Willkommen im Land der Trinker und Kiffer

DROGEN IN DEUTSCHLAND - Willkommen im Land der Trinker und Kiffer

Es ist die bisher größte Erhebung zum Drogenkonsum in Deutschland. ZEIT ONLINE hat 22.000 Menschen befragt und kommt zu dem Ergebnis: Die größte Gefahr ist der tolerierte Suff.

Mitte bis Ende 20, Student, grundsätzlich glücklich, ziemlich gesund und interessiert daran, es zu bleiben. Trinkt viel Alkohol und raucht auch mal Gras. Das ist der alltägliche, aber kaum bekannte Drogenkonsument von heute. Er ist eher unauffällig und zufrieden und liegt nicht kaputt und abhängig in der Gosse.

Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland ein Land der Trinker und Kiffer ist . Es handelt sich um die weltweit größte Drogenumfrage im Netz, den Global Drug Survey. ZEIT ONLINE hatte November 2013 dazu aufgerufen, daran teilzunehmen. 22.359 Menschen in Deutschland haben mitgemacht - das sind mehr als bisher in einem anderen Land. Derart genau haben die Deutschen nie zuvor beschrieben, was sie rauchen, schnupfen, trinken und einwerfen. Egal, ob es um legale Drogen ging oder verbotene Stoffe.

Diese Deutschen finden sich nicht in den Zahlen der Polizei oder der Notaufnahme. Ihre Berichte lassen klar darauf schließen, dass Drogen keineswegs nur eine Randerscheinung heruntergekommener Stadtviertel sind, in denen kriminelle Banden ihren Stoff an Süchtige verticken.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer hatte im Jahr vor der Umfrage gekifft, 20 Prozent schluckte Ecstasy oder schnupfte MDMA als Pulver. 13 Prozent koksten - oft bis zu zehn Mal in diesem einen Jahr. Zehn Prozent vergnügten sich mit halluzinogenen Pilzen und acht Prozent begaben sich auf einen LSD-Trip.

"Die meisten suchen keine Behandlung, sind weder im Gefängnis noch sorgen sie für Gewalt auf der Straße", meint Adam Winstock. Er ist Psychiater und Suchtforscher und hat hat den Online-Fragebogen des Global Drug Surveys konzipiert. Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht sammle die Erfahrungen "der versteckten Masse an Menschen, die in jeder Straße wohnen und jedes Büro bevölkern. Sie sind Familie und Freunde."

Die einzelnen Ergebnisse sollten jedoch vorsichtig ausgewertet werden. ZEIT ONLINE hat Leser gezielt dazu aufgerufen, an der Umfrage teilzunehmen. "Daher gehe ich davon aus, dass die deutsche Stichprobe aus Menschen besteht, die gebildeter und erfahrener sind im Umgang mit Drogen als der Durchschnitt", meint der Mediziner Winstock. Die anonymen Antworten lassen deshalb keine Verallgemeinerung zu, weil sie nicht von Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung stammen.

50 % der deutschen Umfrageteilnehmer steht noch in der Ausbildung stehen oder studiert. Die befragten Teilnehmer sind im Schnitt 27 Jahre alt, mehr als 70 Prozent der Teilnehmer sind männlich. Die Zahlen sind also nicht repräsentativ für ganz Deutschland. Nichtsdestoweniger eignen sie sich dazu, einen tiefen, detaillierten Einblick in das Verhalten von Menschen zu bekommen, die Drogen nutzen. Sie tun das weniger aus Sucht sondern weil sie es können und sich bewusst dafür entscheiden.

Was für Menschen sind das nun? Viele sind fit und haben kein Übergewicht. Jeder Dritte zieht mindestens einmal im Monat durch Clubs und viele unter ihnen machen sich Gedanken über die eigene Gesundheit. So unscheinbar sie auch daher kommen und so vernünftig viele hin und wieder den Rausch suchen, gilt jedoch laut Winstock trotzdem: "Es gibt auch welche, die nicht glücklich sind und ernsthafte Probleme haben, sie wollen weniger Drogen nehmen und wünschen sich Hilfe" Die größte Gefahr lauert dabei weniger in den verbotenen Substanzen als in Alkohol und Tabak.

