Gründe für das Schulprojekt

Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit

Warum das Schulprojekt entwickelt wurde

Robert Musil meinte schon, dass psychisch kranke Menschen nicht nur eine schlechte Gesundheit haben, sondern an einer minderwertigen Krankheit leiden.
Wer sich über seelische Gesundheit informiert, sich mit Situationen beschäftigt, die Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen, und Menschen kennen lernt, die psychische Krankheit erfahren haben, der kann Ängste und Vorurteile abbauen und den Blick für das eigene Leben schärfen. Aus diesem Grunde hat es sich der Verein Irrsinnig Menschlich bereits bei seiner Gründung im Jahr 2000 auf die Fahnen geschrieben, psychische Gesundheit von Schülern und Lehrern zu fördern und über psychische Gesundheitsprobleme aufzuklären. Dieses erfolgreiche Konzept machte Schule und wird bislang bundesweit in alle Regionen exportiert.

Menschen mit psychischen Problemen gelten in unserer Gesellschaft als schwach. Dabei ist es jedoch stark, offen mit dem Thema »Psychische Gesundheit und Krankheit« umzugehen. Schließlich dürfte die seelische Gesundheit das Wertvollste sein, was der Mensch in seinem Besitz hat. Zwar können Organe und sogar das Herz inzwischen ersetzt werden, doch gilt dies nicht für die menschliche Seele.

Laut Statistik hat das Wissen der Bevölkerung über seelische Erkrankungen zugenommen, doch ist zur selben Zeit  die soziale Distanz gegenüber den Betroffenen gewachsen. Also genügt Wissen allein noch nicht dazu, Vorurteile gegenüber Menschen mit seelischen Erkrankungen abzubauen. Dass sich Einstellungen und Verhalten ändern, bedarf es auch des Kontakts zu Menschen, die eine psychische Krankheit durchgemacht haben. Nur durch dieses Kennenlernen kann man das vermeintlich Unbegreifliche verstehen, die Herzen und die Türen öffnen.

Prävention und Förderung der psychischen Gesundheit: Ein Thema für die Schule

Die Schüler sind dazu in der Schule, um Einstellungen und Handlungskompetenzen zu erlernen, die dabei helfen, alltägliche Lebensprobleme und schwierige Existenzfragen konstruktiv zu lösen. Selbstredend gehört die Beschäftigung mit Gesundheit und Krankheit mit dazu. Beidem wird jedoch im Unterricht so gut wie kein Raum zugestanden. Die Gestaltungsfelder von Gesundheit und Krankheit fehlen größtenteils beim Erlernen umfassender Lebenskompetenzen, weil Krankheit vielerorts als Versagen und Schwäche gedeutet wird und Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit definiert wird.

Auf der anderen Seite erkennen immer mehr Lehrer und Eltern die Gefährdung des Lernerfolgs in der Schule gerade durch psychische des jeweiligen Schülers. Immer mehr Kinder und Jugendliche können mit den Chancen und Risiken, welche
das Aufwachsen heutzutage birgt, nicht mehr angemessen umgehen. Die Kinder und Jugendlichen erleben eine gewisse Überforderung. Dr. Hans Troedsson, einst Direktor der WHO-Abteilung Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, meinte
dazu »In Gesundheitskreisen herrscht international Besorgnis über den psychischen Gesundheitszustand der Jugend ... das ist eine tickende Bombe, und wenn wir jetzt nicht richtig handeln, werden Millionen von Heranwachsenden die Wirkungen spüren.«
Schließlich trägt eine gute psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein gutes Teil bei für den Aufbau und Erhalt einer stabilen Gesellschaft. Die Herausforderungen der Moderne - Immigration, Migration, geänderte Familienmuster, geänderte Beschäftigungsaussichten und eine fortdauernde Belastung durch Konflikte - belasten die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dies wirkt sich dann auch aus auf den gesundheitlichen Zustand von Nationen und
Regionen.

Seelische Erkrankungen der Erwachsenen haben meist ihre Ursachen in der Kindheit. Wir stellen derzeit fest, dass psychiatrische Problematiken wie etwa Depression und suizidales Verhalten im Jugendalter merklich ansteigt.
Allein in der EU sind etwa zwei Millionen junge Menschen an seelischen Störungen wie Depression, Angsterkrankungen und Schizophrenie erkrankt. Nicht dazugerechnet sind Fälle des Substanzmissbrauchs. Viele der betroffenen Jugendlichen erhalten weder Hilfe noch Behandlung.
Allein in Deutschland ist jeder fünfte junge Mensch psychisch auffällig. Fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen bedürfen dringend professioneller Hilfe und 7 bis 13% sind so auffällig, dass sie der Beobachtung und Beratung bedürfen.

Die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nationale und internationale Studien zeigen, dass sowohl ein gutes Schulklima als auch ein gutes Familienklima die wichtigsten Schutzfaktoren für die
seelische Gesundheit der Heranwachsenden ist. Die Gesundheit der Schüler und Lehrer wirkt sich förderlich aus auf Bildung und Erziehung. Folglich muss sich Gesundheit - vor allem psychische Gesundheit - in den Dienst der Schule stellen.
Schließlich geht es in der Schule um das, was seelische Gesundheit im Kern ausmacht:

  • sich besser mit den Herausforderungen der Wirklichkeit auseinandersetzen zu können
  • sich dabei selbst ins Spiel zu bringen,
  • die eigene Person zu entfalten und zu entwickeln,
  • sich selbst zu erhalten und sich selbst zu gestalten.

Es lohnt sich, darüber mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen, weil 

  • es (über)lebenswichtig ist, Wissen über die eigene Gesundheit zu haben,
  • Jugendliche neugierig sind auf das Leben und nach Antworten suchen, wie sie ihr Leben meistern können,
  • sie von seelischen Krisen ebenso betroffen sind wie erwachsene Menschen,
  • sie mit ähnlichen Vorurteilen über Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und Psychiatrie behaftet sind wie Erwachsene,
  • sie einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule zubringen. Diese hat die Aufgabe, die Gesundheit der Schüler zu erhalten und zu fördern.

Nur ein gutes Schulklima bietet psychische und physische Sicherheit für Schüler und Lehrer. Schule ist nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern ein eigener Lebensraum.

»Verrückt? Na und!«: Das Schulprojekt für 15- bis 20-jährige Jugendliche

Das Schulprojekt fördert und unterstützt diesen innovativen Ansatz der Schulforschung. Dabei sensibilisiert es  Jugendliche für psychische Gesundheit, trägt es zur Prävention bei und wirbt für Offenheit, Verständnis und Toleranz in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Das Schulprojekt ist dabei ein »Mosaikstein«, um sowohl Schüler als auch Lehrer in ihrer psychischen Gesundheit zu bestärken. Das Projekt ist wissenschaftlich evaluiert und unkompliziert
aufgebaut. Es lebt nur von den beteiligten Menschen und kann in viele Richtungen ausgebaut werden.

Die Schüler setzen sich mit ihrem eigenen Leben auseinander, lernen Menschen kennen, die seelische Krankheit erlebt haben und erfahren, was sie für ihre eigene psychische Gesundheit tun können.

Kommende Termine

Benutzeranmeldung