Racketgefühle und Racketverhalten

Jede Gefühlsreaktion verläuft in vereinfachter Darstellung in zwei wesentlichen Schrit­ten:

  1. Ein äußerer oder innerer Stimulus löst ein bestimmtes Gefühl aus, welches dann
  2. durch ein entsprechendes Verhalten in Worten, Mimik, Gestik und Aktion ausgedrückt wird.

Eine Gefühlsreaktion hat zum Ziel, aufgestaute Energie zu entladen und im Fall unangenehmer Stimuli diese zu beseitigen. Heranwachsenden Kindern werden vor dem Hintergrund kultureller, individueller und familiärer Bedingungen nicht alle Gefühlsäußerungen gestattet.So zum Beispiel beim Leitsatz dass „ein Indianer keinen Schmerz (keine Trauer, Angst) kennt". Dieses Verbot kann sich auf das Gefühl selbst beziehen („Ein Indianer fühlt keinen Schmerz") oder aber auf sei­nen Ausdruck („Ein Indianer zeigt keinen Schmerz"). Dem kleinen Jungen wird also der Weg zu einer angemessenen Verarbeitung schmerzlicher Situationen versperrt. Ihm bleiben nun drei Auswege:
Der Junge entscheidet sich,

  1. das Gefühl nicht wahrzunehmen: Angst und Trauer werden gar nicht erst wahrgenommen; der Junge wird also gefühllos
  2. ein Ersatzgefühl zu fühlen: Der Junge verlagert seine Gefühlsenergie auf eine andere Empfindung, die von seiner Umgebung geduldet oder sogar unterstützt wird. Die Transaktionsanalyse spricht dann von einem Ersatzgefühl- oder 'Racketgefühl'.
  3. ein zum Gefühl unpassendes Verhalten zu zeigen: Zwar spürt der Junge seine Angst und Trauer deutlich, doch entscheidet er sich dafür, nicht dem Gefühl entsprechend zu reagieren, sondern es in sich festzuhalten („in sich hineinzufressen"). Dafür legt er ein Ersatz- oder Racketverhalten („gute Miene zum bösen Spiel") darüber und zeigt eine "gute Miene zum bösen Spiel"

Später wird der Junge als erwachsener Mann in entsprechenden Situationen, wenn der Ausdruck von Schmerz und Trauer angemessen wäre, ärgerlich reagieren oder mit einem Lächeln darüber hinweggehen. So reagieren reagieren viele Frauen in Situationen, in denen eigent­lich Wut angesagt wäre, mit Traurigkeit, depressiver Verstimmung oder Ängstlichkeit. Damit vermeiden sie zwar den Kontakt mit dem nicht ak­zeptierten Gefühl, doch sind sie auch nicht dazu in der Lage, den eigentlichen Konflikt zu lösen, weil dies ja eine angemessene Berücksichtigung des echten Gefühls voraussetzen würde. 'Echte Gefühle' sind Reaktionen, die unmittelbar aus dem Hier und Jetzt ab­geleitet werden können und die der gegebenen Situation angemessen sind.

Kommende Termine

Benutzeranmeldung