Rauschgiftkriminalität hat sich in Thüringen in fünf Jahren verdoppelt

Rauschgiftkriminalität hat sich in Thüringen in fünf Jahren verdoppelt

Erfurt. Tatverdächtige und Drogen-Konsumenten in Erfurt sind meist junge Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren.

Allein der Dienstag vor einer Woche führte die Erfurter Polizei und zwei tatverdächtige Süchtige zusammen. Am Nachmittag fiel in der Riethstraße ein Mann unter Drogeneinfluss vom Rad, später entdeckten Beamte bei einem 32-jährigen Autofahrer in Dittelstedt Rauschgift unter dem Schaltknauf seines Fahrzeugs. Insgesamt 13 Gramm an illegalen Substanzen konnten sichergestellt werden. Unsere Zeitung berichtete, wenn auch nur kurz. Denn solche polizeilichen Erfolgsmeldungen und solche Kleinmengen sind längst schon alltäglich geworden. Die größte Stadt im Land gilt laut Thüringer Kriminalstatistik seit Jahren als Thüringer Drogenhochburg.

Seit 2009 haben sich in der Stadt die entdeckten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz fast verdoppelt. "Die Fallzahlen für die Stadt Erfurt in diesem Deliktsbereich stiegen in den vergangenen fünf Jahren von 480 auf 943 Fälle. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls eine Steigerung der Anzahl der Tatverdächtigen von 420 auf 816 Personen festzustellen", so Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) auf Anfrage der Erfurter Landtagsabgeordneten Marion Walsmann . Bei den Drogenhändlern und auffällig gewordenen Konsumenten handele es sich überwiegend um männliche Personen. "Den Schwerpunkt bilden die erwachsenen Tatverdächtigen zwischen 20 und 30 Jahren."
In die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität unterscheidet die Erfurter Polizei zwei Tatkomplexe. So werden in den Polizeiinspektionen Konsumentendelikte und Fälle des Kleinhandels bearbeitet. Den Beamten des Kommissariats 5 der Kriminalpolizeiinspektion sind dagegen jene Delikten vorbehalten, welche der mittleren und höheren Händlerebene zuzuordnen sind.

Laut aktuellem Jahresbericht der Kriminalpolizei in Erfurt bleiben Marihuana und Haschisch Spitzenreiter unter den illegalen Drogen in der Landeshauptstadt. Fast jeder zweite Fahndungserfolg befördert Cannabisprodukte ans Tageslicht.
Im Oktober vergangenen Jahres wurde in einem Erfurter Mehrfamilienhaus sogar eine komplette Plantage mit 400 Cannabis-Pflanzen entdeckt. Auf dem Vormarsch ist jedoch vor allem die synthetische Party-Droge Crystal, ein euphorisierend wirkendes Amphetamin, das vor allem in tschechischen Hinterhoflaboren zusammengekocht und anschließend auf Asia-Märkten im Grenzgebiet an Mittelsmänner oder Endkunden verkauft wird. Crystal macht einerseits schnell und schwerst abhängig, andererseits treten schon nach relativ kurzer Sucht massive körperliche Verfallserscheinungen auf.
Trotzdem bleiben genaue Aussagen zur Stellung von Crystal auf dem Erfurter Drogenmarkt schwierig. Die Droge werde erst seit Jahresbeginn in der Polizeilichen Kriminalstatistik gesondert registriert, teilte Innenminister Geibert mit. "Hinsichtlich der Verbreitung und des Konsums der Droge Crystal liegen der Landesregierung keine statistischen Erhebungen vor."
Walsmann ist das nicht genug. Sie fordert "eine Doppelstrategie" im Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität: "Dealer müssen intensiv verfolgt sowie zügig und hart bestraft werden. Um Jugendliche über die Risiken von Drogen aufzuklären, müssen zudem insbesondere an unseren Schulen Präventionsprojekte gestärkt werden

Marion Erika Walsmann (* 17. März 1963 in Erfurt) ist eine deutsche Politikerin (CDU). Sie gehört seit 2004 als Abgeordnete dem Thüringer Landtag an und war vom 8. Dezember 2010 bis 23. September 2013 Thüringer Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei. Zuvor war sie bereits als Justizministerin und später als Finanzministerin Mitglied der Thüringer Landesregierung.

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