Wenn Kinder zu betreuen sind

Kinderbetreuung

  1. Kinderbetreuung
    1. Auf einen Blick

      Eine Haushaltshilfe ist eine fremde oder verwandte Person, die die täglich anfallende Arbeit im Haushalt erledigt. Eine Haushaltshilfe übernimmt alle zur Weiterführung des Haushalts notwendigen Arbeiten, z.B. Einkauf, Kochen, Waschen oder Kinderbetreuung. Die Kosten werden normalerweise dann übernommen, wenn die Mutter ins Krankenhaus muss und daheim Kinder unter 12 Jahren zu versorgen sind. Zuständig können verschiedene Kostenträger sein, bei denen dann der entsprechende Antrag zu stellen ist. Die Kostenträger stellen entweder eine Haushaltshilfe oder erstatten deren tariflichen bzw. ortsüblichen Kosten. Die Haushaltshilfe bedarf der Beantragung.

    2. Voraussetzungen

      Haushaltshilfe kann eine Leistung der Krankenversicherung, der Unfallversicherung oder der Rentenversicherung sein, bei Geringverdienenden oder nicht Versicherten auch eine Leistung der Sozialhilfe, die sich dabei an den Leistungen der Krankenversicherung orientiert.

      • Voraussetzungen Krankenversicherung

        Die Krankenkasse stellt eine Haushaltshilfe, wenn:

        1. die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist wegen Krankenhausbehandlung, medizinischer Vorsorgeleistungen, häuslicher Krankenpflege oder Medizinischer Rehabilitation
        2. und ein Kind im Haushalt lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat
          oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist, z.B. für Ernährung, Körperpflege, seelische Betreuung
        3. und keine im Haushalt lebende Person 1 den Haushalt weiterführen kann, z.B. wegen sehr hohem Alter, schlechtem Gesundheitszustand, des Umfangs der Haushaltsführung.
        4. Wichtig ist hierbei, dass sich die andere im Haushalt lebende Person2 nicht wegen der Weiterführung des Haushalts von ihrer Berufstätigkeit, Berufs- oder Schulausbildung beurlauben lassen muss; der Haushaltsangehörige kann also seine eigene berufliche oder schulische Rolle beibehalten.
        • Ausnahmsweise Kostenübernahme auf Anfrage

          Gesetzlich Versicherte können sich bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob sie über die genannten Voraussetzungen hinaus freiwillig die Haushaltshilfe übernimmt 3. Voraussetzung ist, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die angeführte Voraussetzung nicht von der freiwilligen Erstattung der angegebenen Voraussetzung durch die Krankenkasse ausgeschlossen hat.

      • Voraussetzungen Unfallversicherung

        Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn:

        1. die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist wegen Medizinischer Rehabilitation oder Teilhabe am Arbeitsleben (infolge von Arbeitsunfall oder Berufskrankheit)
        2. und ein Kind im Haushalt lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat
          oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist4
        3. und keine im Haushalt lebende Person 5 den Haushalt weiterführen kann, z.B. wegen sehr hohem Alter, schlechtem Gesundheitszustand, des Umfangs der Haushaltsführung.
          • Wichtig ist hierbei, dass sich die andere im Haushalt lebende Person (z.B. der Ehepartner oder ältere Kinder) nicht wegen der Weiterführung des Haushalts von ihrer Berufstätigkeit, Berufs- oder Schulausbildung beurlauben lassen muss, d.h. der Haushaltsangehörige kann seine eigene berufliche oder schulische Rolle beibehalten.
      • Voraussetzungen Rentenversicherung

        Der Rentenversicherungsträger übernimmt die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn:

