Familienplanung

Planung von Kindern und Familie

Die Frage nach eigenen Kindern stellt sich für viele Paare und die Frage erhält zusätzliche Brisanz, wenn ein Partner gleichzeitig Betroffener ist. Fällt das Zusammenleben ohne Kindern ja ohnehin schon schwerer als gewöhnlich. Eventuell bleibt der gesunde Partner ja für längere Zeit auf sich allein gestellt wegen eines längeren Aufenthalts in der Klinik seitens des Betroffenen. Kinder verkomplizieren augenscheinlich das Zusammenleben. Zudem stellen sich viele zunächst ungelöste Fragen. Ob der kranke Partner nicht überfordert wird durch die zusätzliche Belastung. Wer sich um die Kinder kümmert während des Aufenthalts in der Klinik und so weiter.

Zentral ist häufig auch die Frage der Vererbbarkeit der Psychose an den Nachwuchs. Die Statistik beantwortet diese Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Kinder eines Paares mit einem seelisch kranken Partner auch psychisch erkranken. Diese Aussagen beruhen jedoch auf dem  Gesetz der großen Zahl. Damit kann man also keine Aussage treffen für ein bestimmtes Paar. Alles was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die Kinder von Betroffenen ein höheres Risiko haben, an einer Psychose zu erkranken als die Kinder gesunder Eltern.

Fest steht aber auch, dass alle Menschen die Disposition in unterschiedlicher Ausprägung sich tragen, einer Psychose zu begegnen. Schließlich kann jeder Mensch sich mit Krisen konfrontiert sehen, die durch Überlastung seiner Bewältigungsmöglichkeiten in eine Psychose münden können. Zwei Prozent aller Menschen durchleben im Laufe ihres Lebens eine psychotische Episode.

Versuchspersonen wurde in einem Experiment der Schlaf entzogen. Nach zwei Nächten fühlten sich die Personen wie gerädert und nach vier Nächten nahmen sie Dinge war, die gar nicht da waren. Die Halluzinationen nahmen im Lauf der Zeit zu. So nimmt die Person nach sieben, acht Nächten keine Menschen mehr wahr, sondern verschleimte Wurmmassen. Verfolgungswahn stellte sich zusätzlich ein sowie das Gefühl, die Ärzte wollten einem das Leben nehmen. Spätestens nach 15 Nächten arbeitet das Gehirn nicht mehr rational.

Psychosekranke Eltern haben häufiger psychosekranke Kinder, aber sie können ebenso gut gesunde Kinder bekommen. Es sieht jedoch so aus, dass die Vulnerabilitätsgrenze bei Kindern psychosekranker Eltern niedriger ist als die von Kindern gesunder Eltern. Die Grenze dieser Kinder, ab der sich die Belastung in eine Psychose umwandeln kann, ist also niedriger angesetzt. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass die Kinder auch wirklich eine Psychose durchleben werden. Eine weitere Rolle spielen dabei noch zusätzliche äußere Belastungen und eher ungeschickte Strategien zur Bewältigung von Konflikten und Beastungen.
Überlegt sich also ein Paar mit einem psychosekranken Partner, Kinder in die Welt zu setzen, dann können diese psychosekrank werden, müssen es aber nicht. Dennoch sollten die Partner darüber nachdenken, ob sie gegebenenfalls das Leben mit einem seelisch kranken Kind auch ertragen und die Situation auch gemeinsam meistern können. Sie werden auf jeden Fall eine sehr große Verantwortung haben für die Kinder.
Kinder psychisch kranker Eltern geben häufig an, dass sie unter der heimischen Situation sehr gelitten und kaum Hilfe gefunden haben.  Das Paar sollte sich also Gedanken machen darüber, wie die Situation des Kindes verbessert werden kann. Ein Buch, das sich mit diesen Themen besonders auseinandersetzt ist "Nicht von schlechten Eltern" von B.LISOFSKI und F.MATTEJAT. Auch existieren für betroffene Eltern und ihre Kinder drei Broschüren, die vom Dachverband psychosozialer Hilfsvereinigungen e.V. (Thomas-Mann-Straße 49a in 53111 Bonn) erhältlich sind:

