Armutsquote in Thüringen wieder gestiegen

Thüringen rutscht wieder ab – Armutsquote in Thüringen wieder gestiegen

Der [am 19. Dezember 2013] veröffentlichte Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland zeichne ein trauriges Bild, heißt es beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Thüringen. Entgegen allen Verlautbarungen der letzten Bundesregierung, schließt sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht, vielmehr spalte sich die Gesellschaft im tiefer in Arme und Reiche. Mit einer Armutsquote von 15,2 Prozent wurde gegenüber 2011, 15.1 Prozent ein neuerliches, trauriges Rekordhoch erreicht. Machte es im letzten Paritätischen Armutsbericht noch den Eindruck, als entspanne sich die Lage zumindest in Thüringen, so stieg die Armutsquote von 16,7 Prozent in 2011 wieder auf 16,9 Prozent. War Thüringen 2011 das einzige verbliebene Bundesland mit einer mehrjährigen, klar positiven Armutsentwicklung, konnte dieser Trend nicht weiter fortgesetzt werden.

Dramatisch ist die Entwicklung in Ostthüringen. Hier stieg die Armutsquote von 16,4 Prozent auf 17,3 Prozent an. Bis auf Nordthüringen stieg die Quote auch in Mittel- und Südthüringen. Bereits im letzten Jahr warnte Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN Thüringen vor der wachsenden regionalen Zerrissenheit des Landes. „Hier geraten ganze Regionen in dramatische Abwärtsspiralen und befinden sich bereits mittendrin. Das bedeutet, dass die Menschen von der Chance auf Teilhabe abgekoppelt werden. Besonders hart trifft das vor allem Kinder und Jugendliche" macht Müller deutlich. „Wir können es uns doch nicht ernsthaft leisten, die soziale Spaltung der Gesellschaft weiter fortzuschreiben", sagt Müller. Insbesondere am politischen Veränderungswillen fehle es dem Sozialexperten. „Wer an diesen Stellen glaubhaft gegensteuern will, müsse schon mehr tun als kleine Pflaster zu verteilen", so Müller weiter.

Es gehe nach wie vor darum die Verteilungsfrage zu klären und die Einnahmesituation des Staates zu verbessern. Es gehe aber auch um finanzielle Unterstützung durch den Bund und die Länder, weil allein durch die Akteure vor Ort, ohne massive finanzielle Unterstützung von außen, Entwicklungen wie in Ostthüringen weder gestoppt noch umgekehrt werden können. Laut Müller ist die Sachlage klar: „Wenn auf der einen Seite die individuelle Armut größer wird und auf der anderen Seite die massive öffentliche Finanznot wächst, bricht ausgerechnet dort die öffentliche Infrastruktur weg, wo die Menschen am meisten darauf angewiesen wären. Das bedeutet auch immer mehr Fachkräfte und ihre Familien ziehen an attraktivere Standorte, wo sie auch Arbeit finden. Das heißt Investitionen und die Neuansiedlung von Arbeitsplätzen bleiben aus" erläutert Müller. Hier brauche es entsprechende Solidarprogramme und keine „Schuldenbremse".

Auch das schwache Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner verschärfe das Problem. So variiere beispielsweise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Flächenländern zwischen 22.241 Euro pro Kopf in Thüringen und 37.656 Euro pro Kopf in Hessen. Demnach werde in Hessen mehr als 1,5-mal so viel Geld pro Kopf erwirtschaftet, als es in Thüringen der Fall ist. Im Bundesvergleich steht Thüringen damit auf dem vorletzten Platz.

Quelle: Der PARITÄTISCHE THÜRINGEN

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