Sind Psychopharmaka den anderen Therapien überlegen?

Sind Psychopharmaka den anderen Therapien überlegen?

Die Vorteile von nicht-medikamentösen Therapien

Egal welche Art von Psychopharmaka man betracht, so ist von vielen Arzneien nicht bekannt, ob eine nicht-medikamentöse Therapie nicht besser sei, da sie eventuell nebenwirkungsärmer und nachhaltiger wirkt. Weinmann prangert an, dass die meisten der nichtmedikamentösen Therapien an den Rand gedrängt und als nicht gleichwertig behandelt werden. Das betrifft etwa Gesprächs-, Verhaltens- oder auch Physiotherapien. Der hohe Druck seitens der Medikamentenhersteller ist der Hauptgrund für diese Entwicklung.1

Erfreulicherweise evaluieren Forscher des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Jenaer Universitätsklinikum seit Mitte 2013 in systematischen Meta-Analysen die Wirksamkeit von Gruppenpsychotherapien. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es sollen Empfehlungen erarbeitet werden für den effektiven Einsatz von Gruppentherapien in der psychotherapeutischen Praxis, vor allem im ambulanten Bereich.
Viele psychotherapeutisch-psychosomatische und psychiatrische Kliniken bieten Psychotherapie in Gruppen an. In der ambulanten Versorgung finden sich jedoch Gruppentherapien nur kaum im Angebot, weil viele Patienten einer Gruppentherapie eher skeptisch gegenüberstehen. Es fällt den meisten Patienten schwer, negative Gefühle, persönliche und vertrauliche Inhalte mit fremden Personen zu teilen, und sie befürchten, dass die jeweilige Situation in der Gruppen ihrer eigenen Individualität schadet.
Prof. Dr. Bernhard Strauß2 sieht jedoch eben in der Gruppensituation einen wichtigen therapeutischen Aspekt, weil dann Mechanismen wirken, wie sie in der Einzeltherapie nicht vorkommen. Er ist Leiter des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Jenaer Universitätsklinikum. Gefühle der Identifizierung, der Zusammengehörigkeit und der Akzeptanz können therapeutisch genutzt werden wie die Bearbeitung zwischenmenschlicher Probleme oder das Feedback von Gruppenmitgliedern zum eigenen Verhalten Dann spielt auch der ökonomische Nutzen eine Rolle, weil eine Gruppenpsychotherapie billiger kommt, da mehrere Patienten gleichzeitig behandelt werden.
Viele Einzelstudien beschreiben die Wirksamkeit von Gruppentherapien. Für einzelne psychische Störungsbilder existieren sogar schon systematische Übersichtsarbeiten. Nun wollen Prof. Strauß und seine Mitarbeiter mit standardisierten Parametern diese Studien und Publikationen in Meta-Analysen zusammenfassen. Das Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt.
Es geht den Wissenschaftlern um die Wirksamkeit der Gruppentherapie bei den häufigsten psychischen Störungen, nämlich

  • affektiven Störungen,
  • Panikstörung,
  • soziale Phobie,
  • Zwangsstörungen,
  • substanzinduzierte Störungen,
  • Traumafolgestörungen
  • und Essstörungen

Betrachtet werden dabei sowohl die psychologischen als auch die ökonomischen Kriterien. Dabei wird die Gruppentherapie sowohl mit der Einzel-Psychotherapie und der Pharmakotherapie verglichen, als auch mit verschiedenen Kontrollgruppen.
Projektpartner ist die Arbeitsgruppe von Prof. Gary M. Burlingame an der Brigham Young Universität in Provo, Utah. Diese Forscher beschäftigen sich im Moment mit der Zusammenfassung von Studien zur Wirksamkeit von Gruppenpsychotherapie bei Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen.
Die abgeschlossenen Meta-Analysen sollen dazu dienen, die vorhandenen Studien besser vergleichbar und bewertbar zu machen. Dann erst kann man die jeweils wirksamsten Therapiemethoden identifizieren und Empfehlungen für die Praxis zum effektiven Einsatz von Gruppenpsychotherapien ableiten. Bernhard Strauß geht davon aus, dass das Projekt das therapeutische Potential von Gruppen weiter verdeutlicht und das Image der Gruppenpsychotherapie bei Patienten, insbesondere auch im ambulanten Bereich, verbessert.3

Psychopharmaka haben den höchsten therapeutischen Stellenwert,

Psychopharmaka haben in der Psychiatrie den höchsten therapeutischen Stellenwert, obwohl sie nur Symptome verdrängen, aber nicht heilen können, beklagte schon Dorothea-Sophie Buck-Zerchin:

Eine Theorie erschafft eine krankmachende Wirklichkeit

Keine andere medizinische Theorie (auch der Gemeindepsychiatrie) wirkte sich derart verhängnisvoll für ehemalige und heutige Psychiatrie-Betroffene aus, wie das »medizinische Krankheitsmodell« der nicht seelisch, sondern erblich und körperlich – heute durch eine genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung – verursachten und daher sinnlosen und »unheilbaren« endogenen Psychosen, besonders der Schizophrenie. Daraus resultierte nämlich,

  • dass Gespräche über die Inhalte der Psychosen und ihre Sinnzusammenhänge mit den vorausgegangenen Lebenskrisen der Betroffenen verhindert,
  • dass den Psychopharmaka der höchste therapeutische Stellenwert eingeräumt wurde, obwohl sie nur Symptome verdrängen, aber nicht heilen,
  • weil es die Betroffenen des Sinnes ihrer besonderen seelischen Erfahrungen und damit ihrer Entwicklungsmöglichkeit beraubt,
  • und weil es die Selbsthilfekräfte blockiert und die Betroffenen entmutigt anstatt ermutigt.

Das »medizinische Krankheitsmodell« nährt den durch biologistisch orientierte Psychiater vertretenen Generalverdacht, dass ihre Patienten an einer »unheilbaren Schizophrenie« leiden würden und darum ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssten. Die entmutigende Aussicht, als »unheilbar Schizophrene« stigmatisiert zu sein und lebenslang Gefühle und Initiative reduzierende Medikamente nehmen zu müssen, hat schon viele Betroffene in den Selbstmord getrieben, weil sie mit diesem Stigma und dieser Reduzierung nicht länger leben wollten.

