott oder eine Finte handelt. Die Anwendung von Gewalt, um den Kranken vor Fremdgefährdung oder Eigengefährdung zu schützen und ihn einer angemessenen Behandlung zuzuführen, verstärkt zweifellos die Überzeugung, Opfer eines Komplotts von unsichtbaren Mächten geworden zu sein.

Wie ist die Behandlung?

Medikamente

Viele der Patienten begeben sich auf Wunsch ihrer Angehörigen, oder von sich aus, aus freien Stücken in eine Behandlung. Doch kommt es auch vor, dass Betroffene gegen ihren Willen eingewiesen werden. Diese Betroffenen fühlen sich oft bedroht und werden manchmal – aus ihrer Todesangst heraus – manchmal gegenüber den Rettungskräften gewalttätig. Sie sind davom überzeugt, dass sie dabei nur ihr Recht der Selbstverteidigung ausüben. Solche Patienten erleiden dann oft die recht demütigende Prozedur der Fixierung ans Bett, bis sie durch Medikamente ruhiggestellt werden können.
Um die Symptome der Schizophrenie zu reduzieren steht eine breite Palette an Neuroleptika zur Verfügung. Der Arzt legt dann ganz individuell die Art der Medikation und die Dosierung fest. Die antipsychotische Wirkung der Medikamente setzt jedoch erst nach zwei bis drei Wochen ein. Es wird kontrovers diskutiert, ob die Neuroleptika sich direkt auf die Wahngedanken auswirken oder der Patient durch deren generelle Abstumpfung der Gehirnfunktionen das intellektuelle Interesse an seinen Wahnideen verliert.
Einige der Medikamente haben starke Nebenwirkungen wie z.B. Muskellähmungen, Muskelkrämpfe oder Muskelzuckungen, Mundtrockenheit oder sie wirken sehr stark sedierend oder sie erzeugen Ängste. Es gehört zu einer ordentlichen Behandlung, diese Nebenwirkungen schon im Vorfeld mit dem Patienten abzuklären, damit er sich keine falschen Erklärungen dazu zurechtlegt.
Auch die neueren sogenannten „atypischen“ Neuroleptika - z.B. Risperidon (Risperdal ®), Olanzapin (Zyprexa ®), Quetiapin (Seroquel ®), Amisulprid (Solian ®), Ziprasidon (Zeldox ®), Zotepin (Nipolept ®) oder Aripiprazol (Abilify ®) - bewirken keine Wunder, obwohl die Pharmaindustrie sie gerne als Wundermittel bewirbt. Fast nebenwirkungsfrei und trotzdem gut wirksam erweisen sich erstaunlicherweise die klassischen Medikamente Leponex, Perazin oder Fluanxol.
Bei einer schizoaffektiven Erkrankung greift man eventuell zusätzlich noch auf einen Stimmungsstabilisatoren wie etwa Lithium zurück.
Ist die akute psychotische Phase überstanden, dann sollte man nur noch die niedrigstmögliche Erhaltungsdosis an Neuroleptika einnehmen, um einen Wiederausbruch der Psychose zu verhindern.
Es gibt auch Patienten, die ganz ohne Tabletten oder Depotspritzen auskommen.
Bei einem absoluten Absetzen der Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann eine Absetzpsychose eintreten.
Moderne Verfahren wie Green Horse oder Soteria verzichten ganz auf Zwang und setzen enn überhaupt dann nur auf niedrig dosierte Medikamente.

Die nötige Ruhe

Der akut psychotische Patient bedarf zusätzlich zu den Medikamenten auch der Ruhe. Eine möglichst gewohnte reizarme Umgebung, viel Schlaf und Vermeidung von unnötigem Informationsstress wirken wahre Wunder.
Ein Aufenthalt im Krankenhaus mit der ungewohnten Umgebung, fremden Menschen und neue Prozeduren stellt somit nur die zweite Wahl dar. Besser wäre es, man könnte zu Hause bleiben – darauf setzen Verfahren wie APP (Ambulant Psychiatrische Pflege). Die überforderten Angehörigen und das Unvermögen des Betroffenen, für sich selbst zu sorgen, machen den Aufenthalt in der Klinik dann doch nötig.
Verweilt der Patient länger in der Klinik, dann kann er an einer Beschäftigungstherapie und anderen Formen sozialen Trainings teilnehmen.

