Wie manage ich Arbeitsplatz und Wohnung trotz einer psychischen Erkrankung?

Wie manage ich Arbeitsplatz und Wohnung trotz einer psychischen Erkrankung?

Erkrankt einer der beiden Partner, dann sieht sich der gesunde Part einer ganzen Menge an Fragen ausgesetzt. Wie soll die Beziehung lebensfähig gehalten werden? Wie soll das alles funktionieren, wenn der gesunde Partner nicht viel zeitlichen Freiraum hat, weil sein Beruf anspruchsvoll ist? Geht es in die Klinik oder soll der kranke Partner daheim verbleiben? Wie sollen die Kinder betreut werden?

All diese Fragen bedürfen einer raschen Entscheidung. Das alles fordert den gesunden Partner, weil er ja leistungsfähiger ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der kranke Partner nichts beitragen könne zum Erhalt der Beziehung.

Die Organisation von Arbeit und Wohnen kann mit einigen Fragen geklärt werden. Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob der kranke Partner daheim bleiben soll.

Falls der kranke Partner sich suizidal verhält, dann wäre der Aufenthalt daheim sehr riskant und eine Einweisung in die Klinik geboten. Der kranke Partner kann nur dann allein bleiben, wenn er weder selbst- noch fremdgefährdend oder aber aggressiv ist. Alleine zu sein ist für den Kranken stets belastend und dieser Zustand sollte nicht länger als nötig andauern.

Besonders wichtig ist, dass der Partner absprachefähig ist.

Dann ist auch die Art des Psychosenverlaufs entscheidend. Nur unkomplizierte Verläufe können daheim abgefangen werden. Meistens bedarf die akute Psychose eines Aufenthalts in der Klinik.

Wichtig ist auch, dass der Betroffene und seine ihn begleitenden Angehörigen bereits Erfahrung haben mit Psychosen und Medikamenten.

Wenn man vor hat, den kranken Partner daheim zu behalten, obwohl man untertags bei der Arbeit ist, sollte man Erfahrung haben mit der Erkrankung. Nur so lässt sich abschätzen, ob sich daheim auch nichts Schlimmes ereignet. Selbstredend weiß man dies nicht bei der Ersterkrankung. Ein Betroffener, der das erstemal eine akute Episode durchläuft, sollte nie alleine gelassen werden.

Die beruflichen Rahmenbedingungen sollten es ermöglichen, den kranken Partner zu betreuen. Es lässt sich kaum umgehen, dass der gesunde Partner erst einige Tage Urlaub nimmt, bis die persönlichen Verhältnisse wieder geordnet sind. Sollten Jahresurlaub oder eine überzählige Gleitzeit dafür nicht ausreichen, dann kann der gesetzlich geregelte Krankenbetreuungsurlaub eingereicht werden.
In dringenden Fällen sollte es möglich sein, den Arbeitsplatz kurzfristig zu verlassen, um dem kranken Partner aufzusuchen. Und man sollte berücksichtigen, dass die Gedanken von der beruflichen Arbeit öfter zum kranken Partner abweichen. Somit wird die persönliche Leistungsfähigkeit des gesunden Partners nicht dieselbe sein, wie wenn daheim alles in Ordnung ist. Falls dazu die Möglichkeit besteht, dann sollte man auf Routineaufgaben übergehen, die wenig Kreativität fordern wie etwa das Einordnen von Akten.

Um diese Möglichkeiten voll auszukosten benötigt man natürlich die entsprechende Rückendeckung seitens des Arbeitgebers. Deshalb ist es ratsam, gleich zu beginn der psychotischen Phase das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Sollte das Verhältnis mit dem Chef nicht gerade zerstritten sein, dann wird er normalerweise aufgeschlossen sein, wenn der Mitarbeiter um einen kurzfristigen Termin in persönlicher Angelegenheit ersucht. Im Gespräch kann man ihm dann schildern, dass der eigene Partner an einer seelischen Erkrankung leidet, die außerhalb der Klinik behandelt werden soll. Falls nun niemand anderes außer der eigenen Person zur Verfügung steht, um den Kranken zu betreuen, dann wird der Vorgesetzte regelmäßig mit Verständnis reagieren und eventuell sogar fragen, wie er denn noch helfen könne. Die Reaktion wird umso bereitwilliger ausfallen, je konkreter der vorgeschlagene Notfallplan ausfällt. Es geht dabei prinzipiell darum, dass der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz kurzfristig verlassen kann, wenn die häusliche Situation es erfordert. Es sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, die Zeit der Abwesenheit später wieder hereinzuarbeiten.