Was man versteht, das braucht man nicht zu verdrängen.

Die heutzutage wieder verstärkt vertretene biologistische Sicht lenkt den Blick zurück auf die Psychiatrie von 1933 – 1945. So hoffte man schon damals ebenso wie die heutige biologistische Psychiatrie mit ihrem »medizinischen Krankheitsmodell« darauf, durch immer bessere Psychopharmaka und durch das in absehbarer Zeit gefundene Schizophrenie-Gen die Krankheit «in den Griff«; zu bekommen. Damals gingen die Psychiater davon aus, die »Geisteskrankheiten«, durch Zwangssterilisationen und Patientenmorde der sogenannten »Euthanasie« aus der Welt schaffen zu können.

Sollte die moderne Psychiatrie nun die Hirnstoffwechselstörung als primäre Ursache der Psychosen bestimmen und ehrgeizige Forscher die zuständigen Gene finden, dann ist unklar, ob außer einer pränatalen Diagnostik und der erwartbaren Abtreibung nicht auch wieder Sterilisationen gefordert werden.

Schon im Dritten Reich gab es in anderen Ländern Alternativen zur völlig gesprächslosen deutschen Psychiatrie mit ihrem »medizinischen Krankheitsmodell« und ihrer Abwertung von uns Patienten zu »minderwertigen oder lebensunwerten Erbkranken«. Während in Deutschland Zwangssterilisationen und Patientenmorde durch deutsche Psychiater gang und gäbe war, führten Psychiater und Psychotherapeuten in anderen Ländern auch mit den sogenannten »chronischen Schizophrenen« psychotherapeutische Gespräche noch vor der Psychopharmaka-Ära.

Der Entwicklungsrückstand der deutschen Psychiatrie

Alexander Mitscherlich 4 schrieb dazu schon 1966 in »Krankheit als Konflikt« »Im Jahre 1951 gab der Direktor des Burghölzli5 (die Züricher Universitätsklinik) Manfred Bleuler 6 (Sohn von Eugen Bleuler7) seinen inzwischen berühmt gewordenen Übersichtsbericht über die »Forschungen und Begriffswandlungen in der Schizophrenielehre 1941 bis 1950«. Englisch-amerikanische, französische, italienische und deutschsprachige Veröffentlichungen fanden Berücksichtigung. Nicht weniger als 1.100 Arbeiten wurden referiert. Was ist nun das Ergebnis dieser sorgfältig erarbeiteten Übersicht? Es seien, in zwölf Punkte gegliedert, die im vorliegenden Zusammenhang interessierenden Tatbestände wortgetreu zitiert. [..] Der Überblick Bleulers hat gezeigt, dass die therapeutische Erschließung schwerer und chronischer Psychosen durch individuelle, intensive Psychotherapie als erfolgreich erwiesen ist, dass es uns aber noch an genauerer Kenntnis der spezifischen seelischen Verletzungen, des Verhältnisses von Konstitution und Milieu fehlt. Uns diese Kenntnis zu verschaffen, ist ohne Zweifel die Aufgabe der Grundlagenforschung, also der Universitäten. Ist hierzu in unserem Lande etwas geschehen, etwas, was sich im Umfange der Versuche, an forscherischer Geduld, an Freiheit, die man für solche Untersuchungen braucht, mit den Anstrengungen, die man in der Schweiz, Frankreich, Amerika macht, vergleichen ließe? Mit verschwindenden und (ruhmreichen) Ausnahmen: nein. Es würde zu weit führen, die Haltung der deutschen Psychiatrie aus ihrer großen Vergangenheit, vielleicht mehr noch aus dem eigentümlichen Verhältnis, das in unserem Lande zwischen Autorität, die vom Amt abgeleitet wird, und Selbstunsicherheit, Intoleranz und Missbrauch der Autorität besteht, zu erklären. Fest steht die Tatsache, dass wir den Anschluss an einen großen Forschungsversuch bisher nicht gefunden haben, dass kaum Grundlagenforschung betrieben werden darf (weil sie auf das Veto der Autorität trifft), dass deshalb breite Erfahrungsgrundlagen fehlen und es gerade deswegen niemand wagt, den Behörden gegenüber eine grundlegende Reform des Anstaltswesens zu fordern.»8 (1966)

Natürlich lehnten jene Psychiatrieprofessoren eine Grundlagenforschung ab, die ihren Irrtum der »unheilbaren Schizophrenie« und seine Folgen in den psychiatrischen Ausrottungsmaßnahmen der Zwangssterilisationen und den Patientenmorden von 1933 – 1945 hätte erkennen lassen. Dieser Entwicklungsrückstand der deutschen Psychiatrie gegenüber den Psychiatrien der anderen Länder ist wohl bis heute nicht aufgeholt worden. Die deutsche, völlig gesprächslose nosologische 9Psychiatrie von Emil Kraepelin 10hat sich als gesprächsarme Psychiatrie bis heute fortgesetzt. Nach einer Umfrage des »Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener« von 1995 haben nur 10 % der Befragten erlebt, dass auf die ursächlichen Probleme, die zur Anstaltsaufnahme geführt hatten, eingegangen worden war.11

Der Leiter einer großen psychiatrischen Anstalt schrieb »Ich weiß, wie schlimm es für alle Patienten war, dass wir als Ärzte bis in die Anfänge der 70er Jahre gelernt haben, mit psychisch Kranken möglichst nicht persönlich zu sprechen, ihre psychotischen Erlebnisse als nicht nachvollziehbar einzustufen. Sich nicht ernst genommen fühlen, hängen gelassen werden mit Ängsten und Erlebnissen, die einen überschütten, abgespeist werden mit Unverbindlichkeiten und Medikamenten – das alles ist über lange Zeit psychiatrischer Alltag gewesen.«

Lehren aus der Vergangenheit

Wie die Umfrage im Bundesverband ergab, war das 1995 in vielen deutschen Psychiatrien immer noch »psychiatrischer Alltag«. Um diese gesprächslose oder immer noch gesprächsarme Psychiatrie in eine auf den Erfahrungen der Betroffenen gründende empirische Psychiatrie zu verändern, begann man mit dem ersten gleichberechtigten Erfahrungsaustausch zwischen psychose- und depressionserfahrenen Menschen, Angehörigen und Fachleuten im inzwischen weit über 100 Psychose-Seminaren in der Bundesrepublik und im benachbarten Ausland, mit dem Trialog12. Die Betroffenen konnten erstmalig über ihr Psychoseerleben sprechen, ohne eine Medikamentenerhöhung wie in den Psychiatrien befürchten zu müssen.

Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, von den Erfahrungen der Betroffenen auszugehen, sie zu erfragen und ernst zu nehmen. In der psychosomatischen Medizin ist das selbstverständlich. Dort dürfen gerade Körperkrankheiten wie Magengeschwüre seelisch verursacht sein. Seelische Störungen dürfen das nach dem »medizinischen Krankheitsmodell« nicht. Das liegt nach Bettina Kroll13 daran:
Warum sie das nicht dürfen, entnehmen wir Bettina Krolls Studie »Mit Soteria auf Reformkurs – Ein Alternativprojekt bewegt die Akut-Psychiatrie« 14:
»Vier Hindernisse auf dem Weg zur heilungsfördernden klinischen Situation. Das erste Hindernis ist: Das medizinische Krankheitsmodell. Da sich die Psychiatrie um die volle Anerkennung als Teildisziplin der Medizin bemühe, dominiere hier das medizinische Krankheitsmodell. Dies statte den Arzt im Vergleich zu den anderen Berufsgruppen mit unverhältnismäßig viel Autorität und Verantwortung aus und räume zugleich den Psychopharmaka höchsten therapeutischen Stellenwert ein. Die Patienten würden dabei nicht als Menschen, sondern in erster Linie als Leidende mit Behinderungen und Fehlfunktionen wahrgenommen, deren Erkrankung es in Form einer Diagnose zu etikettieren gilt. Die Folge davon sei eine Verobjektivierung und Stigmatisierung dieser Menschen die in Zukunft als psychisch krank gelten.«> Sie zitiert hier die namhaften amerikanischen Psychiater Loren Mosher15 und Alma Menn16 , die Begründer der ersten Soteria17 in Florida über die

Der Magenspezialist akzeptiert eine durch seelischen Stress angegriffene Magenwand ganz selbstverständlich, doch fühlt sich der biologistische Psychiater in seiner Kompetenz bedroht, wenn er eine seelisch verursachte Hirnstoffwechselstörung akzeptieren würde. Deshalb beklagen die Betroffenen immer wieder, dass sie nach den ihren Psychosen vorausgegangenen Lebenskrisen von den Psychiatern gar nicht gefragt worden seien.

Loren Mosher setzte als Alternative zu dieser die Patienten abwertenden pathologisierenden und ihre Defizite statt ihre Stärken betonenden biologistischen psychiatrischen Sichtweise sein Soteria-Modell, das die Entwicklungs- und Reifungsmöglichkeiten durch die Schizophrenie erkennt. Dazu müssen die Betroffenen aber angehört und ernst genommen werden, damit die Psychiater ihre Psychosen als Heilungsversuch vorausgegangener Lebenskrisen erkennen können, wie ja auch Körperkrankheiten Heilungsversuche, Selbstregulationen sind.

In der Bundesrepublik wurde die Soteria erstmalig in Zwiefalten verwirklicht. Das in jeder Akutstation mögliche empfohlene Modell des »Hermann-Simon-Haus II« in Gütersloh, das von den Oberärzten Dr. Theiß Urban und Frau Dr. Iris Jiko mit ihrem engagierten Team vor Jahren aufgebaut wurde, ist zu unserem großen Bedauern offenbar durch einen von Münster erzwungenen Leitungswechsel im Umbruch.

Dass diese Akutstation mit normaler sektorisierter Regelversorgung die wichtigsten Soteria-Elemente integrierte: nämlich von den Bedürfnissen der Patienten auszugehen, statt von den Bedürfnissen der Ärzte, der Institutionen oder der Träger, war ein ermutigendes Vorbild für alle Akutstationen ohne Mehrkosten.

In Hamburg setzen die Betroffenen ihre Hoffnung auf die psychiatrische und psychotherapeutische Abteilung von Professor Michael Stark in Rissen. Er und sein Team bezogen die Psychose- und Psychiatrieerfahrene von vornherein in die Konzepterarbeitung ein. Auf zwei der drei Stationen mit 56 Patientlnnen bildeten sich bereits Selbsthilfegruppen. Dass die Selbsthilfe der Betroffenen schon in der Klinik so gefördert wird, lässt das Miteinander der Profis mit den Betroffenen erkennen. Diese Abteilung im Krankenhaus der DRK-Schwesternschaft wurde im August letzten Jahres eröffnet.

Heilung nicht vorgesehen?

Selbst die biologistische Psychiatrie akzeptiert, dass auch die besten Psychopharmaka nur Symptome verdrängen, aber nicht heilen können. Das »medizinische Krankheitsmodell« hat darum auch keine andere, als eine die Symptome nur verdrängende Zukunft. Trotzdem gehen 98% der öffentlichen Forschungsgelder für die Psychiatrie in die medizinisch-physiologische Forschung. Der »Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener« hat darum ein eigenes Forschungsprojekt »Psychose und Depressions-Erfahrene erforschen sich selbst« initiiert mit psychoseerfahrenen Diplompsychologen, die die Fragen formulierten und die Antworten auswerten. Zwar fehlt jeder finanzielle Zuschuss, doch beteiligen sich dafür lauter Experten ihrer eigenen Psychosen und Depressionen. Obwohl alle am Projekt Beteiligten – und nicht nur sie – die seelischen Ursachen ihrer Psychosen beispielsweise als gestaute Gefühle und Impulse erlebten, die in den Psychosen aufbrechen können, bezweifelt wohl niemand von uns, dass sie auch eine Veränderung im Gehirn bewirken. Wie etwa der Zorn das Gehirn dazu alarmiert, uns die Zornesröte in Gesicht zu treiben und heftig zu gestikulieren. Aber das sind die Folgen, nicht die Ursache des Zorns. Längst hat auch die Physik das materialistische Menschenbild im »medizinischen Krankheitsmodell« widerlegt.

