Was hat die Krise mit der Beziehung zu tun?

Was hat die Krise mit der Beziehung zu tun?

Zunächst einmal ist zu klären bei der Frage, was die Krise mit der Beziehung zu tun hat, was der Unterschied ist zwischen der Beziehung mit einem psychosekranken Menschen und einer normalen Beziehung.
Ein Psychosekranker ist zunächst einmal deutlich verletzlicher als ein normaler Mensch und es besteht ein starkes Gefällt in der Sensibilität der beiden Partner.

Da gibt es das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse. Ein Prinz sucht sich eine Prinzessin, um diese zu heiraten. Um die richtige Kandidatin zu finden, prüft er, ob es sich auch wirklich um eine Prinzessin handelt. Also versteckt er unter 100 Bettmatratzen eine Erbse. Die jeweiligen Anwärterinnen sollen nun die Nacht auf dem präparierten Nachtlager verbringen. Die Prinzessin klagt dann am nächsten Morgen darüber, dass sie kaum schlafen konnte, weil sie etwas Hartes gedrückt hat. An dieser tiefen Sensibilität erkennt nun der Prinz, dass es sich um eine wahre Prinzessin handelt. Er heiratet die Prinzessin dann.
Die im Märchen so positiv hervorgehobene Sensibilität ist wenig alltagstauglich und auch sehr anstrengend. Der hypersensible Partner braucht einen bis zur Selbstaufgabe rücksichtsvollen Gefährten, um in der Partnerschaft überleben zu können. Keine Partnerschaft kann dieses Gefällt auf Dauer ertragen. Muss immer nur einer zurückstecken, damit sich der Andere auch wohl fühlt, dann wird sich ersterer bald ungerecht behandelt fühlen. Die Freude an der Beziehung wird abflauen und der gesunde Partner wird aus ihr ausbrechen.

Bei einer Partnerschaft mit einem Psychosekranken geht es um Folgendes:

  •   Da besteht ein Gefälle in der Sensibilität. Der kranke Partner fühlt sich wegen seiner höheren Sensibilität oft zutiefst verletzt. Der dickfelligere Partner hat demgegenüber oft das Gefühl, zurückstecken zu müssen.
  •   Medikamente und Psychotherapie können die extreme Verletzlichkeit kompensieren. Der gesunde Partner muss keine übermäßige Rücksicht an   den Tag legen. Der kranke Partner kann die alltäglichen und normalen Reibungen aushalten.
  •   Der kranke Partner ist weniger konfliktfähig. Verwehrt sich der gesunde Partner gegen dieses grundsätzliche Rücksichtnehmen, dann kann es zum Bruch kommen.

  
Das Zusammenleben bietet oft Ansatzpunkte für Spannungen:

  •   Das Geld ist einer davon. Einer der Partner ist Hauptverdiener und kann den Eindruck gewinnen, dass er vom anderen ausgenutzt wird. Der andere Partner fühlt sich demgegenüber wieder abhängig vom verdienenden Partner. Einer will sparen, der andere das Geld auch ausgeben. Der eine investiert lieber in Aktien und  der andere in Erlebnisse. Der eine benötigt Designermöbel und modische Kleidung, während der andere dies als Verschwendung begreift. Der eine zieht den Einkauf im Supermarkt dem häufigen Besuch von Restaurants vor.
  •   Der Sex gehört auch dazu. Das Verlangen nach Zärtlichkeit und Sex ist bei beiden Partnern nur kaum zur selben Zeit vorhanden. Das Gefühl ist ist selbst dann oft noch verschieden stark ausgeprägt. So entsteht die Situation, dass der eine Lust verspürt und der andere nicht. Der Verlangende fühlt sich zurückgewiesen und der andere fühlt sich bedrängt. Der eine will etwas Neues testen und der andere verspürt keine Lust dazu. Es entstehen also Spannungen.

  Auch bezüglich der Interessen kann es zu Spannungen kommen. So möchte der eine möglichst oft hinaus in die Welt, um etwas zu erleben und Anregungen zu erhalten. Der andere zieht es dagegen vor, sich auszuruhen und bei einem Glas Wein einen gemütlichen Abend beim Fernsehen zu verbringen. Für den einen ist der Vereinsabend das Wichtigste und der andere möchte die Leute dort so langsam nicht mehr sehen. Während der eine einen Science-Fiction sehen möchte, plädiert der andere eher für einen Liebesfilm. Zieht der eine den Urlaub in den Bergen vor, so zieht der andere es vor, in Mallorca auf dem Ballermann die Nächte durchzufeiern.
  Die Erziehung der Kinder kann ein weiterer Streitpunkt sein. Bei gemeinsamen Kindern lässt es sich vortrefflich über die verschiedenen Methoden streiten. Während der eine Wert auf Gehorsam legt, mag der andere den Schwerpunkt auf Selbstbewusstsein legen. Kinder müssen lernen zu verzichten mag des einen Meinung sein, während der andere davon ausgeht, den Kindern müsse jeder Wunsch erfüllt werden. Präferiert der eine die gesunde Kost, so mag der andere beschwichtigen, Pommes und Cola in Maßen hätten noch keinem geschadet.

