Partner betonen Therapievorteile von PNP-Vertrag

Ärztezeitung: Partner betonen Therapievorteile von PNP-Vertrag

STUTTGART. Mit dem Selektivvertrag Psychiatrie, Neurologie, Psychotherapie (PNP-Vertrag) wird in Baden-Württemberg seit 2012 praktiziert, was der GKV-Spitzenverband fordert. Darauf haben Medi-Verbund, AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK aufmerksam gemacht.

Schon im November 2013 hat der GKV-Spitzenverband in einem Positionspapier zur ambulanten Psychotherapie dafür plädiert, die Antragspflicht zu lockern, die Stundenkontingente zu flexibilisieren und den Patienten insgesamt schneller einen Termin beim Therapeuten zu ermöglichen. Diesen Forderungen werde nun der PNP-Vertrag längst gerecht. Dazu gehöre einerseits, dass Hausärzte als erste Anlaufstelle der Patienten flächendeckend in Qualitätszirkeln zum Krankheitsbild Depression fortgebildet werden.

Dann ermögliche die Vergütungsstruktur, dass Zeit für ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten bleibt. Falls nun eine Behandlung beim Psychotherapeuten, Psychiater oder Nervenarzt notwendig ist, dann erhalte der Patient in der Regel binnen 14 Tagen einen Termin, betonen die Vertragspartner in einer entsprechenden Mitteilung.

Anders als in der Regelversorgung ist die Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten vertraglich festgelegt. Deshalb können Patienten so weit wie möglich ambulant behandelt werden und damit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Dies sei auch wirtschaftlich bedeutsam, da die betroffenen Menschen zumeist im erwerbsfähigen Alter seien.

Auch die Leistungserbringer profitieren vom PNP-Vertrag. So erhalten sie ein höheres Honorar und die Leistungsanreize liegen auf den ersten Sitzungen, was die Annahme neuer Patienten fördern soll. Zudem entfällt das von vielen Psychotherapeuten kritisierte Gutachterverfahren. Psychiatrische und neurologische Versorgerpraxen mit vielen Patienten sollen künftig vom Wegfall von Fallzahl- und Budgetgrenzen profitieren. „Jede erbrachte Leistung wird auch bezahlt“, betonte derzeit der Medi-Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner.

Laut AOK nehmen 420 Ärzte und Psychotherapeuten aus allen Regionen des Landes an dem Modul Psychotherapie teil. Darunter sind Hausärzte und Psychiater, die psychotherapeutisch arbeiten. Wie zu erwarten war, gibt es mehr davon in den Städten als auf dem Land. Die AOK bezeichnet dies als „nahezu flächendeckend“. Insgesamt gibt es in BW 2.331 Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie 856 ärztliche Psychotherapeuten.

Es gibt aber auch Gegenstimmen: Den Kritikern behagt der PNP-Vertrag überhaupt nicht. „Darf mit Anstellungen ein hochproblematischer Vertrag an den sonst restriktiven Regelungen von Zulassungs- und Leistungsausweitungsgrenzen vorbei künstlich zum Laufen gebracht werden?“, fragt Psychotherapeut Jürgen Doebert, im Vorstand des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten (bvvp). Seine Kritik zielt darauf ab, dass, um das im Vertrag festgelegte Quorum von 400 Therapeuten zu erfüllen, auch Psychiater und Hausärzte miteinbezogen worden seien, die bisher Psychotherapie nur geringfügig ausgeübt hätten.

Der bvvp lehnt ebenso wie die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie kollektivvertragsersetzende Selektivverträge wegen der „substanziellen Schwächung des KV-Systems“ ab. Die Verbände verhandelten erfolglos mit den Krankenkassen, um eine bessere Versorgung durch Add-on-Verträge zu erreichen. Zudem suggeriere der PNP-Vertrag, dass mit kürzeren Behandlungszeiten ausreichende Erfolge zu erzielen seien und der Gewinn an Zeit einer größeren Anzahl von bisher unversorgten Patienten zur Verfügung gestellt werden könne. Das diskreditiere die Arbeit von Patienten und Therapeuten, die sich auf eine die tieferliegenden Ursachen ausgerichtete Behandlung eingelassen haben, kritisieren die drei Verbände mit überwiegend psychoanalytisch arbeitenden Mitgliedern.

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Kritik aus dem Ärzteblatt