Das verwendete Menschenbild

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Menschenbild

Kommuniziere ich mit anderen Menschen, dann geschieht dies bewußt oder un­bewußt vor dem Hintergrund eines bestimmten Menschenbildes, das den anderen Menschen gegenüber mehr oder weniger offen zum Ausdruck kommt. Gehe ich also auf Menschen mit pädagogischer oder gar thera­peutischer Absicht zu, so ist es dringend nötig, sich über sein eigenes Men­schenbild klar zu werden, das die Grundlage ist für die eigenen Einschätzun­gen und das eigene Verhalten.

Hinweise auf Aspekte Ihres eigenen Menschenbildes können Sie er­halten, wenn Sie spontan und ohne lange nachzudenken die folgenden Satzanfänge beenden:

- Die Menschen sind ...
- Die Menschen streben nach ...
- Im menschlichen Zusammenleben kommt es darauf an, ...

Der Begriff 'Menschenbild' verdeutlicht, daß w ir uns eben ein Bild machen, ohne allerdings genau wissen zu können, ob es dem wirklichen W esen des Menschen entspricht. Dies gilt im übrigen für alle Menschenbilder, die in dem Versuch, die menschliche Natur zu beschreiben, bestenfalls Annäherungen darstellen.
Der vorliegende Text verwendet das folgende Menschenbildes, welches den methodischen An­sätzen und Überlegungen zugrunde liegt:

Es handelt sich dabei um das Menschenbild der Humanistischen Psychologie (HP)1. Die Humanistische Psychologie entstand in den 1950er und 1960er Jahren im Zusammenfluß von amerikanischem und europäi­schem Gedankengut, beeinflußt u.a. durch die Arbeiten von Goldstein,Fromm, Rogers, Maslow, Adler und Horney. Zielsetzung der HP war es, die rein biologisch-mechanistische Betrachtungsweise des Menschen zu überwinden. Sie war also eine subjektivistische2 Gegenbewegung zu den damals vorherrschenden objektivistisch3 bzw. realistisch4 geprägten psychologischen und philosophischen Strömungen. Dem Sinn und der Bedeutung von Fragestellungen so­wie der menschlichen Erfahrung wurde dabei eine größere Bedeutung beigemessen als den statistisch verwertbaren Methoden.

