Ergreifende Lesung

Ergreifende Lesung

Margareta Mirwald war am 09. Mai 2014 in Iserlohn in die Erlöserkirche gekommen, um aus ihrem Buch„Woher kommst du, dass du meinen Namen weißt“ zu lesen.

Iserlohn. Die Selbsthilfegruppe „Angehörige um Suizid“ hatte anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens die österreichische Autorin Margareta Mirwald zur Lesung in die Erlöserkirche eingeladen.
„Vor elf Jahren war mein Leben noch in Ordnung“, begann Margareta Mirwald, die auf Einladung der Selbsthilfegruppe „Angehörige um Suizid“ in der Erlöserkirche aus ihrem Buch „Woher kommst du, dass du meinen Namen weißt“ las. Darin verarbeitete sie den Freitod ihres Sohnes Lukas als szenische Erzählung zu den Grundthemen Leben, Liebe und Tod.

Starke Bilder
Den Tag der Lesung habe sie als Fügung verstanden. Es war mucksmäuschenstill in der Erlöserkirche, als die österreichische Autorin mit ruhiger Stimme ihre Textpassagen, mit denen sie starke Bilder für Sehnsucht, Hilflosigkeit und Trauer in Worte kleidete, vortrug. Sie waren sehr berührend und ergreifend.

Margareta Mirwald lässt in dem Buch ihren Sohn sprechen, der sich lange vor seinem Tod in eine andere Welt begeben hat, „einem stillen Ruf folgend. Es ist ohne Bedeutung, ob man diese Verabschiedung Depression, Schizophrenie, Demenz oder wie sonst nennt. Man dünnt sich von innen her aus, wird verletzlicher und gleichzeitig sehniger.“
Dass eine Mutter über den Suizid ihres Sohnes schreibt, ist in ihrem Umfeld als skandalös empfunden worden, erzählt sie. Das Thema Freitod sei ein Tabu in Österreich, um so mehr habe sie sich gefreut, dass gleich zwei Verlage ihr Buch herausbringen wollten. In Frankreich und Deutschland spricht man über dieses Thema, und „das ist gut so“, sagte die Autorin. „Es ist wichtig, dass wir aus dem Tabubereich herauskommen.“
Als Blickfang zur Lesung diente ein Bild, das Monika Fischer aus Hemer nach dem Tod ihres Sohnes gemalt hatte. Es war auch Titelbild eines Flyers der heimischen Selbsthilfegruppe „Angehörige um Suizid“, der Monika Fischer angehört. Die Gruppe beging ihr zehnjährige Bestehen mit der Lesung und einem Gottesdienst in der Erlöserkirche, bei dem sich die Angehörigen mit Texten und Musik vorstellten. Seit ihrer Gründung konnte die Gruppe mehr als 100 Rat und Hilfe suchenden Angehörigen beistehen, erklärte Leiterin Beate Assmann.

Margareta Mirwald berichtete von der Freundschaft zu ihr und dass es wohltue, wenn sie in diesem Rahmen unter anderen ähnlich Betroffenen ohne Angst über dieses Thema sprechen könne. Denn es war offensichtlich, dass Menschen gekommen waren, die ähnlich schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben.

Aufgeschlossener Pfarrer
Seit vier Jahren trifft sich die Iserlohner Selbsthilfegruppe alle zwei Wochen im Gemeindehaus an der Erlöserkirche. In Pfarrer Dr. Gottfried Abrath fanden sie einen Geistlichen, der dieser Thematik und den damit verbundenen Schicksalen sehr aufgeschlossen ist, erklärte Beate Assmann. Das war auch daran zu erkennen, dass sich der Pfarrer nach der Lesung kurz zur Autorin setzte und sie ohne Worte herzte. Danach herrschte lange Zeit Stille, bis die bewegten Zuhörer aufbrachen.

Mehr dazu
Woher kommst du, dass du meinen Namen weißt. Szenarische Erzählung zu Leben, Liebe und Tod (Amazon)

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