Umgang mit passivem Verhalten

Am Besten ist es, erst gar nicht darauf einzugehen, worauf das passive Verhalten abzielt - nämlich unüberlegt Verantwortung zu übernehmen. Besser ist es allemal, aufmerksam das passive Verhalten zu konfrontieren und der Person Unterstützung dafür zu geben, das Problem, vor dem sie ausweicht, zu betrachten und die eigenen Ressourcen zu seiner Lösung zu entdecken und einzusetzen. Das ist selbstredend nicht unmittelbar möglich, wenn Gewalt zur Anwendung kommt. Dann steht nämlich zunächst der Schutz für die Person - vor sich selbst - und für andere Beteiligte im Vordergrund. Bei Agitation und Gewalt macht es regelmässig Sinn, den Betreffenden wirkungsvoll, wenn nötig auch massiv, zu stoppen und - durch die Phase der Überanpassung - zum eigenständigen Denken zu bewegen.
Schliesslich ist von allen passiven Verhaltensweisen in der Überanpas­sung das meiste Denken enthalten.
Ganz ohne Aussicht dürfte im normalen Rahmen das Gespräch mit Perso­nen sein, die das Problem leugnen und Gewalt anwenden oder die nach dem Motto leben: „Macht kaputt, was euch kaputtmacht!" Solche Menschen sind zerstörerisch, da sie sich nicht mit den Wurzeln des Problems beschäftigen, nichts Neues gestalten und eigene Anteile übersehen. Bevor wir ihnen mit
Methoden der Gesprächsführung sinnvoll begegnen können, sind andere Interventionen nötig, die hier nicht weiter entfaltet werden.
Oft verbreitet sind Verhaltensweisen, in denen ein harmloser Gewaltan­teil enthalten ist (laut werden, mit der Faust auf den Tisch schlagen, etwas Wertloses an die Wand pfeffern). Harmlos meint, dass niemand regel­recht geschädigt wird. Das Ausagieren körperlicher Spannung wirkt dabei entlastend; dies kann im Prinzip eine sinnvolle Voraussetzung für eine anschliessende Konfliktlösung sein -Wut 'verklebt' nämlich das Gehirn. Problematisch ist dabei, dass ein solches Verhalten oft zerstörerisch auf die Beziehung wirkt, weil es Angst auslöst und die Gefahr der Eskalation in sich birgt, besonders dann, wenn lediglich ausagiert, aber keine konstruktive Lösung angestrebt wird. Besser wäre es da, Verabredungen über sogenannte 'Ärgerrituale' zu treffen, wie etwa das 'Dampf ablassen'.
Ärgerrituale haben den grossen Vorteil, dass sie aggressives Verhalten für alle Beteiligten kalkulierbar machen. Es ergibt sich meistens eine grössere Ausgewogenheit zwischen Denken, Fühlen und Verhalten und die Rituale schaffen damit die Voraussetzung für ein emotional weniger belastetes Problemlösungsgespräch.1

Es lohnt immer, frühzeitig und konsequent die dem passiven Verhalten zugrundeliegenden Abwertungen anzusprechen. Da­zu können die Hinweise am Schluss des Abschnitts über die Stufen
der Abwertung hilfreich sein. Und man kann auch aufmerksam und kreativ die speziellen Transaktionen konfrontieren, mit denen passive Menschen das Abwerten bzw. Übertreiben ins Spiel bringen: das Redefinieren.

  • 1. siehe hierzu Bach, G .R .; Goldberg, H.: Keine Angst vor Aggressionen. Fischer, Frankfurt 1981

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