Grenzen überschreiten

Grenzen überschreiten - Von Herausforderungen und vom Mut

Ein Vorbild innerer Freiheit

Grenzen sind niemals etwas Absolutes. Und sie können auch in positivem Sinne eine Herausforderung darstellen. Jesus, der immer wieder Grenzen überschreitet, hat es uns vorgelebt: Nach Lukas ist Jesus eine Art göttlicher Wanderer. Er ist vom Himmel zur Erde herabgestiegen, um mit den Menschen zu wandern und sie an ihren göttlichen Kern zu erinnern. Die Grenzüberschreitungen begannen schon mit seiner Geburt. Als Maria schwanger ist, verlässt sie ihr Zuhause und begibt sich über die Berge zu Elisabeth. Maria und Joseph wandern aus, um sich in Betlehem in die Steuerlisten aufnehmen zu lassen; Jesus wird auf dieser Wanderschaft geboren. Die anschliessende Flucht führt dann geradewegs nach Ägypten. Das Ganze Leben Jesu ist von der Wanderschaft geprägt. Er ist ein Grenzgänger und Wanderer, der immer wieder soziale und religiöse Grenzen übertritt. Er begibt sich zu den verachteten Samaritern, den Sündern und Zöllnern und den Heiden. Und letzten Endes überschreitet er die Grenze des Todes und gelangt zum grenzenlosen Leben der Auferstehung.

Jesus lässt sich dabei seine Wege nicht von aussen vorschreiben. Und schon gar nicht von den Warnu8ngen der Pharisäer bestimmen. „Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes
will dich töten." (Lk 13,31) Jesus lässt sich vom feindlichen König Herodes nicht in Grenzen weisen, sondern geht seinen eigenen Weg und verfolgt seinen Auftrag. Seine Antwort an die Pharisäer lautet: „Geht und sagt diesem Fuchs: Ich treibe Dämonen aus und heile Kranke, heute und morgen, und am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden. Doch heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiter wandern; denn ein Prophet darf nirgendwo anders als in Jerusalem umkommen." (Lk 13,32f) Herodes darf also nicht über Jesus bestimmen. Der König wird von ihm ein Fuchs genannt. Füchse sind schlau und verschlagen; doch sind sie unbedeutend im Vergleich zum mächtigen Löwen. Die Jünger werden Jesus später als Löwen von Juda bezeichnen. Der Löwe lässt sich also vom Fuchs nicht begrenzen. Der Löwe sich setzt selbst die Grenzen, innerhalb derer er wirken möchte. Jesus sagt also, dass sich Herodes sich mächtig aufspielt und voller Intrigen ist. Doch insgesamt hat er doch keine Macht. Jesus wirkt solange im Herrschaftsbereich des Herodes, wie er selbst es selbstbestimmt möchte. In Jerusalem wird Jesus sein Werk vollenden; dieses gipfelt in seinem Tod für die Menschen. Dieses Ende ist ihm nicht von Menschen gesetzt, sondern von Gott. Dieser Tod ist seine innere Grenze, die er in sich spürt und die er aus freiem Willen gänzlich akzeptiert.

Auf seiner Wanderung begegnet Jesus auch anderen Menschen. Diese sind begeistert von seiner inneren Freiheit und Ausstrahlung und möchten ihm gerne nachfolgen. So sagt der erste Mann, dem Jesus begegnet, voller Selbstbewusstsein: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst." (Lk 9,57) Jesus nennt daraufhin seine Bedingungen: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann." (Lk 9,58)

