Drogen sind auch ein Thema im Klinikum

Drogen sind auch ein Thema im Klinikum

Selb/Marktredwitz - Zu einer besonderen Art der innerbetrieblichen Fortbildung hat das Klinikum Fichtelgebirge seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen. Laut einer Pressemitteilung sprach Kriminalkommissar Thomas Schmalfuß vom Rauschgiftkommissariat Hof über neue synthetische Drogen und allgemeine Drogenprävention.
Das öffentliche Augenmerk in der Region richte sich meist auf den Konsum von Crystal Meth (Wirkstoff Methamphetamin). Das Drogenproblem, so der Referent, sei aber ein gesellschaftliches Phänomen. Süchtig könne man auch nach sozialen Netzwerken oder dem Handy sein, ganz abgesehen von den legalen Drogen: So gebe es in Deutschland über drei Millionen Alkohol-, über zehn Millionen Nikotin- und circa 1,3 Millionen Medikamentenabhängige.
Dennoch würden natürlich die illegalen Drogen, davon vor allem die neuen, synthetischen Substanzen, Polizei und Gesetzgeber viel mehr herausfordern. Ecstasy, vor Jahren aktuell, müsse man im Grenzbereich zu den Halluzinogenen ansiedeln, während Crystal Meth beziehungsweise Crystal Speed reine Aufputschmittel seien. Erschreckend sei, dass heute Drogen genommen würden, um den Ansprüchen der modernen Leistungsgesellschaft gerecht zu werden", konstatiert der Kommissar, der in seiner Drogenkartei Manager, ehrgeizige Studenten und überforderte Mütter hat. "Es wurden sogar junge Frauen erwischt, die Crystal in der Windel ihrer Babys versteckt haben."
Dabei ist die Substanz selbst nicht neu: Während des Zweiten Weltkriegs sei Methamphetamin systematisch an die deutschen Soldaten verteilt worden, um sie wach zu halten und ihre Risikobereitschaft zu erhöhen. Unter dem Namen "Pervitin" habe man es von 1938 bis 1941 rezeptfrei in jeder Apotheke bekommen. "Pervitin" gebe es immer noch: Auf den Vietnamesenmärkten in Tschechien werde es unter diesem Namen an tschechische Kunden verkauft; Crystal, mit einem höheren Wirkstoffgehalt, an deutsche.
"Crystal versetzet den Körper in Alarmbereitschaft und macht den Konsumenten zunächst euphorisch, sexuell aktiver und allgemein leistungsfähiger", so Schmalfuß. Die Kehrseite seien Halluzinationen, Panikattacken, Aggressivität, körperlicher Verfall. "Crystal frisst regelrecht Löcher ins Gehirn". Bereits beim zweiten Konsum werde man abhängig. Weil Crystal relativ "preiswert" zu haben sei und wegen der unterschiedlichen Gesetzgebung und Strafverfolgung in Tschechien und Deutschland verschärfe sich das Problem immer mehr.
Der Kommissar ging auch auf die "Legal Highs" ein, als "Kräutermischung" oder "Badesalz" in über 700 Online-Shops im Angebot. Diese Drogen hätten ausschließlich synthetische Inhaltstoffe und seien mit dem Hinweis "nicht zum Verzehr geeignet" versehen. Von den einschlägigen Kunden würden diese Substanzen geraucht, geschnieft oder gespritzt. Sie seien berüchtigt, Wahnvorstellungen, den Drang zu Selbstverletzungen und Kontrollverlust hervorzurufen. Die gesundheitlichen Folgen seien bei diesen angeblich "legalen" Drogen genauso wenig absehbar wie bei allen anderen, verbotenen Substanzen auch. Was viele nicht wüssten: "Ein Joint heute ist fünfmal stärker als einer in den 70er- Jahren war."

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