Sind Termine im Unternehmen wahrzunehmen, dann sollte eine optionale Vertretung organisiert werden, die dann in den Vordergrund tritt, wenn man unerwartet nach Hause muss. Man sollte dabei anmerken, dass es zwar Hilfedienste in jeder Stadt gibt, diese jedoch in der Regel nicht kurzfristig einen Betreuer stellen können. Dann sollte ins Gespräch eingebracht werden, wann die externe Hilfe greifen würde.

Besonders wichtig ist es, dass man beim Vorgesetzten nicht den Eindruck hinterlässt, dass man sich von der Krisensituation überrennen und überfordern lässt und ihm die Lösungswege aus der Situation heraus aufzeigt. Gerade die Privatwirtschaft lebt von Terminen, da auf deren Grundlage kalkuliert wird. Und insbesondere bei einer psychischen Erkrankung fällt es sehr schwer, eine Prognose zu treffen hinsichtlich der Dauer der Krankheit und der Aussicht auf eine vollständige Gesundung. So ist dieser Sachverhalt eher flexibel handzuhaben. Termine, die mit der Krankheit zusammenhängen können eventuell später wegen neuer, unvorhersehbarer Umstände nicht gehalten und müssen revidiert werden. Als groben Schätzungswert kann man jedoch die Dauer der akuten Symptome in vorangegangenen Psychosen heranziehen.

Der gesunde Partner muss sich die Begleitung des Kranken auch zutrauen. Der gesunde Partner muss psychisch stabil genug sein, so dass er der auf ihn zukommenden Mehrbelastung auch Herr wird. Ganz allgemein gesehen stellt es immer einen höheren Aufwand dar, wenn sich der gesunde Partner auf die Begleitung des kranken Partners einlässt, anstatt ihn in der Klinik behandeln zu lassen.

Falls sich der gesunde Partner auf diese Begleitung einlässt, dann hat er tunlichst darauf zu achten, dass er die eigenen Kräfte nicht schon bald aufzehrt. Oft fordert der Kranke so viel Aufmerksamkeit vom gesunden Partner ab, dass dessen psychische Möglichkeiten sich fast erschöpfen. Er kommt dann leicht an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Der gesunde Partner soll jedoch auf keinen Fall die Zeiten für seine Hobbys opfern, weil der Psychosekranke den Begleiter grenzenlos beanspruchen kann, wenn keine Absprachen bestehen und weil der gesunde Partner ansonsten der Möglichkeit beraubt wird,  seinen Hobbys neue Kraft und Freude für den Alltag abzugewinnen.

Somit müssen die beiden Partner schon von Anfang an untereinander abklären, ob der kranke Partner akzeptiert, dass sein Partner für eine gewisse Zeit seinen Hobbys nachgeht und dann erst wieder zur Verfügung steht.
Der kranke Partner muss sich zuverlässig an die getroffenen Absprachen halten. Die Absprachefähigkeit dürfte das wichtigste Kriterium für die Begleitung zu Hause sein. Schließlich kann man den kranken Partner nur dann allein zu Hause lassen, wenn man sich auch hundertprozentig auf ihn verlassen kann.

Dies hat auch viel damit zu tun, dass der Betroffene die verordneten Medikamente zu den vorgesehenen Zeiten selbständig einnimmt. Auch solch vermeintlich einfachen Tätigkeiten können für einen psychosektranken Menschen schon eine große Hürde darstellen, wenn er auf sich selbst gestellt ist. So vergessen manche Psychosekranken, dass sie das Präparat schon eingenommen haben. Es bliebe dann noch die Möglichkeit, eine Einnahmeliste zu führen, in der die Einnahme der Arzneien penibel aufgeführt wird.