Viele wollen etwas leisten in ihrem Leben, beachten aber dabei nicht die Bedingungen. Sie möchten dabei immer im vertrauten Nest bleiben, in den engen Grenzen, in denen sie sich wohl und geborgen fühlen. Sie haben Angst davor, ihre Grenzen auszuweiten. Vor lauter Sich-Abgrenzen kommen sie erst gar nicht in Bewegung. Die Angst, ihr vertrautes Nest zu verlassen, lässt sie ihre wahren Potentiale erst gar nicht entdecken. Sie sind gefangen in dem engen Raum ihrer bisherigen Grenzen. Will jemand Jesus nachfolgen, dann muss er sich weit aus dem Fenster lehnen und sich vom Wind umwehen lassen. Es gilt, das eigene Haus zu verlassen und in die Fremde zu ziehen, in gänzlich unbekannte Bereiche, in denen man nicht weiss, ob man ihnen gewachsen ist, und wo und wie man sich darin ausruhen kann. Wer jedoch das Unbekannte scheut, der wird nie in seine eigene Kraft hineinwachsen und stets nur die Kraft erproben, die er bisher gespürt hat. Das Leben bleibt also unfruchtbar. Wer sich darauf festgelegt hat, nur Dienst nach Vorschrift auszuüben, der wird dabei auch nicht glücklich. Zwar winkt ein bequemes Leben, doch ist dieses auch voller Langeweile, weil ihm die Spannung fehlt. Menschensein bedeuetet aber auch, aus der Enge auszubrechen und den Mut aufzubringen, die eigenen Kräfte zu messen. Dies birgt natürlich auch das Risiko, zu verlieren. Wer kämpft, der wird nämlich auch verwundet werden.

Blockierte Aktivität

Die Psychologin Margrit Erni beschreibt, dass Menschen, die sich unterfordern, häufig Aktivitäten suchen, „die unter normalen Umständen meistens unter ihrem sonstigen moralischen Niveau liegen. Blockierte Aktivität kann negative psychische Konsequenzen haben. Die Grenze wird hier zur gefährlichen Eingrenzung, die nicht nur hemmt, sondern auch vergiftet." 1
Menschen benötigen die Herausforderung, etwas zu leisten, um gesund zu leben. Wer diese Herausforderung meidet und sich lieber in seinem warmen Nest des Wohlbehagens häuslich einrichtet, der kann sich auch nicht weiterentwickeln. Verbitterung und innere Vergiftung werden ihn befallen. Abraham Maslow spricht davon, dass manche vor dem eigenen Wachstumspotential zurückschrecken.2 Erni führt aus, dass „dieses Zurückschrauben eigener Erwartungen, diese Furcht, sich völlig auszugeben, die freiwillige Selbstverstümmelung, die angebliche Dummheit,die falsche Bescheidenheit, in Wahrheit nichts als Furcht vor der Grossartigkeit" sei. Solche Menschen trauen ihrer gottgegebenen Berufung nicht. Sie machen sich künstlich klein und haben Angst davor, über ihre Grenze zu gehen; damit verstümmeln sie sich selbst. In einem modernen religiösen Lied heisst es: „Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite. Herr, erbarme dich."3 Gott soll also unsere engen Grenzen aufbrechen und sie in Weite verwandeln.

Enge Grenzen signalisieren Angst und innere Unfreiheit. Erst das weite Herz, das für Benedikt ein Zeichen echter Spiritualität ist, bricht diese Enge auf. Wer sich auf den Weg macht, einen spirituellen Weg zu gehen, der muss die engen Grenzen seiner Selbstbeschränkung und Ängstlichkeit passieren und hinter sich lassen und den Mut haben, in die Weite Gottes zu schreiten.

Ungelebtes Leben

Die wahre eigene Grenze erfahre ich erst, wenn ich einmal darüber hinausgegangen bin. Wer keinen Mut dazu hat, seine eigene Grenze zu überschreiten, dessen Leben verkümmert. Erich
Fried beschreibt in einem Gedicht in drastischen Bildern einen Menschen, der sich vor lauter Angst, er könne vielleicht einmal überfordert werden, überhaupt nicht fordern lässt und letzten Endes an seinem ungelebten Leben leidet.