  • "Wenn Deine Mutter oder Dein Vater in psychiatrische Behandlung muss"  für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren.
  • "Wenn Deine Mutter oder Dein Vater psychische Probleme hat"  für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren.
  • "Wenn eine Mutter oder ein Vater psychische Probleme hat... wie geht es dann den Kindern?" für betroffene Eltern.

Schon als Manuela noch ein Kleinkind war, litt sie sehr unter den heftigen Gefühlsausbrüchen ihrer Mutter. Das eine Mal ließ die Mutter ihre ganze Wut an Manuela aus und schlug sie mit dem Kochlöffel grün und blau. Das andere Mal beschäftigte sie sich stundenlang geduldig mit ihrer Tochter. Zum Einen saß die Mutter zu Tode betrübt in der Stube und registrierte dabei nichts mehr von dem, was um sie herum vorging. Zum Anderen war sie ausgelassen und sang fröhliche Lieder mit Manuela. Es kam vor, dass die Mutter ihre Tochter mit düsteren Aussagen über ihren Gesundheitszustand erschreckte und ihr baldiges Ableben vorhersagte. Manuela fühlte sich von all den verwirrenden Ereignissen übermannt.

Als Manuela etwas älter war, benutzte ihre Mutter sie als Ansprechpartnerin für ihre Probleme. Dabei erzählte sie Manuela, was sie alles bekümmerte und weinte sich an ihrer Tochter aus. Das Kind war von der Situation gänzlich überfordert, weil es nicht wusste, wie es der Mutter hätte helfen können. Auf der anderen Seite kümmerte sich niemand um Manuelas Probleme. Der seelisch gesunde Vater hielt sich von alledem gänzlich heraus. Manuela schämte sich für das oft unordentliche Zuhause und darüber, dass es keine geregelten Mahlzeiten gab. Freunde hatte sie keine gewinnen können, da ihr niemand beigebracht hat, wie man unbefangen mit anderen Menschen in Kontakt gerät und diesen auch hält. Manuela war Einzelgängerin Sie fühlte sich verantwortlich für die kranke Mutter und fühlte sich wie ein jämmerlicher Versager, weil sie der Mutter nicht helfen konnte.

Im Beispiel wird der gesunde Partner seiner Verantwortung keineswegs gerecht. Gerade der gesunde Partner trägt ein besonderes Maß an Verantwortung, da während der akuten Episode alles von ihm abhängt. So muss er den kranken Partner entlasten und gleichzeitig voll und ganz für die Kinder da sein. Zwar soll der akut erkrankte Partner den Kontakt mit den Kindern halten, doch bedürfen die Kinder in dieser Zeit der Versorgung durch einen gesunden Erwachsenen.

Wenn der Kinderwunsch sich einstellt, dann sollte Folgendes beachtet werden:

  •   Hat der Betroffene die Psychose soweit im Griff oder überfällt sie ihn wie aus heiterm Himmel?
  •   Falls der kranke Partner seine Psychose nicht im Griff hat, dann ist eher anzuraten, zunächst auf Nachwuchs zu verzichten. Der Betroffene sollte erst lernen, seine Psychose in den Griff zu bekommen durch Beobachtung der Frühwarnzeichen.
  •   Es muss klar sein, wer die volle Verantwortung trägt, wenn der Betroffene ausfällt. Dabei steht wohl in der Hauptsache der gesunde Partner in der Verantwortung. Es sollte vermieden werden, die Kinder wegen der Krise eines Elternteils in eine neue und ungewohnte Umgebung zu überführen oder sie gänzlich fremden Personen auszusetzen.
  •   Kinder sind nicht nur ein Grund der Freude sondern können den Betroffenen stark belasten. Der kranke Partner benötigt Unterstützung, wenn die Kinder krank sind, wenn es Probleme gibt und wenn schlaflose Nächte anstehen. Deshalb sind einer alleinerziehenden Betroffenen keine Kinder anzuraten. Sie bedarf auf jeden Fall eines gesunden Menschen, der sie während der Krise entlastet. Dafür könnten ihre Eltern in Frage kommen.
  •   Können die Kinder außer auf  den kranken Elternteil noch auf mindestens eine feste Bezugsperson zurückgreifen? Dies kann der gesunde Partner sein, muss es aber nicht. Die Hauptsache ist, dass jemand da ist, mit dem die Kinder während der Krise des Elternteils über ihre Probleme reden können. Die Kinder dürfen auf keinen Gall in die Rolle des Therapeuten für den kranken Elternteil geraten. Im Falle einer Krise muss der kranke Elternteil von der alleinigen Verantwortung für die Kinder entbunden sein.

  
Sollten nach Klärung der vorangehenden Fragen noch Zweifel bestehen, dann sollten beide Partner den Mut haben, auf Kinder zu verzichten. Denn auch dies kann von Verantwortungsbewusstsein zeugen. Im Prinzip sind ja die Kinder nicht für die Eltern da, sondern umgekehrt die Eltern für die Kinder. Das spricht für besonders viel Verantwortung und auch Belastung. Manche psychosekranke Eltern sagen von sich, dass sie besonders durch die Verantwortung für die Kinder motiviert wurden, sich intensiver mit ihrer Erkrankung zu  beschäftigen. Da sie für ihre Kinder gute Eltern darstellen möchten, tun sie alles, was in ihrer Macht steht, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Auch auf diese Weise können Kinder einen Zugewinn darstellen.

Ein eventuell seelisch krankes Kind ist auf jeden Fall kein unwertes Leben, das um jeden Preis verhindert werden muss. Gerade Menschen mit der Disposition, psychisch zu erkranken, bringen auch sehr viele positive Eigenschaften mit. Nicht zuletzt ist da beispielsweise ihre von Natur aus größere Sensibilität. Auch Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder gar Behinderung können sehr wohl ein glückliches und erfülltes Leben führen. Dennoch sollte man das anhaftende Risiko nicht unterbewerten. So bedeutet ein psychisch krankes Kind mehr Stress als ein normales. Auch kann es sehr schmerzhaft und belastet sein, das eigene Kind durch eine seelische Krise zu begleiten oder es gar einer Klinik überantworten zu müssen.. Die Eltern kehren ohne Kind nach Hause und sind sich zunächst selbst überlassen. Je nach Grad der Erkrankung kann es vorkommen, dass das Kind nicht mehr daheim leben kann, sondern eine spezialisierte therapeutische Einrichtung benötigt. Diese Art der Unterbringung muss übrigens von den Eltern mitfinanziert werden, wenn sie dazu in der Lage sind.

Sollte feststehen, dass das Kind seelisch krank ist, dann sollten die Eltern die psychotherapeutischen Hilfsangebote nutzen, die für diesen Fall zur Verfügung stehen. Natürlich kann ihnen letztendlich keiner die schwere Last abnehmen. Irrationale Gedanken wie die Frage nach der Schuld und warum es gerade die eigne Familie getroffen hat können die Eltern quälen. Dann sind da Fragen wie die,ob die Erkrankung nicht durch eine bessere medizinische Versorgung hätte abgewehrt werden können  oder ob man einen besseren Weg außer Acht gelassen habe. Solche Fragen können sich trotz psychotherapeutischer Hilfe durch das ganze Leben ziehen.

Wie wir gesehen haben, lässt sich die Frage nach der Familienplanung seelisch kranker Menschen nicht leicht beantworten. Kranke Eltern sollten um das Risiko wissen und genau abwägen, ob sie es eingehen möchten oder nicht.

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