Rostock: "In-Gang-Setzer" gesucht

Rostock: "In-Gang-Setzer" gesucht
Sinnvoller Import aus Dänemark: Ehrenamtliche Nichtbetroffene begleiten neue Selbsthilfegruppen bei ihren ersten Schritten. Karsten Zöllick ist einer von ihnen.

"Das kam für mich wie gerufen", sagt Karsten Zöllick. "Ich wollte unter Menschen. Ich wollte was bewegen. Und ich wollte etwas Gutes tun." Als er in der Zeitung den Aufruf las, dass "In-Gang-Setzer" gesucht würden, griff der gelernte Elektromechaniker kurzerhand zum Telefon und rief bei Ute Kammler an.

Sie leitet die Selbsthilfekontaktstelle Rostock und erklärt, was ein In-Gang-Setzer macht: "Er begleitet neue Selbsthilfegruppen bei den ersten Zusammenkünften, ordnet die Kommunikation und verhindert die schlimmsten Fehler." Ncht selten würden bei den ersten Treffen einer neuen Selbsthilfegruppe Dinge passieren, die sich wenig später als hinderlich für eine Zusammenarbeit erweisen. "Zum Beispiel, dass die Initiatoren die Aufgaben nicht delegieren", sagt Ute Kammler. "Oder dass sie von den Mitgliedern zu viel Engagement erwarten."

Da sei es gut, wenn jemand dabei sitze, der vom Sachproblem der Selbsthilfegruppe nicht betroffen sei und genügend Distanz mitbringe, um die Dynamik in einer solchen neuen Gruppe von außen betrachten und Ratschläge geben zu können. "Das lernen die In-Gang-Setzer bei Schulungen", erläutert Ute Kammler. "Das Konzept kam vor einigen Jahren aus Dänemark und bewährt sich inzwischen auch in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern. Aber neue In-Gang-Setzer suchen wir immer."

Was ist ein "In-Gang-Setzer"?
Männer oder Frauen, jung oder alt – all das sei egal. "Sie sollten sich in Gruppen wohlfühlen, kommunikativ sein und zuhören können", beschreibt Ute Kammler die Anforderungen an einen In-Gang-Setzer. In einem Kurs von 40 Stunden lernen die Kandidaten, wie die Psychologie einer Gruppe funktioniert und was man tun kann, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt. "Es sind ja oft schwere gesundheitliche Probleme, die eine solche Selbsthilfegruppe zusammenführen", sagt Karsten Zöllick. "Man muss auch daran denken, dass manchmal die Initiatoren gesundheitlich nicht in der Lage sind, weiterzumachen. Dann muss es jemanden geben, der den Staffelstab aufnimmt und weitermacht."

Welche positive Kraft eine Selbsthilfegruppe entwickeln kann, hat Karsten Zöllick selbst erfahren. "Die Gruppe hat mir neue Kraft gegeben und mir sehr geholfen", sagt er, schweigt und lächelt dann. "Wenn man sich nicht mehr selbst helfen kann, dann kann man sich immer noch gegenseitig helfen. Diese Selbsthilfe-Erfahrung kann man als In-Gang-Setzer weitergeben."

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