Pilotprojekt: Psychische Erkrankungen bei Erwerbstätigen schneller erkennen und behandeln

Bei Depressionen vergeht nach wie vor in vielen Fällen zu viel Zeit bis zur richtigen Diagnose – nicht selten dauert es mehrere Jahre. In dieser Zeit kann die Erkrankung sehr wohl chronifizieren; damit wird sie auch schwerer behandelbar als im Anfangsstadium der Störung. Zudem wächst die Anzahl der Erwerbstätigen, die wegen einer depressiven Störung arbeitsunfähig werden; erschwerend bleiben sie zudem recht lange von ihrem Arbeitsplatz fern.

Seit 2011 gibt es ein Pilot-Kooperationsprojekt zur Integrierten Versorgung1 der Störungen zwischen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und den Krankenkassen BKK Salzgitter und BKK Publik und der TUI BKK. Das erklärte Ziel ist es, die psychischen Störungen durch eine frühe Diagnostik schneller behandeln zu können, eine Chronifizierung abzuwenden und damit lange Ausfallzeiten am Arbeitsplatz oder gar eine Frühverrentung zu vermeiden.

Wir haben nicht zuletzt am Fall Robert Enke gesehen, dass psychische Erkrankungen oft eine lange Vorgeschichte haben. Wenn nun die Krankheiten früh erkannt und behandelt werden, dann kann man damit nicht nur viel persönliches Unglück abfedern, sondern auch volkswirtschaftlichem Schaden vorbeugen. Schließlich sind die wachsenden Zahlen der Krankschreibungen und Frühverrentungen auch mit enormen Kosten verbunden. Letzten Endes geht es also wieder mal nur um die Einsparung des lieben Geldes als Triebfeder der als überaus positiv zu sehenden Entwicklung.

Das Pilotprojekt der MHH ist von bundesweitem Interesse und man kann sehr gespannt sein auf die ersten Ergebnisse und Erkenntnisse.

Bei den meisten der Patienten kam es nach einer langen Krankheitsodyssee erstmals zu einer eine ausführlichen psychiatrischen Diagnostik. Erst nach einer solchen Diagnostik kann eine Psychotherapie oder medikamentösen Therapie eingeleitet werden. Das Projekt belegt inzwischen schon nach der relativ kurzen Laufzeit, dass der verwendete Ansatz hochwirksam ist: Über 80 Prozent der Patienten sind inzwischen wieder erwerbstätig.

Das Kooperationsprojekt beinhaltet drei verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die von den Betroffenen schnell und unbürokratisch in Anspruch genommen werden können.

  • Die ambulante Psychotherapie ist eine Kurzzeittherapie von 25 Stunden. Die Psychologen der Institutsambulanz geben dort in Einzelgesprächen unter anderem „Hilfe zur Selbsthilfe“.
  • Die ambulante ärztliche Behandlung setzt sich zusammen aus regelmäßigen Terminen nach individuellem Bedarf einschließlich einer – falls nötig – medikamentösen Behandlung.
  • Und drittens ist da noch die Option einer stationären Aufnahme; vorgesehen ist eine intensivierte Behandlung im Umfang von zwei Wochen.

Quellen:
Klinik Aktuell I/2013

Weitere Informationen:
Professor Dr. Kai G . Kahl von der MHH, Telefon: 0511 532-2495.

  • 1. Integrierte Versorgung ist die Idee einer neuen „sektorenübergreifenden“ Versorgungsform im Gesundheitswesen. Sie fördert eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen und Sektoren (Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser), um die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken.

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