Gesundheitliche Zusammenhänge des Konsums von Alkohol

Gesundheitliche Zusammenhänge

Alkoholkonsum hat eine Reihe von Wirkungen, die von vielen Konsumenten sehr erwünscht sind, in erster Linie Entspannung und Enthemmung. Diesen steht allerdings bei Dauerkonsum größerer Alkoholmengen eine Vielzahl unerwünschter Wirkungen gegenüber.

Nach epidemiologischen Studien, deren Ergebnisse häufig etwas variieren, liegt der präventive Benefit alkoholischer Getränke bei etwa einem Achtel Wein pro Tag für Frauen und bei zwei bis drei Achtel bei Männern. Bei regelmäßigem und sich über einen langen Zeitraum erstreckendem Alkoholkonsum, der über der Gefährdungsgrenze von 40 bzw. 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag liegt, ist damit zu rechnen, dass es mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einer ernsten alkoholbedingten Schädigung des Organismus kommt.

a. Körperliche Schäden durch Alkohol [1]
Einerseits ist der Alkohol selbst schädlich, andererseits sind auch die Abbauprodukte des Alkohols, wie das Acetaldehyd und das Formaldehyd, toxisch für unseren Körper.
Zu den kurzfristigen unerwünschten Wirkungen zählen Kontrollverlust, „Filmriss“ und Alkoholkater. Alkohol kann eine Reihe schwerer Folgeerkrankungen in Leber, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse, Herz, Niere, Skelettmuskulatur, sowie zentralem und peripherem Nervensystem verursachen. Weiters schädigt Alkohol das ungeborene Kind und stellt einen Risikofaktor für zahlreiche Krebserkrankungen dar. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist aus diesen Gründen um viele Jahre verkürzt.

Diese körperliche Schädigung muss aber nicht notwendigerweise mit einer körperlichen Abhängigkeit einhergehen.

Vergegenwärtigt man sich den Weg des Alkohols durch den menschlichen Körper, so kann er auf diesem Weg eine Reihe von Organen ernsthaft beeinträchtigen:
Weil Alkohol über die Leber abgebaut wird, kann diese durch übermäßigen Alkoholkonsum besonders geschädigt werden. Das frühe Stadium alkoholbedingter Lebererkrankungen ist die alkoholbedingte Fettleber: Nicht abgebautes Fett lagert sich in der Leber an und führt allmählich zur Alkoholfettleber. Bei Alkoholverzicht können sich diese Veränderungen zurückbilden. Die Alkohol-Hepatitis entsteht, wenn eine bestehende Fettleber durch massiven Alkoholkonsum weiter belastet wird. Die alkoholbedingte Leberzirrhose schließlich kann, besonders im Frühstadium, ohne spürbare Beschwerden verlaufen, sie führt aber zu irreversiblen Veränderungen des Lebergewebes.
Alkohol-Dauerkonsum schädigt das Herz und die Gefäße, u.a. durch Bluthochdruck und erhöhte Triglycerid-Werte. In der Folge kommt es u.a. zu einem erhöhten Schlaganfall-Risiko. Nicht zuletzt hat Alkohol viele Kalorien, die sich als Übergewicht auswirken und damit einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen.
Dauerhafter Alkoholkonsum in größeren Mengen schwächt das Immunsystem. Verantwortlich dafür ist die Wirkung des Alkohols, gemeinsam mit dem gesteigerten Verlust von Vitaminen und Spurenelementen (z.B. Kalium, Vitamin B-Komplex), die mit dem Alkoholkonsum einhergehen.
Eine weitere Spätfolge ist die Schädigung der Gehirnzellen und der peripheren Nerven.
Chronisch übermäßiger Alkoholkonsums kann schließlich zu eine schweren Störung der Sexualhormone führen. Das bedeutet bei Männern eine verminderte Testosteron-Produktion und ein Schrumpfen der Hoden, mit den Konsequenzen Libidoverlust und Impotenz. Bei Frauen führt bereits mäßiger Alkoholkonsum zu einer Erhöhung der Östrogenwerte: das kann einerseits das Herzinfarkt-Risiko verringern, doch andererseits das Brustkrebs-Risiko erhöhen.

b. Alkohol – positive Auswirkungen auf die Gesundheit
Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen hat gezeigt, dass Alkohol und auch bestimmte Inhaltsstoffe in Wein und Bier wie z. B. Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente und vor allem die pflanzlichen Substanzen, allen voran die Polyphenole, eine Vielzahl von günstigen Eigenschaften besitzen. Unter anderem als so genannte „Radikalfänger“. Diese wirken antioxydativ, entzündungshemmend und antikanzerogen und nicht zuletzt kommt ihnen ein gewisser Schutz vor Osteoporose und Arteriosklerose zu. [2]

Voraussetzung, um diese positiven Effekte zu entfalten, ist allerdings ein maßvoller und verantwortungsbewusster Umgang mit alkoholischen Getränken wesentlich und, dass die Harmlosigkeitsgrenze nicht überschritten wird.

