Basics zu psychischen Erkrankungen

Psychische Befindlichkeitsstörungen:

Einteilung

Neurosen1 Psychosen2 Persönlichkeitsstörungen3
Beispiele Beispiele Beispiele
Angstneurosen
Phobien4
Zwangsstörung5
Neurotische Depression6 (Depressionsvarianten7
  • 1. nter Neurosen (wörtlich etwa Nervenkrankheit, aus griechisch νεῦρον Nerv und -ose für Krankheit) wurden seit William Cullen (1776) nervlich bedingte rein funktionelle Erkrankungen verstanden, d. h. ohne Nachweis einer organischen Läsion. So sprach man z. B. von Herzneurosen. Seit der Zeit Sigmund Freuds wurde hierunter eine leichtgradige psychische Störung verstanden, die durch einen Konflikt verursacht wird. Neurosen wurden damals den Psychosen, schwereren seelischen Störungen, gegenübergestellt. Inzwischen wurde der Begriff zugunsten einer differenzierteren Aufteilung in verschiedene Störungsgruppen weitestgehend aufgegeben, weil man so den verschiedenen unter "Neurosen" zusammengefassten Störungsbildern besser gerecht werden konnte und sich die damit verbundenen theoretischen Annahmen, vor allem in Hinsicht auf psychische und körperliche Verursachung, in dieser Form nicht halten ließen.
  • 2. Als Psychose bezeichnet man eine schwere psychische Störung, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergeht.
    Der Begriff wurde 1845 von Ernst von Feuchtersleben erstmals verwendet. Das Wort Psychose kam ins Deutsche nach Art französischer Fachwörter mit französischer Endung vom griechischen ψύχωσις, psýchōsis, ursprünglich „Beseeltheit“, von ψυχή, psyché, „Seele“, „Geist“ und Endung -οσις, -osis, „[krankhafter] Zustand“.
    Die synonyme Verwendung mit Schizophrenie oder der schizophrenen Störung ist streng genommen nicht richtig. Psychose als Überbegriff umfasst auch die organischen und die affektiven Psychosen, ebenso wie einzelne psychotische Episoden, die nicht chronifizieren. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht das Wort Schizophrenie also für eine chronische Form der psychotischen Störung mit starker sozialer Beeinträchtigung, wobei Ursache und Wirkung aufgrund der vielfältigen Ausprägung der Krankheit nicht klar zu differenzieren sind.
  • 3. Als Persönlichkeitsstörungen werden Störungen der Persönlichkeit bezeichnet, wenn bestimmte Merkmale der Persönlichkeitsstruktur in besonderer Weise ausgeprägt, unflexibel und wenig angepasst sind. Sie bezeichnen Erlebens- und Verhaltensmuster aufgrund von Entwicklungsbedingungen in der Kindheit und späteren Lebensabschnitten, genetischen Faktoren und/oder erworbenen Hirnschäden. Diese Verhaltensmuster weichen von einem flexiblen, situationsangemessenen Erleben und Verhalten in charakteristischer Weise ab. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.
    Persönlichkeitsstörungen werden nach charakteristischen Merkmalen unterteilt, wobei jedoch häufig Überschneidungen vorkommen. In Psychiatrie und klinischer Psychologie wurden verschiedene Typologien oder Klassifikationssysteme entwickelt, wie ICD-10 und DSM-IV. Nach ICD-10 gehören die Persönlichkeitsstörungen zum Symptomkomplex Psychische und Verhaltensstörungen.
  • 4. Angststörung (auch Phobische Störung) ist ein Sammelbegriff für psychische Störungen, bei denen entweder unspezifische Angst oder aber konkrete Furcht (Phobie) vor einem Objekt bzw. einer Situation besteht. Auch die Panikstörung, bei der Ängste zu Panikattacken führen, zählt zu den Angststörungen.