Wie geht es weiter nach dem Aufenthalt in der Klinik?

Wurde der Patient aus der Klinik entlassen, dann existiert die Möglichkeit des betreuten Wohnens und auf der anderen Seite die Möglichkeit der Tagesstrukturierung und/oder Rehabilitation in Tagesstätten und Zuverdienstfirmen. Die Möglichkeiten variieren von Ort zu Ort.

Wie kann das Umfeld in der akuten Phase helfen?

Eine Zwangseinweisung veranlassen

Verhält sich nun ein Mensch aus Ihrem Umgebung auffällig, und Sie hegen den Verdacht, es könne sich um eine psychische Störung handeln, dann sollten Sie sich verantwortlich fühlen und die Angelegenheit nicht unter den Tisch kehren. Der sich auffällig verhaltende Mensch ist sehr krank und bedarf dringend der professionellen ärztlichen Hilfe. Es geht nun darum, ihn dazu zu überreden, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Im Gespräch ist jedoch zu vermeiden, eventuelle psychische Störung zu benennen, weil der Kranke dies als Angriff oder Komplott gegen ihn missverstehen könnte. Hilfreicher ist es, sich über den oft auftretenden Erschöpfungszustand oder unbestimmte körperliche Beschwerden und Symptome, anzusprechen. Bieten Sie an, den Kranken als Vertrauensperson zum Spezialisten, einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, zu begleiten. Falls ein Arzttermin zustande kommt, dann schildern Sie dem Arzt ihre Beobachtungen des auffälligen Verhaltens und die Symptome. Auch dabei ist darauf zu achten, kein unnötiges Misstrauen zu schüren. Der Arzt wird dann entscheiden, wie zu verfahren ist.
Falls der kranke Mensch schon im Wahn sein sollte und für Argumente nicht mehr zugänglich ist, dann kann eine zwangsweise Einlieferung in eine Klinik unerlässlich sein. Schließlich weiß man ja nicht, was er sich oder anderen antut. In diesem Fall ist entweder ein Krankenwagen oder Notarzt oder die Polizei zu rufen. Auch der Sozialpsychiatrische Dienst kann in dieser Situation vermittelnd eingreifen. Dies ist ein sehr gewichtiger Schritt, den Ihnen niemand abnehmen würde. Seien Sie sich klar darüber, dass der Betroffene Ihnen eventuell im Nachhinein deswegen Vorwürfe machen wird, ihn seiner Rechte als freier Bürger dieses Landes beraubt zu haben. Aber es kann auch vorkommen, dass er Ihnen dankbar ist, weil Sie ihn vor Unheil bewahrt haben oder zumindest vor weiteren peinlichen Situationen.
Eine Zwangseinweisung kommt selbstredend nur in Frage, wenn der Betroffene Gefahr läuft, sich selbst oder andere zu gefährden. Liegt dafür kein Anhaltspunkt vor, dann besteht auch kein akuter Handlungsbedarf. Es ist anngesagt, geduldig das Vertrauen des Kranken zu gewinnen und dann zu versuchen, ihn davon zu überzeugen, sich in eine Behandlung zu begeben.

