Basiswissen Psychopharmaka

Basiswissen Psychopharmaka

(Nach einer Vorlage von Matthias Seibt, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, Stand Mai 2010)

Vorwort

Alles was gesagt wird, wird von jemandem gesagt und gibt dessen Meinung wieder. Die Meinungen über das, was wahr ist, waren schon immer einem Wandel unterworfen.

Verantwortung und Macht

Dieses Wort wird oft falsch gebraucht. Ein Politiker verantwortet einen Krieg, doch werden andere Menschen als dieser Politiker auch getötet oder verstümmelt. Politiker verantworten die Kürzung einer sozialen Leistung, doch sind es die anderen Menschen, die damit leben müssen, weniger Geld in ihrer Tasche zu haben. Ärzte verantworten wiederum die Verschreibung von Psychopharmaka, doch wenn es zu Nebenwirkungen oder Spätschäden kommt, dann sind es nicht die Ärzte, welche damit leben müssen. Verantworten kann man eigentlich nur die Handlungen, deren Folgen man auch selbst trägt. Falls jedoch andere die Folgen der eigenen Handlungen und Entscheidungen tragen müssen, dann hat man Macht. Das bedeutet in unserem speziellen Fall, dass nicht der Arzt die Verantwortung trägt, sondern eben der Patient. Der Patient hat zwar einen Fachmann befragt, doch wie weit er diesen Rat des Fachmanns auch umsetzt, entscheidet der Patient für sich alleine. Beim Friseur oder Gebrauchtwagenhändler vertrauen wir auch nicht blind auf den Rat des Fachmann, beim Arzt jedoch schon. Ein Arzt hat Macht durch das Ansehen, mit dem Ärzte in unserer Gesellschaft ausgestattet sind. Dieses Ansehen ist vergleichbar mit dem Ansehen der Priester in einer Zeit, als das Christentum noch große Macht hatte.

Für jenes Ansehen gibt es genauso wenig wie für das Ansehen der Priester im Mittelalter eine rationale Begründung. Es handelt sich eher um eine Glaubensfrage. Schon in den früheren Hochkulturen der Inkas, Ägypter und Römer konnte ein Mensch, der zur Oberschicht gehörte, gute 60 bis 90 Jahre alt werden. Die heutigen Fortschritte der modernen Ingenieur- und Betriebswissenschaften haben inzwischen breite Schichten der Bevölkerung der Industrienationen Anteil an diesen technologischen Erfolgen. Die meisten Menschen in den Industrienationen leben materiell so, wie früher Kaiser und Könige lebten.

Die gestiegene Lebenserwartung

Die Einführung der Kanalisation zwischen 1850 und 1900 wirkte sich direkt auf die den Zuwachs der Lebenserwartung in Mitteleuropa aus. Statistisch kaum ins Gewicht fällt jedoch die Einführung der Antibiotika in den 1940er Jahren.
Den Anteil der Wissenschaft Medizin an der gestiegenen Lebenserwartung beziffert Michael Seibt mit etwa 10 Prozent. 90 Prozent lassen sich durch den gesteigerten Reichtum breiter Kreise der Bevölkerung erklären.

Was (alles) sind Psychopharmaka (PP)

Unterscheidung

Man kann nach dem sozialen Ansehen insgesamt drei Klassen unterscheiden :

  • ärztlich verschriebene Psychopharmaka
  • legale Genussdrogen (Koffein, Nikotin, Alkohol)
  • illegale Drogen (Haschisch/Marihuana, Heroin, LSD, Ecstasy, usw.)

Aber man kann auch nach der Wirkung unterscheiden in :

  • dämpfend (Baldrian, Schlafmittel, Tranquilizer, Alkohol, Neuroleptika)
  • putschend (Koffein, Nikotin, neue Antidepressiva)
  • halluzinogen (LSD, THC enthalten in Haschisch/Marihuana ist u.a. ein schwaches Halluzinogen)
  • Die angstlösende Wirkung ist kaum eine eigenständige Wirkung, da vermutlich dämpfende Substanzen auch die Angst dämpfen. Es ist auch anzuzweifeln, ob euphorisierend eine eigenständige Wirkung ist. So sagt man beispielsweise dem Alkohol nach, dass er in geringen Mengen eingenommen auch euphorisierend wirkt.

    Klassifizierung von Psychopharmaka

    Die Psychiatrie, die Allgemeinmedizin und zum Teil auch andere medizinische Bereiche setzen die folgenden Psychopharmaka ein:

    • Tranquilizer
    • Nicht klassifizierte Schlafmittel
    • Neuroleptika
    • Lithiumsalze
    • Antiepileptika
    • Antidepressiva

    Schmerzmittel werden nicht zu den Psychopharmaka gezählt. Dasselbe gilt für die Betablocker. Das ist eine Klasse von Herzmitteln. Das liegt daran, dass Schmerzmittel oder Betablocker in der Psychiatrie nicht verabreicht werden.

    Tranquilizer

    Die Gruppe der Tranquilizer ist die gleichförmigste Gruppe, weil sich die einzelnen Tranquilizer kaum voneinander unterscheiden. Sie wirken dämpfend, muskelentspannend, angstlösend und antikonvulsiv (krampfverhindernd und krampflösend). Die Tranquilizer sind die einzigen synthetischen (künstlich hergestellten) Psychopharmaka, die ähnlich wirksam sind wie die großen Menschheitsdrogen Alkohol, Opium und Kokain. Deshalb machen sie auch gerne abhängig oder gar süchtig. Tranquilizer wirken im Vergleich mit Antidepressiva, Antiepilektika und Neuroleptika kaum schädigend auf den Körper.
    Alle Tranquilizer sind Abkömmlinge des Benzodiazepins und seit den 60er Jahren auf dem Markt. Menschen älter als 65 Jahre sprechen stärker auf Benzodiazepinwirkungen an, deshalb kommen sie mit einem Drittel bis Viertel der verordneten Dosis aus. In Ärztezeitschriften werden Tranquilizer damit beworben, dass sie eine hohe Therapietreue garantieren. Die Ärzte haben die Patienten stets über das hohe Abhängigkeits- und Suchtrisiko dieser Medikamente belogen. In den 80er Jahren häuften sich dann in den Medien die Berichte über schwerstabhängige Konsumenten. Erst dann begannen die Ärzte, ihre Verschreibungsmethodik zu ändern. Heutzutage kommen Tranquilizer eher zurückhaltend zum Einsatz.
    Die Barbiturate kamen früher ebenfalls als dämpfende Psychopharmaka zum Einsatz und werden heutzutage kaum noch verschrieben. Sie sind nämlich giftiger, aber nicht wirksamer als die Tranquilizer.

    Nicht klassifizierte Schlafmittel

    Darunter verstehen wir alle dämpfenden Substanzen, die weder zu den Tranquilizern noch zu den Neuroleptika zählen. Von diesen Medikamenten gibt es freiverkäufliche, apothekenpflichtige und rezeptpflichtige Sorten. Freiverkäuflich sind etwa Baldrian und Johanniskraut. Apothekenpflichtig sind Betadom und Hoggar und rezeptpflichtig wären zum Beispiel Zopicion und Zolpidem. Dabei gilt, je schwerer das Medikament erhältlich ist, desto wirksamer und stärker ist auch das Mittel und desto höher liegt auch das Risiko einer Abhängigkeit. Zopicion und Zolpidem wirken ungefähr so stark wie Alkohol oder Tranquilizer.

