Nur jede zweite Thüringer Klinik hat Patienten-Sprecher

Nur jede zweite Thüringer Klinik hat Patienten-Sprecher

Erfurt. Nur jede zweite Klinik in Thüringen hat einen Patienten-Sprecher. Das Landeskrankenhausgesetz sieht einen neutralen Ansprechpartner für Kranke und Angehörige vor.

Im Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum in Jena wird ein Patient mit Blutkonserven versorgt. Das Universitätsklinikum Jena gehört zu den Kliniken, die bereits mit einem Patientenfürsprecher arbeiten. Archiv-Foto: Martin Schutt Im Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum in Jena wird ein Patient mit Blutkonserven versorgt. Das Universitätsklinikum Jena gehört zu den Kliniken, die bereits mit einem Patientenfürsprecher arbeiten. Archiv-Foto: Martin Schutt
Schiefgehen kann auch in den besten Kliniken immer wieder einmal etwas. Sei es, dass der Patient eine zusätzliche Infektion zur Erkrankung erleidet, einer Fehldiagnose mit falscher Behandlung ausgesetzt ist oder eine Operation nicht so verläuft wie angekündigt. Dann stellt sich zumeist die Frage, wer trägt die Schuld, wer hat Fehler gemacht und wer muss nun dafür bezahlen.
Aufwenige Gerichtsverfahren waren oft der einzige Ausweg, wenn keine Einigung mit der Klinik erfolgte. Das im Januar vom Landtag verabschiedete Thüringer Krankenhausgesetz empfiehlt nun noch eine Alternative: den Patientenfürsprecher. Damit sollen die Rechte der Patienten gestärkt werden.

Fürsprecher soll jeweils fünf Jahre ernannt werden
Laut Gesetz handelt es sich um eine ehrenamtlich ernannte Person, die als neutraler Ansprechpartner und Vermittler bei Beschwerden, Anregungen und Fragen von Krankenhauspatienten auftreten soll. Krankenhauspersonal darf diese Aufgabe daher nicht übernehmen, um die Unabhängigkeit des Patientenfürsprechers zu wahren.
Eine Umfrage unserer Zeitung unter den 48 Kliniken und Krankenhäusern, welche die Thüringer Krankenhausgesellschaft für den Freistaat nennt, ergab, dass bisher in etwas weniger als der Hälfte der Einrichtungen Patientenfürsprecher ernannt wurden. Zwei der Kliniken verwiesen allerdings auf eigenes Personal, das die Aufgabe derzeit wahrnehmen würde. Fünf weitere Krankenhäuser kündigten an, bis zum Sommer ebenfalls einen Patientenfürsprecher ernennen zu wollen. Für zehn der Kliniken liegen uns derzeit keine Angaben vor.
Zu den Häusern mit Patientensprechern gehören unter anderem das Universitätsklinikum Jena, das Klinikum Weimar, das Klinikum Gera und das Psychiatrie-Fachkrankenhaus Hildburghausen, aber auch die beiden Krankenhäuser in Mühlhausen, die Helios-Kliniken in Blankenhain, Gotha und Erfurt oder das St. Georg-Klinikum in Eisenach, aber auch die Ilmkreis-Kliniken sowie das Marienstift in Arnstadt.
Laut Sozialministerium werden Patientenfürsprecher für fünf Jahre vom Krankenhausträger bestellt. Die Fürsprecher können sich mit schriftlichem Einverständnis der Patienten oder deren Angehörigen an Vertreter des Krankenhauses oder sonstige zuständige Institutionen wenden, um Anregungen und Kritik nachzugehen.

Angehörige stellen Fragen zur weiteren Behandlung
Am Waldklinikum Gera betreffen nach den bisherigen Erfahrungen zwei Drittel der Patientenanfragen an den Fürsprecher weiterführende Informationen zur Behandlung. "Bei Schwerstkranken wollen gerade Angehörige eine Abklärung der getroffenen ärztlichen Entscheidungen", sagte eine Sprecherin. Häufig beträfen vorgebrachte Beschwerden auch organisatorische Abläufe in der Klinik, etwa zu lange Wartezeiten in den Ambulanzen. Als Konsequenz daraus sollen am Waldklinikum etwa in der Narkose-Ambulanz in Spitzenzeiten künftig drei statt zwei Ärzte eingesetzt werden.

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