        1. die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist wegen Medizinischer Rehabilitation oder Teilhabe am Arbeitsleben
        2. und ein Kind im Haushalt lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat
          oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist6
        3. und keine im Haushalt lebende Person 7 den Haushalt weiterführen kann, z.B. wegen sehr hohem Alter, schlechtem Gesundheitszustand, des Umfangs der Haushaltsführung.
          • Wichtig ist hierbei, dass sich die andere im Haushalt lebende Person 8 nicht wegen der Weiterführung des Haushalts von ihrer Berufstätigkeit, Berufs- oder Schulausbildung beurlauben lassen muss, d.h. der Haushaltsangehörige kann seine eigene berufliche oder schulische Rolle beibehalten.
      • Außerdem sind die rentenversicherungsrechtlichen Voraussetzungen zu den ergänzenden Leistungen zur Reha zu erfüllen.
  2. Praxistipps
    • Es sollte schon im Vorfeld individuell zusammen mit der Krankenkasse abgeklärt werden, in welchem Umfang die Kostenübernahme für eine Haushaltshilfe in der Satzung festgelegt ist.
    • Anspruch auf Haushaltshilfe besteht auch bei Mitaufnahme der haushaltsführenden Person als Begleitperson ins Krankenhaus 9. Zudem müssen die weiteren o.g. Voraussetzungen vorliegen.
    • Wurde der Antrag auf eine Haushaltshilfe abgelehnt und leben Kinder im Haushalt, deren Versorgung infolge der Erkrankung der Mutter/des Vaters nicht gewährleistet ist, kann beim Jugendamt ein Antrag auf ambulante Familienpflege gestellt werden. Näheres bei den Ausführungen zu Betreuung und Versorgung eines Kindes in Notsituationen.
  3. Leistungsumfang
    • Sachleistungserbringung

      Vorrangig erbringen die Krankenkassen, die Berufsgenossenschaften und die Rentenversicherungsträger eine Sachleistung und keine Geldleistung, d.h.: Sie bezahlen eine Haushaltskraft einer Vertragsorganisation, die sich der Versicherte in der Regel selbst aussuchen kann.

      Die Krankenkassen haben mit geeigneten Organisationen 10 Verträge über die Erbringung von Haushaltshilfe geschlossen. Haushaltshilfekräfte dieser Vertragsorganisationen erbringen die Leistung und rechnen dann direkt mit der Krankenkasse ab.

    • Selbst beschaffte Haushaltshilfe

      Wenn die Sachleistungserbringung nicht möglich ist, werden die Kosten für eine selbst beschaffte Haushaltshilfe in angemessener Höhe, d.h. in Anlehnung an das tarifliche oder regional übliche Entgelt einer Haushaltshilfe, von Krankenkasse oder Berufsgenossenschaft übernommen. Dies muss unbedingt schon im Vorfeld mit dem jeweiligen Leistungsträger abgesprochen und von diesem, am besten schriftlich, genehmigt sein.

      Für Verwandte und Verschwägerte bis zum 2. Grad11 werden nur die angefallenen Fahrtkosten und der Verdienstausfalls erstattet. Eine Kostenerstattung für eine selbst beschaffte Haushaltshilfe kommt in diesem Falle nicht in Frage.

    • Fahrtkosten, Verdienstausfall

      Die Krankenkassen, die Berufsgenossenschaften und die Rentenversicherungsträger können die erforderlichen Fahrtkosten und den Verdienstausfall für Verwandte und Verschwägerte bis zum 2. Grad12 erstatten.

      Den Verdienstausfall muss der Arbeitgeber schriftlich bestätigen. Entsprechende Formulare gibt es bei den Kostenträgern.

    • Anderweitige Unterbringung

      Ausnahmsweise können die zuständigen Kostenträger anstelle der Haushaltshilfe die Kosten für die Mitnahme oder anderweitige Unterbringung der Kinder bis zur Höhe der Haushaltshilfe-Kosten übernehmen, so weit darunter der Reha-Erfolg nicht leidet. Dies gilt vornehmlich bei Gewährung der Haushaltshilfe-Leistung durch die Unfallversicherung bzw. die Rentenversicherung 13.

