Suchtberatungsstellen arbeiten am Limit

02. Juni 2014

Berlin / Brandenburg

Suchtberatungsstellen arbeiten am Limit
Immer mehr junge Menschen, die Partydrogen nehmen, suchen bei den Behörden Hilfe
Drogen sind im Berliner Nachtleben keine Seltenheit: Die Suchtberatungsstellen der Stadt sind ausgelastet. Die Modedroge Crystal Meth könnte das Problem verschärfen.

Konsumenten von Partydrogen suchen nach Einschätzung der Berliner Drogenbeauftragten vermehrt Hilfe in Suchtberatungsstellen. »In den vergangenen beiden Jahren hat die Zahl der Klienten um mehr als 20 Prozent zugenommen«, sagte Christine Köhler-Azara. »Die Beratungsstellen arbeiten damit am Limit.«
Besonders häufig würden im Berliner Nachtleben Aufputschmittel wie Amphetamine, aber auch Kokain, Ecstasy oder Cannabis eingenommen. Die Modedroge Crystal Meth ist bisher kaum in Berlin verbreitet. »Der Stoff ist hier noch sehr teuer und spielt allenfalls in bestimmten Milieus eine Rolle«, sagte Köhler-Azara. Sollte sich der Konsum entgegen aller Bemühungen bei der Prävention in Berlin ausweiten, sieht sie die Suchtberatung vor Problemen: »Dann wird es eng.«
Experten schätzen Crystal als eine der gefährlichsten illegalen Drogen: Es macht schnell abhängig und kann Psychosen ebenso wie Hirnschäden hervorrufen. »Crystal hat in Berlin noch den Status des Besonderen«, meinte Stephan de Reese von der Abteilung Rauschgiftdelikte beim Berliner Landeskriminalamt (LKA). Ein Gramm koste in der Hauptstadt im Schnitt doppelt so viel wie in der tschechisch-deutschen Grenzregion. Wer Crystal konsumiere, strebe vor allem Leistungs- und Luststeigerung an.
Mehr Leistung zu erbringen ist auch im Nachtleben gefragt, hieß es bei der Fachstelle für Suchtprävention: Mitarbeiter mischen sich deshalb mit blauen Perücken unter Partygänger und sprechen diese auf Konsumerfahrungen und Risiken der Aufputschmittel an.
Rund vier Millionen Euro standen 2013 für Beratungsstellen, Kontaktangebote und Drogenkonsumräume zur Verfügung - gerade genug, wie Köhler-Azara sagte. Gleichzeitig habe der Aufwand zugenommen: Etwa wurde die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt verstärkt, um Kinder aus suchtbelasteten Familien besser zu versorgen.
Ausgebaut wurde auch das Angebot für Cannabis-Konsumenten, die weniger oder gar nicht mehr kiffen wollen. »Wir dürfen jetzt in unseren Anstrengungen nicht nachlassen«, sagte Köhler-Azara. Sonst laufe Berlin Gefahr, Präventionserfolge wie den moderaten Rückgang beim Cannabis-Konsum Jugendlicher wieder zu verspielen.
Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 77 Kilogramm Crystal sichergestellt worden - so viel wie nie zuvor. Verbreitet ist es bislang vor allem im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Der erste Crystal-Fund in Berlin stammt laut Landeskriminalamt aus dem Jahr 2006. Seitdem steigen die Zahlen. Die in der Hauptstadt gefundenen Mengen sind jedoch im Vergleich zum Grenzgebiet gering: 2014 wurde Crystal in knapp 40 Fällen sichergestellt - insgesamt weniger als ein halbes Kilogramm. Die Preise für Crystal liegen in Berlin im Schnitt pro Gramm bei 80 bis 120 Euro, es ist damit etwa doppelt so teuer wie Kokain. Seit 2014 wird die synthetische Droge in den polizeilichen Statistiken erstmals gesondert erfasst.

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