Hilfe nach der Entlassung

Wurde der Kranke wieder aus der Klinik entlassen, dann hilft ihm, am Besten die Hilfe zur Selbsthilfe. Der Betroffene muss wieder lernen, das alltägliche Leben zu meistern. Falls nötig, dann kann ihm geholfenw erden, eine eigene Wohnung zu finden. Dies trägt zur gesundheitlichen Stabilisierung bei und entlastet die eigene finanzielle Situation, falls der erkrankte Sohn oder die Tochter noch zu Hause wohnt. Das soll jedoch nicht heißen, dass Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter mit aller Macht aus dem Haus werfen sollen. Es kommt dabei mal wieder ganz auf die aktuelle Situation an.
Dem erkrankten Kind sollte man nicht ständig "auf den Wecker" gehen. Es kann hilfreich sein, eine geeignete Arbeitsstelle oder Lehrstelle oder zumindest eine Tagesstrukturierung zu vermitteln.
Gut tut dem Betroffenen ein Gefühl der Wärme sowie der Gelassenheit gegenüber der Situation. Überzogene Ansprüche oder ein gereiztes Klima begünstigen lediglich einen Rückfall.
Freunden Sie sich mit dem Gedanken an, dass die Krankheit einen chronischen Verlauf nehmen kann und damit eine bleibende Behinderung fortbesteht. In diesem Falle sollte man sich nicht entmutigen lassen durch die ständige Unsicherheit.
Beschaffen Sie sich Hilfe in Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Beide können davon nur profitieren – sowohl der Patient als auch der Angehörige.

Die Prognose

Jeder Dritte der von Schizophrenie betroffenen Bevölkerung erkrankt nur einmal im Leben daran und wird dann wieder vollständig gesund. Die Krankheit ist also nicht zwingend unheilbar.
Auch für das zweite Drittel der Betroffenen erleidet nur phasenweise Rückfälle (Rezidive). Dies kann alle zwei Jahre vorkommen. Genaue Vorhersagen sind nicht möglich - es können auch größere Zeitabstände bis zum nächsten Rezidiv vergehen. Trotz der Unsicherheit ist die Schizophrenie eine Krankheit, die sich mit entsprechender Medikation und Therapie gut in den Griff kriegen lässt.
Lediglich beim letzte Drittel der Betroffenen überwiegt der chronische Zustand und die Krankheitssymptome sind mehr oder weniger dauernd präsent.
Das Suizidrisiko ist für alle Erkrankten leider erhöht. Das liegt jedoch weniger an der Krankheit selbst als an der als bedrückend empfundenen gesellschaftlichen Isolierung, in der sich viele der Betroffene befinden.
Natürlich gibt es neben der Schizophrenie auch noch andere Krankheitsbilder, bei denen die Betroffenen verrückt werden und es zur Ausbildung von Wahnideen kommt. So zum Beispiel bei der chronischen Paranoia. Da fehlen dann die typischer Symptome einer Schizophrenie. Diese Fälle nehmen oft einen recht ungünstigen Verlauf, weil der Betroffene keine Behandlungseinsicht zeigt und der (teilweise nur subtile) Wahn schon Jahre andauert.
Noch vor 30 Jahren wurden die meisten schizophrenen Patienten noch in Irrenhäusern weggeschlossen. Dann war da noch die Nazizeit das dunkelste Kapitel deutscher Psychiatrie-Geschichte, als erbideologisch überzeugte Ärzte rechtlos gemachte, als lebensunwert eingestufte Kranke in den Anstalten mittels Giftspritzen oder durch Aushungern ermordeten.
Seitdem hat sich Gott sei Dank viel getan. Es sind inzwischen wirksame Medikamente verfügbar, die die Heilung begünstigen und dann hat sich die Psychiatrie der Gesellschaft gegenüber geöffnet. Es gibt Tagesstätten und betreute Wohnformen. Dem Betroffenen ist es heutzutage möglich, ein erfülltes und befriedigendes Leben zu führen. Lediglich bezüglich der finanziellen Situation der Betroffenen sieht es zumeist nicht gerade rosig aus. Ebenso könnte die berufliche Wiedereingliederung besser sein. Wer in unserer Zeit stellt auch gerne jemanden ein, für ein halbes Jahr an paranoider Schizophrenie erkrankt war und gerne einen Job hätte. Es genügt schon, das Wörtchen „ Psychose“ zu erwähnen, um als Bewerber prompt abgelehnt zu werden. In diesem Falle würde nur die Unwahrheit weiterhelfen.
Auf der Suche nach einem Lebenspartner sollte man jedoch nicht lügen, da es sehr wichtig ist, einen Partner zu finden, der Verständnis und Einfühlungsvermögen für diese schwierige Problematik zeigt und wirklich bereit ist, sich auf einen samt seiner Erkrankung einzulassen. Ist es schon für gesunde Singles eine Herausforderung, den richtigen Partner zu finden, so fällt dies den psychisch Kranken umso schwerer. Gemeinsame Interessen und ein ähnlicher persönlicher Hintergrund sind auf alle Fälle positiv als Grundstein für eine Beziehung.

