Welt-Parkinson-Tag - Hirnschrittmacher könnten mehr Menschen helfen

Welt-Parkinson-Tag
Hirnschrittmacher könnten mehr Menschen helfen

Der Einsatz der Tiefen Hirnstimulation in einem früheren Krankheitsstadium lindert sie Symptome der Betroffenen stärker als eine optimierte medikamentöse Behandlung. Parkinson-Patienten sollten sich früher daraufhin untersuchen lassen, ob eine Tiefe Hirnstimulation für sie in Frage kommt. Dazu ruft anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April 2014 die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN) auf.

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) gilt seit langem als hochwirksame Behandlung im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium. Die positiven Ergebnissen der EARLYSTIM-Studie 2013 weisen nun darauf hin, dass sich das therapeutische Zeitfenster für den Einsatz der THS erweitert, meint nun die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). THS wird seitdem schon bei jüngeren Patienten eingesetzt und verbesserte so ihre Lebensqualität um bis zu 26 Prozent.

Bis vor kurzem fanden solche Hiirnschrittmacher bei Parkinson-Patienten erst nach etwa zwölf Jahren Krankheitsdauer Einsatz. Inzwischen wird er in bestimmten Fällen bereits nach durchschnittlich sechs Jahren erfolgreich verwendet. Die Tiefe Hirnstimulation lindert etwa Symptome bei diesen jüngeren Betroffenen stärker als eine optimierte medikamentöse Behandlung und verbessert damit die Lebensqualität.

„Erstaunlicherweise führt die THS in dieser Patientengruppe nicht nur zur Verbesserung der motorischen Symptome – die Patienten schätzen auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit als verbessert ein“, erläutert Prof. Alfons Schnitzler. Er ist Leiter der Abteilung Bewegungsstörungen und Neuromodulation der Neurologischen Klinik an der Uniklinik Düsseldorf. „Leider kommen Parkinson-Patienten häufig gar nicht zum Spezialisten, um eine Hirnschrittmacher-Therapie für sich zu erörtern“, ergänzt der Vizepräsident der DGKN, „oder sie stellen sich zu spät vor, wenn sich ihre Lebensqualität bereits unwiderruflich verschlechtert hat.“

Zur weiteren Verbesserung der THS machten sich das Düsseldorfer Team um Schnitzler in Kooperation mit anderen Arbeitsgruppen auf die Suche nach neuen Stimulationstechniken, die durch technische Weiterentwicklungen möglich geworden sind. „Wir gehen davon aus, dass beispielsweise durch kürzere Impulszeiten bessere Ergebnisse erzielt werden können“, meint Schnitzler. Momentan ist auch ein neues Hirnschrittmacher-Modell in der Testphase, das die elektrischen Impulse an die Gehirnaktivität anpassen soll. „Der erweiterte Stimulator gibt nicht nur Impulse an das Gehirn, er misst auch die Nervenzell-Aktivität“,erläutert der Neurologe und Neurophysiologe. Das Ziel ist es, einen adaptiven Hirnschrittmacher zu entwickeln. Dieser soll die Stimulation dynamisch an die Eigenaktivität der krankhaften Nervenzellen anpassen. Bislang ist nämlich eine gleichmäßige Dauerstimulation üblich.

Mehrere Zentren auf der ganzen Welt probieren die neue Technik aus. „Die meisten davon befinden sich in Deutschland, etwa in Düsseldorf, Würzburg, Köln, München und Berlin. „Bei der Weiterentwicklung der THS ist Deutschland führend“, sagte Schnitzler. „Wir möchten alle Parkinson-Patienten dazu ermuntern, sich früher von spezialisierten Neurologen untersuchen zu lassen, um zu prüfen, ob eine Tiefe Hirnstimulation für sie in Frage kommt."

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN)

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