  4. Zuzahlung

    Die Zuzahlung beträgt 10 % der Kosten pro Kalendertag, jedoch mindestens 5,- € und höchstens 10,- €. Eine Befreiung von der Zuzahlung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich. Die zuständige Krankenkasse informiert über eine mögliche Zuzahlungsbefreiung.

  5. Wer hilft weiter?

    Antragsformulare für eine Haushaltshilfe gibt es bei den Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften und den Rentenversicherungsträgern. Sie beraten auch bei Detailfragen und geben individuelle, auf den speziellen Einzelfall zugeschnittene, Auskünfte.

  6. Gesetzesquelle(n)

    (§ 38 SGB V - § 28 SGB VI i.V.m. §§ 44, 54 SGB IX - § 42 SGB VII i.V.m. §§ 44, 54 SGB IX)

Tagesmutter / Tagesvater / Tagespflege von Kindern

  1. Auf einen Blick

    Die Tagespflege im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe, im allgemeinen "Tagesmutter" genannt, dient der Förderung und Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren, üblicherweise bis zum 3. Lebensjahr. Oft wird sie bei Berufstätigkeit der Eltern nötig. Die Kosten einer Tagespflege durch eine Person mit "Pflegeerlaubnis" kann das Jugendamt bei niedrigem Einkommen der Eltern übernehmen.

  2. Definition Tagesmutter / Tagespflegeperson

    Eine Tagesmutter ist eine sogenannte "Tagespflegeperson", die Kinder

    • in kindgerechten Räumen außerhalb des Haushalts des Erziehungsberechtigten,
    • während eines Teils des Tages (nicht jedoch über Nacht)
    • mehr als 15 Stunden wöchentlich
    • länger als 3 Monate
    • gegen Entgelt

    betreut.

  3. Pflegeerlaubnis

    Um als Tagespflegeperson tätig zu werden bedarf es einer Pflegeerlaubnis. Diese erlaubt die Betreuung von bis zu maximal 5 fremden Kindern (regional unterschiedlich) und ist auf 5 Jahre befristet.

    Tagesmütter sollen vertiefte Kenntnisse zu den Anforderungen der Kindertagespflege haben, die sie in qualifizierten Lehrgängen oder auf andere Weise erworben haben.

  4. Kosten

    Eltern und Kinder tragen die Kosten der Tagesmutter und ihrer Aufwendungen selbst, so weit sie finanziell dazu in der Lage sind.

    Das Jugendamt übernimmt auf Antrag die Kosten und die Aufwendungen ganz oder teilweise, abhängig vom Einkommen der Eltern und der Kinder. Die Sätze für die Tagespflege unterscheiden sich je nach Kommune, Betreuungsdauer und Alter des Kindes. Die Sätze können beim Jugendamt und den die Tagespflege vermittelnden Stellen erfragt werden.

  5. Wer hilft weiter?

    Individuelle Auskünfte für den entsprechenden Einzelfall erteilt das zuständige Jugendamt.

  6. Gesetzesquellen
    • seit 31. Januar 2013 Zustimmung des Bundestags zu einem neuen Bundesgesetz
    • §§ 23, 43 SGB VIII

Wenn eine Notsituation eintritt

  1. Auf einen Blick

    Das Jugendamt ist zuständig, wenn für die Betreuung und Versorgung von Kindern in Notsituationen nötig ist. Die Betreuung erfolgt in der Regel im elterlichen Haushalt. Voraussetzung für die Leistung des Jugendamts ist allerdings nachrangig, es wird also erst geprüft, ob nicht die Krankenkasse eine Haushaltshilfe stellt.

  2. Umfang

    Das Jugendamt soll die Betreuung und Versorgung von Kindern (0 bis noch nicht 14 Jahre alt) in Notsituationen sicherstellen (Kinder- und Jugendhilfegesetz). Diese Leistung wird auch "ambulante Familienpflege" genannt und ist beim Jugendamt zu beantragen (sogenannter Antrag auf ambulante Familienpflege). Es besteht allerdings kein Rechtsanspruch darauf.