    Neuroleptika

    Die Neuroleptika sind die am stärksten dämpfenden Mittel. Sie beinhalten kein Suchtrisiko, weil ihre Wirkung auf den Anwender sehr unangenehm wirkt. Sie können jedoch abhängig machen. Die Neuroleptika sind in etwa 5 bis 20 mal so stark wie die dritte Gruppe der Dämpfungsmittel, also wie Tranquilizer, Alkohol oder Zopicion. Dass viele psychisch Kranke in ihrem Leben kaum etwas erreichen, liegt hauptsächlich daran, dass sie diese vierte und stärkste Gruppe von Dämpfungsmitteln dauerhaft konsumieren.
    Die Neuroleptika sind seit Anfang der 50er Jahre auf dem Markt. Die vom Anwender als quälend erlebten Bewegungsstörungen sind dabei keine Nebenwirkungen, sondern das Resultat, was ein Dämpfungsmittel erzeugen muss, um als Neuroleptikum eingestuft zu werden.
    Neuroleptikum heißt zu deutsch Nervendämpfungsmittel. Da es nicht nur im Gehirn, sondern fast überall im Körper Nervenzellen gibt, können auch fast überall vorübergehende, bleibende und tödliche Schäden auftreten. Den sogenannten atypischen Neuroleptika wird nachgesagt, dass sie weniger Bewegungsstörungen als die „klassischen" Neuroleptika zeitigen. Im Moment formiert sich die Meinung, dass es sich bei der Einführung der Atypika um einen Marketingbetrug handeln könne. So steht inzwischen fest, dass insbesondere Zyprexa das Diabetesrisiko massiv erhöht.

    Phasenmedikamente

    Bei Phasenprophylaktika (Prophylaktika sind Vorbeugungsmittel) handelt es sich um Psychopharmaka, denen nachgesagt wird, dass sie gegen beide Phasen der bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankung wirken sollen. Die Phasenmedikamente werden unterteilt in Lithiumsalze und Antiepileptika.

    Lithiumsalze

    Das Lithium ist ein Alkalimetall, welches in sehr geringer Konzentration im menschlichen Körper vorkommt. Die therapeutisch verordnete Menge ist jedoch als akut giftig angesetzt. Die sogenannte therapeutische Breite von Lithium ist 3 - die dreifache Menge der gebräuchlichen Dosis wirkt also bereits tödlich. Der regelmäßig diagnostizierte Lithiumspiegel dient auch nicht der Erzielung bester therapeutischer Ergebnisse, sondern soll Todesfälle an Überdosierungen von Lithium vermeiden. Eine Vergiftung an Lithium verläuft sehr dramatisch und kann auch nicht übersehen werden - der Tod dadurch ist also äußerst unangenehm.
    Trotz der akuten Giftigkeit der Lithiumsalze handelt es sich um sehr gut verträgliche Psychopharmaka. Bezüglich der Langzeitschäden sind sie zwar nicht harmlos, aber um vieles harmloser als Neuroleptika oder Antidepressiva. Viele der Konsumenten von Lithium durchlaufen dann tatsächlich keine manische Phase mehr. Doch ist es um die Vorbeugewirkung gegen Depression wesentlich schwächer bestellt. Einige Konsumenten klagen gar darüber, dass das Lithium in ihnen eine Depression auslöst beziehungsweise steigert. Nach zehn bis fünfzehn Jahren Einnahme von Lithium kommen die Spätfolgen ins Spiel: Das Lithium muss wieder abgesetzt werden, weil die Niere geschädigt wurde. Einige der Patienten sind sogar gezwungen, sich dann einer regelmäßigen Dialyse zu unterziehen.
    Von den Lithiumsalzen gibt es mehrere Arten, die sich jedoch in ihrer Wirkung auf die Psyche des Konsumenten nicht unterscheiden.
    Wer für sich selbst der Meinung ist, dass er ohne Dauerkonsum von Psychopharmaka nicht leben könne, der sollte die Monotherapie mit Lithium in Erwägung ziehen.

    Antiepileptika

    Einige Antiepileptika (wie etwa Carbamazepin, Valproinsäure, Lamotrigin) kommen bei der bipolaren Erkrankung zur Vorbeugung zum Einsatz. Antiepileptika wirken weitaus dämpfender als sie aufputschend wirken. Die Folge wäre dann für die Konsumenten Antriebslosigkeit bis hin zu starker Depression. Obwohl sie sich mit anderen Psychopharmaka nur schlecht oder gar nicht vertragen, werden Antiepileptika in der Regel nicht als Monotherapie eingesetzt.
    So ist beispielsweise die Kombination von Carbamazepin mit Benperidol, Bromperidol, Chlorprothixen, Clopenthixol, Clozapin, Fluanxol, Fluspirilen,. Haloperidol, Hypericin in Johanniskrautextrakt, Johanniskrautextrakt, Lithiumsalz, elperon, Orap, Pipamperon, Dominal zu meiden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Carbamazepin nicht mit anderen Neuroleptika kombiniert werden soll.
    Das handelsübliche Parazetamol führt schon bei sonst unschädlichen Dosierungen unweigerlich zu Schädigungen der Leber und vermehrt toxische (giftige) Metaboliten. Metaboliten sind Abbauprodukte des Stoffwechsels (Metabolismus). Der Abbau kann dabei in mehreren Phasen verlaufen. Die Kombination mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (wie etwa Fluctin) erhöht die Gefahr eines giftigen Serotonin-Syndroms.
    Josef Zehentbauer beschreibt Carbamazepin in "Chemie für die Seele" als ein "wenig überzeugendes Medikament mit beachtenswerten Risiken".

    Valproinsäure hat auch beachtliche Nebenwirkungen: Tremor (Zittern) bis 57%, Übelkeit bis 34%, Somnolenz (Schläfrigkeit) bis 30%, Thrombozytopenie bis 24%,
    Alopezie (Haarausfall) vorübergehend, bei Nachwachsen lockiges Haar bis 24%, Diarrhö (Durchfall) bis 23%, Erbrechen bis 23%, Schwächezustand bis 21%, Infektion bis 20%. Über 150 weitere Nebenwirkungen unter 20% Häufigkeit.
    Der Ruf der Antiepileptika ist verglichen mit dem Ruf der Neuroleptika deutlich besser, entspricht jedoch keineswegs den bekannten Fakten.

    Was ist eine Depression

    Der Begriff Depression fasst eine Vielzahl sehr verschiedener Seelenzustände zusammen. Der Begriff Niedergeschlagenheit trifft den Sachverhalt wohl besser. Der Begriff Depression ist, wie alle psychiatrischen Begriffe, pseudowissenschaftlich. Bei einer Niedergeschlagenheit ist dagegen sehr oft Antriebslosigkeit enthalten. Oft ist Niedergeschlagenheit gepaart mit einem Gefühl bzw. Gedanken von Sinnlosigkeit und einem Gefühl oder Gedanken von Wertlosigkeit. Einige Depressive haben starke Schlafstörungen. Angst, Suizidgedanken oder Hoffnungslosigkeit kommen auch vor in Verbindung mit einer Depression.

    Antidepressiva

    Diese Klasse der Psychopharmaka gliedert sich in Substanzen von sehr unterschiedlichem Wirkmechanismus. So gibt es eindeutig dämpfende Antidepressiva (A) wie Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin. Diese wirken ähnlich wie die niederpotenten klassischen Neuroleptika (Melleril, Truxal, Neurocii). Es gibt aber auch die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI-Antidepressiva) wie Antidepressiva Fluctin, Citalopram, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin, die stark aufputschend wirken. Des weiteren gibt es Antidepressiva, die nicht zu den beiden genannten Untergruppen gehören.
    Da sowohl dämpfende als auch aufputschende Substanzen als Antidepressiva verschrieben werden, lassen sich zwei Strategien unterscheiden, eine Depression pharmakologisch zu bekämpfen. Zum einen durch die allgemeine Dämpfung der depressiven Person. Eine spezifische Dämpfung nur der Depression an sich ist noch nicht gelungen. Bei einer allgemeinen Dämpfung erscheinen dem Depressiven die quälenden Gedanken als weniger quälend und der gestörte Schlaf verbessert sich. Aufputschende Antidepressiva kommen dagegen zum Einsatz, um die Antriebslosigkeit bekämpfen. Damit wird manchmal der Antrieb zu Suizidhandlungen größer. Die Suizid-förderliche Wirkung ist statistisch gesehen nicht mehr von der Hand zu weisen. In einer 35 Millionen Dollar teuren Studie in Amerika mit 2.876 Patienten wurde festgestellt, dass SSRI-Antidepressiva nur bei einem Drittel der Konsumenten wirken. Gemessen an der langen Liste von Nebenwirkungen bei SSRI-Pharmaka ist diese „Erfolgs"quote viel zu niedrig.