    Allen Angststörungen ist gemeinsam, dass die Betroffenen übermäßig starke Ängste haben vor Dingen, vor denen Menschen ohne Angststörung keine oder in weit geringerem Maß Angst oder Furcht empfinden. Dabei erkennen die betroffenen Personen eventuell zeitweise, dass ihre Angst übermäßig oder unbegründet ist.
  • 5. Die Zwangsstörung (engl. „Obsessive Compulsive Disorder“ bzw. „OCD“) ist eine neuropsychiatrische Erkrankung und zählt zu den psychischen Störungen. Es besteht für den Betroffenen ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge; er erlebt sie als übertrieben und sinnlos, kann ihnen willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. Die Störung bringt deutliche Belastungen und Beeinträchtigungen des Alltagslebens mit sich. Ältere Bezeichnungen für Zwangsstörungen sind Zwangserkrankung, Zwangsneurose und anankastische Neurose. Zwangsstörungen sind von der zwanghaften Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden
  • 6. Dysthymia, abgeleitet vom Altgriechischen δυσθυμία („Melancholie“) und auch bekannt als Dysthymie, neurotische Depression, dysthymische Störung, oder chronische Depression, ist eine affektive Störung, die aus den gleichen kognitiven und physischen Mustern besteht wie die Depression, allerdings mit Symptomen, die weniger ernst sind und stattdessen weitaus länger andauern. Der Begriff wurde von Dr. Robert Spitzer als ein Ersatz für den Ausdruck „depressive Persönlichkeit“ in den späten 1970ern eingeführt.
    Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) definiert Dysthymia als eine ernste Form der chronischen Depression, die für mindestens zwei Jahre andauert (ein Jahr für Kinder und Jugendliche); sie ist weniger akut und schwerwiegend als eine schwere Depression. Da Dysthymia eine chronische Störung ist, ertragen Leidende ihre Symptome in der Regel für viele Jahre, bevor sie eine Diagnose erhalten, falls überhaupt eine Diagnose erfolgt. Dadurch können sie glauben, die Schwermütigkeit sei ein Teil ihrer Persönlichkeit, und sie erwähnen ihre Symptome in diesem Fall gegenüber Ärzten, Familienangehörigen oder Freunden nicht.
    Dysthymia tritt häufig zusammen mit anderen psychischen Störungen auf. Wenn zusätzlich depressive Episoden auftreten, spricht man im englischen Sprachraum von einer double depression. Wechseln sich Perioden leicht getrübter (dysthymischer) Stimmung regelmäßig mit Perioden leicht euphorischer Stimmung, so liegt eher eine Zyklothymia vor, eine leichte Variante der bipolaren Störung.
  • 7. z.B: Diese spezielle Depressionsvariante der bipolaren Erkrankung ist durch depressive und manische Phasen gekennzeichnet. Deshalb bezeichnet man diese Krankheit auch als manisch-depressiv. Während der Manie dominiert bei den Patienten ein übersteigertes Selbstverständnis. Dabei werden auch die eigenen Fähigkeiten überschätzt. Manische Personen sind überaktiv. Sie können die ganze Nacht arbeiten, ohne müde zu werden. Verläuft die bipolare Depression chronisch, dann spricht man von einer Zyklothymie.
Schizophrenie
Wahnkrankheiten
Manie
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Borderline-Syndrom
Paranoide Persönlichkeitsstörung