    Die Betreuung und Versorgung erfolgt

    • in der Regel im elterlichen Haushalt,
    • ausnahmsweise bei einer Pflegefamilie oder in einem Heim für Minderjährige.

    Unter "Betreuung und Versorgung" fallen

    • Erziehung des Kindes
    • Aufsicht über die Erledigung der Hausaufgaben
    • Zubereitung der Mahlzeiten
    • sonstige Haushaltsführung
  3. Voraussetzungen
    1. Der Elternteil, der die überwiegende Betreuung des Kindes übernommen hat, fällt aus gesundheitlichen oder anderen zwingenden Gründen 14 aus.
    2. Der andere Elternteil ist wegen berufsbedingter Abwesenheit nicht in der Lage, die Betreuung und Versorgung des Kindes wahrzunehmen.
    3. Die Hilfe ist für das Wohl des Kindes erforderlich.
    4. Betreuung und Versorgung in Kindertagesstätten oder als Tagespflege von Kindern reichen nicht aus.
    5. Die Krankenkasse bewilligt keine oder nur eine teilweise Haushaltshilfe.
    • Vorrang der Krankenversicherung

      Die Haushaltshilfe als Leistung der Krankenversicherung ist vorrangig. Zuerst muss also die Haushaltshilfe bei der Krankenkasse beantragt werden. Nur wenn dieser Antrag abgelehnt oder nur teilweise bewilligt wird, kann die Betreuung und Versorgung des Kindes beim Jugendamt beantragt werden.

  4. Kosten

    Das Jugendamt trägt ganz oder teilweise die Kosten der Vollzeitpflege. Die Eltern, Kinder, Jugendlichen und deren Ehegatten/Lebenspartner werden zu diesen Kosten herangezogen. Deren Kostenbeitrag richtet sich nach der Kostenbeitragsverordnung und ist n der Höhe regional unterschiedlich. Individuelle Informationen erteilt hierzu das zuständige Jugendamt.

  5. Wer hilft weiter?

    Nähere Auskünfte erteilt das zuständige Jugendamt.

  6. Gesetzesquelle(n)
    • (§ 20 SGB VIII)

Vollzeitpflege

  1. Auf einen Blick

    Vollzeitpflege ist eine Form der Erziehungshilfe des Jugendamts. Das Kind wird von seiner Familie getrennt. Unterschieden werden

    • eine kurzzeitig angelegte Vollzeitpflege im Fall akuter Krisensituationen
    • und eine dauerhafte Vollzeitpflege in einem Heim, einer Pflegefamilie oder einer betreuten Wohneinrichtung.
  2. Formen der Pflegestellen

    Vorrangig gegenüber der Vollzeitpflege, die mit einer Trennung des Kindes oder Jugendlichen von der Familie verbunden ist, sind familienergänzende Maßnahmen wie Erziehung im Rahmen einer sozialpädagogischen Familienhilfe oder in einer Tagesgruppe. Falls solche Voraussetzungen vorliegen, dann ist die Vollzeitpflege nachrangig.

    Vollzeitpflegestellen können befristet und unbefristet sein. Folgende Formen zählen zur Vollzeitpflege:

    • Kurzzeitpflegestelle
      • Als Bereitschaftspflegestelle für Kinder und Jugendliche, die wegen familiärer Konflikte sehr rasch aus der Familie herausgenommen werden müssen.
      • Als Übergangspflegestelle für Kinder und Jugendliche, bei denen die Erziehung in der Familie nicht sichergestellt ist. In der Regel handelt es sich dabei nicht um Konflikte, sondern um Krisen, die z.B. durch Krankenhausaufenthalt des erziehenden Elternteils und berufliche Unabkömmlichkeit des anderen Elternteils verursacht werden.
    • Dauerpflegestelle
      • Bei einer Pflegefamilie, die den Charakter einer Ersatzfamilie hat.
      • In einem Heim (Heimerziehung).
      • In einer betreuten Wohnform.