  Leben zwei Menschen gemeinsam, dann finden sich regelmäßig deren Eltern mit Hintergrund.  Und die Schwiegereltern haben oft das Bedürfnis, sich im Leben ihrer Kinder mit einzubringen. Der eine mag es als Fürsorge verspüren, wenn die Mutter stets mit Rat und Tat bereit steht. Der Partner mag diese Eingriffe jedoch als empfindliche Störung bewerten. Das Bedürfnis des einen mag es sein, ein herzliches Eltern mit den Schwiegereltern zu pflegen, während der andere dieselben auf den Mond wünscht.

  Die Treue ist ein weiterer Punkt, der zu beachten ist. So trifft man in einer langjährigen Partnerschaft ganz automatisch auf andere attraktive Menschen. Die Spannweite der Gefühle reicht dann von Sympathie bis zum Verliebtsein. Das Neue reizt eben. Ist es um die Partnerschaft gerade nicht so gut bestellt, dann ist man besonders verführbar. Es ist ein besonders angenehmes Gefühl, dem anderen Geschlecht noch etwas zu bedeuten. Man kann sich dabei denken, bislang etwas verpasst zu haben im Leben.

  In Sachen Ordnung lässt der eine alles stehen und liegen, während der andere sich darüber ärgert, stets hinter dem Partner her aufräumen zu müssen. Ärgert den einen jeder Staubkorn, mag der andere erst dann Hand anlegen, wenn Besuch kommt. Für den einen bedeutet das Geschirr in der Abspüle eine Störung, während der andere eher noch etwas dazu stellt.

Wie sich oben leicht ablesen lässt, hat das Zusammenleben mit einem Partner nicht nur angenehme Seiten. Partnerschaften fordern auch Mühen ab. Es gibt immer Reibungspunkte, denen man sich stellen muss. Wenn sich das Paar mit den Reibungspunkten auseinandersetzt, dann kann das auch Stress bedeuten. Dieser Stress kann dann in eine Psychose münden oder aber deren Ausbruch begünstigen. Die eingangs gestellte Frage kann nun beantwortet werden: Jede Partnerschaft beinhaltet Konflikte und diese können den Ausbruch einer Psychose begünstigen.

Aus diesem Grunde müssen die Partner unbedingt Strategien finden, um mit den Konflikten gut umzugehen. Dies betrifft nicht nur Psychosekranke, sondern jeden, der in einer Partnerschaft lebt. Gerade beim Psychosekranken ist es jedoch dringend nötig, jeden Stressfaktor bestenfalls von Anfang an zu vermeiden.

Strategien im Umgang mit Konflikten in der Partnerschaft

Falls eine psychotische Episode eingetreten ist, muss sich das Paar auch der Frage stellen, ob die Strategien zur Konfliktbewältigung auch angemessen waren. Es geht dabei nicht um die Schuldfrage, sondern darum, ob die beiden Partner eher geschickt oder doch ungeschickt mit der Bewältigung von Konflikten umgegangen sind. Dies betrifft naturgemäß beide Partner.

Unausgeglichenheit

Keiner der beiden muss seine Ziele zugunsten des anderen so zurückstellen, dass ein Ungleichgewicht entsteht. Beide müssen darauf achten, dass der andere seine Interessen in der Beziehung auch ausleben kann. Die Ausgestaltung muss das Paar dabei schon selbst herausfinden. Die Hauptsache ist dabei, dass jeder der Partner genügend Freiraum und Möglichkeiten hat, um sich frei zu entfalten.

Dabei geht es nicht darum, sich durchzusetzen dem anderen gegenüber, sondern darum, Wege zu finden, dass beide auf ihre Kosten kommen. Paare gewinnen miteinander und verlieren miteinander. So richtig wohl fühlen sich beide nur dann, wenn die Belange beider berücksichtigt werden. Wenn einer jedoch auf Dauer zurückstecken muss, dann wird er Mittel und Wege suchen, um sich für das erlittene Unrecht seitens des Partners zu revanchieren.

Er möchte gerne mit dem gemeinsam angesparten Geld das neue Auto mit einer stärkeren Stereoanlage aufrüsten, während sie lieber eine sündhaft teure Figur aus der Töpferei erstehen möchte. Eine Strategie könnte es sein, dem jeweils anderen klarzumachen, dass dessen Wunsch gänzlich überflüssig sei. Andererseits kann man sich auch darauf einigen, sich die Wünsche eben abwechselnd zu erfüllen. Selbst wenn man die Wünsche des anderen nicht teilt, sollte man sie dennoch ernst nehmen.

Ein junges Paar mit kleinen Kindern. Er betreibt intensiv Sport und möchte gerne fünf Abende die Woche trainieren, um sich weiter zu entwickeln. Sie fühlt sich mit den Kindern eingesperrt und möchte zwei Abende die Woche gerne etwas unternehmen. Zudem sollte auch noch Zeit für Gemeinsamkeit bleiben. Falls der Ehemann seine Wünsche durchsetzt, dann entsteht ein Ungleichgewicht in der Beziehung, weil der Mann seine Interessen auf Kosten der Frau durchsetzt.  Die Einschaltung eines Babysitters könnte eventuell das Problem lösen. Dieser könnte die Frau entlasten und die Kinder an zwei Abenden betreuen. Sollte dies nicht möglich sein, dann müsste der Mann eben seine sportliche Betätigung reduzieren, weil ansonsten die Beziehung Schaden nehmen und zerbrechen könnte. Eine Beziehung kann nämlich auf Dauer nicht funktionieren, wenn nur ein Partner seine Interessen verwirklicht und der andere auf der Strecke bleibt. Partnerschaft bedeutet schließlich, dass man immer wieder neue Kompromisse eingeht.

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