Die Humanistische Psychologie etablierte sich in der Folgezeit rasch als 'dritte Kraft' neben klassischer Psychoanalyse und Behaviourismus5. In der Einschätzung möglicher gesellschaftlicher Konsequenzen wurde sie damals mit der Entwicklung der Naturwissenschaften im Zuge der Aufklä­rung verglichen. Die HP hat bis heute einen erheblichen Einfluß auf psychologische und pädagogische Entwicklungen genommen und ein reichhaltiges methodisches Repertoire entfaltet. Dazu gehören etwa die Gestalttherapie, die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, die Themenzentrierte Interaktion (TZI)6, das Psychodrama7 sowie die Transaktionsanalyse (TA)8.
Philosophisch betrachtet wurzelt die Humanistische Psychologie vor al­lem in der Existenzphilosophie9. Mit 'Existenz' ist dabei die typische Seinsweise des Menschen gemeint. Diese ist nicht determiniert10, sondern legt lediglich die Möglichkeiten fest, die der Mensch realisieren kann, seinen Entwurf, seine "conditio humana“11 (Sartre). Somit unterscheidet sich die HP deutlich vom Determinismus der Psychoanalyse und des Behaviourismus. Als wissenschaftlicher Methode bedient sich die Existenz­philosophie der Phänomenologie12, die sich gegen jegliche Verabsolutierung wendet und eher dazu ermutigt, die Welt so wahrzunehm en, wie sie sich jedem einzelnen im Rahmen seiner Erfahrung darstellt.
Nach existenzphilosophischer Aussage a priori13 keinen Sinn des Lebens, keinen Idealzustand der Humanität14 gibt, dem die Menschen aus ihrer Natur heraus von selbst zustreben. Also müssen Menschlichkeit und Le­benssinn täglich neu im praktischen Tun verwirklicht werden. Dies klappt nur dann, wenn ich mir meiner Wahlmöglichkeiten bewußt bin, mich aktiv entscheide und engagiere.
Diesen Weg zu innerer Freiheit und zu Selbst-Bewußtsein entdecke ich vor allem über den Bezug zu meinen Mitmenschen. Die menschliche Natur erschließt sich dabei nicht aus dem Inneren einer isolierten Persönlich­keit und wartet nur darauf, entwickelt und verwirklicht zu werde, sondern diese Entwicklung kann nur in der Interaktion mit Menschen und ihrer sozialen Umwelt gefunden werden. Die Umwelt ist jedoch kaum objektiven beurteilbar; sie stellt sich dem einzelnen jeweils so dar, w ie er sie individuell erfährt. Auf dem Boden dieser Subjektivität müssen nun existentielle Entscheidungen getroffen und brauchbare Lösungen gesucht werden.
Die Existenz und der Sinn erschließen sich dem Einzelnen also dadurch, dass er Entscheidungen trifft, diese in Taten umzusetzt und die Ver­antwortung dafür übernimmt. Viele Menschen tun sich schwer, sich in diesem Sinne verant­wortlich zu wissen. Das liegt wohl daran, dass sie sich dem eigenen Anteil am Zustande­kommen von Kommunikations- und Beziehungsstörungen zu stellen hätten.
Dieser eigene Anteil wird leider in der Praxis vorschnell mit dem Begriff der Schuld verknüpft. Man ist "selber Schuld", und wer ist das schon gerne. Da ist es doch bequemer, das eigene So-sein als schicksalhaft wahrzunehmen, nicht in eigener Verantwortung liegend und damit als unveränderlich. Doch lediglich dieses - mitunter schmerzliche - Bewußtsein der persönlichen Verantwortlichkeit birgt die Chance darauf, möglicherweise lebens­verändernden Neuentscheidungen zu treffen und damit den Weg zu innerer Freiheit zu bahnen. Der vorliegende Text macht auch nur Sinn, wenn ich von dieser Option ausgehe.

Die vier Grundannahmen

Vor diesem philosophischen und psychologischen Hintergrund können wir vier Grundannahmen darüber ableiten, was den Menschen - aus der Sicht der Humanistischen Psychologie - vor allem bewegt. Wir beziehen uns dabei auf eine Zusammenstellung von H. Völker (1980).

Nach Völker streben Menschen vor allem nach:

