Welt-Autismus-Tag

Weltautismustag 2. April 2014

Der internationale Welt-Autismus-Tag am 2. April wurde 2007 von der UNO ins Leben gerufen. Das erklärte Ziel ist es, die öffentliche Wahrnehmung und das Wissen über Autismus zu erweitern und um mehr Verständnis für Betroffene zu werben. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass Autismus ein Syndrom ist und keine Krankheit. Bei Autismus handelt es sich um eine tief greifende Entwicklungsstörung, die angeboren ist. Das Autismusspektrum ist sehr breit und im Einzelfall ganz unterschiedlich, die Ausprägung der Symptomatik kann stark variieren.

Auf der ganzen Welt finden zahlreiche Aktionen statt. Die Non-Profit-Organisation Autism Speaks beschäftigt sich mit der Erforschung und den Ursachen des Autismus und ruft jährlich zur lightitupblue Aktion auf. Die Menschen auf der ganzen Welt sollen dazu ermutigt werden, ein Zeichen des Lichtes zu setzen, indem etwa Gebäude in blauem Licht (blau ist die internationale Farbe des Autismus) erstrahlen wie zum Beispiel das Empire State Building.

http://liub.autismspeaks.org

So ließen etwa In Hamburg Betroffene und Angehörige unter dem Motto „Blauer Himmel über Hamburg“ Hunderte von blauen Luftballons steigen, die für jedes diagnostizierte Kind stellvertretend sein sollten.

Autism speaks bedeutet so viel wie „Der Autismus spricht“. Die Organisation will unter diesem Titel die Autismus-Gemeinschaft zu einer starken Stimme vereinigen. Gleichzeitig soll dafür gesorgt werden, dass der Stimme auch Gehör gegeben wird.

2013 starteten Betroffene und Angehörige zum Weltautismustag eine Protestaktion, die sich gegen die Verwendung des Wortes „Autismus“ im Zusammenhang von Politik, Wirtschaft und Amokläufen wendete. Fotos mit markanten positiven Aussagen wurden gezeigt, um den einseitigen Beschreibungen von Autisten in den Medien etwas entgegen zu setzen. Den Autisten wird in den Beschreibungen besonders im Zusammenhang mit Amokläufen Eigenschaften wie Rücksichtslosigkeit, Egozentrik, Realitätsferne und Empathielosigkeit unterstellt.

http://www.autistenwelt.at/protestaktion/

Stein des Anstoßes war die Berichterstattung der Medien über den Amokschützen an einer amerikanischen Schule in Connecticut. Der Verdacht wurde laut, der Amokläufer sei ein Asperger-Autist gewesen. Der Autismusverband Deutschland wandte sich scharf gegen diese Art von Berichterstattung, weil durch diese Darstellung einzelner Medien über den furchtbaren Amoklauf von Newtown der Eindruck eines kausalen Zusammenhanges hergestellt wurde, den es nicht gibt. Alle Menschen mit Autismus in Deutschland und deren Angehörige und Freunde fühlten sich durch eine derartige Berichterstattung diskreditiert.

Eine kritische Diskussion darüber, dass die Begleitung von Menschen mit Autismus in Deutschland zu stark in medizinisch-psychologischer Hand liegt, ist überfällig. So wurde der Eindruck genährt, als seien Therapien ein Allheilmittel. Besonders kritisch daran ist, dass Therapien einen sehr hohen Stellenwert einnehmen und den Blick auf Hilfsmaßnahmen im Alltagshandeln versperrt. Dabei findet jedoch die Therapie in einem Rahmen statt, der kaum auf den Alltag zu übertragen ist. Erfolgreiche pädagogische Konzepte arbeiten dahingegen nach dem Prinzip „erst platzieren, dann trainieren“. So ist es weitaus effektiver, Fertigkeiten unter realen Bedingungen einzuüben als in künstlich erzeugten Situationen. Es geht dabei nicht darum, die therapeutischen Hilfen an sich an den Pranger zu stellen, sondern darum, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass nicht alle Probleme gleich als behandlungsbedürftig eingestuft werden müssen.