Eines steht fest: Menschen, die keinen Alkohol trinken, sollen aus gesundheitlichen Gründen auch nicht damit beginnen! Dies empfiehlt auch die WHO.

c. Komorbidität – Eine Sucht kommt nie alleine
Der Begriff Komorbidität bezeichnet das überzufällig gemeinsame Auftreten zweier Störungen. Kommt es nicht zu einer gleichzeitigen Behandlung der Suchterkrankung und der psychiatrischen Komorbidität, ist ein Rückfall weitgehend vorprogrammiert, da einerseits die Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit zumeist ein Sucht-Rezidiv auslöst und umgekehrt der Suchtmittelkonsum die psychische Konstitution langfristig negativ beeinflusst.

Eine Alkoholabhängigkeit tritt praktisch nie allein in Erscheinung. So weisen bis zu 75% der Frauen und 53% der Männer, die sich in stationärer Behandlung befinden, zumindest eine komorbide Störung auf – viele davon haben zwei oder auch mehrere zusätzliche psychische Erkrankungen.

Die Komorbidität von Alkoholkrankheit und Depression ist sehr häufig. Bei Rund einem Drittel der Alkoholkranken findet man im Laufe ihres Lebens die Kriterien einer Angststörung, noch höher ist der Prozentsatz bei depressiven Erkrankungen. Beide Erkrankungen, Alkoholabhängigkeit und Depression bzw. Angststörung, stellen im Krankheitsverlauf ein signifikantes Risiko für die Weiterentwicklung der jeweils anderen Krankheit dar und bedingen sich gegenseitig für den weiteren, oft chronischen Krankheitsverlauf. Auch andere Formen psychischen Krankseins, wie z.B. Zwangsstörungen, schizophrene Psychosen, Hypomanie und Manie, Persönlichkeitsstörungen und somatoforme Störungen bis hin zu Psychotraumen und ausgeprägten psychosozialen Störungen treten als integrative und konstituierende Faktoren der Sucht häufig gemeinsam mit der Alkoholkrankheit auf.

Alkoholkranke weisen eine überaus hohe Suizidalitätsrate (bis zu 35% der Alkoholkranken) auf, und es zeigt sich auch eine enge Verbindung mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen. So finden sich bei ihnen bis zu 50% Merkmale einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beziehungsweise antisoziale Persönlichkeitsstörungen.

[3]

Besonders hoch ist die Komorbidität auch mit anderen Formen von Abhängigkeits-erkrankungen, wie Nikotinabhängigkeit (bis zu 85%) und Medikamentenmissbrauch (bis zu 40%).
Die enge Verbindung der Alkohol- oder Drogenabhängigkeit tritt oft als kombinierte Störung auf, geht aber noch häufiger mit einem abhängigen und starken Tabakkonsum einher.

Bei rauchenden alkoholkranken Personen sind die konsumierten Alkoholmengen und die Trinkhäufigkeiten deutlich höher als bei nichtrauchenden Alkoholkranken.
Nikotinabhängige haben ein 2,7-mal höheres Risiko, alkoholabhängig zu werden, als NichtraucherInnen.[4]

In jedem Fall müssen Komorbiditäten, die durch den Alkoholkonsum verursacht wurden, diagnostiziert und therapiert werden.[5]

d. Alkoholassoziierte Todesursachen [6]
Die Lebenserwartung von alkoholkranken Frauen ist um durchschnittlich 20 Jahre, die von alkoholkranken Männern um 17 Jahre reduziert. [7]

Pro Jahr sterben in Österreich etwa 80.000 Menschen, 10 Prozent davon an den Folgen des Alkoholkonsums.
Etwa 1.800 Mal pro Jahr werden chronische Leberkrankheit oder Leberzirrhose als Todesursache angegeben; bei Männern tritt dies etwa dreimal so häufig auf wie bei Frauen. In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Sterblichkeit an Leberzirrhose bundesweit zwar stark zurückgegangen (um 34% gegenüber 1978/84), dennoch bleiben die Leberzirrhose und der ihr zugrunde liegende problematische Alkoholkonsum ein ernstes Gesundheitsproblem.
An einer Alkoholvergiftung sterben in Österreich jedes Jahr rund 100 Personen. Diese sind als „Alkoholtote im engsten Sinne“ zu bezeichnen

[1] nach Prof. Bernhard Ludvik, Wien, Juli 2012
[2] vgl. Prof. Sepp Leodolter, Juli 2012
[3] nach Prof. Michael Musalek: Pressemappe zu einer Pressekonferenz des Anton Proksch Instituts, 28.01.2008
[4] Vgl. http://www.api.or.at/typo3/startseite/information/tabakabhaengigkeit/alk...
[5] nach Musalek, Michael/Mader, Roland: Alkoholabhängigkeit; ÖÄZ 6/2021, 25. März 2012; S. 37.
[6] Quelle: http://www.praevention.at/seiten/index.php/nav.152/view.156/level.4/
[7] nach Musalek, Michael/Mader, Roland: Alkoholabhängigkeit; ÖÄZ 6/2021, 25. März 2012; S. 30.

Mehr dazu

Kommende Termine

Benutzeranmeldung