Mit Betroffenen reden – statt über sie

Dorothea Buck hat vor über 40 Jahren die zur Heilung notwendigen Einsichten nach 5 schizophrenen Schüben von 1936 – 1959 gefunden und ihre Psychose ins normale Leben integriert, statt verdrängt. Demnach darf es keine Schizophrenie gewesen sein, weil das »medizinische Krankheitsmodell« keine Heilung zulässt. So erklärte Professor Bach aus Dresden beim XIV. Weltkongress für Soziale Psychiatrie 1994, sie hätte eben keine Schizophrenie gehabt, sonst könnte sie nicht vorne stehen und ein Referat über die Schizophrenie halten, wie sie es damals tat. Statt die aus eigener Kraft Geheilten zu fragen, was ihnen geholfen hat und die Psychose- Seminare zu besuchen, wird lieber die nur medikamentös verdrängte, aber nicht heilbare Schizophrenie vertreten, zur schweren Belastung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Auch wer heute von einer Schizophrenie geheilt sein will, muss die zur Heilung notwendigen Einsichten in der Regel immer noch selber finden.

Vom Sinn im Wahn

Was verhalf nun Dorothea Buck zum Verständnis ihrer Schizophrenie und zu ihrer Einbeziehung in ihr normales Leben anstatt ihrer Verdrängung vor über 40 Jahren? Den ersten Anstoß zum Psychoseverständnis verdankte sie einer Mitpatientin ihres vierten Schubes 1946, mit der sie das Zimmer teilte. Aus ihrem Nachttraum wachte sie mit einer schweren Psychose mit beängstigenden Schlangenhalluzinationen auf. Das Merkwürdigste war für Dorothea, dass sie dabei eine fremde, französisch klingende Sprache sprach, in der sie die zweite, statt der ersten Silbe im Deutschen betonte. Sie hatte nie französisch gelernt, ich wusste aber von ihr, dass sie aus einer Hugenottenfamilie stammte. Dorothea konnte mir ihre französisch klingende Sprache nur als Aufbruch eines von ihren Vorfahren ererbten Sprachrhythmus erklären. Zum ersten Mal kam Dorothea der Gedanke, dass auch die Vorstellungen und treibenden Impulse der eigenen Psychose nicht von außen »eingegeben«, sondern aus ihr selbst, aus einem sonst Unbewussten kommen könnten. Aber was ist dieses Unbewusste, was enthält es?

Nach dem nächsten, fünften und letzten Schub 13 Jahre später – 1959 – fiel Dorothea auf, dass seit dem Aufbruch der Psychose Monate zuvor die Nachtträume ausgesetzt hatten, die sie morgens vielleicht nur vergessen hatte. Sie erklärte sich den Sachverhalt so, dass ihre psychotischen Vorstellungen an die Stelle der Nachtträume getreten waren. Nachdem die Psychose der Mitpatientin 13 Jahre zuvor aus ihrem Nachttraum mit der französisch klingenden Sprache aufgebrochen war, schloss Dorothea bei sich selbst auf dieselbe Quelle von Traum und Psychose im eigenen Unbewussten. Sie folgerte weiter: Ebenso wenig wie der Traum »geisteskrank« ist, kann es die psychotische Vorstellung sein. Die »Krankheit« kann nur darin liegen, dass die Betroffenen ihre Psychoseerfahrungen für wirklich halten, was man im Traum nur tut, so lange man diesen träumt. Verstand man nun die Vorstellungen der abgeklungenen Psychose auf der »Traumebene«, konnte man sich ihren SINN erhalten, nur ihre Wirklichkeit nicht. Dieses Verstehen der Psychose als Aufbruch des eigenen Unbewussten, um eine vorausgegangene Lebenskrise zu lösen, die man mit den bewussten Kräften nicht lösen konnte, befreit den Betroffenen nun von der schwer belastenden psychiatrischen Bestimmung der Schizophrenie als einer nicht seelisch, sondern heute durch eine genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung verursachten »endogenen Psychose«. In den fünf Psychosen in fünf verschiedenen Psychiatrien – unter ihnen die Frankfurter Universitätspsychiatrie –, hatte Dorothea nicht ein einziges psychiatrisches Gespräch über die Vorgeschichte ihrer Psychosen und ihre Sinnzusammenhänge mit ihren Psychoseinhalten erlebt. Ohne Gespräch konnten die damaligen Psychiater und können ihre heutigen Kollegen auch nichts über die seelischen Ursachen der Psychosen wissen.

Die enge Verwandtschaft zwischen Traum und Psychose erkennt man auch an der gleichen Technik, die Traum und Psychose anwenden. Denn ebenso wie man des Nachts – oder wie sich des Nachts (denn es ist ein uns unbewusster Vorgang) – , die Emotionen und Probleme des Tages in konkrete Vorstellungen, in real erlebte Situationen bildhaft verwandeln, die sie einem zugänglicher machen, in denen man seine Phantasien auslebt, verwandeln sich auch in den Psychosen vorausgegangene Lebenskrisen in fassbare, konkrete Vorstellungen. Das können beängstigende, aber auch befreiende Vorstellungen sein. Das Entscheidende ist aber wohl, dass das zuvor Ungestaltete, Ausweglose einer Lebenskrise, die man nicht lösen konnte, in den Psychosen fassbare Gestalt gewinnt, zumeist symbolische Gestalt wie etwa in den Nachtträumen.

Da werden unbestimmte Ängste zu konkreten Verfolgern. Gleichzeitig hat der Verfolgte einen Wert für den Verfolger, sonst würde der sich die Mühe des Verfolgens nicht machen. Da werden wie bei der Mitpatientin leibhaftige Schlangen halluziniert. Gleichzeitig ist die sich häutende Schlange ein Symbol für die seelische Erneuerung, ein Entwicklungssymbol, das in den Psychosen häufig aufbricht. Eine junge Frau sieht in sich und dann auch wieder im Partner den Teufel. Wenn sogar der Teufel sich in ihre Beziehung einmischt, ist sie und ist er schuldlos am Bruch der Verbindung.