„Auch ungelebtes Leben
Geht zu Ende
Zwar vielleicht langsamer
Wie eine Batterie
In einer Taschenlampe
Die keiner benutzt
Aber das hilft nicht viel:
Wenn man
(sagen wir einmal)
Diese Taschenlampe
Nach soundsovielen Jahren
Anknipsen will
Kommt kein Atemzug Licht mehr heraus
Und wenn du sie aufmachst
Findest du nur deine Knochen
Und falls du Pech hast
Auch diese schon ganz zerfressen
Da hättest du
Genauso gut
Leuchten können."

Erich Fried

Ein junger Mann hatte das Gymnasium in der 11. Klasse abgebrochen. Die erste Lehre als Elektriker beendete er schon nach einem halben Jahr. Die Gärtnerlehre stand er immerhin ein Jahr lang durch; dann gefiel es ihm in diesem Betrieb auch nicht mehr. Die Mutter hatte ihm stets alle Steine aus dem Weg geräumt. Als es darum ging, in der Schule oder in der Lehre die ersten Probleme zu überwinden, da gab er auf und zog sich wieder in das vertraute Nest der Mutter zurück. Zwar findet er dort die vertraute Wärme, aber auch eine Einengung, innerhalb derer er sein Leben nie wird bewältigen können. Er müsste dazu diese Enge verlassen, um weiterzukommen. Auf die Frage hin, welche beruflichen Wünsche er nun hege, antwortet er, er möchte Sportjournalist im Fernsehen werden. Um sein Ziel zu erreichen, hatte er jedoch bis dato keinen konkreten Versuch unternommen, dieses Ziel in die Tat umzusetzen. Aus dem Nest der Mutter heraus malte er sich andere Scheinwelten aus, in die er flüchten konnte. Diese waren jedoch reine Illusion, sie taten nicht weh. Konfrontiert mit der Aussage, der Fernsehalltag sei genauso rau wie die Arbeit in der Gärtnerei, schwärmte er davon, wie schön es sei, über Fußballspiele oder Rennsport zu berichten. Dass gerade er diesen Traumjob erringen sollte, erscheint jedoch ziemlich unwahrscheinlich. Und solange er nicht aus dem Nest der Mutter heraussteigt und kämpfend seine sich selbst gesetzten Grenzen überschreitet, wird er wohl kaum seine Ziele erreichen.

Einige Menschen trauen sich nicht, das angestammte Nest zu verlassen, weil sie selbst verlassen worden sind. Eine Frau, die tief geprägt war von ihrer Erfahrung als Scheidungskind berichtet, dass die Mutter sie immer wieder mit der Aussage an sich bindet: „Wenn du mich verlässt dann sterbe ich." Also lebt die Tochter mit 33 Jahren immer noch bei ihrer Mutter. Zwar empfindet sie schmerzlich die Enge, die sie einschnürt. Doch hat sie als Scheidungskind Angst, nun auch noch die Mutter zu verlieren. Der Vater hat sie einfach verlassen und ist fortgegangen. Wenn sie nun die Mutter verlässt, so ihre tiefe Angst, wird sie sich selbst völlig verlassen vorkommen. Also bleibt sie lieber im Nest sitzen, obwohl sie unter der Enge leidet. Solche Menschen bedürfen zunächst einmal die Erfahrung einer inneren Stärke als innere Heimat, um dann auch befähigt zu sein die äussere „Heimat", die sie nur noch einengt, verlassen zu können.