Die Deutschen, bei denen Bier und Wein selbstverständlich zur Kultur gehören, unterschätzen gerade die Folgen des Alkohols dramatisch. 96 Prozent der deutschen Teilnehmer des Global Drug Surveys trinken regelmäßig. 44 Prozent trinken genug, um eingestuft zu werden als Menschen mit riskanten Trinkgewohnheiten, die zur Sucht führen können. Zwei Drittel der Befragten wissen nicht, wie viel Alkohol nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Ordnung ist.

Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht zeigt auch das Suchtpotenzial von Nikotin auf: Zwei Drittel aller Teilnehmer rauchten im Jahr vor der Umfrage Zigaretten. Jeder Zweite darunter will das Rauchen reduzieren oder ganz aufhören. Von keiner anderen Droge als Tabak wünschen sich die Menschen mehr Abstinenz.

Alkohol und Tabak sind seit Jahrzehnten in Deutschland die Suchtmittel, die bezogen auf die Gesamtbevölkerung die schwersten Folgen haben: Jährlich versterben 74.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholkonsums, 110.000 sterben an den Leiden, die ihr Rauchverhalten auslöst 1. 944 Menschen starben dahingegen 2012 direkt an illegalen Drogen. Die meisten von ihnen konsumierten Amphetamine und Kokain .

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die verbotenen Rauschmittel harmloser sind. Aber auch nicht alles, was verboten ist, verursacht mehr Schaden. Und was erlaubt ist, ist nicht unbedenklich. "Ganz gleich, ob legale oder illegale Rauschmittel: Was fehlt, ist ein effektiver Jugendschutz und Konsumentenschutz", meint Raphael Gaßmann. Er ist Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. "Es hat einen sehr guten Grund, weshalb nicht für illegale Drogen geworben werden darf. Nur leider ist das für Alkohol noch kaum und für Zigaretten nur bedingt geregelt." Die Rauchverbote, Werbebeschränkungen und höheren Steuern zeigen Wirkung. "Vor zehn Jahren waren es noch etwa 30 Prozent der Bevölkerung, die neu anfingen zu rauchen, jetzt sind es noch etwa zehn Prozent. Das ist einer der größten gesundheitspolitischen Erfolge seit dem Zweiten Weltkrieg."

Die Gesetze orientieren sich jedoch auch heute nicht an den tatsächlichen Risiken der einzelnen Substanzen. Profit ziehen daraus nicht nur jene Firmen, die mit dem Verkauf von Spirituosen, Bier und Wein sowie Tabak und Zigaretten ihr Geschäft machen. Auch der deutsche Staat bedient sich über Alkohol- und Tabaksteuer und nimmt etwa 18 Milliarden Euro im Jahr eins.

Der Drogenpolitik fehlt ein solides wissenschaftliches Fundament. Die Behörden machen nicht öffentlich, was Cannabis, Ecstasy, Kokain und andere illegale Substanzen im Detail für Folgen haben. "In Deutschland gibt es kaum Konsumentenschutz für verbotene Stoffe, gleich ob grundsätzliche Konsuminformationen oder sogenanntes Drug checking. Das wird schnell mit Unterstützung des Konsums gleich gesetzt", moniert der Suchtexperte Gaßmann. "Da stehen Sie mit einem Bein in der Illegalität." Gerade eine breite Aufklärung könnte jedoch den Konsum von Drogen sicherer machen. Man zieht es vor, die zu kriminalisieren, die zu verbotenen Substanzen greifen, ohne Beleg, dass sie sich damit mehr schaden als die Trinker oder Raucher im Land.

Cannabis ist in Deutschland und weltweit die am häufigsten genutzte illegale Droge. Die Hochrechnung ergibt mehr als zwei Millionen Deutsche Joints drehen, Bongs rauchen oder Hasch nehmen. 46 Prozent der Teilnehmer des Global Drug Survey hatten im Jahr vor der Umfrage gekifft. Für ein Gramm Gras zahlten sie durchschnittlich zwölf Euro. Das reicht den meisten für vier Joints.

Cannabis birgt auch Gefahren: Besonders für Jugendliche ist das Rausch auslösende Tetrahydrocannabinol (THC) im Hanf riskant 2. Psychische und kognitive Schäden, mangelnde Konzentration und depressive Störungen treten oft bei regelmäßigem Kiffen auf3. Viele Kiffer unterschätzen die Gefahr von Lungenschäden, wenn sie ihr Gras mit Tabak rauchen. 84 Prozent der Konsumenten führen sich das Rauschgift auf diese Weise zu. Die Kombination von Gras und Tabak erhöht zudem das Abhängigkeitspotenzial 4. Die Behauptung der Medien, dies sei tödlich, stimmt jedoch nicht.