Der vorausgegangene unlösbare Konflikt, die Belastung oder der emotionale Stress, wie es heute heißt, erfordern eine Befreiung aus der eigenen bewussten Verantwortung. Man nicht mehr man selbst, der denkt und handelt, sondern man erlebt unsere Gedanken und Impulse als von außen »eingegeben«. Der Betroffene lässt sich quasi denken und handeln. Der Entschluss: Nicht mehr aus eigenem Willen zu leben, kann auch ein bewusster sein. Als Dorothea zu Beginn der ersten Psychose 1936 zum ersten Mal den Aufbruch der ihr bis dato unbekannten treibenden Impulse erlebte, beschloss sie für sich: Mein Wille ist, nicht mehr zu wollen, sondern mich von Dir führen zu lassen. Denn sie hatte keine andere Erklärung für sie als das Pauluswort: »Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.« Dann entfallen die Ängste, die das nicht mehr selbstbestimmte Denken und Handeln machen können. Wenn man aber weiß, dass die in der Psychose überwältigenden Erfahrungen nicht von außen, von Gott oder anderen Mächten oder Menschen »eingegeben« sind, sondern aus dem eigenen normalerweise Unbewussten aufbrachen, kann man auch kritischer hinterfragen, als man es bei »Eingebungen« wagen würden. Das Wort »Eingebung« zeigt, dass auch der Normale dieses Gefühl kennt: Das kommt nicht aus einem selbst, das ist »eingegeben«, weil es sich vom normalen Denken völlig unterscheidet.

Die enge Verwandtschaft zwischen Traum und Psychose erkennen wir auch an dem in der Psychose häufig veränderten normalen Denken und Handeln in ein symbolisches Denken und Handeln. Dass dieses Symboldenken und Symbolhandeln für den betroffenen so glaubwürdig sein kann, wie das im normalen Zustand nicht wäre, liegt auch an dem in der Psychose veränderten Weltgefühl sonst nicht gespürter Sinnzusammenhänge. Aus diesem Gefühl, dass alles miteinander in Beziehung steht, dass es nichts Zufälliges gibt, resultieren auch die der Psychiatrie bekannten »Beziehungs- und Bedeutungsideen« und das »Nicht mehr Unterscheiden von Wesentlichem und Unwesentlichem«. Wenn alles eine symbolische Bedeutung hat, Gleichnis für etwas ist, unterscheidet man Wesentliches und Unwesentliches nicht mehr voneinander, weil es nichts Unwesentliches mehr gibt. Dieses veränderte Weltgefühl der Sinnzusammenhänge verführt sehr leicht dazu, nicht sich auf das Ganze, sondern das Ganze auf sich zu beziehen. Viele Pychoseerfahrene kennen dieses mehr oder weniger stark veränderte Weltgefühl sonst nicht gespürter Sinnzusammenhänge, das dem magischen Weltgefühl der frühen Vorfahren ähnlich sein könnte. Auch in den Nachtträumen assoziiert man Elemente, die man im Wachdenken auseinanderhalten würde.
Eine weitere Parallele zwischen Traum und Psychose sind die in der Schizophrenie häufigen Identifikationen mit anderen Personen oder Symbolen, z.B. mit Christus, Braut Christi, Maria und anderen, von denen wir überwältigt wurden, oder heutige Betroffene überwältigt werden. Auf der ersten geschlossenen Station 1936 waren Dorothea und zwei weitere Patienten gleich drei Bräute Christi. Als sie diese Vorstellung zu Hause überwältigt hatte, war sie nach dem ersten Schrecken wie befreit. Denn sie hatte mich zuvor Wochen lang vergeblich um eine Beziehung zu Jesus bemüht. Nun stellte sie sich mir vor, wie Jesus sich mit ihr als seiner Braut langweilen würde, wenn sie durch die Überwindung ihrer Natur ihm nachzueifern versuchte. So wurde ihr klar, dass sie nur sie selbst zu werden brauchte. Diese häufigen Identifikationen auch mit Jesus können einem lehren, dass jeder sich ebenso wie Jesus als Gottes Kind erkennen und seine eigene Natur entwickeln soll.

Auch in den Nachtträumen kommt es zu Identifikationen. Denn die in den Träumen auftretenden und handelnden Personen meinen häufig einen selbst. Sie sind ein Teil von uns, obwohl sie unter einer anderen Identität auftreten.

Soweit nicht anders vermerkt, beziehen sich die oben aufgeführten Absätze auf den Vortrag "Das Leiden am medizinischen Krankheitsmodell der (Gemeinde)-Psychiatrie"18 von Dorothea-Sophie Buck-Zerchin.

Neurofeedback als Alternative

Dank verfeinerter Techniken könnte Neurofeedback19 künftig für eine Reihe seelischer Erkrankungen eine Alternative zu Medikamenten bieten. - Und natürlich tut auch die Pharmaindustrie alles, um günstigere Alternativen zu Medikamenten zu verhindern. 20