Es bestehen Möglichkeiten, den kranken Partner zu unterstützen, wenn der gesunde Partner arbeiten geht. Der gesunde Part kann den Anderen von seinem Arbeitsplatz aus unterstützen. Sollte es der Kranke nicht als bevormundend werten, dann kann man ihn etwa alle drei Stunden mal anrufen, um nach dem Rechten zu sehen und sich nach dem Befinden zu erkunden. Manch einer wird dies sogar als willkommene Zusatzsicherheit wertschätzen.

Natürlich kann man auch Hilfsorganisationen in Anspruch nehmen und beauftragen, wie es sie in jeder größeren Stadt gibt. Dazu gehört beispielsweise der Sozialpsychiatrische Dienst. Dann gibt es noch die Angebote einer Tagesklinik oder ggf einer Tagesstätte. Auch der Anruf bei der heimischen Pfarrei kann weiterhelfen. Diese kann beispielsweise eine Familie vermitteln, welche die Kinder nach der Schule aufnehmen könnte und bei der sie zu Mittag essen können.

Besonders in größeren Unternehmen gibt es eine Sozialberatung, deren Aufgabe es ist, sich mit den unterschiedlichen sozialen Problemen wie Alkohol, Drogen oder Mobbing der vielen dort arbeitenden Menschen zu beschäftigen. Dort finden auch Menschen mit psychischen Problemen und ihre Angehörigen einen Ratgeber. Meistens bieten diese Sozialberatungen qualifizierte Mitarbeiter für häusliche Pflege der Firmenangehörigen an oder einen eigenen Kindergarten für Kinder, die derzeit krankheitsbedingt nicht betreut werden können.

Teilweise genügt es ja schon, solche Dienste nur für kurze Zeit in Anspruch zu nehmen. Etwa dann, wenn die Kinder energiegeladen aus der Schule heim kommen und mit einem Mittagessen versehen werden müssen. Diese Aufgabe können Psychosekranke oft allein nicht mehr verrichten oder aber wegen der Reizüberflutung den Einkauf im Supermarkt,.

Die Inanspruchnahme privater Dienste hat jedoch einen Haken. So darf man nicht davon ausgehen, einfach anrufen zu können und nach einer Stunde stände dann professionelle Hilfe zur Verfügung. Wegen der Knappheit des qualifizierten Personals muss man teilweise recht lange Wartefristen einplanen, die bis zu sechs Wochen andauern können. Solch eine langfristige Planung dürfte jedoch kaum möglich sein, weil die Psychose oft wie aus heiterem Himmel über einen hereinbricht. Also wird auch sofort eine entsprechende Hilfe benötigt, wenn der gesunde Partner diese Aufgabe nicht übernehmen kann.
Der kranke Partner benötigt zusätzlich einen Arzt, der die Behandlung zu Hause unterstützt. Am besten ist es dann, wenn Arzt, Patient und Angehöriger ein Behandlungsteam bilden. Der Arzt trägt dann die Verantwortung für die Medikation. Je nach Zuverlässigkeit und Erfahrung des Patienten kann der Arzt ihm einen mehr oder weniger breiten Spielraum zugestehen. Spezielle Therapien, um den Kranken wieder in die Wirklichkeit zu überführen, finden bei der heimischen Behandlung nicht statt. Der Betroffene verbleibt also weitgehend in seinem vertrauten Alltag.

Es kann Tage geben, an denen der Kranke sich sehr schwer damit tut, den Arzt zu besuchen. In diesem Falle wären Hausbesuche des Arztes wünschenswert. Da sich kaum ein entsprechender Arzt finden lässt, ist es sinnvoll, den Kranken bei den Arztbesuchen zu begleiten. Gerade für akut psychotische Erkrankte sind lange Wartezeiten im Wartezimmer nur schwer auszuhalten. Darauf sollte schon bei der Termeinabsprache hingewiesen werden.

Mit dem Arzt ist auch abzuklären, wie bei Notfällen in der nacht oder am Wochenende zu verfahren sei. Eventuell gibt es auch eine Urlaubszeit des Arztes zu beachten.

Da die wenigsten Städte einen Krisendienst oder Notfalldienst haben ist es nötig, mit dem Arzt zu besprechen was in einer Krisensituation zu tun sei.

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