Psychotherapeutische Begleitung

Psychotherapeutische Begleitung

Die Psychotherapie ist eine wichtige Säule der Psychosenbehandlung. Doch existiert keine psychotherapeutische Methode, welche eine akute Psychose beenden könnte. Die Psychotherapie bewirkt keine Heilung, sondern dient dazu, Probleme, Verletzlichkeiten, kritische Lebensereignisse usw.  zu bearbeiten. Die Psychotherapie steht heute nicht mehr in Konkurrenz mit der medizinischen Behandlung, sondern steht ebenbürtig daneben. Mit dem Psychotherapeutengesetz wurde geregelt, dass kein Arzt zum Psychotherapeuten überweisen muss, der Klient kann sich seitdem direkt an diesen wenden.

Aufgabe der Psychotherapie ist es, Verhaltensstörungen und seelische Leiden positiv zu beeinflussen. Als Hauptwerkzeug findet die Kommunikation Anwendung, welche zumeist verbal aber auch nonverbal zum Beispiel beim gestalterischen Arbeiten stattfindet. Im Regelfall definieren Arzt und Klient zusammen ein Therapieziel und treffen anfangs klare Absprachen.

Oft war der Betroffene schon als Kind sehr sensibel und verletzlich. Folglich erlebte er schon in seiner Kindheit Kränkungen und Belastungen, die ihn besonders stark erschüttert haben. Daraus resultiert dann die oft anzutreffende Vulnerabilität, also Verletzlichkeit, des Betroffenen. Diese Verletzlichkeit kann der Inhalt einer Psychotherapie sein. Zunächst wird dann die Biographie untersucht. Aus der Lebensgeschichte erklären sich dann verschiedene Handlungsstrategien, die der Betroffene sich angeeignet hat und die sich eventuell nicht günstig auswirken. So kann er etwa als Kind daran gehindert worden sein, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, wenn er gekränkt worden war. Die Eltern können ihn derart erzogen haben, dass sie ihm beibrachten, es sei unwahrscheinlich schlimm, Wut zu verspüren. Vor diesem Hintergrund kann ein Verhalten resultieren, dass der Betroffene bei Kränkungen den Raum verlässt und tagelang beleidigt ist, ohne das Problem offen anzusprechen.

Die psychotherapeutischen Methoden und Ansätze variieren. Besonders kommen für die Psychotherapie der Psychosekranken die Verhaltenstherapie und die Gesprächspsychotherapie in Frage. In der Verhaltenstherapie geht es darum, sich günstigere Verhaltensweisen anzueignen und in der Gesprächspsychotherapie wird der Betroffene empathisch begleitet. Die Psychoanalyse eignet sich weniger bei Psychosen, weil das Aufdecken von Konflikten und deren tieferen Ursachen leicht zur Überforderung des Betroffenen führt.

Die Psychotherapie sollte bei Psychosekranken nicht zu intensiv oder bedrängend sein und nicht starke Gefühle provozieren. Ansonsten kann es wegen der Vulnerabilität des Betroffenen zu einem Rückfall in die Psychose kommen. Wegen der Verletzlichkeit kann der Betroffene intensive Gefühle und deren Ausdruck nur schlecht verkraften. Der Betroffene wird quasi von den Gefühlen überschwemmt und sein instabiles Ich droht zusammenzubrechen. Dies bedeutet, dass der Psychotherapeut bei der Zusammenarbeit mit dem psychotischen Menschen stets dessen seelische Belastungsgrenze beachten muss. Der Klient sollte zusätzlich in einer psychiatrischen Behandlung stehen, damit die eventuell nötige medikamentöse Therapie auch sichergestellt ist.

Die Therapie an sich sollte stets für den Klienten transparent und durchschaubar sein. Sie sollte dem Patienten Orientierung bieten  und strukturiert sein. Um das Selbstwertgefühl des Klienten zu stärken, sollte die Therapie sich an den Fähigkeiten und Kompetenzen des Betroffenen orientieren. Er sollte etwas übers eine Krankheit erfahren , um sich mit seinen Möglichkeiten und Grenzen besser einschätzen zu können.
Die Entgegennahme der psychiatrischen Diagnose ist für den Klienten zunächst schlimm und erschreckend. Dennoch sollte sie nicht verheimlicht werden, weil das Verunsicherung hervorruft. Fine diagnostische Beschreibung der Symptome würde auch schon zur Klärung beitragen. Dann sollte auch der Begriff Schizophrenie entmystifiziert und erklärt werden. Das sollte schon zu Beginn der Psychotherapie passieren. Wem eine so erschreckende Erkrankung wie die Schizophrenie attestiert  wird, der benötigt psychotherapeutische Hilfe, um dies zu verarbeiten. Dabei möchte der Betroffene Antworten auf viele Fragen. Er möchte wissen, was Schizophrenie bedeutet, welche Aussichten er hat, zu gesunden, wie sein weiteres Leben wohl verlaufen wird und welche Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen, um neuen psychotischen Episoden vorzubeugen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Depression.

