Die vier Grundgefühle

Die Transaktionsanalyse unterscheidet vier Grundgefüh­le, von denen sich alle anderen Gefühle ableiten lassen:

  • Angst,
  • Ärger,
  • Trauer
  • und Freude

. Mit den drei erstgenannten antwortet das Kindheits-Ich auf bedrohliche oder schwierige Situationen, um diese zu bewältigen. Die Furcht dient dazu, Kräfte und Fähigkeiten zu mobilisieren, um einer drohenden Gefahr zu entgehen. Ärger entsteht aus Frustration, wenn wir nicht das Gewünschte bekommen; sie hat den , und hat den Zweck, diesen unangenehmen Zustand zu verändern. Die Trauer wiederum verhilft bei der Verarbeitung eines Verlusts oder körperlichen Schmerzes und bereitet die Einsicht in etwas Unabänderliches vor. Die drei Grundgefühle begleiten also einen Prozess der Problemlösung - sie sind also funktional.
Echte Freude entsteht jedoch erst dann, wenn im Moment keine Probleme gesehen werden. Die Freude drückt also aus, dass kein aktuelles Problem exi­stiert; erst dann können wir angenehme Stimuli überhaupt wahr- bzw. annehmen.

Thomas 1 spricht bezüglich Furcht, Ärger und Trauer in ih­rer produktiven, also problemlösenden Ausprägung von einer charakteristischen zeitlichen Dimension: Die Furcht hat zu tun mit einem bedrohlichen Ereignis in der Zukunft, dem wir entgehen wollen. Der Ärger ist ein unangenehmer Zustand mit Bezug auf die Gegenwart, die ich verändern möchte. Trauer wiederum hat zu tun mit der Verarbeitung etwa eines Verlustes, der sich bereits ereignet hat und damit in der Vergangen­heit liegt.

Furcht, Ärger und Trauer sind nicht immer, selbst wenn sie diese zeitlichen Bedin­gungen erfüllen, auch funktional. Jedoch sind sie stehts dysfunktional, wenn diese Ver­nüpfung nicht besteht. Die Angst vor etwas Vergangenem, die Trauer in Bezug auf etwas Bevorstehendes, oder - sehr verbreitet - die immer wiederkehrende Wut über ein früheres Ereignis machen nämlich keinen Sinn. Als dysfunktional bezeichnen wir alle Gefühle, die ein Unwohlsein verursachen, ohne im Dienst einer wirkli­chen Problemlösung zu stehen. Funktionale Gefühle erleichtern und klingen allmählich ab, während dysfunktionale Gefühle keine ech­ten Entlastung zeitigen und deshalb immer wieder auftreten.

Beispiel:

  • Wenn jemand auf meinem Fuss steht, dann werde ich ärgerlich und schimpfe. Die andere Person nimmt daraufhin ihren Fuss weg. Das Problem ist gelöst.
  • Halte ich an dem Ärger jedoch fest, indem ich beispielsweise auf Rache sin­ne, entwickelt sich das Gefühl dysfunktional, wie wenn ich bereits beim Anblick dieser Person sauer werde, weil sie mir ja vielleicht wieder auf die Füsse treten könnte.

Die drei „negativen" Grundgefühle empfinden wir alles andere als ange­nehm, erreichen jedoch regelmäßig nicht den Grad der Unerträglichkeit., weil die betroffene Person mit ihrem Problem irgendwie weiterkommt und sich nicht im Kreise dreht. Die Gefühle lösen sich dann auf, wenn sie ihren Sinn erfüllt haben. Die Gefühlsenergie wird wieder frei und wir können auf neue Situationen im Hier und Jetzt mit den korrespondierenden Gefühlen reagie­ren. Bei der Trauer kann das etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Entsprechend werden bei tiefgreifenden Verlusten oft auch später noch Spuren von Trauer vorhanden sein, die beim Erinnern dieses Verlusts erneut zutage treten können. Wird das Gefühl jedoch wirklich durchlebt, dann kann auch der Prozess des Trauerns in den meisten Fällen in einer absehbaren Zeit abgeschlos­sen werden.
Einschneidende Erlebnisse wie etwa die Trennung vom langjährigen Lebenspartner oder beim frühen Verlust einer geliebten Person mitten im Leben werden von allen drei Gefühlen begleitet. Wir sprechen dann von einem Wut-Angst-Trauer-Komplex: Ich trauere über den Verlust, habe Angst vor dem Allein­sein und bin darüber wütend, verlassen worden zu sein. In vielen Fällen durchleben
Menschen nur eines oder auch zwei dieser Gefühle und schließen die anderen - zum Beispiel wegen einschränkenden Skriptbotschaften - aus. Die Trauer entwickelt sich also dysfunktional, wenn nicht auch die Wut zugelassen und die Angst bearbeitet wird. Ein soclher Verlust kann etwa der Tod eines Angehörigen sein.

  • 1. Thomas, G .: Fear, Anger, Sadness. TA-Journal 13 Nr.1 ,1983, Seite 20 ff

Kommende Termine

Benutzeranmeldung