  1. Ziel- und Sinnorientierung
    Das menschliche Leben ist - w ie oben erwähnt - eine zielgerichtete Su­che nach Sinn und Erfüllung. Den Verlust von Sinn und Ziel erleben viele Menschen als Lebenskrise. Nach Frankl (1959) liegt darin sogar die Hauptursache für psychische Störungen. Hier drückt sich auch die Überzeugung aus, daß jedes Verhalten, sei es für Außenstehende auch noch so unverständlich, im existentiellen Erleben dieses Menschen eine Bedeutung hat. Jegliches Verhalten verfolgt - oft unbewußt - ein bestimmtes Ziel, auch wenn dieses heute und oberflächlich gesehen geradezu widersinnig erscheint, weil es eher zu belastenden oder schmerzlichen Erfah­rungen führt.
    Beispiel: Ein Junge ist nicht bereit, eine schwerwiegende Verhaltens­störung aufzugeben, weil er darin die einzige Möglichkeit sieht, eine dro­hende Trennung seiner Eltern zu verhindern. Er ist der festen Über­zeugung, daß sie nur aus gemeinsamer Sorge um sein Wohlergehen zusammenbleiben werden.Diese Sichtweise, ein nach aussen als destruktiv erscheinendes Verhalten als den
    Versuch zu sehen, sich zu schützen und angesichts von inneren und äu­ßeren Gegebenheiten das psychische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, führt weg von einer rein individuellen hin zu einer stärker systemischen Betrachtung von (neurotischen) Störungen bei Menschen.
    Also hilft beim Verständnis menschlichen Verhaltens weniger die Frage nach dem 'Warum ?', bezogen auf die Vergangenheit, sondern oft wirk­samer die Beobachtung des 'Wie?' im Hier und Jetzt und das Ergründen des 'Wozu?', bezogen auf das meistens verborgene Ziel.
  2. Autonomie und Interdependenz
    Sobald ein Kind von der Mutter abgenabelt wird, be­ginnt sein Bemühen um Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Es beginnt, die Welt zu erkunden und sich darin als eigenständiges Individuum zu
    erleben. Schon bald krabbelt das Kind im Zimmer herum; dabei vergewissert es sich zunächst noch der Gegenwart der Mutter. Die Zunahme von Beweglichkeit und Kommunikationsfähigkeit erweitert auch den Aktionsradius des Kindes, welches schließlich den unmittelbaren Lebensbereich der Eltern verläßt. Dieser Prozeß ist für Eltern und Kinder glei­chermaßen sowohl mit Freude als auch mit Abschiedsschmerz verbunden.
    Wird diese Entwicklung angemessen gestaltet, wachsen beim Kind die Bereitschaft und Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung für das eigene Verhalten und damit das Bestreben, ein eigenständiges, von anderen unterscheidbares Individuum zu werden. Im selben Moment existiert jedoch auch das Bedürfnis, in einer sozialen Gemeinschaft aufgehoben zu sein, was wiederumden Autonomieanspruch relativiert. Nun liegt es an dem jeweiligen Menschen, in diesem Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung und sozialer Bezogenheit einen eigenen Standort zu finden. Dies gelingt nur im kommunikativen Austausch mit der Umwelt.
    Erst im Dialog mit anderen Personen teilt sich mit, für welche Position sich jemand entschieden hat - etwa im Widerstand gegen eine (vermeintliche) Vereinnahmung oder in einer überangepaßten Ängstlichkeit, beim Vertreten eines eigenen Standpunkts mit Ausgrenzung bestraft zu werden. Diese Antinomie15 beschreibt Fritz Riemann sehr überzeugend in seinem Buch über die 'Grundformen der Angst'.
  3. Selbstverwirklichung
    Die Erforschung der Umwelt ermöglicht dem Menschen, diese für sich zu strukturieren und als Terrain für die eigene Selbstverwirklichung zu nutzen. Er kann die eigenen Möglich­keiten entfalten, d.h. die Entdeckung und Entwicklung von Fähigkeiten und Fertig­keiten im Rahmen innerer und äußerer Bedingtheiten.
    So verlieren Menschen nach relativ kurzer Zeit der Arbeitslosigkeit den Kontakt zu ihren eigenen Fähigkeiten. Selbstverwirklichung bedeutet demnach, sich in der Auseinandersetzung mit Menschen und Dingen ständig neu als kompe­tent und fähig zu erleben. Eine Stärkung der kommunikativen Kompetenz leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Selbstverwirklichung. Dies hat Konsequenzen für die Gestaltung von Schule und Arbeitswelt.
    Selbstverwirklichung bedeutet hierbei nicht, egoistisch und rücksichtslos die Erfüllung eigener Bedürfnisse in das Zentrum des eigenen Handelns zu stellen.
  4. Ganzheitlichkeit
    Die Sichtweise der Humanistischen Psychologie hebt die Dichotomie16 von Leib und Seele auf. Der Mensch gilt als biologische, psy­chische und soziale Einheit. So nehme ich etwas Angenehmes Gesagtes nicht nur kognitiv wahr, sondern spüre es auch körperlich. Jede psychische Bewegt­heit führt gleichzeitig zu einer körperlichen Reaktion und umgekehrt.
    Zu einer ganzheitlichen Sichtweise gehört auch der Bereich der Psy­chosomatik, wie er sich seit alters her in zahlreichen Redewendungen wiederfindet: „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen." - „Das kratzt mich nicht" - „Das geht mir an die Nieren / schlägt mir auf den Magen / bereitet mir Kopfzerbrechen." Trotzdem ist es in unserer Kultur immer noch nicht genügend verankert, körperliche Funktionsstörungen im Zusammenhang der sozialen Interaktion und als Widerspiegelung der psy­chischen Dimension zu verstehen.
    In seiner Ganzheitlichkeit ist das menschliche Wesen zudem mehr und anders als die Summe seiner Bestandteile, der Mensch wird unverwech­selbar und einzigartig.