Bei den Psychosekranken kommt es auf die therapeutische Beziehung an, welche langfristig angelegt, tragfähig und verlässlich sein muss. Der Therapeut muss dabei Empathie, Akzeptanz und Respekt mit einbringen. Der Therapeut muss sich aktiv und beständig dem Klienten zuwenden. Gerade diese Zuwendung ist für den Klienten eines der wichtigsten Therapieelemente.

Ein psychotischer Mensch leidet in der Hauptsache an Einsamkeit und an Irritation über die Verlässlichkeit seiner Wirklichkeit. Er empfindet ein großes Bedürfnis nach einer tragfähigen Beziehung, hat jedoch auf der anderen Seite eine große Angst vor Enttäuschungen. Der Psychotherapeut muss also sehr darauf achten, dass die Beziehung zum Klienten keine neuen Kränkungen hervorruft.

Ein Patient ist dazu in der Lage, den Therapeuten aus seiner inneren Zerrissenheit heraus heftig zu attackieren. Am Schlimmsten dürfte das bei Borderline-Patienten der Fall sein. Der Therapeut muss sich dennoch gelassen und unbeeindruckt geben. Er muss  dem Klienten gegenüber aktive Zuwendung zeigen und darf ihn auf keinen Fall fallen lassen.
Der Klient erlebt sich oft mit seinen Gefühlen allein gelassen. Er möchte gern mit Hilfe der Psychotherapie Gefühle der krankheitsbedingten Hoffnungslosigkeit, der Perspektivlosigkeit und der Leistungsminderung bewältigen.

Vielen der Klienten ist die Psychotherapie eine große Hilfe im Alltag, weil sie ihre Schwierigkeiten und Konflikte ansprechen können und ihre Bewältigungsstrategien überprüfen können. Sie können ihre schmerzhaften Gefühle zur Sprache bringen und diese in ihr Gefühlsleben integrieren. Der regelmäßige Therapietermin ist für die meisten Klienten wie eine Krücke, mit der sie den Alltag leichter bewältigen können.

Neben der Psychotherapie für den Betroffenen allein gibt es auch weitere Angebote für Paare und Familien. Das ist auch wichtig, weil die Psychose alle Beteiligten betrifft. Der Familienverband funktioniert nicht mehr wie gewohnt und die Erkrankung wird zur Herausforderung für die gesamte Familie. Alle zusammen müssen dazu eine Haltung entwickeln und eventuell ihr Verhalten verändern.

In Familie R. geht Her R. arbeiten und verdient den Familienunterhalt. Frau R. kümmert sich um den Haushalt und die zehnjährige Tochter. Frau R. bekommt eine Psychose und das Leben der Familie R. ändert sich auf dramatische Art und Weise. Herr R. ist nun angehalten, sich zusätzlich um den Haushalt und die Tochter zu kümmern. Das Kind erlebt dabei einen Wechsel der Bezugsperson. Der Vater wird zur Hauptbezugsperson für sie.

In solchen Konstellationen taucht oft die Suche nach Schuld auf, die bestimmte Familienmitglieder hätten und deretwegen die Psychose ausgebrochen sei. Die Dinge liegen jedoch bei weitem nicht so einfach. Die Ursachen für eine Psychose sind viel zu komplex, als dass sie mit ein paar banalen Schuldzuweisungen auszumachen wären. Eher unwahrscheinlich ist es, dass eine Psychose nur einen Auslöser hat. Normalerweise treffen da verschiedene Faktoren aufeinander. So findet sich im Betroffenen selbst schon eine gewisse Disposition oder Vulnerabilität, die bewirkt, dass .der Betroffene in Stresssituationen auf psychotische Weise reagieren kann. Des weiteren können ungünstige soziale Bedingungen und andere negative Umstände den nötigen Stress erzeugen.  Das kann sein der Abbruch des Studiums wegen des Kindes, der Umzug in eine andere Stadt, die häufigen Krankheiten der Kinder, das Verlieben oder die Überarbeitung. Eine Psychose kann also aus ganz verschiedenen Faktoren erwachsen.