In einer Liste der schädlichsten Substanzen 5 sind Alkohol und Tabak weit höher positioniert als Cannabis . Zieht man die sozioökonimischen Folgen der Droge in Betracht, dann führt Alkohol die Liste an, wie der Pharmakologe und Suchtexperte David Nutt für Großbritannien ausgewertet hat. Alkohol fügt nicht nur dem Einzelnen Schaden zu, sondern auch der Gesellschaft. Gewalttaten, Unfälle und Verbrechen unter Alkoholeinfluss treten häufig auf. Außerdem macht übermäßiges Trinken viele krank.

Strengere Gesetze werden kaum etwas daran ändern. Dies zeigte sich schon bei Cannabis, Ecstasy und Koks. Trotz des Verbots verschwanden die Drogen nicht vom Markt. Das Strafrecht hat auch keine abschreckende Wirkung. "Seit 1971 das Betäubungsmittelgesetz erlassen wurde, hat die Verfügbarkeit von Drogen stetig zugenommen. Der Staat hat keine Kontrolle", erläutert der Rechtsprofessor Lorenz Böllinger. Über 120 Strafrechtsprofessoren stellten in einer gemeinsamen Resolution fest, dass viele Verbote "sozialschädlich und unökonomisch" seien . Böllinger ist einer der Initiatoren. Die Fachleute fordern die Bundesregierung auf, das Betäubungsmittelgesetz radikal zu ändern. Die derzeitig betriebene Drogenpolitik schade den Bürgern. Sie fördert nämlich die organisierte Kriminalität und den Schwarzmarkt für Drogen. Zudem werden die Drogenkonsumenten in "kriminelle Karrieren" gezwungen.

Falls der Besitz kleinerer Mengen illegaler Substanzen wie Cannabis nicht bestraft würde, dann fiele es fast der Hälfte der 17.000 Menschen, die auf diese Frage antworteten, wesentlich leichter, sich zu outen und ihren Drogenkonsum zu offenbaren. Über 60 Prozent gaben an, dass sie bei gelockerten Gesetzen weder mehr Drogen nehmen noch weitere Rauschmittel ausprobieren würden.

Jeden zweiten Umfrageteilnehmer beschäftigt es, welche Folgen legale und illegale Drogen haben können. Es versetzt sie in Sorge, wenn Freunde Alkohol tranken, kifften, Ecstasy nahmen oder rauchten. Die meisten unter ihnen möchten ihren Konsum vermindern und möchten wissen, wie sie, wenn sie Drogen konsumieren, verantwortlicher damit umgehen können.

"Je sicherer Drogenkonsum ist, desto angenehmer ist er", meint Winstock. Kaum ein deutscher Teilnehmer des Global Drug Surveys verwendet etwa verschreibungspflichtige Medikamente für einen Rausch, lediglich drei Prozent probierten Legal Highs aus. Das sind frei verkäufliche Badesalze oder Kräutermischungen, deren Inhaltsstoffe in der Regel unbekannt und damit gefährlich sind.

Viele Menschen konsumieren nicht nur eine Droge. 60 Prozent der Teilnehmer verwenden gleichzeitig Alkohol, wenn sie Ecstasy nehmen. Die Folgen und Nebenwirkungen des Wirkstoffs MDMA sind dann nicht mehr kalkulierbar. Die Leber kann schneller Schäden erleiden 6. Auch Kokser handeln ähnlich, wodurch sich die Risiken für sie deutlich erhöhen.

Auffällig war die große Anzahl an Teilnehmern, die sich im Jahr vor der Umfrage Koffeinpulver durch die Nase gezogen haben. Das kann zu gefährlichem Herzrasen führen. Fünf Prozent benutzten Koffeinpulver und weitere neun Prozent schluckten Koffeintabletten. Eventuell ein neuer Trend? "Koffeinpulver ist uns noch nicht untergekommen", meint Raphael Gaßmann. Das könnte seinen Grund darin haben, dass die Ergebnisse vieler repräsentativer Umfragen meist zwei Jahre alt sind. Insgesamt würde es Gaßmann aber nicht überraschen. "Das bestätigt, was wir in den vergangenen zehn Jahren sehen: Aufputschende Drogen verdrängen solche, die tendenziell ruhiger machen."