Klassifikationssysteme:

ICD 10 (International Classification of diseases)
DSM IV (Diagnostic und Statistical Manual of Mental Disorders)

Merksätze:

  • Sucht ist “ubiquitär”, d. h. überall zu finden (Komorbidität).
  • Der Neurotiker baut Luftschlösser, der Psychotiker wohnt darin und der Psychiater kassiert die Miete.
  • (Unbehandelte) Menschen mit Persönlichkeitsstörungen leiden nicht darunter, sondern lassen leiden (dabei beson­ders dabei beliebt: Sozialarbeiter und Berufsbetreuer).

Wo Diagnosen hilfreich sind und wo ihre Grenzen liegen

  • Eine Diagnose ist hilfreich, um ein Prob­lem (vorerst) definieren zu können
  • Eine Diagnose kann helfen zu verstehen, warum ein Patient bestimmte Handlungs­weisen und Strategien aufweist
  • Dies kann dazu beitragen zu wissen mit welchen Verhaltensweisen man höchst wahrscheinlich zu rechnen hat und wie man damit umgehen könnte
  • Eine Diagnose soll nicht dazu dienen, je­mand zu stigmatisieren, zu pathologisieren oder in eine Schublade zu stecken
  • Diagnosen sind keine endgültigen Wahr­heiten, sondern Arbeitshypothesen, die ei­nem besseren Verstehen dienen sollen
  • Diagnosen, die zu schnell und/oder auf­grund minimaler Informationen gestellt werden, erweisen sich oft als falsch

Häufigkeit:

  • ca. 38 Prozent aller vorzeitigen Berentungen erfolgen aufgrund psychiatrisch/ psy­chosomatischer Erkrankungen
  • Bei den Männer sind psychische/ psycho­somatische Erkrankungen mit ca. 22 Pro­zent (hinter Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates) der zweithäufigste Berentungsgrund, bei den Frauen sind sie mit ca. 35 Prozent der häufigste Beren­tungsgrund
  • Jeder Dritte leidet im Laufe eines Jahres unter einer psychischen Störung
  • Von 2000-2011 wuchs die Zahl der Er­krankungstage um über 50 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Wachstums­trend in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren, dies betrifft Männer und Frauen gleichermaßen

In ihrem Verlauf sind psychogene Erkrankun­gen sehr stabil, d. h. sie bilden sich nur selten spontan zurück. Unbehandelt ist der Verlauf überwiegend chronisch und es ist mit sekundären Kompli­kationen (Sucht, Arbeitsplatzverlust, Schei­dungen etc.) zu rechnen.

Die Top 10 der Diagnosen

Steigende Behandlungsdauer

Immer mehr Kinder betroffen

http;//www.kiggs-studie.de
http://www.rki.de

Ursachen/Erklärungsmodelle:

  • Naturwissenschaftliches-medizinisches Krankheitsmodell: Störungen im Hirnstoff­wechsel, Gendefekte, Vererbung
  • Psychologische Erklärunqsansätze: Fami­liäre Hintergründe, Erziehung, Einfluss der Bezugspersonen, emotionale und körperli­che Mangelversorgung/Misshandlung
  • Gesellschaftliche Ursachen: Arbeits- und Perspektivlosigkeit, soziale Isolation, unzu­reichendes Angebot an therapeutischen Hilfen, durch Politik und Institutionen ver­ursachte Kränkungen und Ausgrenzungen
  • Soziokulturelle Faktoren: Migration, Krieg, Haft, Folter, Entwurzelungen etc.

Synapse

Risiko- und Schutzfaktoren

  • Frühkindliche Belastungsfaktoren, materielle Armut, einschneidende Verlusterlebnisse während der Kindheit oder psychische Stö­rungen der Eltern prädestinieren für psycho­gene Erkrankungen im Erwachsenenalter.
  • Ebenso entscheidend sind gravierende Le­bensereignisse und chronische Belastungen im Erwachsenenalter.
  • Sind beide Momente gegeben, muss mit einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 75 % ge­rechnet werden. Sind beide Aspekte nicht erfüllt, liegt diese Rate lediglich bei 7 %.

Therapie:

  • Obwohl Psychotherapie, wenn sie frühzeitig angeboten wird, auf eine hohe Akzeptanz bei den Betroffenen stößt, wird sie nur einem sehr geringen Teil ermöglicht. Nur ca. 50% der psychogen Kranken werden von Hausärzten erkannt, bei der anderen Hälf­te kommt es somit zu Fehldiagnosen. Aber mit nur 10% der richtig Diagnostizierten werden therapeutische Gespräche geführt und nur 3% werden zur psychotherapeuti­schen Behandlung überwiesen.
  • Im Durchschnitt vergehen über 7 Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Einlei­tung einer adäquaten Therapie. In dieser Zeit werden für die Krankenkassen Kosten von jährlich ca. 13.000 Euro verursacht (Kranken­geld, Fehldiagnostik und Fehlbehandlungen,Medikamente etc.).

Kommende Termine

Benutzeranmeldung