BREDSTEDTER GRUPPENTHERAPIE: Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto

BREDSTEDTER GRUPPENTHERAPIE: Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto

10. Juni 2014

In den Fachkliniken Nordfriesland lehrt Gruppenleiter Hauke Berkenkamp Betroffene, ohne Therapeuten ihrer Sucht zu begegnen. Die Gruppensitzungen kosten kein Geld und sind nicht zeitlich begrenzt. Über allem steht zudem das Gebot der absoluten Verschwiegenheit.

Seit September vergangenen Jahres gibt es in Bredstedt die Selbsthilfegruppe „Leuchtturm“. Willkommen sind alle Menschen, egal mit welcher Sucht sie zu kämpfen haben. Mit Unterstützung von Freunden leitet der Bredstedter Hauke Berkenkamp die Gruppe. Freitagabends von 19 bis 21 Uhr treffen sich Betroffene zum Gruppenabend in den Räumen der Fachkliniken Bredstedt (Akut-Station, 2. Obergeschoss) im Krankenhausweg 3. „Die Fachkliniken Nordfriesland haben uns dankenswerterweise Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Es besteht ein guter Kontakt zu Mitarbeitern und Patienten der Akutstation. Trotzdem sind wir eine unabhängige und nicht von Ärzten oder Therapeuten begleitete Selbsthilfegruppe“, betont Berkenkamp.
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Für Betroffene ist es sehr wichtig, dass sie nach einer Entgiftung oder Therapie mit ihren Problemen nicht allein dastehen. Das gilt auch diejenigen, die noch keinerlei Hilfe in Anspruch genommen haben. Es gibt zwar Hilfsangebote, die den Übergang von der Therapie oder Entgiftung in das abstinente Leben erleichtern und von den meisten Kostenträgern auch finanziert werden, nur sind sie fast alle zeitlich begrenzt. Hier greifen die Selbsthilfegruppen. Die Gruppen kosten kein Geld, nur etwas Zeit.
„Unsere Selbsthilfegruppe besteht ausschließlich aus Betroffenen. Alle Teilnehmer sind suchtkrank“, erläutert Berkenkamp. Jeder weiß also, wovon der andere spricht, wenn er von seinen Problemen erzählt. Dabei geht es oft um Dinge, die nur ein Betroffener verstehen kann. Unverblümt und offen wird über alles geredet. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das Motto. „Wir sind keine „Kuschelrunde“, sondern es werden aktuelle, den einzelnen betreffende Probleme bearbeitet. Jeder hat die Möglichkeit, seine Sucht zu reflektieren und zu lernen, aus eigener Kraft mit seiner Krankheit umzugehen“, so der Gruppenleiter. Über allem steht das Gebot der absoluten Verschwiegenheit, auf das vor Beginn jeder Runde hingewiesen wird.
„Ich bin seit 18 Jahren alkoholkrank und längst trocken“, erzählt ein Teilnehmer. Doch Rückfälle habe es immer wieder gegeben. In so einem Moment sei die Gruppe zum großen Segen geworden. „Man ist nicht allein, wird verstanden und aufgebaut“, fasst der 43-Jährige zusammen. „Ich habe gelernt, meine Krankheit zu akzeptieren und offen damit umzugehen. Das konnte ich nur in der Selbsthilfegruppe lernen“, ergänzt der Betroffene weiter. Alles habe mit dem Trinken relativ harmlos angefangen. Er habe sehr viel Stress im Beruf. Irgendwann seien aus einem Feierabendbier mehrere geworden – mit Schnäpschen zwischendurch. „Ich fühlte mich gut danach, leicht und beschwingt “, beschreibt er seine Gefühle. Schnell habe ihm sein Gehirn suggeriert, dass er Alkohol zum Stressabbau benötige. Die Mengen wurden größer. Genau da liege nach seiner Meinung das Problem vieler Menschen. Sie werden immer mehr im Berufsleben gefordert. Es fehlt oft der Ausgleich. Zur Flasche zu greifen sei dann ein Leichtes. Die Werbung trage zur Verharmlosung bei. „Alkohol ist zur Volkskrankheit geworden. Sie darf nicht zum Tabuthema werden“, so seine Überzeugung. Mittlerweile könne er offen in Gaststätten bekennen, dass er keinen Alkohol mehr trinke. Dafür brächten ihm die meisten sogar Hochachtung entgegen.
„Ich erfahre viel über mich selbst und lerne, gelassener zu leben“, so ein weiterer Teilnehmer seine Motivation, die Gruppenabende aufzusuchen. Durch seine Alkoholexzesse habe er erst seine Familie und schließlich auch die Arbeitsstelle verloren. Er sei nun trocken, habe aber auch schon Rückfälle erlebt. Er könne nur jedem Betroffenen raten, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Informationen bei Hauke Berkenkamp unter 04671/927792.

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