Innenansichten des Krankseins

Mariacarla Gadebusch Bondio, Ingo F. Herrmann u.a.: Innenansichten des Krankseins
Cover Mariacarla Gadebusch Bondio, Ingo F. Herrmann, Maria Christina Montani: Innenansichten des Krankseins. Logos Verlag (Berlin) 2013. 96 Seiten. ISBN 978-3-8325-3549-0. D: 12,95 EUR, A: 13,30 EUR, CH: 18,90 sFr.

Die Lehrerin Maria Christina Montani erkrankte mit 37 Jahren an Kehlkopfkrebs. Sie ist glücklich verheiratet und Mutter zweier Kinder im Alter von 11 und 3 Jahren. Die extrem bösartige Erkrankung erfordert nun viele stark entstellende Operationen und weitere schmerzhafte Behandlungsmaßnahmen. Die Autorin schildert nun in dem Buch in nüchternem Stil die erschütternde Grenzerfahrung der Gefährdung des Lebens und den gemeinsamen Kampf gegen eine immer wieder fast aussichtslos erscheinende Erkrankung.

Den Hauptteil verfasste Maria Christina Montani selbst auf Italienisch. Einführung und Nachwort – geschrieben von der Philosophin und Medizinhistorikerin Mariacarla Gadebusch Bondie und dem Kopf-Halschirurgen Ingo F. Herrmann – dienen eher als Ergänzung und handeln von der Bedeutung des erzählten Krankseins und der Erlebnisse der Patienten für die Medizin, der Bewältigung der Reaktionen des Umfelds und der Bedeutung der Stimme.

Teilweise sprengt das Geschriebene die Vorstellungskraft. Eindrücke von den Eingriffen geben die folgenden Zitate wieder „Nachdem ich mich von meinen Töchtern verabschiedet hatte, verließ ich mein Elternhaus, in der Überzeugung, nicht mehr zu ihnen zurückzukehren … 13 Stunden später wachte ich wie ein Fetus, der die Gebärmutter verlässt, auf. … Man hatte mir den Kehlkopf, die rechte Schlagader …, den Vagusnerv und die gesamte Halsmuskulatur rechts entfernt. Außerdem war die Tracheotomie durchgeführt worden. Diesmal für immer.“

Maria Christina Montani übersteht die entstellenden Operationen, starken Schmerzen, wiederholten Rückfälle bei einer aussichtslos erscheinender Prognose, Bestrahlung, Chemotherapie, den Verlust der Stimme, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und „die aufdringlichen Blicke der Indiskreten“. Ihren Rückhalt findet sie bei engagierten Ärzten und in ihrer Familie: „Mama, wenn sie dir den Elefantenrüssel (die Nährsonde) ziehen, feiern wir ein großes Fest ganz allein für dich. Ich werde dir Kuchen und Plätzchen backen. Du hast mir die Rezepte dafür in mein Kochbuch geschrieben.“

Maria Christina Montani ist heute Studentin der Kunstgeschichte. 2013 schrieb sie: „Wisst Ihr, was Vertrauen ist? Zu wissen, dass du erstickst, wenn das Wasser deinen Hals erreicht und trotzdem gehst du in den Wellen des Meeres baden, getragen von den Armen deines Mannes.“

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