    Psychopharmakon, Droge oder Genussmittel?

    Im gängigen Sprachgebrauch unterscheiden wir diesen drei Begriffen. Pharmakologisch-wissenschaftliche Gründe für diese Unterscheidung existieren jedoch keine. In der gesamten Geschichte der Menschheit wurde stets unterschieden zwischen guten und schlechten Drogen. So war im Islam der Alkohol als schlechte Droge über viele Jahrhunderte verboten. Opiumkonsum wurde jedoch akzeptiert bis erwünscht. In der westlichen Welt, deren Gewohnheiten derzeit ein weltweiter Standard sind, verhielt es sich spätestens seit dem Ende der amerikanischen Prohibition umgekehrt. Der Konsum von Alkohol ist akzeptiert bzw. erwünscht, Opium und seine Abkömmlinge Morphium und Heroin sind jedoch verboten. Diese Einschätzungsweise hat ausschließlich kulturelle bzw. soziale Gründe. Viele Pharmakologen halten Alkohol in seiner körperschädigenden Wirkung für deutlich gefährlicher als Opium und seine Abkömmlinge. Ein geschichtlicher Exkurs soll nun die kulturellen Wurzeln des Verbots von Opium erklären: Das Opium war im 19. Jahrhundert die gängige Droge der chinesischen Einwanderer an der amerikanischen Pazifikküste. Dahingegen sprachen die weißhäutigen Einwanderer aus Europa eher dem Alkohol in großen Mengen zu. Völkermord ist immer eine besondere Anstrengung. Die Chinesen, speziell wenn sie auswandern, gelten als sehr fleißige Leute. Um nun die andersrassige Konkurrenz aus China zu treffen, kriminalisierten die weißhäutige Einwanderer, welche in der Mehrheit waren schrittweise den Konsum von Opium. Nach der gescheiterten Prohibition begann dann in den dreißiger Jahren eine echte Hetzjagd auf Opiat- und Haschisch-Konsumenten. Der amerikanische Präsident F. D. Roosevelt hatte zwar das Alkoholverbot aufgehoben, doch die Rauschgiftdezernate wurden nicht aufgelöst und suchten sich ihre neuen Aufgaben.
    Ärzteschaft und Pharmaindustrie haben etwa ab 1830 Morphium als Ersatz für Opium propagiert, der nicht abhängig macht. Ab etwa 1860 wurde Heroin als "nicht-abhängig-machender Ersatz" für Opium und Morphium propagiert. Bis 1917 konnte Heroin im deutschen Reich in den Apotheken bezogen werden. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts propagierten Ärzteschaft und Pharmaindustrie die Tranquilizer (Valium, Tavor, Adumbran, usw.) als "nicht-abhängig-machender Ersatz" für die Barbiturate. Erst nachdem die Illustrierten ab Anfang der 80er Jahre ausführlich über süchtig gewordene Patienten berichteten, wurde in der Medizin eine Diskussion über dieses Problem geführt.
    In der heutigen Zeit sind "atypische" Neuroleptika und die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer bei den Antidepressiva der Verkaufsschlager. Ihr Vorteil soll darin liegen, dass sie im Gegensatz zu den Tranquilizern nicht abhängig machen.

    Vorteile der Monotherapie

    Jedes Medikament stellt ein Risiko dar für die Gesundheit des konsumierenden Menschen. dar. Selbst bei der Acetylsalicylsäure (Aspirin) sind mehr als zehn verschiedene Mechanismen bekannt, die zum Tode führen können. Diese Erkenntnis hat nicht ihren Grund darin, dass Aspirin so gefährlich ist, sondern darin, dass diese Substanz so intensiv erforscht worden ist. Jeder Einsatz eines Medikaments ist ein Abwägen zwischen den bekannten Risiken und dem erhofften Nutzen. Dennoch sehen Ärzte und Patienten die Entscheidung für oder gegen eine Medikamentengabe kaum als eine möglichst nüchtern zu treffende Entscheidung an. Man hat nicht selten den Eindruck, das Medikament habe etwas Magisches an sich. Als sei es eine magische Kugel, die der Arzt nach der Krankheit wirft. Fraglos ist es stets von Nutzen diese magischen Kugeln auch einzusetzen. Diese Art von Magie ergibt keine Nachteile. Darum leugnen viele Ärzte unerwünschte Wirkungen der Medikamente selbst dann, wenn sie im Beipackzettel vermerkt sind.
    Ähnlich verhält es sich mit anderen Religionen: Das Negative darf dem jeweiligen Gott oder der jeweiligen Religion nicht zugeordnet werden. Egal ist dabei, wie absurd die Widersprüche oder wie grässlich die Verbrechen auf einen Ungläubigen auch wirken mögen, dem Gläubigen dienen sie nur als Bestätigung der eigenen Position. Und dasselbe gilt auch für die Psychopharmaka: Egal, was wir von den Medikamenten glauben oder erhoffen, sie werden trotzdem über Niere oder Leber verstoffwechselt. Und die unerwünschten Wirkungen, die oft als Nebenwirkungen verharmlost werden, nehmen obendrein mit der Anzahl der eingenommenen Medikamente stark zu. Zusätzlich erschwert sich die Zuordenbarkeit einer Wirkung, wenn mehr als eine Substanz eingenommen wird. Die Gefahr, dass sich der Zustand verschlechtert, steigert sich mit jeder weiteren verordneten Substanz. Viele Ärzte interpretieren eine Verschlechterung unter Medikamentengabe lediglich als ein Zeichen dafür, dass noch nicht genug magische Kugeln verordnet wurden. Daraus resultiert dann die gleichzeitige Verordnung von sechs bis sieben Psychopharmaka. Oder von fünf verschiedenen Blutdrucksenkern.
    In Bezug auf die Neuroleptika ist inzwischen gut erforscht, auf welche Weise die Mehrfachgabe die Sterblichkeit der Konsumenten erhöht. Bei keinem verordneten Neuroleptikum ist die Sterblichkeit eines Psychiatrisierten um den Faktor 1,29 gegenüber der Durchschnittsbevölkerung erhöht, bei einem Neuroleptikum um den Faktor 2,95, bei 2 Neuroleptika um den Faktor 3,21, bei 3 Neuroleptika um den Faktor 6,83. Dieser Effekt führte zu dem medizinischen Grundsatz: "Vor allem nicht schaden!" Die alten Römer sagten schon " Primum nil nocere!" Schon früher war also offensichtlich die Versuchung, lieber etwas Falsches als gar nichts zu unternehmen, sehr groß.
    Als Schlussfolgerung bleibt: Wenn schon Psychopharmaka zur Anwendung kommen, dann bitte nur eine einzige Substanz. Man sollte dabei kritisch darauf achten, ob man die erwünschte Wirkung erzielt oder diese bloß versprochen wurde. Es stellt sich auch die Frage, ob der Nutzen größer ist als die Kosten. Und man sollte nicht vergessen, dass man selbst die Verantwortung trägt, da es um das eigene Leben geht.

    Dämpfende plus putschende Substanz?

