Bochumer Modell für die Behandlung im Maßregelvollzug

Was wirkt? - Bochumer Modell für die Behandlung im Maßregelvollzug

Seit Ende Januar bekleidet Prof. Boris Schiffer die erste Juniorprofessur für Forensische Psychiatrie. Er verfolgt das Ziel, die Ursachen für das Verhalten psychisch kranker Straftäter zu erforschen, um Behandlungsansätze wirkungsvoller einsetzen zu können.

"Für die therapeutische Arbeit mit psychisch kranken Straftätern brauchen wir eine hochwertige begleitende Behandlungsforschung: Was wirkt eigentlich wie? Auf diese Frage werden fundierte Antworten immer wichtiger, gerade in Zeiten hoher Einweisungszahlen in unsere forensisch-psychiatrischen Kliniken und angesichts immer länger werdender Unterbringungszeiten der Patienten", meint Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), bei der Vorstellung des sogenannten Bochumer Modells.

Die Verzahnung der ersten Juniorprofessur für Forensische Psychiatrie und einer neuen Forschungsstelle am LWL-Universitätsklinikum Bochum sei wegbereitend für die Behandlungsforschung in der Praxis. im Februar 2014 offiziell vorgestellte 'Bochumer Modell‘ ist in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) am Lehrstuhl von Prof. Dr. Georg Juckel angesiedelt.

Der LWL ist Träger von derzeit sechs Maßregelvollzugskliniken. Als Diplom-Psychologe und psychologischer Psychotherapeut vereint Schiffer (38) eine leitende Praxisposition in der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne mit Forschung und Lehre im medizinisch-psychiatrischen Wissenschaftsbetrieb. Schiffer verlautbart: "Mein Anliegen ist es, besser zu verstehen, welche Ursachen und Mechanismen für das straffällige Verhalten von psychisch kranken Rechtsbrechern zentral sind, um Behandlungsansätze genauer auf die Reduzierung der individuellen Gefährlichkeit ausrichten und wirkungsvoll einsetzen zu können", So sollen sich neue Lösungen für eine effiziente und gezielte Kombination von Behandlungsansätzen ergeben mit jeweils angemessenen Unterbringungszeiten.

Nach seiner Promotion an der Ruhr-Universität Bochum im Jahr 2005 arbeitete Schiffer als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Forensische Psychiatrie der Rheinischen Kliniken Essen, Universität Duisburg-Essen und erreichte 2008 die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und 2009 die Zertifizierung als Fachpsychologe für Rechtspsychologie (BDP/DGPs). Für seine Forschungsarbeiten zu neuronalen Mechanismen delinquenten Verhalten wurde er 2011 mit zwei Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. 2012 folgte er dem Ruf auf die so genannte W1-Professur für Forensische Psychiatrie am LWL-Universitätsklinikum Bochum. In Verbindung damit trat er im Dezember 2012 auch seine Stelle als leitender Psychologe in der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne an. Die Professur am RUB-Lehrstuhl für Psychiatrie von Prof. Georg Juckel, dem Ärztlichen Direktor der LWL-Klinik Bochum, stärkt die forensisch-psychiatrische Forschung in Nordrhein Westfalen, da diese bislang nur an der Universität Duisburg-Essen von Prof. Norbert Leygraf betrieben worden ist.

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