Erich Fromm widmete sich der ausführlichen Darstellung der ethischen Grundlagen der Humani­stischen Psychologie; vor allem in seiner: 'Anatomie der menschlichen Destruktivität'17.

Die sozialen Realitäten behindern und gar verhindern oft eine freie Entfaltung im Sinn dieser Grundannahmen. Es wäre daher kurzsichtig und politisch bedenklich, wollte man die menschlichen Störungen individualisieren. Die Aufgabe einer gesellschaftspoli­tisch relevanten pädagogischen und psychologischen Beschäftigung mit Menschen hat aus diesem Grunde zugleich auf eine Veränderung der Lebensbedin­gungen gerichtet zu sein, um mehr Autonomie, Selbstverwirklichung, Sinn­gebung und Ganzheitlichkeit zu ermöglichen. Hand in Hand geht damit die Forderung, dem einzelnen Menschen seinen persönlichen Entscheidungsspiel­raum bewußt zu machen und Unterstützung für dessen Erweiterung zu geben. Dieser Aspekt ist ein Hauptanliegen des Textes.

  • 1. Bei der Humanistischen Psychologie handelt es sich um eine psychologische Schule. Ihrem Anspruch nach trägt sie mit dazu bei, dass sich gesunde, sich selbst verwirklichende und schöpferische Persönlichkeiten entfalten können.
    Die erste ausgearbeitete Humanistische Psychologie geht auf Abraham Maslow zurück. Sein Konzept wurde später insbesondere von Carl Rogers in seiner klientenzentrierten Psychotherapie (auch: personzentrierte, nichtdirektive, Gesprächstherapie (GT) oder Gesprächspsychotherapie) aufgenommen und für den praktischen Bereich weiterentwickelt. Die Kernthese von Carl Rogers in der Humanistischen Psychologie lautet:
    „Das Individuum verfügt potentiell über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu begreifen und seine Selbstkonzepte, seine Grundeinstellung und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern; dieses Potential kann erschlossen werden, wenn es gelingt, ein klar definiertes Klima förderlicher psychologischer Einstellungen herzustellen.“
    Psychische Störungen entstehen nach Meinung der Anhänger der Humanistischen Psychologie, wenn Umwelteinflüsse die Selbstentfaltung blockieren
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 2. Subjektivismus ist ein Sammelbegriff für verschiedene erkenntnistheoretische Positionen, nach denen alle Begriffe, Urteile und Erkenntnisse wesentlich durch das jeweilige Subjekt – in der Regel ist damit der einzelne Mensch gemeint – bestimmt und geprägt seien. Subjektivistische Positionen stehen im Gegensatz zu objektivistischen oder stark realistischen Positionen, führen aber nicht notwendigerweise zu einem Idealismus, Relativismus oder Skeptizismus. Dafür ist entscheidend, wie die Positionen Wahrheit und die Zugänglichkeit zur Wahrheit verstehen
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013).
  • 3. Objektivität (von lateinisch obiacere: gegenüberliegen oder obicere: das Entgegengeworfene, der Vorwurf oder der Einwurf) ist in der europäischen Philosophie die Unabhängigkeit der Beurteilung oder Beschreibung einer Sache, eines Ereignisses oder eines Sachverhalts vom Beobachter beziehungsweise vom Subjekt. Der Begriff der Objektivität unterliegt wie alle philosophischen Begriffe einem schwankenden Sprachgebrauch, d.h. seine genaue Bedeutung ist umstritten. Ob es Objektivität in der einen oder anderen Bedeutung überhaupt gibt, ist ebenfalls umstritten. Einen neutralen Standpunkt gibt es nicht, jede Sichtweise ist subjektiv
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 4. Der Begriff Realismus umfasst eine Vielzahl philosophischer Positionen, nach denen vom menschlichen Bewusstsein unabhängige Phänomene existieren, die auf uns einwirken und die wir sprachlich bezeichnen können. Dabei werden realistische Thesen bezüglich ganz unterschiedlicher Phänomene diskutiert, so dass man genauer jeweils von einem Realismus bezüglich eines bestimmten Problembereichs spricht.