    Beliebt ist es bei der Gabe von Psychopharmaka gleichzeitig Neuroleptika und Antidepressiva zu verschreiben. Neuroleptika haben eine stark dämpfende Wirkung, die von leichter Antriebslosigkeit bis hin zu schwerster Niedergeschlagenheit (Depression) reicht. Mindestens 2/3 der Konsumenten von Neuroleptika leiden unter Depressionen. Um der Depression zu entgehen verordnen Psychiater sehr gerne Antidepressiva vom Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer-
    Typ, die eine aufputschende Wirkung haben. Eine der unerwünschten Wirkungen dieser Sorte Antidepressiva ist das Auslösen von Psychosen. Die Psychose ist regelmäßig ein sehr „energiereicher" Zustand, während die Depression in der Regel einen sehr „energiearmen" Zustand darstellt. Es entbehrt also nicht einer gewissen Logik, zur Vorbeugung (Prophylaxe) einer Psychose dämpfende und zur Bekämpfung einer Depression aufputschende Substanzen zu verschreiben. Aber beides gleichzeitig? Das ist ungefähr so widersinnig, wie gleichzeitig große Mengen Kaffee und Alkohol zu konsumieren. Ist nun die Medizin eine Religion und sind Medikamente magische Kugeln? Manch einer mag sich an dieser Betrachtungsweise stören. Doch ist das noch die netteste mögliche Sichtweise eines Nicht-arzthörigen auf die Psychiatrie. Sonst blieben als Erklärungsansatz nur noch absolute Unkenntnis und absolutes Unwissen. Noch schlimmer wäre die Sicht, dass man den entstehenden Schaden absichtlich anrichtet, die Menschen sehenden Auges schädigt und abhängig macht, weil man daran gut verdient. In manchen Fällen spielen alle drei Gründe (Religion, Unwissen, Skrupellosigkeit) eine gewichtige Rolle.

    Was ist eine Psychose - Die Wichtigkeit des Schlafes

    Fehlender Schlaf und Verrücktheit (psychiatrisch Psychose) gehören zusammen wie die Wolken zum Regen. Diese Regel gilt für 90 bis 95 Prozent aller Menschen, die Zustände der Verrücktheit kennen gelernt haben. Ebenso wie ohne Wolken kein Regen möglich ist, ist auch für diese Menschen ohne dem Schlafverlust kein Verrücken und damit keine Verrücktheit möglich.

    Wie kommt es nun zu dieser Schlaflosigkeit?

    Es sind Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen und uns damit auch nicht zur Ruhe kommen lassen. Diese Gedanken beziehen sich in der Regel auf ganz alltägliche Lebenssituationen oder Lebensereignisse. Einsamkeit, Partnerschaftsprobleme, Schulden, Arbeits- oder Prüfungsstress können uns dermaßen beschäftigen, dass die Gedanken daran uns unseren wichtigen Schlaf rauben.

    Handelt es sich um eine besondere Art der Schlaflosigkeit?

    Ja. Normale Schlaflosigkeit geht einher mit einem Gefühl der Müdigkeit und Zerschlagenheit: Man wünscht sich dabei nichts sehnlicher, als endlich wieder (wie sonst) schlafen zu können. Die zum Verrücken gehörende Schlaflosigkeit führt jedoch in einen stabilen Hellwach-Zustand. Dieser Zustand wird als höchst angenehm empfunden. Der fehlende oder stark verkürzte Schlaf wird dabei nicht als Mangel interpretiert. Man hat neue Gedanken, verfügt über ungewöhnlich viel Energie, ist in der Lage, Probleme in Angriff zu nehmen, an die man sich bislang nicht heranwagte. Diese als positiv empfundenen Seiten des Hellwachseins machen es vielen Menschen schwer, die Gefahr einer beginnenden Verrücktheit zu erkennen. Insbesondere wenn dieser Hellwach-Zustand im Anschluss an eine Niedergeschlagenheit (psychiatrisch Depression) entsteht, werden die möglichen Nachteile dieses Zustands unterschätzt.

    Wie lange dauert der Übergang vom Hellwach-Zustand in die Verrücktheit?

    Der Übergang vom Hellwach-Zustand zur Verrücktheit dauert verschieden lang. Wichtigster Gesichtspunkt hierbei ist die Dauer des verbliebenen Schlafs. Zwei Stunden Schlaf sind selbstredend gefährlicher als fünf Stunden.

    In einer Studie zum Schlafentzug ergab es sich, dass nach 24 Stunden die Versuchspersonen sehr leicht zu reizen waren. Nach 65 Stunden sah eine Frau beim Waschen auf Armen und im Gesicht imaginäre Spinnweben und versuchte dann verzweifelt, diese zu entfernen. Einer anderen Frau wurde ihr Hut zu eng, sie meinte, dieser drücke, obwohl sie keine Kopfbedeckung aufhatte.

    Ratten, die zu Forschungszwecken gewaltsam am Schlaf gehindert wurden, kamen nach sieben Tagen zu Tode.1 Vor ihrem Ableben sanken ihre Körpertemperatur (Thermoregulation) und ihr Gewicht.

    Wie wichtig ist Schlaf?

    Zu den Grundbedürfnissen rechnen wir Atmen, Trinken, Schlafen und Essen. Schlafen und Trinken sind dabei von ähnlicher Wichtigkeit. 7 bis 9 Tage Verzicht auf eines dieser beiden Grundbedürfnisse bringt bei mitteleuropäischem Klima einen gesunden jungen Menschen bereits in Lebensgefahr. Die uns im Hellwach-Zustand beschäftigenden Gedanken können uns derart von unseren Grundbedürfnissen ablenken, dass wir nicht mehr oder kaum noch Nahrung zu uns aufnehmen. Der zusätzliche Nahrungsentzug verstärkt dann wiederum unsere Aufgedrehtheit oder Überdrehtheit. Manche Menschen vergessen sogar das Trinken.

    Akut- und Erhaltungsdosis

    Neuroleptika werden verschrieben von den Psychiatern zur Bekämpfung der Verrücktheit. In der Psychiatrie unterscheidet man theoretisch zwischen der Akutphase einer Psychose, in der hohe Dosen an Neuroleptika gegeben werden und der Latenzphase, in der niedrige Dosen an Neuroleptika zur Prophylaxe verordnet werden. Die Akutdosen werden jedoch häufig in der Praxis über Monate, Jahre oder Jahrzehnte verschrieben. Dies hat massive Einbußen an Lebensqualität und Lebenserwartung zur Folge. Zudem wird, falls trotz der Vorbeugemedikation eine Psychose auftritt, ein Vielfaches der normalen Akutdosis nötig, um noch eine Wirkung zu erzielen. Die folgende Tabelle dient der Unterscheidung zwischen hoher, mittlerer und niedriger Dosierung einiger Neuroleptika:

    Markenname

    niedrige Dosierung



    mittlere Dosierung

    Internationaler Freiname

    hohe Dosierung

    Abilify

    20



    25-40

    Aripiprazol

    45-120

    Seroquel

    25-100



    100-400

    Quetiapin

    400-1200

    Risperdal

    1-2



    2,5 - 3,5

    Risperidon

    4-9

    Zyprexa

    2,5 - 5



    5-10

    Olanzapin

    10-30

    Solian

    25-100



    100-400

    Amisulprid

    400-1200

    Leponex

    25-100



    100-400

    Clozapin

    400-1200

    Dognatil

    25-100



    100-400

    Sulprid

    400-1200

    Die niedrigste Dosierung beinhaltet die kleinste im Handel erhältliche Tablette. Natürlich kann man auch eine halbe oder eine viertel Tablette oder einen noch
    kleineren Bruchteil der kleinsten gehandelten Tablette einnehmen.
    In den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass die Pharmaindustrie die kleinste Dosierung einer neuen Substanz sehr hoch ansetzt. So ist etwa die kleinste gehandelte Dosis von Inwega 6 mg. Inwega ist das Hauptstoffwechselprodukt von Risperdal. Demnach wäre es doch logisch gewesen, die kleinste Dosierung ebenfalls bei einem Milligramm anzusetzen. Auch bei Zeldox und Abilify dürften die kleinsten gehandelten Tabletten zu groß sein.