      Diese Pflegestelle wird durch das Jugendamt vermittelt, kann allerdings auch selbst vom Erziehungsberechtigten gesucht werden, wobei im letzteren Fall diese Vollzeit-Pflegestelle der Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt bedarf.

      Bei Kindern bis zu einem Alter von 10 Jahren ist die Vollzeitpflege bei einer Pflegefamilie gegenüber der Heimunterbringung vorrangig.

    • Adoptionspflege
      • in der Erprobungsphase für Kinder und Jugendliche.
      • als offene Adoptionsstelle mit Einfluss der leiblichen Eltern/Mutter darauf, zu wem ihr Kind kommt, und regelmäßigen Informationen über das Kind von den Adoptiveltern an die leiblichen Eltern.
      • als geheime Adoptionsstelle ohne Informationsfluss zwischen leiblichen und Adoptionseltern.

      Die Adoption ist keine Leistung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, sondern wird zivilrechtlich im BGB geregelt.

  3. Rechtsstellung

    Die Vollzeitpflegeperson bzw. Vollzeitpflegefamilie hat folgende Rechtsstellung:

    • Die Pflegefamilie wurde vom Bundesverfassungsgericht unter den Grundrechtsschutz des Art. 6 I, III GG gestellt.
    • In der Regel ist aber das Grundrecht der sorgeberechtigten (leiblichen) Eltern15 vorrangig.
    • Bei Interessenkollisionen im Verhältnis "Kind - Pflegeeltern - leibliche Eltern" ist immer das Kindeswohl ausschlaggebend.
    • Die Pflegepersonen sind gesetzlich16 berechtigt, in Angelegenheiten des täglichen Lebens für das Kind allein zu entscheiden und dabei die Sorgerechtsinhaber (= leibliche Eltern) zu vertreten.
    • Angelegenheiten des täglichen Lebens

      Als Angelegenheit des täglichen Lebens gilt, was häufig vorkommt und keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes hat. Hierzu zählen z.B.:

      • Kaufverträge
      • Vereinsbeitritt (z.B. Sportverein)
      • Übliche ärztliche Behandlungen
      • Unterschriften unter Klassenarbeiten und Zeugnisse
      • Zustimmung zur Teilnahme an Klassenfahrten

      Nicht dazu zählen Grundentscheidungen zum Schulbesuch, zur Schul-, Ausbildungs- und Berufswahl.

    • Gefahr in Verzug

      Bei Gefahr im Verzug bzw. sogenannten Eilentscheidungen besteht gleichermaßen eine Vertretungsbefugnis (§ 1629 Abs. 1 BGB). Dies ist vorwiegend bei eilbedürftigen ärztlichen Behandlungen der Fall, die über das übliche Maß hinausgehen, aber zum Wohl des Kindes unverzichtbar sind. In der Regel sollte auch das Kind oder der Jugendliche in eine Heilbehandlung einwilligen, wenn es/er die Tragweite des Eingriffs und die Erklärungen dazu versteht.

      Der Erziehungsberechtigte ist allerdings unverzüglich zu informieren.

    • Einschränkung der Vertretungsbefugnis der Pflegeeltern

      Die gesetzliche Vertretungsbefugnis der Pflegeeltern kann durch den Sorgerechtsinhaber eingeschränkt werden, jedoch nur unter dem Vorbehalt, dass den Pflegeeltern die Entscheidungs- und Handlungsbefugnisse zur Erfüllung ihrer Aufgabe und Pflichten im Rahmen der Erziehung, Pflege und Aufsicht erhalten bleiben.