    Wird die Existenz einer denkunabhängigen Realität angenommen, spricht man von metaphysischem oder ontologischem Realismus. Genauerhin spricht man auch hier jeweils wieder von Realismus bezüglich unterschiedlicher ontologischer Objekte (beispielsweise Universalienrealismus oder Realismus bezüglich natürlicher Arten).
    Von erkenntnistheoretischem Realismus spricht man umgekehrt, wenn die Welt „wirklich erkennbar“ ist, was man etwa so präzisieren könnte, dass unsere Meinungen prinzipiell mit beobachtungsunabhängig existenten Objekten zu tun haben können, mit Objekten einer in dafür relevanten Hinsichten für alle Beobachter identischen Welt – und dass dies im Falle von Wissen auch wirklich so ist.
    In der Sprachphilosophie redet man von einem semantischen Realismus, wenn die Beschreibung der Außenwelt mit Sätzen (Aussagen, Gedanken) erfolgt, die eine eindeutige Interpretation sind, also mit wahr oder falsch beurteilt werden können. Soweit in der Erkenntnistheorie angenommen wird, dass Erkenntnisse nur sprachlich zu fassen sind, fallen erkenntnistheoretischer und semantischer Realismus zusammen.
    Von einem wissenschaftlichen Realismus spricht man bezüglich der These, dass die Einzelwissenschaften letztlich zu Wissen von Gegenständen führen, die unabhängig von bestimmten Theorien oder Konventionen existieren und so strukturiert sind, wie wir dies wissen können. Dies setzt im weitesten Sinne eine „beobachtungsunabhängige Außenwelt“ voraus.
    Als „moralischen Realismus“ bezeichnet man eine Grundposition der Metaethik, nach der es prinzipiell objektive Tatsachen bezüglich moralischer Fragen gibt. Analog dazu und zu Positionen des wissenschaftlichen Realismus spricht man beispielsweise auch von theologischem Realismus bezüglich religiöser Wahrheiten
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 5. Behaviorismus (abgeleitet vom amerikanisch-englischen Wort behavior, „Verhalten“) benennt das wissenschaftstheoretische Konzept, Verhalten von Menschen und Tieren mit naturwissenschaftlichen Methoden – also ohne Introspektion (Die Selbstbeobachtung, auch Introspektion genannt, bezeichnet die Betrachtung, Beschreibung und Analyse des eigenen Erlebens und Verhaltens durch nach innen gerichtete Beobachtung. Sie kann zu Selbsterkenntnis führen.) oder Einfühlung – zu untersuchen und zu erklären. Der Behaviorismus wurde nach wichtigen Vorarbeiten von Edward Lee Thorndike durch John B. Watson zu Beginn des 20. Jahrhunderts begründet und in den 1950er Jahren vor allem von Burrhus Frederic Skinner gleichermaßen popularisiert wie radikalisiert. Wichtige Pionierarbeit leistete außerdem Iwan Petrowitsch Pawlow mit seinen Experimenten zur klassischen Konditionierung von Verhalten. Im Behaviorismus wurden technoide Sozial- und Kulturtechniken entwickelt, doch bietet er nicht nur klassische oder operante Konditionierung, sondern auch eine positiv gemeinte gesellschaftliche Utopie, wie sie beispielsweise von Skinner im Roman Walden Two ausgearbeitet wurde.
    In den USA waren die Verfechter des Behaviorismus jahrzehntelang die einflussreichsten Verhaltensforscher an den Universitäten und entschiedene Gegner der gleichzeitig aufkommenden psychoanalytischen Richtungen. Auch die seit den 1930er Jahren in Europa aus der Tierpsychologie entstehende vergleichende Verhaltensforschung konnte in den USA wegen der dortigen Vorherrschaft des Behaviorismus nicht Fuß fassen.