Getestet wurde das Neurofeedback an Männern mit pädophilen Neigungen und an Nikotinabhängigen, die durch das Neurofeedback lernen könen, die Suchtzentren in ihrem Gehirn selbstständig lahmzulegen.
Bestimmte Hirnareale – und vor allem die Inselregion – sind etwa für die Raucherentwöhnung wichtig. Zeigt die Insula nun wenig oder keine Aktivität, weil sie etwa auf Grund eines Hirnschadens ausgefallen ist, haben Raucher keinerlei Entzugserscheinungen. Das Bedürfnis nach Nikotin ist in ihnen erloschen. Deshalb lernen die Patienten im Magnetresonanztomografen, die Aktivität der Insula selbst zu drosseln. Dabei muss jeder Teilnehmer für sich selbst herausfinden, was bei ihm funktioniert. Bei der Insula liegt die Idee nahe, an etwas emotional sehr Negatives zu denken, zum Beispiel einen Ekel erregenden Anblick oder Geruch. Damit gelingt es vielen Leuten, das Signal zu verändern, aber nicht allen. Die Patienten müssen durch Versuch und Irrtum lernen. 21
Allein der therapeutische Effekt ist das, was zählt. Die kognitiven und neuronalen Vorgänge, die dabei genau ablaufen, sind unklar. Die Auskünfte, die die Patienten über ihre Strategie geben sind bei allen Arten von Neurofeedback, egal ob per EEG oder Bildgebung stets unzuverlässig, weil es sich um unbewusste Vorgänge handelt. Sobald man jedoch gelernt hat, eine bestimmte Hirnregion zur regulieren, geht das anschließend wie automatisch vonstatten. Ein Fußballer kann ja auch keine aussagekräftige Antwort darüber geben, wie er gerade den Ball ins Tor geschossen hat.22
Meistens benötigen die Patienten drei Sitzungen im Magnetresonanztomographen von jeweils etwa einer Stunde, bis sie die Technik erlernt haben, die Inselregion zuverlässig zu kontrollieren. Länger hält man es in der engen Röhre auch nicht aus. Es verhält sich dann wie mit dem Radfahren - man verlernt es nicht mehr.23

MRT-Geräte sind recht teuer. Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) heißt eine neue und preiswertere Methode, die neuronale Aktivitäten misst. Auf einer Haube sind Leuchtdioden angebracht, die langwelliges Infrarotlicht durch den Schädel senden. Je nach Durchblutung des Hirngewebes, werden die Strahlen anders reflektiert. So lässt sich anhand des zurückgeworfenen Lichts, das von Sensoren aufgefangen wird, das Aktivitätsniveau der Nervenzellen in etwa abschätzen. Im Vergleich zum EEG erlaubt NIRS einen tieferen Blick ins Gehirn. Auch können sich die Patienten während der Messungen frei bewegen, ohne das Signal zu stören. Die NIRS-Technik ist billig, dringt allerdings nicht so tief ins Gehirn vor wie ein Scan im Tomographen.
In wurde NIRS bereits bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit eingesetzt. Vor allem für Kinder ist das Verfahren ideal: Sie setzen sich lediglich eine Gummihaube auf, ähnlich einer Badekappe, und können dann sogar damit herumlaufen. Das Ganze funktioniert nur mit Licht und hat überhaupt nichts Invasives oder potenziell Schädliches an sich. Ein MRT-Scanner kostet eine Klinik drei bis vier Millionen Euro, ein NIRS-Gerät ist für 100 000 bis 300 000 Euro zu haben. Der Umstieg auf die Infrarottechnik wäre also ein großer Gewinn für das Neurofeedback. Die Geräte für das EEG-Neurofeedback sind inzwischen recht günstig. Eine brauchbare Ausstattung ist schon ab 3000 Euro zu bekommen. 24

Psychotiker haben große Schwierigkeiten, die Mimik ihrer Gesprächspartner zu deuten – insbesondere wenn es darum geht, negative Emotionen zu erkennen. Das Aktivieren der Insula ließ die Betroffenen die emotionalen Signale anderer tatsächlich besser deuten.
Beim EEG-Neurofeedback scheint die positive Wirkung über Jahre stabil zu bleiben, sowohl bei Epilepsiepatienten als auch bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen.

Bei Psychopathen25 wiederum sind vor allem die Angstareale des Gehirns zu wenig aktiv – da ist auch wiederum die Insula zuständig. Also kennen sie keine Furcht, auch nicht die Furcht vor Strafe. Die Probanden lernten per Neurofeedback, ihre Inselregion stärker zu aktivieren, doch reagiert nur ein Teil der bisher untersuchten Patienten anschließend in Tests auch wirklich ängstlicher – und darauf käme es ja letzten Endes an. Experimente mit gesunden Probanden lieferten dahingegen ausgeprägtere Verhaltenseffekte. Die Gründe hierfür sind derzeit noch unklar.
Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013) 26
Ohne großzügige Bezahlung würde keiner der Psychopathen an den Experimenten teilnehmen. Also ist man in der Hauptsache auf die Mitarbeit von Strafgefangenen angewiesen. "Erfolgreiche" Psychopathen, die es etwa zu Bankdirektoren, Universitätsprofessoren oder Klinikleitern gebracht haben, würden natürlich nicht im Traum daran danken, an so einem Experiment teilzunehmen 27

Für das MRT-Neurofeedback liegen noch keine Forschungen über Langzeitwirkungen vor. Aber beim EEG-Neurofeedback scheint die positive Wirkung über Jahre hinweg stabil zu bleiben, sowohl bei Epilepsiepatienten als auch bei den Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen. 28

Kliniken und Praxen bieten die Behandlung kaum an, weil das Neurofeedback keine Kassenleistung ist. Aber wenn Therapeuten wollen, bekommen sie ihr Geld – zum Beispiel, indem sie das EEG-Training als Verhaltenstherapie abrechnen. Viele der Therapeuten haben die Behandlung noch gar nicht gelernt: Neurofeedback wird so gut wie nie im Rahmen der Therapieausbildung gelehrt. Auch sind die meisten Psychotherapeuten skeptisch gegenüber Technik eingestellt. Das Neurofeedback hat bei ihnen schon fast den Status der Gerätemedizin. Und natürlich tut auch die Pharmaindustrie alles, um günstigere Alternativen zu Medikamenten zu verhindern. 29

