Reintegration ins Arbeitsleben

Reintegration ins Arbeitsleben

Nach Meisterung der Krise hat der Betroffene meistens das Problem, entgegen den allgemein üblichen Vorbehalten wieder im Arbeitsleben und damit ebenfalls im gesellschaftlichen Leben zu integrieren und wieder zu Selbstbewusstsein und Anerkennung zu kommen. Beim ersten Hinsehen erscheint dies als unmöglich, weil der Betroffene eine Menge an Merkmalen, die die moderne Leistungsgesellschaft vom   Arbeitnehmer erartet, nicht mitbringt:

  •   Er lässt sich von Problemen schnell entmutigen und neigt dazu, aufzugeben
  •   Er möchte die Erkrankung vor sich selbst und vor seinem Umfeld verbergen und sie nicht akzeptieren
  •   Er ist Belastungen nicht genügend gewachsen.
  •   Er schreckt vor Neuem zurück.
  •   Er hat wegen der Vorurteile Probleme damit, wieder Fuß zu fassen
  •   Es drohen mögliche neue Schübe der Erkrankung.
  •   Falls er unzuverlässig ist bei der Anwendung der Medikamente erfolgt ein Wegbrachen der ihm verbliebenen Belastbarkeit.

  
Wenn der Betroffene diese Merkmale an sich registriert, dann kann ihn das verstimmen und so weit bringen, dass er die Flinte ins Korn wirft und schon gar nicht mehr versucht, in der Arbeit sein Glück zu versuchen. Dabei stehen die Chancen dafür gar nicht so ungünstig wie es erscheinen mag:

  •   Im gesunden Zustand unterscheiden sich die Betroffenen in nichts vom gesunden Arbeitnehmer
  •   Unternehmen mit mehr als 16 Arbeitnehmern müssen ohnehin einen Schwerbehinderten einstellen oder aber eine Abgabe entrichten. Manche Betriebe sind ganz froh darüber, die Möglichkeit zu haben, jemanden mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit einzustellen, um diese Pauschale nicht berappen zu müssen. Die Zahlen besagen aber, dass die meisten diese Abgabe lieber bezahlen als einen Behinderten einzustellen.
  •   Arbeitsamt und psychiatrische Einrichtungen gewähren gute professionelle Angebote zur Reintegration psychisch Kranker in den Arbeitsprozess. Das beginnt mit dem Bewerbungstraining und endet beim Verhandeln mit dem zukünftigen Arbeitgeber.

  
Hilfsangebote der Arbeitgeber

In jedem Arbeitsamt gibt es einen Reha-Berater für erkrankte und behinderte Arbeitnehmer, der auch auf psychiatrische Problemlagen spezialisiert ist. Schon bei der telefonischen Vereinbarung eines Gesprächstermins sollte man darauf hinweisen, dass eine seelische Erkrankung vorliegt, um zu gewährleisten, dass man auch mit dem richtigen Ansprechpartner verbunden wird.

Erkrankte Jugendliche erhalten eine spezielle Rega-Beratung. Dabei geht es darum, ihnen Zugang zu verschaffen zu Berufsbildungswerken für Jugendliche, denen wegen der Erkrankung der Weg über eine reguläre Ausbildung verwehrt ist. Die Anforderungen sind dann geringer als im normalen Arbeitsleben, so dass die Jugendlichen auf jeden Fall einen beruflichen Abschluss als Fachwerker machen können. Beliebt sind dabei die Bereiche Holz, Metall, Farbe, Gärtnerei und Hauswirtschaft. Sozialarbeiter, Ärzte und Psychologen begleiten den kranken Jugendlichen und es gibt auch Sportangebote und Motivationstraining. Falls der Jugendliche stabiler geworden ist, kann er noch eine reguläre Ausbildung durchlaufen.

Sind die Jugendlichen zu krank, um eine Fachwerker Ausbildung zu machen, dann besteht für sie - wie auch für den Erwachsnen, der auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht einsetzbar ist, die Möglichkeit, in einer Werkstatt für Behinderte zu arbeiten. Dort erlernen die Arbeitnehmer wieder grundsätzliche Arbeitsfähigkeiten. Der Arbeitnehmer lernt, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, die abgesprochene Arbeitszeit durchzuhalten und die aufgetragenen Arbeiten zuverlässig zu erledigen. Stellt sich auch langfristig keine Besserung der Arbeitsfähigkeit ein, dann kann aus dem Reha-Arbeitsplatz ein Dauerarbeitsplatz werden.

Beim Bewerbungstrainig lernt der Betroffene

  •   Schlagfertigkeit
  •   mit Fragen zur Krankheit richtig umzugehen
  •   seine beruflichen Qualitäten so gut wie nur möglich zu verkaufen
  •   und der Bewerbungssituation auch gewachsen zu sein.

  
Ist der Betroffene nach der Erkrankung wiederhergestellt, dann stellt sich meistens die Frage, ob der mögliche Arbeitgeber von der Krankheit zu informieren ist oder nicht. Bei vielen Ablehnungen fragt sich der Bewerber zu Recht, ob die Bewerbung auch dann abgelehnt worden wäre, wenn sie in der Bewerbung unerwähnt geblieben wäre. Das ist nicht leicht zu beantworten. Hängt es doch davon ab, wie schwer und wie häufig der Betroffene bislang krank gewesen war und wie viel Leistungsfähigkeit er zu gesunden Zeiten mitbringt.

