Man muss über Psychosen Witze machen

"Man muss über Psychosen Witze machen"

Köln. Der Chefarzt der psychiatrischen Klinik Alexianer-Krankenhaus in Köln gastierte am 22. März 2014 in den "Mitternachtsspitzen" und sprach über wahnsinnig Normale.

Manfred Lütz ist der Meinung, dass man über alles Wichtige Witze machen muss - also auch über Psychosen. Ein Drittel aller Deutschen werden im Laufe ihres Lebens einmal psychisch krank, die anderen zwei Drittel haben psychisch kranke Angehörige. Inzwischen kann über die Hälfte aller psychischen Krankheiten geheilt werden. Trotzdem sind die Kenntnisse über die Psychiatrie sind nach wie vor mittelalterlich. Das liegt wohl daran, dass viele davor Angst haben und sich nicht kundig machen.

Das Kabarett könnte das ändern. Lütz will mit einem Film und seinen Bühnenauftritten die Spaßgesellschaft erreichen, also ganz normale Menschen, die sich in der Regel eben nicht mit dem Thema psychische Krankheiten auseinandersetzen. Er wünscht sich, dass ein alerter Manager in seinem Kabarettprogramm einen lockeren Abend verbringt und anschließend seinen schizophrenen Vetter anruft, weil er festgestellt hat, dass dieser gar nicht so verrückt ist, wie er dachte.

Lütz hat den ganzen Tag über in der Klinik mit hinreißenden Manikern, sensiblen Schizophrenen und dünnhäutigen Süchtigen zu tun; abends sieht er dann die "Tagesschau", in der es um Kriegshetzer, Wirtschaftskriminelle und rücksichtslose Egomanen geht. Daraus schließt er, dass unser Problem eher die Normalen sind.

Viele dieser als normal eingestuften Bundesbürger glauben etwa zu viel an die Versprechungen der Esoterik. "Die Menschen glauben den größten Mist. Wenn Sie dann noch mit einem Doktortitel ausgerüstet sind, sich auf eine Bühne stellen und behaupten, amerikanische Studien hätten ergeben, wer jeden Tag eine halbe Stunde um eine Eiche renne, werde statistisch etwa drei Monate älter, werden Sie in der Umgebung von Düsseldorf bald keine Eiche finden, um die nicht ein Idiot herumrennt". Im Esoterik-Bereich ließe sich etwa heutzutage alles verkaufen – Lützs Patienten machen dabei seiner Beobachtung nach so etwas Verrücktes in der Regel nicht.

Der Chefarzt ist Autor des Bestsellers "Irre – wir behandeln die Falschen", der Titel wurde schon über eine Million Mal verkauft. Die Auflage hat sich also für ihn gelohnt und und auch die Bühnenprogramme funktionieren gut. Humor ist für ihn ein wichtiger Weg, das Tabu "psychische Krankheiten" zu brechen und die Menschen darüber besser aufzuklären. Auch in der Therapie setzt er auf Humor, weil ja keinem damit geholfen wäre, wenn er im Krankenhaus mit Leichenbittermiene umherlaufe. Erst dann, wenn ein primär humorvoller Rheinländer nach der Behandlung herzlich darüber lachen kann, was er da in der Depression so alles befürchtet hat, dann sei er auch aus der Depression raus.

Mehr dazu

Kommende Termine

Benutzeranmeldung