Das konstruktive Selbstgespräch

Das konstruktive Selbstgespräch - der Dialog mit dem inneren Ratgeber

Den grossen und kleinen Entscheidungen unseres Alltags geht meistens ein innerer Dialog voraus. Wir erörtern in unserem Inneren das Für und Wider und fällen bei günstigem Verlauf eine tragfähige Entscheidung. Deshalb ist der innere Dialog auch unserer ständigen Beglei­ter.

Teilweise fahren wir uns fest in vermeintlich unauflösbaren Widersprüchen, oder aber unsere inneren Stimmen fallen sich gegensei­tig ins Wort, hindern uns an einer Selbstklärung und blockieren wirkungs­volles Handeln. In solchen Situationen wünschen wir uns dann eine geordnete Konferenz unserer inneren Stimmen, eine Metakommu­nikation mit Hilfe unseres Erwachsenen-Ichs oder eine Konfrontation mit Aspekten von ausserhalb unseres Bezugsrahmens; wir hoffen demnach auf Hilfen, die uns ein guter Gesprächspartner bieten könnte.

Selbstgespräche werden jedoch oh­ne ein Gegenüber geführt. Auf welche Weise können wir die Funktion eines solchen Gegenüber selbst über­nehmen? Einige Menschen versuchen dieses Defizit auszuglei­chen, indem sie die gegensätzlichen Argumente laut aussprechen. Es gibt drei Möglichkeiten, um mit sich auf eine gute und konstruktive Weise ins Gespräch zu kommen:

  1. Das Tagebuch
    Ein Tagebuch zu führen gibt einen guten Ansatz für einen inneren Dialog ab. Dabei kommen drei wichtige Aspekte ins Spiel:
    • Erstens schreiben wir uns dabei Dinge von der Seele, die wir uns sonst kaum zu äussern erlauben würden.
    • Zweitens bringen wir im Fortgang des Schreibens eine gewisse Ordnung in unsere Gedanken und - genauso wichtig - in unsere Gefühle.
    • Und drittens kommen wir, wenn wir uns wirklich einlassen, mehr und mehr mit dem inneren Ratgeber in Kontakt - mit dem Teil in uns, der es gut mit uns meint und erstaunlich viel Kreativität und Weisheit besitzt.

    Danach können wir nicht selten die Feder mit neu gewonnener Klarheit und vielleicht mit einer guten Entscheidung aus der Hand legen.
    Einige zusätzliche Hinweise ergänzen das oben Geschriebene:

    • Suchen Sie sich einen ruhigen Platz und schildern Sie auf Tonband (oder indem Sie auf einen grossen Bogen schreiben) das Problem, um das es Ihnen geht.
    • Erlauben Sie sich, alles ganz aus Ihrer Sicht zu schildern und ohne jeden Anspruch, schon bald eine Lösung zu finden. Sprechen oder schreiben Sie, solange die Worte fliessen.
    • Hören oder lesen Sie dann Satz für Satz, als wenn Sie ein Ihnen selbst gewogener Berater wären. Gute Beraterinnen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie die produktiven Ichzustände im Auge behalten und dementsprechend ihre Fragen stellen. Nehmen Sie sich ein zweites Blatt Papier und notieren Sie Ihre Beobachtungen und Einfälle zu diesen Fragen.
      Fragen zu den produktiven Ichzuständen
      • Nährendes Eltern-Ich:
        • Wie fürsorglich mit dir selbst und anderen gehst du in diesem Fall um?
        • Was würde eine von dir geschätzte Person zu dem Problem sagen?
        • Welchen Rat würdest du dir geben?
      • Erwachsenen-Ich:
        • Was nimmst du wahr, wenn du deine Worte hörst?
        • Was hast du schon zur Lösung des Problems unternommen?
        • Inwieweit erkennst du Anteile von Passivität?
        • Welche neuen Möglichkeiten siehst du?
        • Was würde passieren, wenn das Problem bestehen bleibt?
      • Freies Kindheits-Ich:
        • Welche Gefühle werden deutlich?
        • Welcher Aspekt ist am stärksten mit positiven Gefühlen besetzt?
        • Was würdest du spontan am liebsten tun?