    Auf die Erkenntnisse der behavioristischen Forschung stützen sich diverse verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen, u. a. die sogenannte systematische Desensibilisierung von Patienten mit einer Phobie und die Behandlung von frühkindlichem Autismus, aber auch die moderne Abrichtung von Hunden und Zirkustieren. Auch das Programmierte Lernen, Sprachlabors und die heute gängigen PC-Programme zum Selbststudium von Fremdsprachen sind eine Nutzanwendung der behavioristischen Theorie.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 6. Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist ein Konzept zur Arbeit in Gruppen. Ziel ist soziales Lernen und persönliche Entwicklung. TZI wurde seit Mitte der 1950er Jahre in den USA von der Psychoanalytikerin und Psychologin Ruth Cohn, von den Therapeuten Norman Liberman, Yitzchak Zieman und von weiteren Vertreterinnen der Humanistischen Psychologie entwickelt und später in Europa und Indien weiterentwickelt. Die TZI entstand vor dem theoretischen Hintergrund der Psychoanalyse, der Gruppentherapien sowie der Humanistischen Psychologie und berücksichtigt Erfahrungen aus der Gestalttherapie und der Gruppendynamik. Das ursprüngliche Anliegen Ruth Cohns war, ein Konzept zu entwickeln, das »dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglicht, in dem er gesund bleiben kann«. Gesundheit bezieht sich hier nicht bloß auf das individuelle Wohlbefinden, sondern auch auf die politische Verantwortlichkeit in der Welt.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 7. Psychodrama (von griechisch psyche „Seele“, und drama „Handlung, Vorgang“) ist eine Methode der Psychotherapie, Beratung und Sozialforschung, entwickelt vom österreichischen Arzt Jacob Levy Moreno (1890–1974) in Wien und New York. Ursprünglich konzipiert als handlungsorientierter Gegenentwurf zur Psychoanalyse von Sigmund Freud hat sich der psychodramatische Ansatz weltweit vor allem als Methode der Gruppen- und Einzelpsychotherapie und Beratung etabliert und Einfluss auf zahlreiche andere Psychotherapieschulen wie die Gestalttherapie, Transaktionsanalyse oder Familientherapie genommen.
    as Psychodrama entstand als „Therapie in der Gruppe, durch die Gruppe, für die Gruppe und der Gruppe“ aus dem Stegreiftheater und war die erste Form der Gruppenpsychotherapie. (Aber: „Eine psychodramatische Sitzung z. B. ist weit davon entfernt, immer Gruppenpsychotherapie zu sein. Es ist oft nur die Behandlung eines bestimmten Individuums in der Gruppe“) Der Klient (Protagonist) gestaltet als Hauptdarsteller des psychodramatischen Spiels im Hier und Jetzt einer Psychodrama-Bühne sein therapeutisches Thema.
    Als Mitglied der Gruppe erhält der Protagonist mit deren Erlaubnis die Möglichkeit, seine eigene Thematik oder diejenige der Gruppe mit der Unterstützung des Spielleiters und ausgewählten Hilfs-Ichs zu bearbeiten. Die Zuschauer lassen sich vom Spiel des Protagonisten berühren, greifen mit Unterstützung des Spielleiters ein und geben zu guter Letzt wie alle anderen Mitspieler eine empathische und, wo notwendig, kritische Rückmeldung. Allerdings kann es auch bei nicht oder kaum ins Spiel integrierten Zuschauern zu einer heilsamen Erschütterung, einer Katharsis, kommen.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 8. Die Transaktionsanalyse (TA) ist eine psychologische Theorie der menschlichen Persönlichkeitsstruktur. Die Theorie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen Psychiater Eric Berne (1910–1970) begründet, und sie wird bis heute weiterentwickelt. Die Transaktionsanalyse erhebt den Anspruch, anschauliche psychologische Konzepte zur Verfügung zu stellen, mit denen Menschen ihre erlebte Wirklichkeit reflektieren, analysieren und verändern können.
    Schon zu Lebzeiten Bernes setzten verschiedene Transaktionsanalytiker in ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte, die auch die weitere Entwicklung der Transaktionsanalyse beeinflusst haben. Neuere Entwicklungen fußen z. B. auf Mary und Robert Goulding (Neuentscheidungstherapie), Jacqui Lee Schiff (Neubeelterung), Fanita English (Ersatzgefühle; Episkript), Richard G. Erskine (Integrative Psychotherapie), Charlotte Sills, Helena Hargaden, William F. Cornell (Beziehungsorientierte Transaktionsanalyse) und Bernd Schmid (Systemische Transaktionsanalyse).