Einige Arbeitsämter empfehlen ja, in der schriftlichen Bewerbung die Erkrankung gar nicht aufzuzählen, um überhaupt in die engere Auswahl seitens des Arbeitsgebers zu kommen. Falls der Betroffene sicher ist, dass er die nötige Leistung erbringen kann und war er nicht gar so häufig krank, dann kann er die Erkrankung selbst im Vorstellungsgespräch verschweigen und sich auf den Standpunkt berufen, dass seine akute Phase ja vorüber sei. Falls die Erkrankung öfter auftrat und der Bewerber sich zusätzlicher Leistungseinbussen bewusst ist, dann empfiehlt es sich, den potentiellen Arbeitgeber über die Psychose in Kenntnis zu versetzen. Der Arbeitgeber würde das Verschweigen ansonsten als Vertrauensbruch bewerten und dann ist es ja so, dass viele Unternehmen ihre Schwerbehinderten-Quoten nicht voll erfüllen. Eventuell würde der Betrieb ja gerne einen Arbeitsplatz anbieten, der für Arbeitnehmer mit geringerer Belastbarkeit besser geeignet ist.

Ist die Belastbarkeit deutlich eingeschränkt, dann kann der Betroffene sich beim Arbeitsamt beim Reha-Berater um eine Gleichstellung zum Schwerbehinderten bemühen. Dann würde er den Kündigungsschutz genießen.

Angebote des berufsbegleitenden Dienstes

Berufsbegleitende Dienste (BBD) sind Fachdienste, die deutschlandweite von vielen Trägern und Organisationen angeboten werden. Vom Landeswohlfahrtsverband kann die aktuelle Liste mit Adressen angefordert werden. Der jeweilige BBD vermittelt dabei integrative und psychosoziale Hilfen. Das bedeutet, dass der BBD den Betroffenen über ein Praktikum in ein Arbeitsverhältnis vermittelt und begleitet bei Problemen am Arbeitsplatz oder in der Familie, wenn diese Schwierigkeiten das Arbeitsverhältnis betreffen. Der BBD beachtet dabei ganz besonders die erhöhte Verletzlichkeit des Betroffenen. Es geht also auch darum, Defiziite zu erkennen und auszugleichen und den Betroffenen zu stabilisieren.

Der BBD hat eine breite Angebotspalette im Angebot:

  •   Im intensiven Bewerbertraining wird im Rollenspiel das richtige Verhalten gegenüber Vorgesetzte und Arbeitskollegen einstudiert. Die Situationen werden mit einer Kamera aufgezeichnet und der Ablauf danach besprochen. Der Betroffene wird also sattelfest gemacht für die Rückkehr in das Unternehmen.
  •   Es werden Anforderungs- und Leistungsprofile erstellt, bevor der Betroffene an den Arbeitsplatz zurückkehrt oder aber eine neue Arbeit aufnimmt, damit sich der Betroffene nicht überschätzt.
  •   Den Arbeitgebern wird auf vielfältige Weise geholfen, da sie meistens nichts wissen über seelische Krankheiten und deshalb sehr unsicher sein können.
  •   In regelmäßigen begleitenden Gesprächen wird die Familie entlastet in Bezug auf Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, die nun einen zusätzlichen Raum finden.
  •   Fachberatung
  •   Bei der Verbesserung der Selbsteinschätzung geht es darum, dass der Betroffene erkennt, wann er psychisch instabil wird.
  •   Die Erweiterung der Handlungsfähigkeit wird ebenfalls in entsprechenden Rollenspielen eingeübt.
  •   Bei der Vermittlung in Spannungssituationen werden alle familiären und beruflichen Schwierigkeiten, die sich auf die Arbeit auswirken können, abgehandelt.
  •   Im sozialen Training erlernen Angehörige den Umgang mit erkrankten Kindern und Partnern.
  •   Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung.
  •   In einem mehrwöchigen Kurs wird in Kooperation mit dem Arbeitsamt anhand von Rollenspielen ein Bewerbungstraining angeboten, um das Bewerbungsgespräch besser zu meistern. Dabei steht ein Personalmitarbeiter eines Unternehmens  zur Verfügung, der sein Feedback gibt.
  •   Auswahl der Bewerber
  •   Persönlcihe Entlastung des Betroffenen durch eine dauerhafte Begleitung
  •   Vermittlung von Kontakten zu Angehörigen mit ähnlichen Sorgen.
  •   Förderung neuer Sichtweisen und des Verhaltenweisen bei Angehörigen und Unternehmen
  •   Verbesserung der familiären Kommunikation mittels sachbezogener Gesprächsführung

  
Die einzelnen Maßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten des Psychosekranken durchgeführt.

Die verschiedenen Angebote helfen dem Betroffenen, wieder ganz behutsam ins Berufleben zurückzufinden und es wird vermieden, dass seine Vulnerabilitätsschwelle überschritten wird. Natürlich ist die Akzeptanz der Krankheit der nötige allererste Schritt, den der Betroffene eher alleine gehen muss. Erst dann kann er lernen, mit der Erkrankung umzugehen wie ein gut eingestellter Diabetiker gut mit seiner Krankheit umzugehen lernt. Die dann erworbene Sicherheit im Umgang mit seiner Erkrankung macht es ihm dann möglich, fast so gut zu leben wie eine gesunde Person. Selbstredend erwartet jeder Personalleiter, dass sich der Betroffene intensiv mit seiner Krankheit auseinandersetzt.

Der BBD leistet auch Aufklärungsarbeit, um die Angst der Mitarbeiter zu mindern und damit den Betroffenen erheblich zu entlasten.

Die vielen Angebote demonstrieren, dass die Förderung der Betroffenen ernst genommen wird. Der jeweilige Betroffene hat also recht gute Chancen, trotz der Krankheit wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen.

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