    Woran merke ich, ob ich zuviel nehme?

    Ob ich nun Medikamente einnehme, kann ich sowohl an objektiven als auch an subjektiven Kriterien festmachen. Als objektive Kriterien gelten die Anzahl der Psychopharmaka (ab 3 beginnt spätestens der Missbrauch) und die Dosierung derselben. Subjektive Kriterien wären dahingegen der Schlaf, der Antrieb, das Körpergewicht oder aber die Sexualität. Also alles, was mit dem eigenen Wohlbefinden zusammenhängt. Die subjektiven Kriterien haben dabei dasselbe Gewicht wie die objektiven Kriterien zu. Läuft es nun gut mit einer hohen Dosis an Psychopharmaka, dann sollte man sich Reduktionsversuche genau überlegen. Andererseits muss man sich überlegen, ob die niedrige Dosis nicht doch zu hoch ist, wenn es einem schlecht geht mit einer niedrigen Dosis.
    Strategien, um Medikamente abzusetzen, wenn die Dosis zu hoch ist, finden sich unter www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de. Wer lange Zeit, also mehr als ein halbes Jahr, eine hohe Dosis eingenommen hat, der muss langsam reduzieren.

    Eine beliebte Lüge

    Eine beliebte Unwahrheit ist die Aussage „Das ist die kleinste Dosis" oder „Das ist die kleinste wirksame Dosis". Die kleinste Dosis einer Substanz ist immer gleich null. Neuroleptika sind 5-20 mal so stark wie Alkohol oder Tranquilizer. Deshalb ist die kleinste wirksame Dosis immer ein winziger Bruchteil der kleinsten gehandelten Tablette. Selbstredend gilt dies jedoch nur für nüchterne Konsumenten. Wenn ich ohnehin täglich 20 mg Zyprexa einnehme, dann wirkt ein zusätzliches mg Zyprexa fast gar nicht mehr. Habe ich jedoch wochenlang keine Psychopharmaka eingenommen, dann legt mich ein Milligramm Zyprexa in der Regel schlafen.

    Abhängigkeit, Sucht, Sucht und Versuchung

    Einigen Substanzen wird nachgesagt, dass sie den Konsumenten abhängig machen. Darunter befinden sich ärztlich verschriebene Mittel (z.B. Tranquilizer), legale Genussdrogen (Alkohol und Nikotin) und nur illegal erhältliche Substanzen (z.B. Heroin). Die erzeugte Abhängigkeit gilt gemeinhin als etwas Schlechtes.
    Der Mensch ist jedoch von Natur aus von vielem abhängig. So sind Atmung, Schlaf, Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr Notwendigkeiten unserer Existenz, von denen wir abhängig sind. Diese Art von Abhängigkeit wird im Gegensatz z.B. zur Alkoholabhängigkeit nicht als schlecht bewertet. Der Grund, warum die Abhängigkeit von Alkohol oder Nikotin als schlecht gilt, ist die verkürzte Lebenserwartung und die schlechtere Lebensqualität dessen., der dauerhaft die Substanz konsumiert.
    Die Medizin unterscheidet zwischen körperlicher und psychischer (seelischer) Abhängigkeit. Damit wird lediglich eine Aussage darüber getroffen, ob nach dauerhaftem Konsum einer großen Menge Alkohol oder Tranquilizer der kalte (= schlagartige) Entzug lebensgefährlich ist. Der Entzug anderer Substanzen kann ebenfalls heftige körperliche Begleiterscheinungen haben. Da bei anderen Substanzen der kalte Entzug aber nicht lebensgefährlich ist, sagt die Medizin, sie würden nur psychisch abhängig machen. Trotzdem sind auch bei anderen Substanzen als Alkohol und Tranquilizern massive körperliche Reaktionen auf den Entzug der süchtig machenden Substanz möglich. Bekannt ist dies vor allem vom Heroin. Doch können auch viele ärztlich verschriebene Psychopharmaka beim kalten Entzug massive körperliche Reaktionen auslösen. Erschwerenderweise ist beim schlagartigen Entzug der Substanz mit dem Wiedererscheinen des ursprünglichen Problems oder Symptoms (z.B. Depression, Angst, Psychose) zu rechnen.
    Die Unterscheidung zwischen Abhängigkeit und Sucht hat letzten Endes nur eine kleine praktische Bedeutung. Man kann sagen, dass Neuroleptika, Antidepressiva, Lithiumsalze und Antiepileptika nicht süchtig machen können, da nur sehr selten ein Verlangen nach der Substanzwirkung aufkommt. Abhängig machen können sie jedoch sehr wohl. Selbst die Neuroleptika, welche fast immer eine als unangenehm empfundene Wirkung haben, haben sehr viele Konsumenten in die Abhängigkeit geführt. Und ob das Übel dann unter Abhängigkeit oder unter Sucht zu führen ist, kann dem Geschädigten letzten Endes egal sein.

    Sucht und Versuchung

    Oft bekommt man zu hören, dass Neuroleptika (Antidepressiva, Phasenprophylaktika) im Gegensatz zu Schlafmitteln oder Tranquilizern nicht abhängig machen. Es handelt sich um einen weit verbreiteten Irrtum, der seitens der Ärzte bewusst gefördert wird, dass es Substanzen gebe, die abhängig machen und andererseits Substanzen existieren, die nicht abhängig machen. Das ist jedoch grundfalsch. Richtig ist, dass alles, was eine Wirkung hat, auch abhängig machen kann. Wirkungslose Substanzen können nicht abhängig machen. Und je besser eine Substanz wirkt, desto höher ist auch die Gefahr, von dieser abhängig zu werden.
    Das gilt beispielsweise für die pharmakologische Wirkung der Alltagsdroge Alkohol. Alkohol ist :

    • ein leidlich gutes Schlafmittel
    • ein vorzügliches Antidepressivum
    • ein vorzüglicher Angstlöser
    • in niedriger Dosierung euphorisierend

    Und weil es so eine gute Arznei (Droge, psychoaktive Substanz) ist, genau deswegen sind auch Millionen Menschen von ihr abhängig. Nur eine wirkungsvolle Substanz kann auch eine Versuchung sein. Und gibt man dieser Versuchung nun zu häufig nach, dann führt dies zu dem, was landläufig Sucht genannt wird.