  • 1. Handelsblatt am 13. Juni 2012
  • 2. Kontakt:
    Prof. Dr. Bernhard Strauß
    Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie
    Universitätsklinikum Jena
    Tel.: 03641/936700
    E-Mail: bernhard.strauss@med.uni-jena.de
  • 3. Quelle: Wie wirksam sind Gruppentherapien bei psychischen Störungen? Uni Jena vom 09. April 2013
  • 4. Alexander Harbord Mitscherlich (* 20. September 1908 in München; † 26. Juni 1982 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller. 1946 beauftragten ihn die Ärztekammern der drei Westzonen mit der Leitung einer Kommission zur Beobachtung der „NS-Ärzteprozesse“ in Nürnberg mit dem Auftrag, „alles zu tun, um den Begriff der Kollektivschuld von der Ärzteschaft in der Presse und in der Öffentlichkeit abzuwenden“. Im März 1947 erschien seine Dokumentation Diktat der Menschenverachtung: Der Nürnberger Ärzteprozeß und seine Quellen, in der er allerdings, erschüttert von den Grausamkeiten, von denen er in den Prozessen erfahren hatte, über die Verbrechen deutscher Mediziner in den Konzentrationslagern berichtete. „1960 erinnert sich Mitscherlich: ›[...] Nahezu nirgends wurde das Buch bekannt, [...] Es war und blieb ein Rätsel - als ob das Buch nie erschienen wäre.‹ Über das Schicksal des Buches herrscht bis heute Unklarheit. Mitscherlich vermutete, es sei von den Ärztekammern [...] ›in toto aufgekauft‹, denn alle Exemplare seien ›kurz nach dem Erscheinen aus den Buchläden‹ verschwunden ...“ „Alexander Mitscherlich war seitdem freilich aus den medizinischen Fakultäten Deutschlands ausgegrenzt; [...] er [wurde] nie an eine medizinische Fakultät berufen. Als er berufen wurde, war es die Philosophische Fakultät der Frankfurter Universität ...“ Um seine Erschütterung auch philosophisch zu verarbeiten, brauchte er 20 Jahre, bis er zusammen mit seiner Frau Margarete 1967 Die Unfähigkeit zu trauern veröffentlichte.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 5. Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, traditionell und im Volksmund Burghölzli genannt, ist eine der Universität Zürich angehörige psychiatrische Klinik. Sie befindet sich beim Burghölzli, einem bewaldeten Hügel im Quartier Riesbach im Südosten der Stadt Zürich.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 6. Manfred Bleuler (* 4. Januar 1903 in Zürich; † 4. November 1994 in Zollikon) war ein Schweizer Psychiater. Bleuler ist ein Vertreter der klinischen Psychopathologie.
    Nach dem Tod von Eugen Bleuler hat Manfred Bleuler sein Werk weitergeführt. Die Neuauflagen des Standardwerks seines Vaters Lehrbuch der Psychiatrie, das erstmals 1916 erschien und damals schon eugenische Auffassungen enthielt, besorgte er ab 1937. In die Auflagen, welche 1937 und 1943 in Deutschland erschienen, fügte Manfred Bleuler Aufsätze von Rassenhygienikern wie Hans Luxenburger und Friedrich Meggendorf ein. In den Nachkriegsauflagen des jahrzehntelang hoch angesehenen Standardwerks wurden diese Einfügungen wieder getilgt und durch Hinweise auf psychiatrische Methoden wie Lobotomie (Hirnoperationen) und Neuroleptika (Psychopharmaka) ersetzt.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 7. Paul Eugen Bleuler (* 30. April 1857 in Zollikon; † 15. Juli 1939 ebenda) war ein Schweizer Psychiater. Bekannt geworden ist Bleuler durch seine Beschreibung der Schizophrenie, die deshalb zeitweise nach ihm auch Morbus Bleuler genannt wurde (1911: Dementia praecox oder Gruppe der Schizophrenien). Er prägte den Begriff Schizophrenie, mit dem er die Diagnose Dementia praecox von Emil Kraepelin ersetzte. Für Bleuler war die Ambivalenz das Hauptsymptom der Schizophrenie. Bleuler prägte 1911 auch den Begriff Autismus.
    In einer Zeit, in der für die Behandlung der Schizophrenie und anderer psychischer Erkrankungen keinerlei medikamentöse Therapie zur Verfügung stand, erreichte Bleuler durch Verbesserung der allgemeingesundheitlichen Voraussetzungen und durch persönliche Zuwendung oft eine Besserung der Symptomatik. Er war auch einer der ersten, die auf diesen Zusammenhang hinwiesen, und bewirkte eine Abkehr von dem klassischen Irrenhaus, das nicht viel mehr als eine reine Verwahranstalt gewesen war und nicht selten zu einer seelischen Verwahrlosung der Kranken geführt hatte. Bleuler vertrat allerdings auch – wie sein Vorgänger Auguste Forel – eugenische und rassistische Ansichten.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 8. Manfred Bleuler, Jürg Willi, Hans Rudi Bühler: Akute psychische Begleiterscheinungen körperlicher Krankheiten – «akuter exogener Reaktions-Typus»: Uebersicht und neue Forschungen. Thieme, Stuttgart 1966
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 9. Nosologie ist die Lehre von der Erscheinungsform / Klassifikation einer Krankheit und ursprünglich ein Teilgebiet der Pathologie. Diesen traditionellen medizinischen Anschauungen sind jedoch diejenigen der Psychopathologie gegenüberzustellen, wie sie auch von der Psychosomatik vertreten werden. In diesen Teilgebieten werden unterschiedliche Theorien der Krankheitsentstehung vertreten, die sich praktisch in ihrer Methodik voneinander unterscheiden und auf das von der Philosophie behandelte Leib-Seele-Problem zurückgehen. Sowohl in der Pathologie als auch in der Psychopathologie wird jedoch bei der Entstehung von Krankheiten von mangelnder Anpassung oder Adaptation auf Anforderungen und Belastungen gesprochen (Noxen, Stressoren, Traumata). – Das Adjektiv zu Nosologie lautet nosologisch: die Nosologie betreffend; Krankheiten systematisch beschreibend. Die deutsche Bezeichnung für Nosologie ist Krankheitslehre.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 10. Emil Kraepelin (* 15. Februar 1856 in Neustrelitz; † 7. Oktober 1926 in München) war ein deutscher Psychiater, auf den bedeutende Entwicklungen in der wissenschaftlichen Psychiatrie zurückgehen.
