Demenzpatienten unzureichend medizinisch versorgt

Hauptstadtkongress der DGPPN
Demenzpatienten unzureichend medizinisch versorgt

Auf ihrem Hauptstadtsymposium in Berlin hat die DGPPN am 09. April 2014 auf die unzureichende medizinische Versorgung von Demenz-Patienten hingewiesen und erneut einen Nationalen Demenzplan gefordert.

Demenzerkrankungen beeinträchtigen nicht nur schwerwiegend das Leben der Betroffenen - der hohe und lange Pflegeaufwand bedeutet auch eine enorme Belastung für die Angehörigen und die Gesellschaft. Die DGPPN istv nun der Meinung, demenziell erkrankte Menschen könnten länger im häuslichen Umfeld leben, wenn sie adäquat medizinisch behandelt würden.

„Pflegerischer Bedarf ist oftmals die Folge der unzureichenden medizinischen Betreuung. Viele der Patienten können sich nur schwer artikulieren, leiden zum Beispiel unter Schmerzen und werden unruhig. Gerade psychische – aber auch körperliche – Begleiterkrankungen werden oft nicht erkannt oder behandelt. Dadurch entstehen vermeidbare Problemsituationen für die demenziell erkrankten Menschen, ihre Angehörigen und die Pflegenden“, erläuterte DGPPN‐Präsident Prof. Wolfgang Maier in Berlin.

Die Zahlen aus der Versorgungsforschung signalisieren schon seit längerem Optimierungsbedarf in der medizinischen Versorgung von Demenz-Betroffenen. Die AgeCoDe‐Studie zeigte etwa, dass heute nur rund die Hälfte neuer Demenzerkrankungen überhaupt als solche erkannt wird. Kognitive Leistungsdiagnostik und bildgebende Verfahren werden kaum eingesetzt. Nur ein Bruchteil der Demenzkranken erhalte eine leitliniengerechte medikamentöse Behandlung.

"Im Zusammenhang mit den körperlichen Begleiterkrankungen ist sogar eine akute Unterversorgung festzustellen: Im Vergleich zu demenziell Unbeeinträchtigten erhalten Demenzkranke in Pflegeheimen zum Bespiel deutlich seltener eine kontinuierliche Schmerztherapie", verlautbarte die Fachgesellschaft.

Demenz sei zwar noch nicht heilbar, doch gäbe es viele therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern. Die medizinischen und pflegerischen Maßnahmen müssten dazu in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden, mahnt die DGPPN. Bei einer frühzeitigen Diagnose und einem rechtzeitigen Beginn der Therapie sei es möglich, den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen. Die Betroffenen könnten dann über einen längeren Zeitraum hinweg in der häuslichen Umgebung leben und müssten weniger rasch pflegerische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Maier legt deshalb Wert auf einen Nationalen Demenzplan: „Eine intensive, kompetente fachärztliche sowie pflegerische Betreuung ist heute noch nicht in ausreichendem Maß gewährleistet. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist jedoch ein umfassender sektorenübergreifender Versorgungsansatz dringlicher denn je. Wir müssen demenziell erkrankte Menschen in den verschiedenen Settings – zu Hause, im Krankhaus oder im Pflegeheim – multiprofessionell, leitliniengerecht und qualitätsgesichert betreuen.“

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

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