    Typische und atypische Neuroleptika

    Wie wird nun ein klassisches Neuroleptikum auch zum Neuroleptikum? Das sind die Bewegungsstörungen, die ein dämpfendes Mittel auslösen muss, um ein Neuroleptikum zu sein. Je stärker die Bewegungsstörung ausfällt, desto höher errechnet sich die neuroleptische Potenz. Die Bewegungsstörungen, welche diese Mittel auslösen, sind also keine Nebenwirkung und damit keine unerwünschte Wirkung, sondern sie sind genau das, was man mit einem typischen Neuroleptikum erzielen will. Trotzdem wurde jahrzehntelang systematisch gelogen, diese Bewegungsstörungen seien ein Teil der Krankheit an sich, eine hysterische Reaktion usw.
    Neuroleptika haben keine spezifische antipsychotische Wirkung an sich. Es handelt sich dabei einfach nur um sehr starke Dämpfüngsmittel. Die „Psychose" verschwindet dann fast immer mit der Wiederherstellung ausreichenden Schlafs. Neben den „psychotischen" Gedanken und der Angst dämpfen die Mittel bei längerem Konsum auch viele erwünschte Fähigkeiten und Interessen. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen : Ein noch so starkes nichtklassifiziertes Schlafmittel oder ein noch so starker Tranquilizer sind so lange kein Neuroleptikum, so lange sie nicht den Bewegungsablauf des konsumierenden Menschen stören.
    Klassische Neuroleptika zeitigen neben den für sie typischen Bewegungsstörungen noch viele andere quälende und schädigende Wirkungen. Dem interessierten Leser sei dazu entweder die Datenbank des Arzneitelegramms (die CD kostet 50,- €) oder das Buch „Schöne Neue Psychiatrie" von Peter Lehmann (2 Bände für 34,80 €). ans Herz gelegt.
    Die Einführung der atypischen Neuroleptika hat drei Gründe als Ursache. Das Leid der Patienten spielte dabei keine Rolle, wohl aber die fehlende Compliance (Zusammenarbeit mit dem Arzt bzw. Unterwerfung unter die ärztliche Herrschaft). Dies führte nämlich dazu, dass der von Pharmaindustrie und Ärzten angestrebte lebenslange Konsum häufigst durch erfolgreiche eigenmächtige Absetzversuche unterbrochen wurde. Dann erstritten da einige von durch Spätdyskinesien beschädigte US-Bürger einen Schadensersatz in Millionenhöhe. Dabei handelt es sich um Spätbewegungsstörungen, also dauerhafte Beschädigungen des Bewegungsablaufes, welche im Gegensatz zu den Frühdyskinesien nach dem Absetzen des Neuroleptikums nicht mehr verschwinden. Der dritte und wohl wichtigste Grund für die Einführung atypischer Neuroleptika war der Ablauf des Patentschutzes auf alle klassischen Neuroleptika.

    Patentschutz - Die Lizenz zum Gelddrucken

    Nach der Anmeldung als Patent sind neue Arzneimittel 20 Jahre lang patentgeschützt. Das bedeutet dann, dass nur der Inhaber des Patents dieses Arzneimittel herstellen und einen Preis dafür festsetzen darf. Egal wie hoch dieser Preis ist, sobald das Medikament zugelassen ist und ein Arzt es verschreibt, muss dieser Preis von den Krankenkassen und damit letzten Endes von den Versicherten bezahlt werden. In der Zeit bis zum Ablauf des Patentschutzes ist es für den Patentinhaber wichtig, innerhalb der Laufzeit des Patentschutzes möglichst viel Medikamente zu verkaufen. Nach Ablauf des Patentschutzes darf jeder das Medikament (den Wirkstoff) herstellen, der eine chemische Fabrik und ein Vertriebsnetz hat. Die Hersteller der Generika (nachgeahmte Medikamente) verlangen einen niedrigeren Preis, um ebenfalls ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Daraufhin bricht der Umsatz des Originalpräparats ein und / oder der ehemalige Patentinhaber muss massiv den Preis senken, um weiterhin Gewinne zu erzielen. Generika enthalten exakt den gleichen Wirkstoff wie das originale Präparat. Durch Verwendung anderer Zusatzstoffe (Stabilisatoren, Farbstoffe usw.) ist es jedoch möglich, dass die Verstoffwechselung anders ist. Diese manchmal vorhandene andere Wirkung wird von im Schnitt 5% der Konsumenten bemerkt.
    Aber zurück zum finanziellen Aspekt: Während der Patentlaufzeit werden Ärzte, also die Meinungsbildner, massiv finanziell beeinflusst, damit sie das neue
    Präparat verschreiben. Das beginnt mit der Bereitstellung von kostenlosem Büromaterial, geht über kostenlose Ärztemuster hin zu pharma-gesponserten Weiterbildungen und ist bei von der Pharmaindustrie bezahlter „Forschung" noch lange nicht zu Ende. Üblich sind auch Geschenke von Unterhaltungselektronik
    aber auch Barzahlungen sowie Überweisungen auf Schweizer Nummernkonten.
    Damit erklärt es sich, warum in regelmäßigen Abständen fast alle Patienten einer Psychiatrie plötzlich auf ein neues Medikament umgestellt werden. Jede Umstellung ist mit Risiken behaftet. Dabei kommt den Ärzten ein weit verbreiteter Irrturm zu Gute. Menschen setzen nämlich sehr gerne neu mit gut gleich. Dabei haben beide Worte überhaupt nichts miteinander zu tun. Neu ist neu und gut ist gut. Auch der Nationalsozialismus oder die Pest waren irgendwann neu.
    Die Bestechlichkeit der Ärzteschaft und die Gutgläubigkeit der Patienten erzeugen dann beispielsweise nur bei Zyprexa nur in 2006 einen weltweiten Umsatz von 4,36 Mrd. Dollar. Dabei gehört es zu den einkalkulierten Kosten, dass es vor US-Gerichten zu Vergleichen über 1,2 Mrd. Dollar für das absichtlich verschwiegene Diabetesrisiko kam.

    Atypische Neuroleptika

    Das Merkmal von Neuroleptika sind Bewegungsstörungen, also sind stark dämpfende Mittel, die keine Bewegungsstörungen hervorrufen, auch keine Neuroleptika. Aber keine Bange, denn es gilt :

    • Amisulprid/Solian: extrapyramidale Symptome 22%, Akathisie (Sitzunruhe) 1-10%
    • Risperdal/Risperidon: extrapyramidale Symptome 17%, nach Hochdosierungen 34%
    • Seroquel/Quetiapin: Akathisie, Dyskinesie, Dystonie19 und extrapyramidale Symptome alle ohne Einstufung der Häufigkeit
    • Dystonie steht für anhaltende oder zeitweise auftretende unwillkürliche Muskelanspannungen, die ihre Ursache haben in einer fehlerhaften Ansteuerung durch das Gehirn
    • Zeldox/Ziprasidon: Akathisie 8%, Blickkrampf häufig, Dystonie 4%, extrapyramidale Symptome 5%, Tremor ( Zittern ) häufig
    • Zyprexa/Olanzapin extrapyramidale Symptome dosisabhängig bis 19%, Akathisie 6%.

    Dazu gehören auch Atypika wie Dogmatil/Sulpirid (das Älteste), Leponex/Clozapin (das Zweite), Nipolept/Zotepin, Abilify/Aripiprazol (das Zweitjüngste), Invega/Paliperidon (der Benjamin). Serdolect/Sertindol wird wegen gefährlicher Herzrhythmusstörungen nur äußerst selten verschrieben.
    Das recht gute Ergebnis mit kaum Bewegungsstörungen wurde in einigen Untersuchungen damit erzielt, in dem sehr hohe Dosierungen von z.B. Haloperidol gegen relativ niedrige Dosierungen von z.B. Zyprexa Verwendung fanden. Eindeutig dämpfend sind von den Atypika Leponex, Nipolept, Zyprexa, Risperdal und Invega. Die dämpfende Wirkung von Solian und Seroquel ist nicht eindeutig bestimmbar, bei Zeldox und Abilify erlebt ein bedeutender Teil der Konsumenten sogar eine aufputschende Wirkung bis hin zur Auslösung von „Psychosen".
    Die eventuellen Vorteile der Atypika im Bereich der Bewegungsstörungen werden mit erhöhtem Diabetes-Risiko und noch stärkerer Gewichtszunahme als bei den klassischen Neuroleptika erkauft.

