Die verheerende Wirkung von Crystal Meth

Die verheerende Wirkung von Crystal Meth

Die Zahl der erstauffälligen Crystal-Meth-Konsumenten stieg erhöhte sich von 1.693 im Jahr 2011 auf 2.556 im Jahr 2012

Crystal Meth gilt als eine der gefährlichsten illegalen Drogen überhaupt. Viele Konsumenten sind bereits nach dem ersten Mal abhängig. Die Süchtigen zeigen oft Veränderungen der Persönlichkeit und schwere psychische Erkrankungen.

Kristall, Ruppe, Ice oder auch einfach nur C - das sind alles Namen der illegalen Droge Crystal Meth. Die Substanz vermindert Gefühle wie Angst, Hunger und Schmerz. Sie kann euphorisch machen und steigert die subjektive Leistungsbereitschaft. Doch können die Folgen des Konsums von kristallinem Metamphetamin, so die Übersetzung für Crystal Meth, verheerend sein: Beim Nachlassen der Wirkung, stellen sich Antriebsarmut und Gereiztheit ein. Zudem ändert sich bei regelmäßigem Gebrauch auch die Persönlichkeit der Konsumenten, wie Roland Härtel-Petri, Suchttherapeut aus Bayreuth, erklärt.

„Die erste Crystal-Welle betraf in erster Linie die Technoparty-Szene“, meint der Experte. „Seit etwa 2009 erleben wir jedoch eine zweite Welle und sehen nun viele Leute, die den Konsum mitmachen, um den eigenen Leistungsansprüchen und einem Erlebnishunger nachzukommen. Das sind ganz andere Milieus.“ Die Medien präsentieren uns oft Bilder von Crystal-Süchtigen aus den USA, die seit Jahren abhängig seien und durch das dort fehlende Sozialsystem entsprechend schlecht aussehen. „Da erkennen sich viele bereits abhängige Konsumenten aus Deutschland nicht wieder“, erklärt Härtel-Petri. Diese Verzerrung nehmen sie als „Ausrede“, keine Hilfe aufzusuchen, weil sie sich als noch nicht so weit „runtergekommen“ erlebten.

Geschnupft, geraucht oder inhaliert

„Konsistenz und Aussehen des Methamphetamins erinnern an Eiskristalle oder kleine Glassplitter“, beschreibt eine Broschüre der Jugendsucht- und Drogenberatung der Stadtmission Chemnitz. In dieser Form oder als feines Pulver werde es auf dem Drogenmarkt angeboten. Die Kristalle hätten eine milchig-weiße Färbung, könnten aber rosa oder blau eingefärbt sein.

„Crystal wird in der Regel durch die Nase geschnupft, geraucht oder inhaliert“, ergänzt Gabriele Bartsch, Gesundheitswissenschaftlerin von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm. „Es kann aber auch mit Spritzen injiziert werden, was die Gefahr von Infektionen mit sich bringt, wie wir sie bei Heroinsüchtigen kennen.“

Überwiegend aus Tschechien

Behörden zeigen sich sehr besorgt darüber, dass sich die Droge in Deutschland ausbreiten könnte. Bislang ist sie vor allem in den an Tschechien grenzenden Bundesländern Bayern und Sachsen bekannt. Über 75 Kilogramm Crystal Meth wurden im Jahr 2012 in Deutschland beschlagnahmt, im Vorjahr waren es 40 Kilogramm, wie der Bundesdrogenbeauftragte bekanntgab. Auch die Zahl der „erstauffälligen Konsumenten“ stieg von 1.693 im Jahr 2011 auf 2.556 im Jahr 2012 an.

Eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums zum Missbrauch von Amphetaminen soll unter anderem Klarheit darüber bringen, wer die Droge wo und aus welchem Grund konsumiert. Das in Deutschland verwendete Methamphetamin kommt überwiegend aus Tschechien, sagt Bernd Werse vom Centre for Drug Research (CDR) der Universität in Frankfurt am Main. Crystal Meth wird zumeist in kleineren Produktionsstätten hergestellt. Vilele Fernsehzuschauer kennen die süchtigmachende Substanz durch den krebskranken Chemielehrer aus der US-Serie „Breaking Bad“ - dort dient zunächst ein umgebautes Wohnmobil in der Wüste von New Mexico als Drogenküche.

Herzrhythmusstörungen und Muskelkrämpfe

Die Substanz Methamphetamin ist keineswegs neu. Bis 1988 wurde sie in Deutschland als Medikament gehandelt und fiel unter die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. Im Zweiten Weltkrieg verwendeten Soldaten Methamphetamin in Tablettenform in kleinen Dosierungen von drei Milligramm. Das heutzutage als Droge erhältliche kristalline Metamphetamin wird zum Beispiel bereits von Erstkonsumenten in 30-fach höherer Dosierung durch die Nase eingenommen.

Die Einnahme von Crystal Meth führt dazu, dass körpereigene Botenstoffe wie Dopamin im Gehirn sowie Adrenalin im Rest des Körpers freigesetzt werden. Dies stimuliert wiederum verschiedenste Körperreaktionen. Neben den als positiv empfundenen Gefühlen des Glücks und der Leistungsfähigkeit können auch riskante Wirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Muskelkrämpfe hervorgerufen werden, warnt Bartsch. Regelmäßiger und hoch dosierter Gebrauch führt wiederum zur Schädigung der Nerven im Gehirn. So sind Vergesslichkeit und eine veränderte Persönlichkeit ein typisches Zeichen bei Patienten. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Psychosen sind nicht selten.

Sofort abhängig

Laut Härtel-Petri ist der Stoff in vielen Regionen erhältlich. Der Preis variiert von 20 Euro bis 150 Euro pro Gramm. „Die Sicherstellungsmengen und -fälle von Crystal Meth steigen bundesweit an, das ist richtig“, ergänzt Bartsch von der DHS. „Das liegt auch daran, dass die Behörden inzwischen genau wissen, wo sie suchen müssen.“ Dennoch gäbe es keinen Automatismus, dass Drogen, die in einer Region populär seien, auch in anderen Städten boomten.

In Frankfurt befragen die Forscher um Werse seit mehr als zehn Jahren Schüler und Mitglieder der Partyszene, welche Rauschmittel sie verwenden. „Etwa ein Prozent der befragten Schüler hat Crystal schon mal probiert, die Zahlen sind sehr konstant hier“, meint der Wissenschaftler. „Aber die Droge hat einen schlechten Ruf, gilt als schwer kontrollierbar und von der Wirkdauer als zu intensiv.“ Manche Menschen, die sehr anfällig für die Effekte der Droge sind, werden schon nach einmaligem Gebrauch abhängig. Andere wiederum fühlten sich abgeschreckt. Die Experten sind sich einig: „Crystal Meth gehört zu den gefährlichsten Drogen auf dem illegalen Markt.“ (dpa)

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