Konfrontation

Konfrontation

Konfrontation meint: eine Person auf eine eingeschränkte Sichtweise bzw. ein für Sie selbst oder andere problematisches Verhalten aufmerksam zu machen. Die Konfrontation in diesem Sinne praktiziert hat das Ziel, Energie für eine Überprüfung und Veränderung problematischen Ver­haltens freizusetzen. Die Konfrontation ist gelungen, wenn sie zur Erweiterung des Bezugsrahmens anregt und das Interesse an neuen Verhaltensalternativen weckt.

Konfrontieren wir wir andere Menschen mit unangemessenem Verhalten, dann stoßen wir in der Regel nicht auf große Begeisterung, meistens sogar auf heftige Ablehnung. Wer das nicht oder nur schlecht ertragen kann, sollte erst einmal sparsam und wohldosiert damit umgehen.
Wann immer möglich sollte die Konfrontation immer auf der Basis eines wohlwollenden Interesses an der anderen Person und eines Vertrages ge­schehen. Wir reagieren in der Regel höchst empfindlich auf ungebetene Kritik. Auf der anderen Seite bringt uns kaum etwas persönlich so weiter, wie das Feedback zu unseren neuralgischen Punkten. Am ehesten werden wir bereit dazu sein, zuzuhören, wenn wir dieses Feedback auf eine gute Weise mitgeteilt bekommen.

Im folgenden die Bedingungen für Konfrontation auf der Basis eines vorhandenen Vertrages, d.h. wenn ein allgemeiner Gesprächskontrakt besteht, der Konfrontation mit einschließt: Anlässe für Konfrontation:

  • Redefinitionen,
  • manipulative Spiele,
  • passives Verhalten,
  • Abwertung von sich selbst und anderen,
  • (selbst-)destruktives Verhalten,
  • unangemessene Übertreibungen (Grandiosität),
  • starke Diskrepanz in der Kommunikation (z.B. zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation),
  • Konfrontation

Voraussetzungen für eine gute Wirkung der Konfrontation wären:

  • ein bestehender Vertrag, der evtl. noch einmal ins Bewusstsein gerufen wird;
  • eine Situation, in der ich annehmen kann, dass der andere aufnahme­bereit ist;
  • eine grundlegende Akzeptierung der anderen Person, die sich darin ausdrückt, dass ich auch die Anlässe für positive Zuwendung nutze;
  • dass auch die andere Person mich akzeptiert und für kompetent hält;
  • eine Trennung von Person und Verhalten („Du bist okay, auch wenn ich dein Verhalten kritisiere");
  • die Gewißheit, nicht ein (Verfolger-)Spiel zu beginnen und meine Beobachtungen nicht als Rabattmarken einzulösen;
  • eine kritische Selbstüberprüfung, dass ich nicht etwas konfrontiere, um zu zeigen, was ich alles sehe und wie klug ich bin.

Beispiele für Konfrontationen:

  • Auf von mir beobachtetes Verhalten aufmerksam machen („Mir ist aufgefallen ..." „Willst du noch einmal hören/sehen, wie du ...?" „Wenn du dir vergegenwärtigst, wie du ..., fällt dir etwas auf?")
  • Bei ausweichendem Verhalten auf der eigenen Frage bzw. dem eige­nen Thema beharren („M eine Frage war ..." „Weißt du noch, was eben unser Thema war?").
  • Meine eigene Reaktion, vor allem mein Gefühl mitteilen.
  • Unangemessenes Verhalten (Passivität, Jammern, Übertreibungen etc.) humorvoll spiegeln bzw. übertreiben - aber Achtung: das funktioniert nur, wenn sich die betreffende Person grundsätzlich akzeptiert weiß.
  • Durch das eigene Modell implizit eine Alternative anbieten, ohne je ­doch eine Konkurrenzsituation herzustellen („Schau dir mal an, wie ich das kann!").

Grundsätzlich gilt, daaa ein Zuviel an Konfrontation kontraproduktiv wirkt. Besser ist es allemal, den entscheidenden Punkt am rechten Ort und zur richtigen Zeit zu kon­frontieren. Das heißt etwa: Redefinitionen, Vertragsbrüche und destruktives Verhalten in aller Regel sofort, Abwertungen möglichst früh­zeitig, Spiele, sobald sie offensichtlich werden (beispielsweise wenn ich mindestens drei Belege dafür habe).

Wichtig ist es, zu beobachten, ob mein Gegenüber die Konfrontation annimmt. In diesem Falle wird eine gewisse Betroffenheit spürbar, ein Moment des Innehaltens und Nachdenkens - und ob er/sie schließlich
etwas daraus macht. Bemerke ich, dass die Konfrontation folgenlos bleibt, ist es besser, das zum Thema zu machen, als immer neue Konfrontationen nachzule­gen („Ich merke, wie du über meine Bemerkung hinweggegangen bist, als hätte ich nichts gesagt. Wie kommt das?" - „So habe ich keine Lust, mich mit dir zu unterhalten“). Nicht zuletzt ist es bei aller Klarheit und Dichte anzustreben, auch mit Witz und Humor zu konfrontieren.