Autismus ist ein Syndrom und keine Krankheit. Also geht es bei der Therapie auch nicht um Heilung, sondern darum, Kompetenzen und Strategien zu erlernen. Das gilt gleichwohl für die Betroffenen selbst als auch für die Umwelt. Es ist die gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten, Bedingungen zu schaffen, die förderlich sind, die die Schwächen minimieren und die Stärken nutzen. Zwar hat die Behindertenrechtskonvention einen Paradigmenwechsel eingeläutet, der dann das medizinisch-psychiatrische defizitorientierte Leitmodell durch eine sozialpädagogische Verstehenslogik abgelöst hat, die die Stärken und Fähigkeiten in den Mittelpunkt rückt, doch ist Deutschland noch nicht vorbereitet darauf. So ist der Ruf nach therapeutischer Begleitung ungebrochen; dies hat dann die Konsequenz, dass die betroffenen Kinder sehr früh das Gefühl bekommen, ein Defizit zu haben und behandlungsbedürftig zu sein.

Anfang 2014 berichtete die FAZ.net von der Empörung des Kinder- und Jugendarztes Michael Hausch darüber, dass zu viele Kinder therapiert werden. Ein Leben ohne Therapie ist nicht mehr der Normalzustand, sondern mehr und mehr die Ausnahme. Die Therapien scheinen den Eltern und Lehrern eine gewisse Sicherheit zu geben. Dieser therapeutische Aktionismus zieht es nach sich, dass die Verantwortung in andere Hände gelegt wird. Hausch fordert Eltern, Grundschullehrer und Kinder- und Jugendärzte dringend dazu auf, die Kinder bei ihrer Entwicklung individuell und aufmerksam zu begleiten, Entwicklungshindernisse zu beseitigen, sie zu stärken und ihre Ressourcen zu wecken.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/ein-arzt-empoert-sich...

Nach Aatwwod stellt Autismus eine Normvariante des menschlichen Seins dar. Menschen mit Autismus sind Experten in eigener Sache und müssen ernst genommen werden. In Deutschland getrauen sich in den letzten Jahren immer mehr Angehörige und Betroffen, offen zu sprechen. So möchten sie etwa Forschungsbemühungen aufgrund der fehlenden Kooperation zwischen erwachsenen Menschen aus dem Autismusspektrum und der Forschung nicht als Spiegel ihrer Interessen wahrgenommen haben, weil das oft zu einer ablehnenden Haltung führte.

An der Freien Universität Berlin gründete sich 2007 die Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK). Das ist ein Zusammenschluss autistischer Menschen und Wissenschaftler. Zum ersten Male werden Fragen, die aus der Perspektive autistischer Menschen relevant sind, gemeinsam erforscht. Das erste Projekt der AFK zielte darauf ab, mit Hilfe eines eigens entwickelten Fragebogens das Wissen und die Vorurteile über Autismus in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Die AFK fand dabei heraus, dass die Fachleute wie Lehrer, Arbeitsvermittler oder Ärzte aber auch die Gesamtbevölkerung nur wenig über Autismus wissen. Das Wissen über Symptome führt zu einer höheren Akzeptanz der Besonderheiten von Autisten. Deshalb hat die AFK einen Flyer entwickelt, der kostenlos als Download zur Verfügung gestellt wird.

http://www.autismus-forschungs-kooperation.de/infomaterial

Auch die Zahl der Selbsthilfegruppen steigt. Betroffene und Angehörige tauschen sich in sozialen Netzwerken aus und stützen sich gegenseitig. Es ist eine große Entlastung, zu wissen, dass man mit seinen Fragen und Problemen nicht alleine steht, sondern dass es anderen genauso geht. Die weltweiten Aktionen zum Weltautismustag bringen die Menschen zusammen und - Gemeinschaft macht stark!

Nach einem Bericht von Petra Steinborn
ABC Kompetenz Autismus, ABC Kompetenz Erworbener Hirnschaden
p.steinborn@abc-autismus.de
http://www.abc-autismus.de

Mehr über Autismus

Datum: 
Mittwoch, 2 April, 2014 (Ganztägig)

Kommende Termine

Benutzeranmeldung