Angriff auf die Designerdroge durch Schnelltest

Angriff auf die Designerdroge
Wirkungsvoll ist ein neuer Schnelltest zum Nachweis von Crystal Meth. Er nutzt geschickt die molekulare Schwachstelle der gefährlichen Droge aus.
05. Juli 2014

Rauschdroge Crystal Meth

Der Konsum von Designerdrogen hat erschreckend zugenommen. Der kürzlich vorgelegte Europäische Drogenbericht 2014 verzeichnet insbesondere bei Methamphetamin und verwandten synthetischen Drogen eine zunehmende Verbreitung. Das ist besorgniserregend, denn „Crystal Meth“, wie der Stoff in der Szene heißt, ist besonders gefährlich. Er macht rasch abhängig und zerstört die Gesundheit seiner Konsumenten besonders schnell und systematisch. Alle mit Methamphetamin verwandten Substanzen besitzen das gleiche atomare Grundgerüst, das sich durch Hinzufügen von Baugruppen leicht modifizieren lässt.
Auf diese Weise lassen sich immer wieder neue Varianten kreieren, deren stimulierende Wirkung fast unverändert bleibt, die sich aber nur schwer nachweisen lassen. Italienische Chemiker haben nun ein Nachweisverfahren entwickelt, das auf alle Varianten von Methamphetamin anspricht. Denn es beruht auf einer selektiven Erkennung einer besonderen Atomgruppe, die in sämtlichen Methamphetaminen anzutreffen ist. Dadurch lassen sich auch neu synthetisierte Varianten schnell aufspüren.

Ausschlag verrät die Droge
Es sind zwar eine ganze Reihe von Verfahren entwickelt worden, mit denen Methamphetamine in Urin, Blut, Abwasser und anderen Medien analysiert werden können. Viele davon sind recht zeitaufwändig oder erfordern spezielle Aufbereitungsschritte für die Proben. Schnelltests, wie sie bei Verkehrskontrollen verwendet werden, sprechen oft nur auf eine bestimmte Substanz an, so dass Designerdrogen mit leicht veränderter Struktur häufig unentdeckt bleiben. Mit dem Analyseverfahren, das Enrico Dalcanale, Paolo Bergese und ihre Kollegen von den Universitäten von Parma, Brescia und Catania nun entwickelt haben, lassen sich hingegen alle Varianten von Methamphetamin aufspüren.
Das Herzstück des Verfahrens ist die Abtastnadel eines Rasterkraftmikroskops. Sie wurde von Dalcanale und seinen Kollegen mit speziellen Rezeptoren ausgestattet, die auf eine Methylammoniumgruppe reagieren - also auf jene Atomgruppierung, die allen Methamphetaminen gemein ist. Die Rezeptoren haben eine konkave Form und können mit ihrem schalenförmigen Teil an eine Methylammoniumgruppe andocken und diese fest an sich binden. Dieser Vorgang löst eine leichte Auslenkung der Messnadel aus, die von dem Rasterkraftmikroskop registriert wird.

Robustes Testverfahren
Wie die Forscher in der Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten, haben das neue Analyseverfahren sowohl an Wasserproben getestet als auch an Speichel- oder Urinproben, die aus der Drogenszene stammten. Für den Nachweis genügt es, mit der Nadel des Rasterkraftmikroskops die Oberfläche einer Probe abzutasten. Typische Verunreinigungen oder Füllstoffe wie Zuckerbeimischungen stören nicht, da die molekulare Erkennung zwischen Rezeptor und Atomgruppierung äußerst selektiv ist. Auch auf Kokain, das eine strukturell verwandte Atomgruppe enthält, spricht das Verfahren an.

Laut dem Europäischen Drogenbericht 2014 sind Methamphetamine in Europa zunehmend verfügbar. Als Schwerpunkte der Herstellung gelten die baltischen Staaten und die Tschechische Republik, von wo die Substanzen nach Deutschland - vor allem Bayern und Sachsen - gelangen. Aktuelle Abwasseruntersuchungen in 42 verschiedenen europäischen Städten lassen Rückschlüsse auf den Drogenkonsum zu: In Dresden, so der Bericht, sind die Rückstände von Crystal Meth im Abwasser besonders hoch. Lediglich Prag und Budweis weisen noch höhere Werte auf.

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