Die Menschen sind nicht verrückt

"Die Menschen sind nicht verrückt"

Leere Gänge, Schreie hinter Türen und flackernde Lichter. So stellen sich viele Menschen eine Psychiatrie vor. Doch wie geht es in den Nervenkliniken wirklich zu? Eva Semper*, eine Psychologin und Ärztin aus Baden-Württemberg, klärt auf: "Früher wurden die Menschen alle gleich behandelt. Sie wurden in die Kategorie "verrückt" gewiesen. Doch das ist nicht mehr so. Die Menschen sind nicht verrückt. Sie bedürfen einer Behandlung und müssen mit Würde und Respekt behandelt werden."

"Reiner Egoismus führt zu nichts", sagt die Ärztin. Und damit meint sie unter anderem, dass sich in so einer Klinik weder Arzt noch Patient egoistisch verhalten darf. Denn wenn man nur an sich selbst denkt, hat man keine Chance, mit anderen zu arbeiten. Im Laufe der Zeit haben sich auch die Therapiearten geändert. Die Patienten dürfen mit Ton, Speckstein, Holz oder Farben arbeiten, um sich dadurch auszudrücken.

Es gibt natürlich auch immer mal kuriose Erlebnisse mit den Patienten. "Einmal wurde ich in die Ambulanz gerufen, da dort eine Patientin auftauchte. Also ging ich runter in den Aufenthaltsraum, in dem der Architekt der Klinik auf einem Stuhl in der Ecke saß. Vor ihm kniete die Patientin und versuchte ihm einzureden, dass sie das fünfte Element sei. Sie sagte dazu auch noch, dass sie ihn und den Rest der Welt retten werde. Als ich ihn von der Patientin wegbrachte, war er sehr erleichtert.", erzählte die Medizinerin.

An ihrem Job möchte sie jedoch eines ändern: Die Nervenheilanstalt raus aus der Klinik schaffen. "Die Patienten sollen auf einem Bauernhof leben. In einer Gemeinschaft, in der jeder seine Aufgaben hat. Jeder der Patienten bräuchte ein eigenes Tier, um das er sich kümmern muss. Ich finde, hier in der Klinik haben sie zu viel Freizeit. Auf einem Bauernhof würden sie Verantwortung lernen und würden auf diese Art und Weise wieder ihren Weg ins Leben zurück finden. Das Leben soll Spaß machen!"

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