Schizophrenie in der Öffentlichkeit

Es kann teilweise nicht ratsam sein, sich zu seiner Krankheit zu bekennen. So zum Beispiel bei der Nachbarschaft oder bei Suche nach einer Wohnugn oder einem Job. Dies ist ganz individuell zu handhaben. Auf jeden Fall fürchtet die breite Öffentlichkeit die Schizophrenie – sie verbreitet Furcht und Schrecken. Das hat zu tun mit dem der Erkrankung anhaftenden Mythos der Unheilbarkeit und der Unberechenbarkeit und zum anderen mit der Darstellung durch die Medien. In vielen Psychothrillern im Fernsehen mutieren Menschen zum mordlüsternen Verrückten. Und oft wird in den Nachrichten im Zusammenhang mit Schizophrenie nur Mord und Totschlag erwähnt. In Wirklichkeit sind das jedoch nur ganz seltene Fälle. Bei unvorhersehbaren Taten sind übrigens oft die nahestehenden Personen die Opfer. Wären überdies alle Schizophrenen Gewalttäter, würden die Sprechstunden der Psychiater nur unter Polizeischutz ablaufen. Die meisten Verbrechen werden auch nicht von schizophrenen Personen begangen. Und die meisten Schizophrenen werden auch nicht gewalttätig. Die Angst gegenüber dieser Krankheit ist also völlig unbegründet.
Doch besteht das öffentliche Stigma weiterhin. Schon der abwertende Gebrauch des Wortes „schizophren“ in sogenannten gebildeten Kreisen führt zur Verdammung von unschuldigen Kranken. Auch die medizinische Diagnose „schizophren“ schießt weit über das Ziel hinaus. Wirklich schizophren ist ein Patient nur im akuten Stadium des Wahns. Nach der Genesung ist er ein ganz normaler Mensch mit einer mehr oder weniger beeinträchtigenden Stoffwechselstörung. Es wäre also an der Zeit, ein neues Wort zu überlegen, um den normalen Zustand zu beschreiben.
In Amerika nennen sich die Patienten selbst „survivors“ - also „Überlebende“, in Deutschland heissen sie „Psychiatrie-Erfahrene“.
Das ständige Verstecken und Verheimlichen der Diagnose kann für den Betroffenen belastender als die eigentliche Krankheit. Auch die Angehörigen leiden unter dieser Situation. Welche Familie gesteht schon gerne ein, einen Schizophrenen in ihrer Mitte zu haben. Die Betroffenen werden also in eine soziale Isolation gezwungen. Hier kann nur permanente und forcierte Aufklärung weiterhelfen. Doch beschäftigt sich kaum jemand freiwillig ernsthaft mit einem solchen oft belächeltem oder abgelehnten Thema wie einer psychischen Krankheit, außer vielleicht im fernsehen in einer abwegigen Darstellung. Dabei kann jeder auf einen Schlag zum Betroffenen werden.

Quellen

Broschüre „Es ist normal, verschieden zu sein! Verständnis und Behandlung von Psychosen“
Pschyrembel
„Tagebuch einer Psychose“ von Bodo Bodenstein
http://www.medizinfo.de/kopfundseele/psychose/schsymptome.htm

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