Vorurteile gegenüber psychisch Kranken

Miteinander sprechen: Weil es jeden treffen kann!

»Psychisch krank? Kann mir doch nicht passieren!«

So denken viele Leute, doch sprechen die Statistiken eine gänzlich andere Sprache: Die Wahrscheinlichkeit, an einer psychischen Krankheit zu erkranken war bislang noch nie so hoch wie heute. So leidet jeder Dritte einmal in seinem Leben an einer seelischen Krankheit, welche einer Behandlung bedarf. Acht bis zwölf Prozent der Menschen, welche einen Arzt aufsuchen, tun dies aus seelischen Gründen heraus. Laut Weltgesundheitsbehörde gehören zu den zehn Volkskrankheiten, die die Lebensqualität sehr stark beschneiden, immerhin fünf psychische Störungen: Depression, Zwangsstörung, Bipolare Erkrankung, Abhängigkeit von Alkohol und Schizophrenie. Seelische Erkrankungen können also jeden von uns treffen. Sowohl Kinder und Jugendliche als auch erwachsene Menschen. Die Störung beeinflusst dann das Fühlen und Denken, die Stimmung und das Verhalten des Betroffenen.
Wer jedoch wegen seines Verhaltens abweicht von der Norm, den meidet die Gesellschaft, welche den Abweichler im schlimmsten Falle als Bedrohung empfindet. Die Angst, seelisch zu erkranken und in der "Klapse" zu landen, sitzt dabei ebenso tief verwurzelt wie die Furcht davor, sich mit psychisch erkrankten Menschen auseinanderzusetzen. Es ist jedoch nicht die Krankheit allein, welche den Leuten Angst macht, sondern die Vorstellungen, die wir mit der Erkrankung und der Institution Psychiatrie verbinden. Diese Vorstellungen stigmatisieren die Betroffenen und grenzen sie aus dem Leben aus. Stigmatisierung und Ausgrenzung stehen jedoch im Widerspruch zur so oft proklamierten offenen, vielfältigen und toleranten Gesellschaft.

Menschen im Abseits?

Da sich kaum einer traut, offen über seine psychische Erkrankung zu sprechen, machen seelische Krankheiten auch einsam. Die seelisch Erkrankten und ihre Angehörigen leiden dann unter den Vorurteilen, Ängsten und falschen Einschätzungen seitens der Gesellschaft. Selbst die Freunde, Bekannten und Verwandten wenden sich gehäuft ab, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Betroffenen umspringen sollen. Seelisch Erkrankte verlieren oft wegen ihrer Krankheit ihre Lehrstelle oder ihren Arbeitsplatz. Daraus ergeben sich dann Isolation, Armut und Vereinsamung. Diese Folgen sind ebenso belastend für die Erkrankten wie die Erkrankung selbst und hindern die Betroffenen daran, gleichberechtigt an der Gesellschaft eilzunehmen. Die Medien spielen dabei eine fatale Rolle und verstärken die Berührungsängste durch verzerrende und undifferenzierte Berichterstattung. Das ist nur möglich, weil ein Mangel an Informationen vorliegt. Denn wer weiß schon, wie Menschen mit seelischen Erkrankungen wirklich leben?
Ungleich zu anderen Krankheiten ist das Bild des unberechenbaren und aggressiven Irren weit verbreitet. Dieses Bild ist grundfalsch, da seelisch Erkrankte nicht gefährlicher sind als der Durchschnitt der restlichen Bevölkerung. Ein auffällig aggressives Verhalten tritt dann vermehrt ein, wenn die Erkrankung sehr lange Zeit unbehandelt geblieben ist und sich die Lebensumstände des Betroffenen stark verschlechtert haben.

Sind psychische Krankheiten heilbar?

Laut Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO sind seelische Erkrankungen größtenteils heilbar! 60 Prozent der Patienten, die an einer Depression leiden, haben die Chance, wieder vollständig zu gesunden. Doch sucht leider nur jeder Vierte, der an einer psychischen Erkrankung leidet, professionelle Hilfe auf. Deshalb fordert die Weltgesundheitsorganisation eine bessere Schulung des medizinischen Personals im Umgang mit psychisch Kranken. Dabei sollen auch wichtige Medikamente für alle bereitgestellt werden. Anstatt die Betroffenen in Krankenhäuser »wegzuschließen«, sollte sich die Gemeinschaft um sie kümmern: Die Politik, Angehörige und Freunde, Lehrer und Mitschüler, Kollegen und Nachbarn können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass seelisch Erkrankte nach einem Aufenthalt in der Klinik wieder weitgehend normal leben können.

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