Wirkung von Rackets

Der Begriff des Rackets wurde von Berne geprägt. Er stammt aus dem Amerikanischen und bedeutet so viel wie 'Schutzgelderpressung'. Berne wollte ausdrücken, dass Rackets einen manipulativen Charak­ter aufweisen. Rackets haben also keine konstruktive Lösung im Sinn, sondern werden - unbewusst - dazu benutzt, andere Menschen bei eigener Passivität zum Handeln zu veranlassen.
Dazu zählt auch der allseits bekannte beleidigte Rückzug, der darauf abzielt, dass sich jemand anders um die betreffende Person kümmert. Besonders interessant ist dabei die Energieverteilung in der durch das Racketverhalten ausgelösten Sequenz. Die den Racket benutzende Person tut wahrscheinlich nichts als aufzuschluchzen und hinauszulaufen, während die anderen Betroffenen inner­lich wie äusserlich höchst aktiv werden. Eine ganze Gruppe unterbricht höchst betroffen ihren Prozess; einige Mitglieder laufen hinterher, die an­deren fühlen sich schlecht, machen sich gegenseitig Vorwürfe, rätseln darüber nach, was wohl in der Person vorgegangen sein mag, streiten sich deswegen gar, sinnen auf Wiedergutma­chung und vieles andere mehr. Die Person mit dem eindrucksvoll insze­nierten Racketverhalten hat in dieser Situation die Macht an sich gerissen und vergibt am Ende vielleicht sogar noch 'Noten' darüber, wer sich in dem von ihr aus­gelösten Drama gut bewährt hat.

Nicht wenige Menschen suchen geradezu nach mehr oder weniger geeigne­ten Anlässen, ihr Racket ausspielen zu können, um Kontrolle oder Zuwendung in unterschiedlichsten Formen zu erhalten. Doch bleiben die Betreffenden meist irgendwie unbefriedigt zurück und bringen zu ihrer Entlastung immer wieder dasselbe Racket ins Spiel ein wie etwa eine Schall­platte, die einen Sprung hat und immer wieder in derselben Rille weiter­läuft 1.

Hier wird ganz klar die Verbindung zu den psychologischen Spielen offenbar. Mesitens werden auch kleine Portionen des Racketgefühls (Ärger,Enttäuschung, sich missachtet, übergangen oder ausgenutzt fühlen etc.) angesammelt und aufgestaut, um sich - „wenn dann das Faß überläuft" - guten Gewissens einen mittleren bis größeren Ausbruch erlauben zu können. Die Transaktionsanalyse nennt diesen Vorgang ganz treffend das Sammeln von 'Gefühlsrabattmarken' bezeichnet. Diese werden heimlich in ein inneres Buch geklebt, das man dann effektvoll bei anderen einlöst, wenn es voll ist. Jemand hat dann Rabattmarken gesammelt, wenn übertriebene und der Situation nicht angemessene Gefühls­äußerungen zum Ausbruch kommen, die mit grosser Geste und unüberhörbaren Vorwürfen an die Anderen vorgetragen werden: So etwa die Lehrerin, die an einem Schüler ein Ex­empel statuiert, der tobende Vorgesetzte, der sich einem Mitarbeiter ge­genüber rühmt, soo lange ruhig zugesehen zu haben, oder das Gruppenmitglied, das erst in der Abschlußrunde heftige Kritik über den Gesamtverlauf äußert. Typische Zeichen für Rackets sind Sätze wie „Jetzt will ich dir endlich mal sagen ..." , „Das habe ich nun lange genug ..." oder aber ein abrupter Beziehungsabbruch mit Verweigerung jeder weiteren Kom­munikation.

Dabei können wir auf keinen Fall vereinfachend feststellen, dass Rackets von den Be­treffenden vorgespielt würden. Sie werden im Gegenteil sehr wohl als wirkliche Gefühle empfunden. Es handelt sich um tief verankerte Reaktionsmuster des ange­passten Kindes, die im Unterschied zu echten Gefühlen immer mit einer unbewussten manipulativen Absicht verbunden sind. Teilweise l entwickelt sich das Racket sogar zu einer allgemeinen Grundgestimmtheit, die sich dann mit der Zeit auch in den Gesichtszügen niederschlagen kann. Wir denken ddabei nur an den Muffel'- oder Unzufriedenheitsracket.

  • 1. English, F.: Transaktionanalyse: Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen. ISKO-Press, Hamburg 1981

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