    Von Kraepelin stammen die Grundlagen des heutigen Systems der Klassifizierung psychischer Störungen. Er führte experimentalpsychologische Methoden in die Psychiatrie ein und gilt als Begründer der modernen empirisch orientierten Psychopathologie, mit der in ersten Ansätzen ein psychologisches Denken in der Psychiatrie üblich wurde. Auch die Entwicklung der Psychopharmakologie geht auf ihn zurück. Diese Zuschreibung als Begründer der Psychopharmakologie rechtfertigen aber weder seine Forschungsarbeiten noch seine Publikationen. Im Wesentlichen beruht diese Zuschreibung auf dem schmalen Werk Über die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel von 1892.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 11. In den »Sozialpsychiatrischen Informationen«, Heft 4/95
  • 12. in der Psychiatrie steht der Begriff Trialog für einen Erfahrungsaustausch "auf Augenhöhe" zwischen Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen psychisch Kranker und Professionellen durch Ausbildung. Dieser Erfahrungsaustausch findet oft in sog. Psychoseseminaren statt
  • 13. Bettina Kroll wurde 1969 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Psychologie an der Universität Bremen absolvierte sie berufsbegleitend eine 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung am Norddeutschen Institut für Verhaltenstherapie (NIVT) in Bremen. Ab 1998 arbeitete sie als Diplom-Psychologin in verschiedenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken sowie in der ambulanten medizinischen Suchtrehabilitation in Bremen und Schleswig-Holstein. Zuletzt war sie als Leitende Psychotherapeutin im Psychiatrischen Behandlungszentrum Bremen-Nord tätig. 2012 entschied sie sich dazu, sich mit einer ambulanten psychotherapeutischen Praxis niederzulassen. In Bremerhaven verfügt sie über eine Kassenzulassung zur Behandlung aller gesetzlich und privat Versicherten. In Bremen arbeitet sie in eigener Privatpraxis.
  • 14. 1998 im Jakob van Hoddis-Verlag
  • 15. Loren Richard Mosher (September 3, 1933, Monterey — July 10, 2004, Berlin) was an American psychiatrist, 21 clinical professor of psychiatry, expert on schizophrenia and the chief of the Center for Studies of Schizophrenia in the National Institute of Mental Health (1968—1980). Mosher spent all his professional career seeking more humane and effective treatment for people diagnosed as having schizophrenia and was instrumental in developing an innovative, residential, home-like, non-hospital, non-drug treatment model for newly identified acutely psychotic persons.
    Loren Mosher founded the Soteria experience, having showed that treating psychosis also in the acute phase is possible without using restraint methods.
    He was dismissed from the National Institute of Mental Health, and later resigned from the American Psychiatric Association in 1998, for controversially disagreeing with prevailing psychiatric practice and the influence of pharmaceutical companies.
  • 16. Die Sozialarbeiterin Alma Menn war Mitbegründerin und Mitarbeiterin der. Soteria in Kalifornien
  • 17. Soteria ist eine alternative stationäre Behandlung von Menschen in psychotischen Krisen, d. h. weniger Zwangsmaßnahmen, zurückhaltender Umgang mit neuroleptischer Medikation, wohnliche Einrichtung und offene Stationsführung.
    Entwickelt wurde dieses alternative Behandlungsmodell im Zuge der Antipsychiatrie-Bewegung seit den 1960er Jahren. Die erste Einrichtung dieser Art wurde 1971 in Kalifornien (USA) vom Psychiater Loren Mosher (* 1933; † 2004) gegründet, musste jedoch nach zwölf Jahren wegen Einstellung staatlicher Hilfen geschlossen werden. In Bern (Schweiz) führte 1984 der Schizophrenieforscher Luc Ciompi die Soteria in Europa ein.
    In Deutschland gibt es in Zwiefalten (seit 1999) und München (seit 2003) Soteria-Einrichtungen. Mehrere Kliniken in Deutschland – in Aachen, Friedberg, Gießen, Hannover und Langenfeld – haben mit Erfolg Soteria-Elemente in psychiatrische Akutstationen eingebunden. Seit 1997 gibt es die Soteria Klinik Leipzig, Fachklinik für Suchterkrankungen.
    Eine theoretische Basis dieser Therapieform ist die Affektlogik nach Luc Ciompi.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 18. Das Leiden am medizinischen Krankheitsmodell der (Gemeinde)-Psychiatrie von Dorothea-Sophie Buck-Zerchin am 05. Mai 2000
  • 19. Das Neurofeedback ist eine Spezialrichtung des Biofeedbacks. Beim Neurofeedback werden etwa beim EEG-Feedback Gehirnstromkurven (EEG-Wellen) von einem Computer in Echtzeit analysiert, nach ihren Frequenzanteilen zerlegt und auf einem Computerbildschirm dargestellt. Die auf diese Weise ermittelte Frequenzverteilung, die vom Aufmerksamkeits- bzw. Bewusstseinszustand (zum Beispiel wach, schlafend, aufmerksam, entspannt, gestresst) abhängig ist, kann für das Training (mittels Feedbacktraining) genutzt werden. Dem Probanden ist es dabei möglich, durch Rückmeldung des eigenen Hirnstrommusters eine bessere Selbstregulation zu erreichen.
    Theoretiker des Neurofeedbacktrainings sehen die Ursache vieler zentralnervöser Störungen in einer Fehlregulation kortikaler und subkortikaler Strukturen begründet, welche sich global in vier Ursachenklassen aufgliedern lässt. Dies sind: Überstimulation (Overarousal), Unterstimulation (Underarousal), mangelnde Hemmung (Disinhibition) und Instabilität. Ziel ist es durch Heruntertrainieren oder Herauftrainieren bestimmer Wellenanteile Symptome positiv zu beeinflussen. Eine direkte Behandlung von Symptomen findet nicht statt.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 20. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 21. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 22. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 23. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 24. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 25. Unter einer Psychopathie wird in der Forensischen Psychologie und Psychiatrie eine schwere Form der dissozialen / antisozialen Persönlichkeitsstörung verstanden, die in ihrer Ausprägung die genannte Persönlichkeitsstörung übertrifft. In den Klassifikationssystemen DSM-IV und ICD-10 ist die Diagnose nicht aufgenommen.
  • 26. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 27. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 28. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 29. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:

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