Das Beratungsgespräch

Die Phasen eines Beratungsgesprächs

Zumeist hat eine Beratungssituation damit zu tun, dass eine andere Person etwas von mir möchte - eine nützliche Information, einen guten Rat oder tätige Hilfe. In der Regel wird mein Eltern-Ich offen oder verdeckt aus dem angepassten Kindheits-Ich der ratsuchenden Person ange­sprochen. Die unbewusste Absicht dahinter ist es,

  • zu einer symbiotischen Unterstützung einzuladen („Bitte machen Sie das für mich!" oder „Sagen Sie mir, wie das geht, Sie können das doch immer so gut!")
  • oder mich in ein 'Ja, aber'-Spiel zu verwickeln.

Gerade dann ist es jedoch extrem wichtig, selbst nicht zu aktiv zu werden (durch Handeln oder mit Ratschlägen), sondern die Initiative und Kompetenz bei der anderen Person zu unterstützen. Hilfreich ist dabei eine Strategie, die in der Hauptsache durch Fragen und Impulse aus dem Erwachsenen-Ich bestimmt ist. Natürlich bedeutet dies nicht, Anteilnahme, Ermuti­gung und vor allem Erlaubnis wegzulassen. So gilt einem weinenden Menschen erst einmal mein Trost, - bisweilen ist das Trösten allein schon Hilfe genug.

Die nun aufgezeigte Gesprächsstrategie stellt ein detailliertes Raster einzelner Fragen zu den verschiedenen Phasen eines Beratungsgesprächs dar. Es handelt sich jedoch nicht um einen Fragenkatalog, der systematisch zu absolvie­ren ist, sondern um einen Leitfaden mit vielen Optionen, die situationsange­messen ausgewählt und gegebenenfalls variiert werden können. Um die­se Fragen wirklich durchzuarbeiten, wird normalerweisel ein längerer Prozess von mehreren Gesprächen nötig sein.

Grundlagen klären

Es geht darum, die Ausgangserwartungen zu klä­ren und eine tragfähige Basis für das weitere gemeinsame Vorgehen zu finden.

  • Fragen an den Ratsuchenden:
    • Was ist dein Thema bzw. Problem?
    • Weshalb kommst du damit zu mir/uns?
    • Was erwartest du von mir/der Gruppe?
  • Fragen an mich selbst:
    • Will und kann ich an diesem Thema mit dieser Person arbeiten?
    • Wann? Wie lange? Zu welchen Bedingungen?
    • Ist das in Ordnung in Bezug auf bestehende Gesetze und gemessen an meinem Wertesystem?

Problem beschreiben lassen

Der Klärung des tatsächlichen Problems sollten Sie Zeit und Aufmerk­samkeit widmen. Die genaue Definition der Problematik stellt vielfach schon die Lösung dar, falls es gelingt, die anfängliche Konfusion zu beseitigen.

  • Fragen an den Ratsuchenden:
    • Was ist konkret und spezifisch das Problem?
    • Wann tritt es auf? Mit wem? Wie lange schon?
    • Inwiefern ist es dein Problem, was ist dein Anteil daran?
    • Wie leidest du darunter? (Hier kann es angebracht sein, die Existenz des Problems sowie seine Bedeutung einfühlsam anzuerkennen.)
    • Was hattest du bisher davon? (Es war vermutlich einmal nützlich für dich.)
    • Weshalb willst du das Problem lösen?
  • Fragen an mich selbst:
    • Spüre ich bei meinem Gegenüber Energie, etwas zu verändern?
    • Spüre ich eine Einladung zu einem heimlichen Vertrag?
    • Hätte ein achtjähriges Kind das Problem verstehen können?

Bisherige Lösungsversuche abklären

Die Abklärung der Lösungsversuche ist sehr wichtig, um Informationen darüber zu erhalten, ob ein Ratsuchender bereits aktiv an einer Lösung seines Pro­blems gearbeitet hat oder ob er in Passivität verharrt und darauf wartet, dass andere das Problem für ihn lösen. Hier wird auch deutlich, ob die eingeschlagenen Lösungswege (un-)bewusst so angelegt sind, dass ein Scheitern wahrscheinlich wenn nicht gar unvermeidlich ist.

  • Fragen an den Ratsuchenden:
    • Was hast du bereits zur Lösung des Problems unternommen?
    • Welche Ergebnisse hast du erreicht?
    • Welche Schlussfolgerungen ziehst du daraus?
    • Wie hast du dich bisher an der Lösung des Problems gehindert?
    • Wie müssten gute Rahmenbedingungen für eine Lösung aussehen?

Lösungen entwickeln

Mit Kreativität werden verschiedene Lösungen gesucht, unabhängig davon, ob sie auch tatsächlich realisierbar sind. Wenn jemand auf eine Verhaitensänderung hinarbeitet, ist es wichtig, dass das geplante Vorhaben

  • konkret,
  • positiv,
  • sicher (für sich und die anderen),
  • legal und
  • in der eigenen Macht stehend formuliert wird, sowie
  • in kleinen Schritten und
  • in einem überschaubaren Zeitraum angegangen wird.

Einige Beispiele:

  • Sagt ein Partner zum anderen: „Ab morgen nörgele ich nicht mehr", so ist dieser Vorsatz weder besonders konkret noch realistisch be­grenzt und vor allem nicht positiv formuliert. Falls ich mir vornehme, mit etwas Negativem aus der Vergangenheit aufzuhören, so ist noch lan­ge nicht klar, was ich in der Zukunft statt dessen positiv tun werde. In diesem Fall könnte eine sinnvolle Frage lauten: „Und wie willst du die Zeit füllen, die du bisher mit Nörgeln verbracht hast?"
  • Die Umsetzung des Wunsches: „Ich möchte, dass die anderen mich mö­gen" wird daran scheitern, dass seine Erfüllung nicht in der Macht der betreffenden Person liegt.
  • Der Vorsatz schonungsloser Offenheit („Ab morgen sage ich allen Men­schen, was ich von ihnen wirklich denke") ist weder klein noch sehr kon­kret und auf keinen Fall besonders sicher. Die Größe des Vorhabens enthält schon den Kern des Scheiterns (s.o.), eventuell um hinterher sa­gen zu können: „Ich habe wirklich versucht, ehrlich zu sein, aber die Menschen wollen eben angelogen werden."
  • Fragen an den Ratsuchenden:
    • Was wünschst du dir statt dessen?
    • Welche Lösungen gibt es?
    • Welchen Weg wählst du aus?
    • Welchen kleinen Schritt willst du als erstes tun?
    • Was müsstest du dafür aufgeben?
    • Womit möchtest du den entstehenden Freiraum statt dessen überzeugend füllen? (Das, was am Problem Sinn hatte, muss im neuen Verhalten berücksichtigt werden.)
    • Wie würde sich dein neues Verhalten für dich lohnen?

Strategien zur Umsetzung planen:

Je konkreter und überprüfbarer neues Verhalten geplant wird, desto grö­ßer ist die Wahrscheinlichkeit des Erfolges.

  • Fragen an den Ratsuchenden:
    • Nenne ein oder zwei konkrete Situationen, in denen du das neue Verhalten umsetzen kannst.
    • Was wirst du als erstes tun?
    • Woran wirst du / werden die anderen den Erfolg bemerken?
    • Welche Unterstützung benötigst du?
    • Und von wem willst du dir sie holen?
    • Wie willst du dich selbst für den Erfolg belohnen?
    • Über welchen Zeitraum willst du das neue Verhalten ausprobieren?
    • Willst du den Vertrag mit jemandem bilanzieren? Mit wem? Wann?

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