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 9. Der Begriff Existenzphilosophie bezeichnet eine philosophische Richtung, die im Zentrum ihres Denkens die Existenz des Menschen im weitesten Sinne hat. Innerhalb der Existenzphilosophie werden zwar verschiedene Positionen beschrieben, die sich jedoch alle durch den grundlegenden Vorrang der Erhellung des eigentlichen Existierens vor allem spekulativen Idealismus oder dem Wissenschaftsglauben des Positivismus auszeichnen. Von der Existenzphilosophie im allgemeinen Sinne kann der Existentialismus als besondere Ausdrucksform der französischen Existenzphilosophie unterschieden werden.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 10. Der Determinismus (lat. determinare „abgrenzen“, „bestimmen“) ist die Auffassung, dass alle – insbesondere auch zukünftige – Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind. Die Gegenthese (Indeterminismus) vertritt, dass es überhaupt oder in einem bestimmten Bereich der Realität Ereignisse gibt, die auch hätten anders eintreten können.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 11. Als conditio humana (im klassischen Latein aber condicio humana) bezeichnet man allgemein die Bedingung des Menschseins und die der Natur des Menschen. Sie ist Gegenstand der Philosophie, insbesondere der Philosophischen Anthropologie, sowie verschiedener Wissenschaften wie der Sozialwissenschaften oder der Sozialpsychologie.
    Sigmund Freud beispielsweise betonte im Zusammenhang mit der Frage nach der conditio humana das Unbewusste, und Erich Fromm machte sie zum Mittelpunkt seines Erkenntnisinteresses.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 12. Die Phänomenologie ist eine philosophische Strömung, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von Edmund Husserl geprägt wurde Deren Vertreter sehen den Ursprung der Erkenntnisgewinnung in unmittelbar gegebenen Erscheinungen, eben den Phänomenen. Die formalen Beschreibungen der Phänomene geben grundsätzlich den Anspruch aller phänomenologischen Ansätze wieder, seien es philosophische oder naturwissenschaftliche, literarische oder psychische. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie mit dem unmittelbar Gegebenen umgehen.
    Die philosophische Ausgangslage Husserls war die zu seiner Zeit herrschende Annahme, dass Wahrheiten relativ betrachtet werden müssen und sich nur in ihrer jeweiligen historischen Form zeigen (Historismus) oder aber Produkt einer naturalistisch gedachten Psyche sind (Psychologismus). Philosophie wäre dann keine Form der Erkenntnisgewinnung mehr und hätte diese Aufgabe an die Psychologie abzugeben. Dieser Auffassung setzte Husserl seine Kritik des Psychologismus entgegen. Nach Husserl ist die These des Psychologismus, die Logik sei ein Teil der Psychologie, da diese sich als Wissenschaft der Psyche auch mit den Denkgesetzen beschäftige, falsch. Demnach wäre Logik die Lehre vom Denken, Schlussfolgern und Urteilen und ein Spezialfall der psychischen Fähigkeiten. Husserl widerspricht dieser Auffassung in doppelter Hinsicht. Zunächst zeigt er auf, dass die Konsequenz des Psychologismus eine bloße Relativität logischer Gesetze zur Folge hätte. So würde der Satz vom Widerspruch zu einer bloßen Wahrscheinlichkeit werden, da empirische Regeln keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können.