Die Fesseln des mütterlichen Nestes zu sprengen und daraus auszubrechen fällt nicht gerade leicht. Aber auch die Loslösung vom Vater ist bisweilen gefordert. Die Bibel berichtet in diesem Zusammenhang von der folgenden Begebenheit: Jesus sagt einem zweiten Mann, der ihm unbedingt nachfolgen möchte, aber zuerst noch heimgehen und seinen Vater begraben wollte: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!" (Lk 9,60) Zwar wollte der junge Mann seinen eigenen Weg gehen. Aber er wollte damit warten, bis der Vater gestorben und die Erbschaft geregelt ist. Wer jedoch darauf wartet, dass der Vater gestorben ist, der wird seinen eigenen Weg nie finden; er wird nämlich zeitlebens auf den Vater und dessen Erwartungen schauen. Aus Angst davor, den Vater zu verletzen, wird er sich anpassen, anstatt das eigene Leben zu leben. Für die Juden galt es als höchste Pflicht und Ehre, die Toten zu begraben. Nun schockiert Jesus den jungen Mann mit seiner radikalen Aussage, die Toten sollten ihre Toten selbst begraben. Für den Mann ist der Vater also schon tot. Denn die innere Abhängigkeit vom Vater ist nichts anderes als ein Ausdruck von Totsein. Wer nur das tut, was der Vater sagt, der ist nicht lebendig.
Wer nun warten will, bis der Vater endlich tot ist, der ist schon längst gestorben. Um selbst zu leben muss erst der Vater im Inneren des Sohnes sterben. Teilweise träumen wir davon, dass der Vater stirbt oder gestorben ist. Dieses Traumbild zeigt, dass wir innerlich von ihm frei geworden sind und dass wir uns nicht mehr über eine äußere Autorität definieren. Teilweise stellt uns solch ein Traum auch vor die Aufgabe, dass wir den Vater innerlich sterben lassen müssen, um uns von ihm zu distanzieren Das bedeutet: Die Grenzen, die der Vater setzt, sprengen können nur Menschen, die mit sich selbst in Berührung sind und mit der inneren Stimme, die sie im Herzen hören.
Gute Väter schicken ihre Kinder auf den Weg. Sie ermutigen sie dazu, selbst ihren Weg zu suchen und zu gehen. Väter, die ihre Söhne und Töchter in ihre eigenen Erwartungen pressen, sind letzten Endes schon tot. Und die Kinder solcher Väter sollten die Väter sich selbst überlassen.

Der inneren Stimme trauen

Nun stellt sich die Frage, wie frei mein persönlicher Weg im Leben sein kann? Das Lukas-Evangelium im Neuen Testament liefert auch hierfür Antworten. Ein Mann spricht Jesus an und meint: „Ich will dir nachfolgen,Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen." Jesus entgegnet darauf: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." (Lk 9,61). Als der Prophet Elischa seinen Meister Elija fragte, erlaubte dies der Meister - Jesus verweigert jedoch strikt dieses Ansinnen. Seine Haltung steht der Anschauung griechischer Philosophen jedoch nicht fern. Lukas übersetzt nämlich Jesu Worte in die griechische Umwelt seiner Zeit hinein. Zwar wollen viele ihren eigenen Weg gehen. Sie möchten die Grenzen des väterlichen Hauses überschreiten. Dieser mutige Schritt soll von der eigenen Familie erlaubt und bestätigt werden. Doch ist es nicht mehr mein persönlicher Weg, wenn erst einmal alle einverstanden sein sollen mit meinem eigenen Weg. Jesus ermutigt uns also, den Weg zu gehen, den wir als richtig erkannt habe - selbst dann, wenn die Familie und die Freunde nur Unverständnis zeigen für diesen Weg. Die Nachfolge Jesu bedeutet,, dass ich meiner inneren Stimme folge, der Stimme Gottes, die mir sagt, was mein ureigenster Weg ist.
Gottes Stimme erkenne ich an der eigenen Stimmigkeit. Falls Friede ist in mir bei einer Entscheidung, wenn ich dabei Lebendigkeit und Freiheit verspüre, dann darf ich mich darauf verlassen, dass es Gottes Stimme ist, die in mir diese Entscheidung hervorruft. Und diese Stimme ist wichtiger als die Stimmen der Hausgenossen. Meiner inneren Stimme muss ich folgen, auch wenn die Menschen in meinem Umfeld mich davon abhalten wollen, diesen Weg zu gehen.
Ich benötige nicht den Beifall der anderen. Die innere Stimmigkeit genügt vollkommen, um den Weg, den ich als den meinigen erkannt habe, entschlossen zu gehen.