Drogen sind Alltag. Harte Gesetze nützen nicht, um sie sinnvoll in besser und schlechter einteilen. Die meisten der Menschen, die sich für legale und illegale Drogen interessieren, haben den Wunsch, ernst genommen zu werden. Sie wollen gesund leben, Spaß haben und ja, auch mal high sein. Um sich zu schützen müssen sie jedoch die negativen Folgen von Drogen kennen.

Falls die Verantwortlichen der Drogenpolitik am aktuellen Vorgehen festhalten, dann werden sie diese Menschen nicht erreichen. Die Ergebnisse des ZEIT-ONLINE-Drogenberichts zeigen Bedarf daran, die aktuellen Gesetze und Regelungen zu hinterfragen.

Alle Ergebnisse des ZEIT-ONLINE-Drogenberichts finden Sie hier in der Übersicht. Die Auswertung konzentriert sich auf die am häufigsten konsumierten Drogen. Das sind Alkohol, Tabak (Ergebnisse hier), Cannabis (hier), Ecstasy (hier) und Kokain (hier). Details zum allgemeinen Drogenkonsum der Teilnehmer finden Sie hier. Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht basiert auf der Online-Umfrage Global Drug Survey .

HINTERGRUND: ALKOHOL
Alkohol meint den zur Gruppe der Alkohole gehörende Äthylalkohol. Er entsteht aus verschiedenen Grundstoffen deren Zucker vergärt werden. Alkohol wirkt berauschend.
Viele Getränke wie Bier, Wein oder Spirituosen haben alkoholische Anteile. Diese Getränke werden zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten konsumiert. In Deutschland wie auch in den meisten Ländern der Welt sind sie praktisch unbegrenzt verfügbar. Die Gesellschaft akzeptiert weitgehend das Trinken von Alkohol akzeptiert. Gesetzliche Einschränkungen des Alkoholkonsums der Deutschen ist beschränkt durch das Jugendschutzgesetz. Bier, Schaumwein und Branntwein sind hierzulande mit Verbrauchssteuern belegt, ausgenommen ist der Wein.
Die Wirkung des Alkohols hängt ab von Menge und Konzentration des reinen Alkohols in den Getränken. Aber auch die körperliche und seelische Verfassung des Konsumenten haben einen Einfluss. In geringer Menge wirkt Alkohol anregend und steigert die Stimmung. Teilweise werden Hemmungen und Ängste abgebaut und die Kontakt- und Kommunikationsbereitschaft erhöht. In größeren Mengen konsumiert kann die Stimmung schnell in Gereiztheit, emotionale Unzugänglichkeit sowie in Aggression und Gewalt umschlagen. Je mehr Alkohol im Blut ist, desto gestörter sind die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit. Urteilskraft, Es kommt zu Beeinträchtigungen von Koordinationsfähigkeit und Sprache. Letztendlich kommt es zu einer erheblichen Ermüdung und Benommenheit.
Selbst ein geringer Alkoholeinfluss schwächt die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit, die Wahrnehmung und die Urteilskraft. Insbesondere im Straßenverkehr erhöht sich das Risiko für Unfälle. Diese können schwere Folgen nach sich ziehen bis hin zum Tod von Alkholtrinkern und Unbeteiligten. Das Risiko für Gewalt und Aggressionen steigt oft an. Viele Straftaten werden unter Alkoholeinfluss begangen. Ein regelmäßiges Trinken und Betrinken zieht schwere gesundheitliche Folgen nach sich.