      Am Ende dieser Selbstsupervision empfiehlt es sich, noch zwei Fragen aus dem Erwachsenen-Ich beantworten:

      • Welche möglichen Kompromisse siehst du?
      • Wofür entscheidest du dich?

      Falls man an bestimmten Stellen nicht alleine weiterkommt, dann sollte man eine vertraute Person aufsuchen, um mit ihr den Prozess zu ergän­zen und abzuschliessen.

  2. Das innere Komitee
    Geht es um die Frage, wie man sich in einer bestimmten Situatio­n verhalten oder entscheiden soll, dann kann es hilfreich sein, die verschie­denen Argumente des Für und des Wider den verschiedenen Ichzuständen zuzuordnen, um herauszufinden, welche Rolle und welchen Raum sie im inneren Dialog einnehmen.

    Zunächst sind alle Argumente, die einem durch den Kopf gehen ungeordnet auf ein Blatt Papier zu schreiben. Falls einem dann keine weiteren Punkte mehr einfallen, dann versucht man, die einzelnen Argumente den sechs Ichzuständen zuzuordnen.

    Das Resultat bewertet man dann aus der Perspektive des Erwachsenen-lchs unter folgenden Fragestellungen:

    • W elche Ichzustände haben viel, welche weniger zu sagen?
    • Bleiben einzelne Ichzustände ganz stumm?
    • Wo befinden sich die gewichtigsten Argumente?
    • Welche Aspekte darf ich bei einer Entscheidung auf gar keinen Fall vernachlässigen?
    • Wie stark sind die produktiven Ichzustände im inneren Dialog vertre­ten?

    Man sollte eventuell nachträglich die einem als wichtig erscheinenden Ichzustände noch einmal zu Worte kommen lassen oder die produktiven Ichzustände be­fragen:

    • Was ist gut für mich und andere?
    • Was ist sinnvoll und machbar?
    • Habe ich Lust dazu oder verspreche ich mir etwas davon?
  3. Der Dialog mit einem Symbol

    Teilweise sind wir mit persönlichen Problemen und Verhaltensweisen konfrontiert, die unsere Kommunikation in privaten und beruflichen Zusammenhängen behindern. Solche Probleme führen häufig ein Dasein in schwer zugänglicher innerer Abgeschiedenheit. Sie sind deswegen kaum fassbar, weil man kein konkretes Bild von ihnen hat. Der folgende Übungsvorschlag arbeitet nun mit einer bewährten Visualisierungstechnik und ermöglicht auf diesem Weg eine Auseinandersetzung mit den nicht so leicht greifbaren Aspekten der eigenen Persönlichkeit.

    Setzen Sie sich dazu entspannt und mit geschlossenen Augen hin, und erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie diese Schwierigkeit zum letzten Mal bei sich beobachtet haben. Stellen Sie sich dann ein Symbol vor, das Ihr Erleben in dieser Situation am treffendsten wiedergibt. Über­legen Sie nicht lange, sondern folgen Sie dabei möglichst Ihrer ersten spontanen Eingebung.
    Malen Sie nun das Symbol auf einen Bogen Papier.
    Nun haben Sie die Möglichkeit, mit diesem Symbol einen Dia­log zu führen. Das sollte am Besten schriftlich erfolgen. Sprechen Sie dazu das symbolisierte Problem an, zum Beispiel indem Sie ihm mitteilen, wie es auf Sie wirkt oder wie es Sie behindert. Lassen Sie dann das Bild antworten. Nach anfänglicher Gewöhnung verläuft der Dialog in der Regel zunehmend flüssiger. Versuchen Sie schließlich, zu einem befriedi­genden Ende zu kommen.

    In den meisten Fällen führt das verbreitete Bedürfnis von Menschen nach Harmonie und Integration zu einem Kontakt mit dem inneren Rat­geber, dessen Rolle nicht selten sogar von dem Symbol übernommen wird.

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