  4. Pflegeerlaubnis

    Wer ein Kind oder einen Jugendlichen über Tag und Nacht aufnimmt, braucht eine Pflegeerlaubnis. Sie wird vom örtlich zuständigen Jugendamt erteilt. Freie Träger können zwar Pflegepersonen vermitteln, aber keine Pflegeerlaubnis erteilen.

    Die Pflegeerlaubnis wird nur erteilt, wenn die überprüfte Pflegestelle das Wohl des Kindes gewährleisten kann. Pflegepersonen mit Pflegeerlaubnis sind verpflichtet, das Jugendamt über wichtige Ereignisse zu unterrichten, die das Wohl des Kindes betreffen.

    • Ausnahmen

      Keine Pflegeerlaubnis brauchen:

      • Pflegepersonen, die Kinder und Jugendliche direkt vom Jugendamt vermittelt bekommen
      • Personen, die bereits als Vormund oder Pfleger für das Kind oder den Jugendlichen tätig sind
      • Verwandte und Verschwägerte bis zum 3. Grad
      • Kurzzeitpflegepersonen bis zu 8 Wochen
      • Aufnehmende Familien im Rahmen von Jugend- und Schüleraustausch
      • Aufnehmende einer Adoptionspflege

      Die Pflegeerlaubnis darf nicht mit Bedingungen oder Auflagen verbunden werden. Die Pflegestellen können jedoch vom Jugendamt immer wieder überprüft werden.

      Die Pflegeerlaubnis ist den Pflegeeltern zu entziehen, wenn das Wohl des Kindes oder Jugendlichen in der Pflegestelle gefährdet ist und die Pflegeperson nicht bereit oder in der Lage ist, die Gefährdung abzuwenden.

  5. Sonderpflegestellen

    In Sonderpflegestellen betreuen fachlich kompetente Pflegeeltern schwer verhaltensauffällige, entwicklungsbeeinträchtigte oder behinderte Kinder und Jugendliche in therapeutischer Weise.

    • Für seelisch behinderte Kinder ist das Jugendamt zuständig. Die Leistung heißt Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche.
    • Für geistig oder körperlich behinderte Kinder ist neben der Kinder- und Jugendhilfe auch die Sozialhilfe zuständig. Diese Leistung wird als Eingliederungshilfe für Behinderte bezeichnet, gehört aber sozialrechtlich gesehen zu einem anderen Bereich.
  6. Heim oder Pflegefamilie?

    Ob die Erziehung bei einer Pflegefamilie oder in einem Heim stattfinden soll, orientiert sich maßgeblich an folgenden Überlegungen:

    • Liegen Störungen vor, die im familiären Bereich nicht bewältigt werden können, sondern professionellen Einsatz erforderlich machen?
    • Ist eine zeitlich begrenzte Herausnahme aus der Familie zur Bewältigung einer vorübergehenden Konfliktsituation empfehlenswert?
    • Ist die Heimerziehung ein geeigneter und notwendiger Schritt zur Ablösung von der Familie?
  7. Kosten

    Das Jugendamt trägt die Kosten. Die Eltern, Kinder, Jugendlichen und deren Ehegatten/Lebenspartner werden jedoch zu diesen Kosten herangezogen. Der Kostenbeitrag richtet sich nach der Kostenbeitragsverordnung und kann in der Höhe regional unterschiedlich ausfallen. Weitere Informationen können beim Jugendamt eingeholt werden.

  8. Weitere Leistungen des Jugendamts bei Vollzeitpflege
    • Unterhaltsleistungen

      Zu den Unterhaltsleistungen gehört der gesamte regelmäßig wiederkehrende Bedarf, so u.a. die Kleidung sowie unter Umständen auch einmalige Zuschüsse und Beihilfen z.B. für die Erstausstattung einer Pflegestelle oder für Urlaubs- und Ferienreisen des Kindes oder Jugendlichen.

