Barrieren

Barrieren sind nicht nur Hindernisse baulicher Natur. Viel schwerer zu überwinden sind die Barrieren (Mauern) in den Köpfen Nichtbehinderter. Hindernisse für seelisch Behinderte zu formulieren ist sehr schwer. Die Spannweite reicht von Ablehnung bis Zwang. Behinderungen und Barrieren psychisch Betroffener sind zum Großteil nicht sichtbar.

Es existieren Sondergesetze für psychisch Kranke, jedoch keine besonderen Regelungen, um deren Benachteiligungen abzubauen.

Gleichstellungsgesetze enthalten für Körperbehinderte detaillierte Zielvereinbarungen, je nach Art der Behinderung. Seelische Behinderungen werden in den Gesetzen nicht erläutert und damit nicht berücksichtigt.

Viele seelisch Behinderte versäumen wegen ihrer Krankheit Fristen bei Verträgen, Versicherungen oder Ämtern, geraten so in schwere Existenzkrisen; ihnen müsste die Gelegenheit geboten werden, Fristen zu verlängern.

Studenten oder Lehrlinge brauchen flexiblere Rahmenbedingungen und Zeiten für Ausbildung sowie Prüfungen. Nicht ihre Intelligenz, wohl aber ihre Fähigkeit, durchzuhalten und ihr Reaktionsvermögen sind herabgesetzt. Für oft hochqualifizierte Behinderte fehlen Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt, "Nischen", in denen sie nicht die volle Arbeitsleistung erbringen müssen.

Behördengänge sind für viele psychisch Behinderte wegen ihrer Angst vor Menschen unerträglich. Notwendig sind daher separate Beratungsräume, Hausbesuche und speziell geschulte Mitarbeiter. Ein zugewandtes, wissendes Gegenüber ist für psychisch Behinderte ebenso wichtig wie die Gebärdensprache für Gehörlose.

Neben einer psychiatrischen Diagnose, Drohungen und Zwangsmaßnahmen ist das Stigma (Brandmal der Abwertung) die schlimmste Barriere, der psychisch beeinträchtigte Menschen ausgesetzt sind. Die soziale Diskriminierung verhindert die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Ablehnung, fehlende Akzeptanz, Angst, Gleichgültigkeit, soziale Distanz, Scham, Missachtung, Schweigen, Tabuisierung, Unverständnis, Vorurteile und fehlende Wertschätzung führen in einer Gesellschaft, in der Menschen funktionieren sollen, zu fast nicht überbrückbaren Hindernissen. Fremdbestimmung, mangelndes Selbstbewusstsein, Chronifizierung, Isolation und Hilflosigkeit sind überwiegend die Folgen.

Psychisch erkrankten Menschen wird überwiegend das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt.

Medien tragen mit dazu bei, dass z. B. nach einem Amoklauf beim Begriff "Psychiatrie" in vielen Köpfen Bilder von Massenmördern und Kinderschändern spuken.

Über eine psychische Erkrankung kann immer noch nicht frei und öffentlich gesprochen werden.

Wohnungseigentümer vermieten häufig nicht, wenn sie von Psychiatrieaufenthalten erfahren. Arbeitgeber stellen aus dem gleichen Grund nicht ein. Die Arbeit Betroffener wird nicht wertgeschätzt, wenn der Zeitaufwand für die erbrachte Leistung nicht „die Norm" erfüllt.

Betroffene werden teilweise in die Behandlung nicht einbezogen, schlecht aufgeklärt. Die Nebenwirkungen durch Medikamente und Absetzwünsche werden kaum ernst genommen. Auf Selbsthilfegruppen wird zu wenig aufmerksam gemacht.

Auf geschlossenen Stationen wird immer noch Gewalt und Zwang ausgeübt, Ausgang willkürlich gewährt oder gestrichen, ohne zwingenden Grund der Kontakt zu Kindern und Bekannten unterbunden.

Gesetzliche Betreuungen werden oft unnötig aufgezwungen.

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