Der Angriff der Todesdroge auf Berlin

Verfall im Zeitraffer: Crystal führt zu Ekzemen, Hirnschäden und Paranoia.

Der Angriff der Todesdroge auf Berlin

06. Juli 2014

Die Todesdroge löst einen geballten Glücksrausch aus. Doch diese Euphorie ist schnell vorbei: Crystal Meth macht die Süchtigen binnen Wochen zu Drogen-Zombies.

Mit dem beunruhigenden Fall des Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann hat der Stoff endgültig Berlin erreicht – und zugleich die „Elite“ der Stadt. Dealer bieten ihn längst nicht mehr nur im „Görli“ an.

Es war immer ein Gerücht, dass Crystal Meth eine reine Party-Droge ist. Manager, Mütter und Schichtarbeiter nehmen sie.
Wo Menschen viel Stress haben und leistungssteigernde Substanzen suchen, gibt es laut Hamburger Forschern auch Crystal Meth.
Dass jetzt ein Politiker aus dem Berliner Reichstag im Verdacht steht, verblüfft Experten nicht.
Im Herbst 2013 soll er den Stoff bei Silke C. (43) bestellt haben. Sie steht derzeit vor Gericht. Der Vorwurf: Dealen mit Crystal in einer Laubenkolonie in Schöneberg – für den in Berlin üblichen Preis (80 bis 120 Euro/Gramm). Silke C. droht damit, im Prozess über Kunden und Lieferanten auszupacken. Die Polizei war bei Ermittlungen gegen eine Albaner-Bande auf C. gestoßen.

Fahndern ging zuletzt Ex-Hool1 Christopher R. (39) aus Erkner ins Netz. Er ist berüchtigt, seit er bei der WM 1998 mit Komplizen den französischen Gendarmen Daniel Nivel ins Koma trat.
Jetzt nahm ihn die Polizei fest, weil er offenbar eine Crystal-Küche in Berlin plante. Dort und in Kleinmachnow wurden bei Razzien die Zutaten entdeckt – vier Liter Amphetaminbase, über 100 Kilo Apaan und 180 Gramm Koks aus Holland und Tschechien.
Im osteuropäischen Nachbar-Land gibt es die meisten Crystal-Labore, ganz leicht ist es dort auf „Asia-Märkten“ zu bekommen.

Hierzulande boomte die Droge laut BKA deshalb lange vor allem im Grenzgebiet – in Sachsen, Thüringen, Bayern. Bundesweit wurden 2013 schon 77 Kilo der Teufelsdroge sichergestellt.
Das Berliner LKA spürte im Januar 2014 rund 280 Gramm bei einer Serie von Großrazzien auf. Der Marktwert: knapp 20.000 Euro.

Die Fälle häufen sich: 2014 registrierte die Polizei bisher 40 Crystal-Funde.

Viele Abhängige, deren Gesamtzahl noch unbekannt ist, steigen von anderen Drogen auf Crystal Meth um: „Reine Meth-Abhängige sind selten“, sagt Stefan Wiedemann von der Sucht-Beratung Misfit.
Wegen der bekannten Risiken des Rauschgifts erwartet er zwar keinen regelrechten „Crystal-Boom“. Er sagt allerdings auch: „Berlin ist eine experimentierfreudige Stadt.“
Nach KURIER-Infos gibt es Berliner Dealer der schickeren Sorte, die Crystal und Koks auf Telefon-Bestellung zum zahlenden Kunden fahren.
Die Hauptstadt sollte wohl künftig berücksichtigt werden, wenn Forscher wieder Crystal-Reste im Abwasser von EU-Städten vergleichen.
Im Juni lag Dresden nur knapp hinter tschechischen Städten.

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Mehr zu Christopher R.

  • 1. ehemaliger Hooligan (engl. „Schlägertypen“, „Raufbolde“, „Rabauken“) Hooligans sind im deutschen Sprachgebrauch Personen, die vor allem im Rahmen bestimmter Sportereignisse wie etwa bei Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffallen

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