Deshalb ist es unvernünftig, nach Schuldigen zu suchen in der Familie oder der Partnerschaft. Produktiver ist es, in einer Psychotherapie mit dem Partner oder der Familie herauszufinden, welche Faktoren in der Familie oder Partnerschaft sind, die eine Psychose begünstigen. Dann kann mit dem Therapeuten zusammen nach Lösungen gesucht werden, die die belastenden Situationen entschärfen können. Normmalerweise wir ein Familienmitglied nicht absichtlich gekränkt von den anderen Familienmitgliedern. Oft hat dies seine Ursache in Handlungsweisen, die sich herausgebildet haben, ohne dass es noch möglich wäre, zu sagen, wie alles angefangen hat. Der Psychotherapeut deckt solche eingeschliffenen Verhaltensweisen, die für den Betroffenen belastend sind, auf, damit sie korrigiert werden können. Die Familie soll dabei dazu befähigt werden bewusster und reflektierter zu handeln.

Bei der Familientherapie kann man wohl sagen: Falls in einem System einer krank wird, dann ist das gesamte System krank. Der Kranke drückt diese Krankheit nur aus, weil er der Schwächste im Verbund ist. Und bei der Paartherapie gilt: Paare gewinnen miteinander und verlieren miteinander. Es geht keinesfalls darum, einen Schuldigen zu suchen und zu finden.

Kränkungen wegen der Krise

Verletzungen die sich auftaten während einer psychotischen Krise, sind ein gewichtiger Grund, eine Paartherapie anzuberaumen. Wenn der gesunde Partner vom Kranken verletzt worden ist, dann wird er das Gefühl haben, er dürfe sich gar nicht verletzt fühlen, weil der Kranke ja eigentlich gar nichts kann für seine Gefühle. Dennoch verbleibt ein unterschwelliges Gefühl der Kränkung. In diesem Falle kann es sehr zweckdienlich sein, sich mit der Problematik mit der professionellen Hilfe eines Paartherapeuten auseinander zu setzen, um unterschwelligen Aggressionen dem kranken Partner gegenüber Einhalt zu gebieten.

Eine Frau, die sonst weder aggressiv noch gewalttätig war, schlägt ihren Partner in der akuten Episode. Der Mann ist wütend und zutiefst gekränkt. Er sagt sich zwar, dass das eigentlich nicht seine Partnerin war, sondern ihre Erkrankung. Dennoch fällt es ihm nunmehr schwer, ihr vertrauensvoll zu begegnen. Daher beschließen die beiden, eine Paartherapie anzusetzen.

In der Therapie war es dann gar nicht der Hauptinhalt, dass die Frau den Mann geschlagen hat, sondern der normale Umgang der beiden Partner miteinander, wie sie sich gegenseitig einschätzen und was sie aneinander kritisieren. Dabei stellte es sich heraus, dass die Frau sich vermehrt dominiert von ihrem Mann fühlte und darüber auch innerlich sehr wütend war. Diese unterschwelligen Gefühle sind nun während der psychotischen Episode durchgebrochen. Der Psychotherapeut erklärte dann der Frau, wie sie zukünftig ihre Position besser zum Ausdruck bringen und auch behaupten kann.

Nicht nur der gesunde, auch der kranke Partner kann während der Krise verletzt werden. So war es eventuell das Drängen des gesunden Partners, was zur Einweisung in die psychiatrische Klinik geführt hat. Wenn der kranke Partner nun den Aufenthalt in der Klinik als besonders schlimm erlebt hat, dann kann er den gesunden Partner als den ansehen, der verursacht hat, dass er der Psychiatrie ausgeliefert wurde. Die Folge könnte dann ein enormer Vertrauensverlust sein. Auch in diesem Falle wäre die professionelle Hilfe eines Paartherapeuten wertvoll, um das Geschehene aufzuarbeiten und einen neuen, gemeinsamen Weg zu suchen. Zunächst sollten dann die jeweiligen Standpunkte dargelegt werden, um sich die Position des Partners vor Augen zu halten und zu verstehen. Danach geht es dann um die Suche nach einer Lösung, die beiden Partnern gerecht wird. Der Paartherapeut würde in der Paartherapie eher moderieren und den beiden Ratschläge geben.

Die Paartherapie kann eine von vielen Chancen sein, um nach einem Konflikt oder Streit auf einer neuen, stärkeren Basis weiterzuleben. Gemeinsam gemeisterte Konflikte und Krisen stärken immerhin die Beziehung enorm.

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