      Der Deutsche Verein hat einheitlich für alle Bundesländer Empfehlungen für die Pauschalbeträge hinsichtlich der Unterhaltsleistungen bei Vollzeitpflege in einer Pflegefamilie ausgesprochen:

      • für die Kosten der Erziehung für Kinder bis 18 Jahre: 220,- € monatlich
      • materielle Aufwendungen bis zum 6. Lebensjahr: 473,- € monatlich
      • materielle Aufwendungen bis zum 12. Lebensjahr: 547,- € monatlich
      • materielle Aufwendungen über dem 12. Lebensjahr: 628,- € monatlich

      Die verbindliche Festsetzung der Pauschalbeträge obliegt jedoch der jeweiligen Landesbehörde.

    • Taschengeld

      Barbetrag bei vollstationären Hilfen zur persönlichen Verfügung des Kindes oder Jugendlichen 17.

      Die Höhe dieses Barbetrags wird von der jeweiligen Landesbehörde festgesetzt.

    • Krankenhilfe

      (§ 40 SGB VIII)

      Krankenhilfe gibt es, wenn für das Kind oder den Jugendlichen kein Krankenversicherungsschutz besteht (in der Regel über die Familienversicherung abgedeckt). Der Leistungsumfang entspricht der Gesundheitshilfe des Sozialamts.

    • Praxistipp

      Nach der Vollzeitpflege kann für junge Erwachsene unter Umständen auch eine Nachbetreuung (Hilfe für junge Volljährige) in Frage kommen.

  9. Wer hilft weiter?

    Weitere Informationen geben die örtlichen Jugendämter und der Kinderschutzbund, sowie folgende Verbände:

    • PFAD - Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V., Oranienburger Str. 13-14, 10178 Berlin, Telefon 030 94879423. Landesverbände finden sich unter http://www.pfad-bv.de.
    • Arbeiterwohlfahrt Bundesverband
      Blücherstr. 62/63, 10961 Berlin, Telefon 030 26309-0
    • Diakonisches Werk, Adoptionszentrale
      Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart, Telefon 0711 2159-0
    • Sozialdienst katholischer Frauen Zentrale e.V.
      Agnes-Neuhaus-Str. 5, 44135 Dortmund, Telefon 0231 557026-0
    • Deutscher Caritasverband
      Karlstr. 40, 79104 Freiburg/Breisgau., Telefon 0761 200-0
  10. Gesetzesquellen

    (§§ 33, 44 SGB VIII)

Kosten der Kinderbetreuung

Sozialpädagogische Familienhilfe

Quellen:

  • 1. auf Volljährigkeit kommt es nicht an
  • 2. z.B. der Ehepartner oder ältere Kinder
  • 3. § 11 Abs. 6 SGB V
  • 4. z.B. für Ernährung, Körperpflege, seelische Betreuung
  • 5. auf Volljährigkeit kommt es nicht an
  • 6. z.B. für Ernährung, Körperpflege, seelische Betreuung
  • 7. auf Volljährigkeit kommt es nicht an
  • 8. z.B. der Ehepartner oder ältere Kinder
  • 9. Grundsatzurteil des BSG vom 23.11.1995
  • 10. z.B. Trägern der freien Wohlfahrtspflege, ambulanten Pflegediensten oder Sozialstationen
  • 11. d.h.: Eltern, Kinder, Großeltern, Enkelkinder, Geschwister, Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Großeltern des Ehepartners, Schwager/Schwägerin
  • 12. d.h.: Eltern, Kinder, Großeltern, Enkelkinder, Geschwister, Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Großeltern des Ehepartners, Schwager/Schwägerin
  • 13. § 54 Abs. 2 SGB IX
  • 14. z.B. Pflegebedürftigkeit, Teilnahme an Bildungsmaßnahmen für die beabsichtigte Aufnahme einer Berufstätigkeit, Inhaftierung, Todesfall
  • 15. Art. 6 II GG
  • 16. (§ 1688 BGB
  • 17. § 39 SGB VIII

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