    Depotneuroleptika

    Bei den Depotneuroleptika handelt es sich für kritische Kreise um eine besonders perfide Form der psychiatrischen Versklavung. Dies liegt daran, dass sie nicht ohne Mitwirkung des Arztes reduziert werden können, außer man riskiert einen gefährlichen kalten Entzug. Die Psychopharmaka werden in diesem Falle in den
    Gesäßmuskel gespritzt und über die Dauer von 1 bis 4 Wochen freigesetzt. Nach der Spritze setzt oft Müdigkeit ein, am Ende des Depotzeitraums kommt es oft zum leichten Entzug. Wer dämpfende Substanzen einnimmt, sollte dies schwerpunktmäßig (besser noch ausschließlich) abends einnehmen. Dämpfende Substanzen dienen schließlich der Erzielung von Schlaf und der Unterstützung des Tag-Nacht-Rhythmus. Also wäre es barer Unsinn, diese in solchen Abständen zu nehmen. Der Magen-Darm-Trakt wird durch Depotneuroleptika weniger als durch Tabletten/Tropfen belastet. Dieser Vorteil wiegt aber die Nachteile dieser Verabreichungsform nicht auf.
    Umrechnung auf Tabletten:

    • 1 ml Fluanxol-depot 2%ige Lösung entspricht 20 mg, es gibt auch 10%ige Lösung
    • 1 ml Haldol-decanoat entspricht 50 mg Haloperidol Risperdal-Spritzen sind bereits in mg angegeben.
    • Femer gibt es Lyogen/Dapotum/Fluphenazin-depot (bereits in mg angegeben),
    • Decentan-depot (Angabe in mg), Ciatyl-depot (Angabe in mg), Imap-Depotspritzen (hier gibt es keine Tabletten).
    • Und ganz neu: Auch Zyprexa gibt es als Depotspritze.

    Ausgewählte Nebenwirkungen häufig verordneter atypischer Neuroleptika (1) bis (5)

    Quelle ist die Arzneimitteldatenbank des Arznei-Telegramms, Stand 12-2006.

    Nebenwirkungen Abilify (Aripiprazol)

    Sehr häufig (d.h. bei mehr als 10% der Konsumenten) 9 Nebenwirkungen verzeichnet
    Angst 25%, Brechreiz, Erbrechen 12%, extrapyramidale Symptome (= Bewegungsstörungen) 15-26%,
    Kopfschmerzen 32%, Müdigkeit 9-15%, Schlafstörungen 24%, Somnolenz (= abnorme Schläftigkeit) 9-15%,
    Übelkeit 14%
    Häufig (d.h. bei 1-10%) 56 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Akathisie (= Sitzunruhe) 10%, Appetitlosigkeit, Augenschmerzen, Brustschmerzen, Depression, Diabetes mellitus, Gedächtnisstörung, Gewichtsabnahme,
    Gewichtszunahme 8%, Harninkontinenz 6%, Hauttrockenheit, Husten 3%, Magen-Darm-Störung, Manie, Obstipation (= Verstopfung), Panikstörung, Schluckauf,
    Schwächezustand 7%, Tod.
    Gelegentlich (d.h. bei 0,1 bis 1%) 101 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Akne, Arthrose, Blickkrampf, Durst, Herzinfarkt, Karies, Nierenversagen, Schüttelfrost, Spätdyskinesie, Suizidalität, Tinnitus.
    Selten (d.h. bei weniger als 0,1% der Konsumenten) 60 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Bluthusten, Gicht, Lungenembolie, Lungenödem, Schlaganfall, Thrombose.
    Ferner (d.h. ohne Einstufung) 24 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Herzrhythmusstörungen, Muskelschmerz, Rückenschmerzen.
    49 Tabletten zu 5 mg kosten 361,89 €.

    Nebenwirkungen Seroquel (Quetiapin)

    Sehr häufig (d.h. bei mehr als 10% der Konsumenten)
    Kopfschmerzen 19%, Müdigkeit 18%, Benommenheit, Somnolenz (= abnorme Schläfrigkeit).
    Häufig (d.h. bei 1-10%) 26 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Angst 5%, Bewusstseinsstörung 1% - ggf. Zeichen eines malignen (= bösartigen) neuroleptischen Syndroms, Blutbildungsstörung, Erregungszustand bis 9%, Fieber 2%, Gewichtszunahme 2%, Hautausschlag 4%, Hypotonie (= niedriger Blutdruck) 1-10%, Magen-Darm-Störung, Mundtrockenheit 8%, Obstipation (= Verstopfung) 9%, Ohrenschmerzen 1%, Rückenschmerzen 2%, Schlafstörungen bis 10%, Schwindel 10%, Tachykardie (= Herzrasen) 7%, Therapieabbruch wegen Unverträglichkeit 5%.
    Gelegentlich (d.h. bei 0,1 bis 1%) 7 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Krampfanfälle 0,8%, Thrombose
    Selten (d.h. bei weniger als 0,1% der Konsumenten) 25 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Agranulozytose (= Absterben der weißen Blutkörperchen), Ateminsuffizienz - Einzelbericht:akutes Atemversagen nach Einzeldosis bei einem Patienten
    mit COPD, Diabetes mellitus - Einzelberichte, Grand mal, diabolisches Koma, Leberinsuffizienz - tödliches Leberversagen, Einzelbericht, Leberschaden-Einzelbericht, Spätdyskinesie, Tod - durch malignes neuroleptisches Syndrom; auffällig erhöhte Mortalität bei Alterspatienten mit Demenz
    Ferner (d.h. ohne Einstufung) 25 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Akathisie (= Sitzunruhe), Diarrhö (= Durchfall), Haminkontinenz, Harnverhaltung, Herzrhythmusstörungen - ggf. Zeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms,
    Hypomanie, Nierenversagen - ggf. Zeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms, Ödem, Verwirrtheit.
    100 Tabletten zu 25 mg kosten 88,76 €.

    Nebenwirkungen Zyprexa (Olanzapin)

    Sehr häufig (d.h. bei mehr als 10% der Konsument/inn/en) 13 Nebenwirkungen verzeichnet
    Aggressivität bis 15%, Erregungszustand bis 23%, extrapyramidale Symptome (dosisabhängig bis 19%), Gewichtszunahme - um 7% und mehr vom Ausgangswert (17% bzw. 40% bei 1,5- bzw. 12-monatiger Einnahme), Hyperprolaktinämie (=erhöhter Spiegel des Prolaktinspiegels bei Frauen), Kopfschmerzen bis 17%, Müdigkeit dosisabhängig bis 39%, Mundtrockenheit bis 13%, Nervosität 15%, Obstipation (= Verstopfung) dosisabhängig bis 15%, Schwächezustand bis 20%, Schwindel dosisabhängig bis 17%, Somnolenz (= abnorme Schläftigkeit) bis 39%.
    Häufig (d.h. bei 1-10%) 68 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Abdommalschmerzen 4%, Akathisie (= Sitzunruhe) 6%, Angst 9%, Appetitsteigerung 2%, Arzneimittelabhängigkeit 2%, Augenerkrankung 2%, Brustschmerzen 4%, Diarrhö (= Durchfall) 3%, Durst, Dyskinesie, Einschränkung des Reaktionsvermögens, Erbrechen, Fieber 5%, Gedächtnisstörung 2%, Gelenkbeschwerden 2%, Halluzinationen, Haminkontinenz, Hamwegsinfektion, Hautausschlag 2%, Husten 5%, Hypotonie (= niedriger Blutdruck) 2%, Knöchelödem 2%, Menstruationsstörung 2%, Neurose 1%, Ödem 2%, orthostatische Hypotonie 5%, Persönlichkeitsstörung 8%, Rachenentzündung dosisabhängig bis 10%, Rhinitis (= Schnupfen, Nasenschleimhautentzündung) 10%, Rückenschmerzen 4%, Schmerzen 10%, Sprechstörung 4%, Suizidalität, Tachykardie (= Herzrasen) 4%, Tremor bis 7%, Übelkeit bis 9%, Verwirrtheit 1%.
    Gelegentlich (d.h. bei 0,1 bis 1%) 94 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Apnoe, Arthritis, Asthma bronchiale, Augenblutung, Augenentzündung, Augen-schmerzen, Beckenschmerzen, Bluthusten, Blutstuhl, Blutung, Delirium, Diabetes mellitus, Ejakulationsstömng, Ekzem, Gastritis, Gicht, Harnverhaltung, Hörstörung, Impotenz, Koma, Libidosteigerung, Libidoverlust, Migräne, Nasenbluten, Phobie, Schluckstörung, Schüttelfrost, Störung des Geschmacksinns, Tinnitus, Wadenkrämpfe, Zungenödem.
    Selten (d.h. bei weniger als 0,1% der Konsumenten) 60 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Anämie, Glaukom, Herzblock, Herzinfarkt-Verdachtsberichte, Herzkreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen-Einzelberichte, Kammerflimmem, Knochenschmerzen, Krampfanfälle, Lungenembolie, malignes neuroleptisches Syndrom, Neuralgie, Niereninsuffizienz, Nierenversagen, akutes Nierenversagen, Priapismus (schmerzhafte Dauererektion), Thrombose, Tod, Venenthrombose,
    Ferner (d.h. ohne Einstufung) 22 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Halsschmerzen, Leberschaden, Schlaganfall (Risiko im Vergleich zu Plazebo dreifach erhöht,insbesondere bei Patienten über 75 Jahre und mit Demenz
    (0,4% vs. 1,3%).
    56 Tabletten zu 2,5 mg kosten 137,67 €.