    Ein weiteres Problem betrifft die Denkakte und deren Richtigkeit. Wenn die Gesetze der Logik rein empirischer Natur wären, abgeleitet aus den Denkgesetzen, sei damit noch nicht geklärt, dass diese auch richtig wären. So gibt es durchaus logisch falsche Urteile, die ebenfalls dem Denken entspringen. Somit kann das Kriterium der Richtigkeit nicht im Denken selbst liegen, es sei denn falsche Urteile würden einer anderen Denkabfolge unterliegen, wobei dann wiederum die Frage bliebe, was denn nun das Kriterium für richtig oder falsch sei. Husserl ist der Überzeugung, dass der Psychologismus letztlich die Denkinhalte, z. B. das Urteil, nicht vom Denkverlauf, dem Urteilen selbst unterscheidet. Damit ist das Urteilen selbst real, während der Urteilsinhalt ideal ist. Diese Unterscheidung zwischen Inhalt und Denkakt, zwischen „Genesis“ und „Geltung“, wird in der Folge der Phänomenologie konstitutiv bleiben.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 13. Der Term a priori wurde in der scholastischen Philosophie als Übersetzung der aristotelischen Unterscheidung zwischen „proteron“ und „hysteron“ verwendet (Bedingung und Bedingtes). Der Ausdruck tritt von dort im 16. Jh. als Syntagma in die deutsche Fachsprache ein.
    In der neueren Philosophie bezeichnet der Ausdruck eine epistemische Eigenschaft an Urteilen: Urteile a priori können ohne Basis in der Erfahrung gefällt werden, sie sind Bedingungen der Erfahrung oder aus diesen abgeleitet. Im Gegensatz dazu stehen Urteile a posteriori. Im Allgemeinen gelten alle analytischen Urteile als a priori. Ihre urteilstheoretische Bedeutung haben die Begriffe a priori und a posteriori seit Mitte des 17. Jahrhunderts, spätestens aber seit Immanuel Kant.
    Von der neueren Verwendung abgeleitet bezeichnet apriorisches Wissen ein Wissen, das von Erfahrung unabhängig ist (siehe Apriorismus). Im Unterschied dazu steht empirisches oder erfahrungsabhängiges Wissen, das insbesondere durch eigene sinnliche Wahrnehmung gewonnen wurde. Alltagssprachlich und in verschiedenen fachsprachlichen Zusammenhängen werden daher Sachverhalte, die bereits mit der Annahme bestimmter Bedingungen „von vornherein“ festliegen als a priori bezeichnet
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 14. Der Begriff Menschlichkeit oder Humanität (lat.: humanitas) wird einmal in umfassendem, allgemeinem Sinn verwendet und zum anderen in engerem Sinn. Die allgemeine Bedeutung von „menschlich“ und „Menschlichkeit“ meint „alles, was Menschen zugehörig oder eigen ist“. Der engere Sinn hat einen normativen Gehalt, geht also von Vorstellungen darüber aus, wie der Mensch sein solle oder angeblich seiner wahren Natur oder idealen Bestimmung nach sei. Unter dieser Voraussetzung und im engeren Sinne bezeichnet das Wort Menschlichkeit nur jene Züge des Menschen, die als richtig oder gut gelten in der jeweiligen Weltanschauung – zum Beispiel in der Weltanschauung des Humanismus oder der des Christentums.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 15. Eine Antinomie (griechisch anti ‚gegen‘, nomos ‚Gesetz‘; sinngemäß „Unvereinbarkeit von Gesetzen“) ist eine spezielle Art des logischen Widerspruchs, bei der die zueinander in Widerspruch stehenden Aussagen gleichermaßen gut begründet oder (im Fall formaler Systeme) bewiesen sind.
    Eine (wirkliche) Antinomie ist für eine Theorie verheerend: Aus zwei sich widersprechenden Aussagen folgt eine beliebige Aussage, d. h., aus einer solchen Theorie folgt Beliebiges, Alles und Nichts.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 16. „Dichotomie“ bezeichnet:
    ein komplementäres Begriffspaar
    oder
    die Einteilung, die Zergliederung eines Gegenstandsbereiches in genau zwei komplementäre Bereiche bzw. Begriffe
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand August 2013)
  • 17. Fromm, E.: Anatomie der menschlichen Destruktivität. Rowohlt, Reinbek 1977

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