HINTERGRUND: TABAK
Tabak ist die Tabakpflanze selbst (Nicotiana tabacum L.) sowie ihre Blätter, die geraucht werden. Der Hauptwirkstoff ist Nikotin, das gleichzeitig beruhigend und anregend wirkt. Nikotin kann rasch und nachhaltig abhängig machen.
90 Prozent der Tabakkonsumenten rauchen Zigaretten, mit oder ohne Filter. Die meisten drehen oder stopfen sich ihre mit Tabak gefüllten Zigaretten selbst. Weniger Verbreitung finden Zigarillos und Zigarren, bei denen der Rauchtabak in Tabakblätter gewickelt ist. Weitere Möglichkeiten des Konsums bieten Pfeifen, Kautabak und Schnupftabak. Die Menschen auf der ganzen Welt konsumieren Tabakprodukte in hohem Maße. Viele Staaten versuchen derzeit wegen der nachweislich damit verbundenen Gesundheitsrisiken den Zigarettenkonsum einzuschränken.
Raucher entwickeln kein typisches Rauschempfinden wie die Konsumenten anderer Drogen. Die Wahrmnehmung wird nicht gestört, es stellen sich keine größeren Stimmungsschwankungen ein und der Antrieb bleibt erhalten. Beim erstmaligen Konsum von Tabak zeigen sich gewöhnlich Vergiftungserscheinungen. Schwindel, mehr Speichel sammelt sich im Mund, Übelkeit. Darüber hinaus kann es zu Erbrechen, Kopfschmerzen, Herzrasen bis hin zu Bewusstseinsstörungen und komatösen Zuständen kommen.
Wer sich an den Tabak gewöhnt hat, für den steigert der Konsum die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis wird unterstützt, die Stresstoleranz nimmt zu und man reagiert weniger aggressiv. Die akute Wirkung des Rauchens ist besonders von der aktuellen Stimmungslage abhängig. Raucher, die Genuss empfinden, rauchen, weil sie Zigarettenkonsum auch mit positiven Situationen in Gesellschaft, in Pausen und dergleichen verknüpfen.
Seltene Raucher zeigen zunächst Vergiftungserscheinungen, doch kommt es bei Tabakkonsum zu einer raschen Gewöhnung. Langfristig stellen sich gravierende gesundheitliche Folgen ein.

HINTERGRUND: CANNABIS

Die Cannabispflanze zählt zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae) mit psychoaktiven Wirkstoffen. Diese Substanzen werden Haschisch (Dope, Shit) oder Marihuana (Gras) konsumiert.
Die meisten deutschen Konsumenten rauchen den Haschisch und das Marihuana. Sie vermischen die zerkleinerten Substanzen mit Tabak zu einem Joint oder Stick. Man kann Haschisch auch aus speziellen Pfeifen rauchen. Manch einer verrührt Haschisch auch mit Getränken wie etwa Tee, isst ihn mit Joghurt oder backt ihn in Kekse ein. Dann gibt es noch Haschischöl, das auf Zigaretten geträufelt wird oder Speisen und Getränken hinzugefügt wird. Cannabis findet seit Jahrtausenden Anwendung als Nutz- und Heilpflanze und zählt zu den ältesten bekannten Rauschmitteln.
Cannabiskonsum führt relativ schnell zum Rausch. Je nach Grundstimmung des Konsumenten wirkt er auf die Psyche. Das Tetrahydrocannabinol (THC) im Hanf verstärkt bereits vorhandene positive oder negative Gefühle. Akut kann Cannabis die Stimmung heben. Je nach Gefühlslage stellen sich Entspannung, Beruhigung oder innere Ausgeglichenheit ein. Der Antrieb wird häufig vermindert. Teilweise kommt es zu intensiveren Sinneswahrnehmungen und gesteigerten Kommunikationsfähigkeiten.
Zu den unerwünschten Nebeneffekten zählen Denkstörungen, Illusionen und eine ungewöhnliche Wahrnehmung von Umständen und Zusammenhängen. Eine niedergedrückte Stimmung, Unruhe, Angst und Panik sind eher ungewöhnlich. Manch einer wird desorientiert und verwirrt. Kaum einen quälen Verfolgungsphantasien.
Besonders während der Rauschphase bestehen akute Risiken. Konzentrations- und Reaktionsvermögen sind reduziert, teilweise verarbeiten die Konsumenten Informationen langsamer, haben Probleme damit, abstrakt zu denken, sind körperlich und psychsich weniger leistungsfähig. Also sind sie auch nicht mehr fahrtüchtig. Das Risiko hängt davon ab, ob jemand einmal, gelegentlich oder regelmäßig Cannabis nimmt. Kifft man schon als Jugendlicher, dann riskiert man langfristig psychische Veränderungen und Abhängigkeit.

  • 1. Drogen- und Suchtbericht, 2013
  • 2. Petersen & Thomasius, 2006
  • 3. Meier, 2012
  • 4. Peters et al., 2012
  • 5. Nutt et al., 2010 - Der Psychopharmakologe David Nutt und seine Kollegen vom britischen Scientific Committee on Drugs haben 2010 für 20 Drogen ein Ranking nach ihrer Schädlichkeit für Konsumenten und für andere (durch Gewalt, Straftaten, Arbeitsunfähigkeit, soziales Umfeld) erstellt. Sie verwendeten ein Punktesystem von 0 (kein Schaden) bis 100 (sehr hoher Schaden).
  • 6. Pontes et al., 2008

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