Die zwanghafte Struktur

Die zwanghafte Struktur

Verhaltensmerkmale

  • Veränderungen werden als unkalkulierbares Risiko gefürchtet und auch bei anderen bekämpft.
  • Je nach Ausprägungsgrad sind zwanghaft Strukturierte zuverlässig und genau, pedantisch bis rigide, sachlich oder gefühllos.
  • Zwanghafte fühlen sich in Hierarchien wohl, in denen „oben“ und „unten“ klar definiert sind, sie haben Schwierigkeiten mit gleichberechtigten partnerschaftlichen Verhalten.
  • der Abwehrmechanismus „Verschiebung auf das Kleinste“ kann zu unfruchtbaren Diskussionen und Verhaltensweisen führen (den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen).
  • Kontrolle, Berechenbarkeit und Macht sind zentrale Themen in allen Lebensbereichen. Zwanghafte Strukturierte wollen anderen beherrschen (oder aber sie unterwerfen sich).

Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Ordnung, Ausdauer und die Einhaltung von Regeln sind wichtigen Eigenschaften zur Vermeidung von Willkür und Chaos und zum Erreichen längerfristiger Ziele!

Ursachen

  • Die Ursachen für die Entwicklung einer zwanghafter Struktur liegen in einer Hemmung der Affekte durch die Eltern, die aggressive, lebendige oder nach Veränderung strebende Impulse, unterdrücken oder bestrafen. Verhaltensweisen, die von ihren Vorstellungen abweichen, werden nicht akzeptiert.
  • Die Kinder werden viel zu früh einer strengen Kontrolle unterworfen. Ihre Angst vor Liebesverlust führt zu Unterwerfung und Anpassung. Sauberkeit und Ordnung haben eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung. Das ungesteuerte kindliche Verhalten wird von den Eltern als chaotisch empfunden und bedrohlich empfunden.
  • Die Kinder haben ein sehr angepasstes und kontrolliertes Verhalten, aufgrund des aufgezwungenen Unterdrückungsmechanismus haben sie wenig offene Konflikte mit Eltern oder Lehrern.

Arbeit und Beruf

  • Ordnung und Genauigkeit können so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass die Arbeitsproduktivität erheblich absinkt.
  • Zwanghaft strukturierte Menschen wollen Kontrolle auch in ihrem Beruf ausüben. Oft fühlen sie sich in einer Hierarchie wohl, wo sie kontrolliert werden, aber auch selbst kontrollieren.
  • Da sie immer nur ein Oben oder Unten kennen, ist eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit ihnen erschwert.
  • Bei Entscheidungen treten oft Probleme auf, weil Wichtiges vom Unwichtigen nur schwer unterschieden werden kann.
  • Entscheiden zwanghafte über Menschen, vernachlässigen sie die damit verbundenen, ihnen unheimlichen, Emotionen.
  • Zwanghafte Vorgesetzte kontrollieren und ordnen intensiv und sind ständig damit beschäftigt ihren Machtbereich auszudehnen. Innovationen der Mitarbeiter werden eher bekämpft als gefördert.

Zentrale Beziehungswünsche

  • Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur suchen Beziehungen nach dem Muster des Kontrollierens und Machtausübens. Neben ebenfalls zwanghaften werden oft auch hysterische Partner gewählt, wenn deren Willkür beherrschbar und nicht zu ausgeprägt ist.
  • Treue ist ihnen schon aus ökonomischen Gründen wichtig und Ehen werden nicht selten aus Vernunftgründen geschlossen. Typisch sind Beziehungen mit langen Verlobungszeiten und wiederholte Aufschübe des Heiratstermins.
  • Aufgrund ihrer Kontrollzwänge und des Machtstrebens neigen sie zur Gestaltung patriarchaischer Familienstrukturen.

Umgang mit Trennungen

  • Trennungen bedeuten für zwanghaft Strukturierte immer auch gefürchtete Veränderungen. Sie ertragen es schlecht, wenn Menschen sich von ihnen trennen, ohne dass sie es wollen.
  • Allerdings wird eine Trauer über den Verlust des Partners als eingeschränkt erlebt, da zwanghaft strukturierte Menschen ihre Emotionen auch hier unterdrücken.
  • Der sich trennende Partner wird oft als undankbar empfunden, während sie sich selbst als großzügig erleben, wenn sie trotz großer Schwierigkeiten in der Beziehung mit dem Partner zusammenbleiben.

Umgang mit Kindern

  • Der Umgang zwanghaft strukturierter Menschen mit ihren Kindern gleicht oft einer strengen Dressur. Sie ist die Basis für die späteren Verhaltensweisen der Kinder.
  • Zwanghafte Eltern sozialisieren ihre Kindern nicht für Teamarbeit und Kooperation, sondern für Hierarchien.
  • Die Eigenständigkeit der Kinder kann so weit reduziert werden, dass ihnen nichts Kreatives einfallen darf, weil Neues Unruhe und Unordnung bringen könnte. Deshalb bleiben die Kinder später oft unter ihren anlagebedingten Möglichkeiten.
  • Strafen bis hin zu Erniedrigungen spielen in der Erziehung eine große Rolle.

Urlaub und Freizeitverhalten

  • Zwanghafte Strukturierte tätigen in der Regel keine spontanen Unternehmungen. Sie verbringen viel Freizeit mit Sammeln, Putzen und Ordnen. Die Freizeit wird weitgehend geplant, um Unvorhersehbares zu vermeiden.
  • Auch um Urlaub wird ein ritualisierter Tagesablauf bevorzugt. Sie können sich jedoch meist nicht gut entspannen, da sie befürchten, dass während ihrer Abwesenheit auf der Arbeitsstelle etwas durcheinander kommen könnte.
  • Sie neigen dazu, immer wieder den gleichen Urlaubsort oder zumindest das gleiche Urlaubsland aufzusuchen.
  • Da sie nur die eigenen Lebensform für richtig halten, kritisieren sie davon abweichende Verhaltensweisen und Dinge, die aus ihrer Sicht nicht gut funktionieren.

Kommende Termine

Benutzeranmeldung