    Nebenwirkungen Solian (Amisulprid)

    Sehr häufig (d.h. bei mehr als 10% der Konsumenten) 3 Nebenwirkungen verzeichnet:
    Angst 11%, extrapyramidale Symptome (= Bewegungsstörungen) 22%, Schlafstörungen 14%
    Häufig (d.h. bei 1-10%) 17 Nebenwirkungen verzeichnet:
    Akathisie (= Sitzunruhe) 1-10%, Brechreiz, Einschränkung des Raktionsvermögens, Erbrechen, Erregungszustand 4%, Galaktorrhö (= Milchfluss) 4%, Gewichtszunahme 3%, Hypokinese 1-10%, Magen-Darm-Störung, Müdigkeit 5-10%, Nervosität 2%, Obstipation (Verstopfung), Rigor 1-10%, Speichelfluss 1-10%, Tremor 1-10%, Übelkeit, Unruhezustand 5-10%
    Gelegentlich (d.h. bei 0,1 bis 1%) 6 Nebenwirkungen verzeichnet:
    Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation) 0,9%, Hyperprolaktinämie (Erhöhung des Prolaktinspiegels), Menstruationsstörung 0,9%, Mundtrockenheit,orthostatische Hypotonie (bei Wechsel in die aufrechte Körperlage (Orthostase) auftretende Regulationsstörung des Blutdrucks), Schwindel
    Selten (d.h. bei weniger als 0,1% der Konsumenten) 7 Nebenwirkungen verzeichnet:
    Dystönie - akute, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Koma, Krampfanfälle, malignes neuroleptisches Syndrom, Rhabdomyolyse (Auflösung quergestreifter Muskelfasern), Torsade de pointes (spezielle Form einer Herzrhythmusstörung)
    Ferner (d.h. ohne Einstufung) 23 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Allergische Reaktion, Blickkrampf, Blutdruckabfall, Dyskinesie, EKG-Verämderungen - dosisabhängige QT- Verlängerung, Fieber - hohes, Impotenz, Orgasmusstörung, Parkinson-Syndrom, Schiefhals, Spätdyskinesie, Zungenschlundsyndrom
    100 Tabletten zu 50 mg kosten 55,74 €.

    Nebenwirkungen Risperdal (Risperidon)

    Sehr häufig (d.h. bei mehr als 10% der Konsumenten) 6 Nebenwirkungen verzeichnet
    Angst bis 20%, extrapyramidale Symptome (= Bewegungsstörungen) 17%, nach Hochdosierungen 34%, Kopfschmerzen bis 14%, Müdigkeit bis 41%, Obstipation bis 13%, Schlafstörungen - mit Schlaflosigkeit bis 26%, verlängerter 1% oder verkürzter Schlafdauer
    Häufig (d.h. bei 1-10%) 50 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Abdominalschmerzen bis 4%, Aggressivität bis 3%, Appetitlosigkeit 1%, Arthralgie (= Gelenkschmerz) bis 3%, Atemwegsinfektion - obere Atemwege 3%, Brechreiz, Brustschmerzen bis 3%, Depression 1-10%, Durst 1%, Erbrechen bis 7%, Erektionsstörung 1%, Erschöpfung 1-10%, Fieber bis 3%, Gewichtszunahme, Hautausschlag bis 5% selten mit Blasen, Hauttrockenheit bis 4%, Husten 3%, Impotenz, Libidoverlust 1%, Polyurie (= krankhaft erhöhte Urinausscheidung) 1%,Rachenentzündung bis 3%, Rhinitis (= Schnupfen, Nasenschleimhautentzündung) bis 10%, Rückenschmerzen bis 2%, Schwindel bis 7%, Sehstörungen bis 2%, Tachykardie (= Herzrasen) bis 5%, Übelkeit bis 6%, Zahnschmerzen bis 2%.
    Gelegentlich (d.h. bei 0,1 bis 1%) 67 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Akne, Appetitsteigerung, Blähungen, Blutstuhl, Diabetes mellitus, Diarrhö (= Durchfall), Euphorie, Gastritis, Gedächtnisstörung, Hämorrhoiden, Haminkontinenz, Hautabschälung, Herzinfarkt, Konzentrationsstörung, Krampfanfalle 0,3%, Muskelschmerz, Nasenbluten, Nervosität, Ödem, Schluckstörung, Sprechstörung, Stupor, Tod -insbesondere bei Alterspatienten mit Demenz, Verwirrtheit.
    Selten (d.h. bei weniger als 0,1% der Konsumenten) 98 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Albträume, Arthritis, Arthrose, Asthma bronchiale, Augenschmerzen, Delirium, EKG-Veränderungen, Harnverhaltung, Hautulkus, Hitzegefühl, Hypomanie, Koma, Leberversagen, Leberschaden, Magen-Darm-Blutung, malignes neuroleptisches Syndrom. Manie -Einzelbericht, Migräne, Niereninsuffizienz, Priapismus, Schiefhals, Schlaganfall insbesondere bei Demenzpatienten, Stottern, Stuhlinkontinenz, Thrombose, Tinnitus, Tod plötzlicher - Herztod, Wadenkrämpfe, Warzen.
    Ferner (d.h. ohne Einstufung) 33 Nebenwirkungen verzeichnet, eine Auswahl:
    Frühdyskinesie, Hämatom, Kanzerogenität möglich -bei Nagern nach Hochdosen vermehrt Mammakarzinome, Knochenschmerzen, Miktionsstörung, Muskelschwäche, Tumorigenität möglich - bei Nagern nach Hochdosierungen vermehrt Hypophysen- und Pankreasadenome.
    50 Tabletten zu 0,5 mg kosten 64,14 €.

    Quellen

    • Josef Zehentbauer - Chemie für die Seele, 10. Aufl. 2006, 19,90 €
    • Asmus Finzen, "Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen", 14,90 €
    • Peter Lehmann, "Schöne Neue Psychiatrie", 34,80 €
    • Peter Lehmann (Hg.),"Psychopharmaka absetzen", 3. Aufl. 2008 für 19,90 €
    • Kurt Langbein u.a., "Gesunde Geschäfte, Die Praktiken der Pharmaindustrie", Köln 1981 beschrieben.
    • Jörg Blech, "Die Krankheitserfinder", 8,90 €
    • Marcia Angell, "Der Pharmabluff - Wie innovativ die Pharmaindustrie wirklich ist", 24,80 €
    • http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/
    • 1. Guidelines for the Care and Use of Mammals in Neuroscience and Behavioral Research, Institute for Laboratory Animal Research (ILAR), National Research Council, The National Academies Press, 2003, ISBN 978-0-309-08903-6, S. pg 121: „Sleep deprivation of over 7 days with the disk-over-water system results in the development of ulcerative skin lesions, hyperphagia, loss of body mass, hypothermia, and eventually septicemia and death in rats (Everson, 1995; Rechtschaffen et al., 1983).“

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