Mit den Zielen wachsen

Wie wir unseren Weg gehen sollen, erklärt uns Jesus mit einem anderen Bild: : Wer gerade einen Acker pflügt, der darf dabei nicht andauernd auf die Furchen zurückblicken, die er gegraben hat. Tut er dies, dann würden die Furchen krumm werden, die er pflügt. Er muss also nach vorne schauen, ohne
sich immer wieder zu vergewissern, ob in der Vergangenheit alles richtig war. Jesus ermutigt uns dazu, den Blick nach vorne zu wagen - uns nicht von der Vergangenheit und von den Erfahrungen der früheren Grenzen her zu definieren, sondern mutig weiter zu gehen. Ein Pflüger weiß nicht, wie lange seine
Kraft noch ausreicht. Doch darf er nicht innehalten, während er eine Furche pflügt. Wer sein Ziel vor Augen hat, der wird die Kraft haben, weiterzuarbeiten.

Ziele aktivieren unsere Potenziale.

Friedrich Schiller hat es treffend ausgedrückt: „Es wächst der Mensch mit seinem Ziel." Selbstverständlich darf dieses Bild mit dem Blick nach vorn nicht absolut gesetzt werden. Zudem muss ich meine eigenen Kräfte richtig einschätzen. Blicke ich jedoch nur zurück auf die Kraft, die ich früher hatte, werde ich nie entdecken, wie viel Kraft noch in mir steckt. Die Kraft wächst dabei mit dem gesteckten Ziel. Wer ein Ziel anstrebt, es in Angriff nimmt und auf es zugeht, der merkt erst, wozu er fähig ist. Er wird seine bisherigen Grenzen überschreiten - und auf neue Grenzen stoßen. Dann sollte er sich zunächst mit diesen Grenzen abfinden, bis er einen Impuls spürt, auch diese zu überwinden. Die Grenze erkenne ich oft erst dann, wenn ich sie überschritten habe. Wer sich nie an seine Grenze begibt und etwas darüber hinausgeht, der wird auch nie weit kommen. Und es wird auf Dauer langweilig, immer nur sein eigenes Wohlbefinden zu pflegen. Wer über seine Grenzen hinausgeht, fühlt sich obendrein besser.
Viele Menschen ziehen sich in ihre eigenen Grenzen zurück. Diese Leute treibt die Angst um, In einer grenzenlosen Gesellschaft selbst grenzenlos zu werden. Diese Angst hat durchaus ihre Berechtigung. Wer sich jedoch von dieser Angst bestimmen lässt, dessen Leben wird eng, weil die die Herausforderung durch das Leben fehlt.
Diese Leute lassen sich kaum begeistern. Sie haben nämlich Angst, sie könnten etwas verlieren, wenn sie sich auf den Weg machen und ihre Grenzen überschreiten, indem sie sich etwa für ein Projekt engagieren. Das Leben dieser Menschen wird unfruchtbar. Lieber beklagen sie ihr ungelebtes Leben, anstatt den Mut aufzubringen, auszubrechen und sich in die Weite des Lebens zu wagen.

Der Jesuit Alfred Delp hat sich Im Gefängnis der Gestapo angesichts der drohenden Hinrichtung durch die Nazis auf einen Zettel notiert: „Der Freiheit wird der Mensch nur teilhaft, wenn er seine eigenen Grenzen überschreitet." Selbst in der Enge des Gefängnisses hat Delp eine innere Freiheit erfahren, die ihm niemand nehmen konnte, selbst durch den drohenden Tod nicht. Dabei hatte sich Delp in den ersten Nächten im Gefängnis fast aufgegeben, weil die Schmerzen der Folter für ihn so unerträglich waren. Nach einigen Tagen in der Haft hat er die Grenzen seiner eigenen Angst vor den Schmerzen jedoch überschritten. Er erlangte dadurch eine Freiheit, die selbst seine Schergen beeindruckt hat. In der größten äußeren Enge hat er sich in die Weite Gottes begeben. Seine Erfahrung teilt er - geschrieben mit gefesselten Händen - seinen Freunde in der Freiheit mit: „Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, welcher Fahrt wir fähig sind."

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