Sexualität

Sexualität

Die Sexualität spielt in jeder Partnerschaft eine große Rolle. Es ist oft gerade die erotische Anziehungskraft, die zwei sich gänzlich fremde Personen dazu bewegt, miteinander eine Partnerschaft einzugehen. Läuft es mit der Partnerschaft nicht so gut, dann sind die Partner unzufrieden und die Beziehung kann daran zerbrechen. Besonders in längeren Beziehungen ist die sexuelle Anziehung keine feste Konstante. Sie hat dann ihre Höhen und Tiefen und kann sogar zeitweise überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Ebenso wie die erotische Attraktivität des Partners schwankt, so können auch Personen außerhalb der Beziehung anziehend wirken. Orientiert sich nun einer der Partner nach außerhalb von der Beziehung, dann empfindet der zurückgelassene Partner dies meistens als Vertrauensbruch und die Beziehung wird schwer gefährdet.
Gerade in In langjährigen Beziehungen kann die Sexualität ihre zentrale Rolle verlieren, weil die Partner ganz andere Werte miteinander verbinden. Natürlich gibt es auch Paare, die bis ins hohe Alter eine glückliche Sexualität untereinander pflegen.

Selbstverständlich sehnen sich auch psychisch kranke Menschen wie jeder Andere auch nach Nähe, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Lust. Wenn sie allein sind, haben sie das Bedürfnis nach einer erfüllten Beziehung und leiden auch gewaltig darunter, wenn die Krankheit es ihnen erschwert, einen Partner zu finden.

Gerade bei der Sexualität handelt es sich um einen überaus empfindlichen und störanfälligen Bereich der Partnerschaft. Missstimmungen, Streit und Stress reduzieren das Lustempfinden. Verletzliche und sensible Menschen werden leichter gestört als dickfelligere Artgenossen. Empfindet der eine mehr und häufiger Lust als der andere,  dann kann dies die Partnerschaft belasten.

Medikamente können die Lust erheblich mindern. Viele der Neuroleptika haben eine zentral dämpfende Wirkung und reduzieren entsprechend das Lustempfinden des Betroffenen. Der völlige Verlust der Libido kann dabei eintreten. Die Medikamente können also das  Lustempfinden und das Verlangen nach Sexualität erheblich beeinträchtigen. Der kranke Partner ist dann schwerer entflammbar, so dass er weniger Lust verspürt als der gesunde Partner.

Die Medikamente können es auch mit sich bringen, dass der Körper sich verändert. So kann eine Gewichtszunahme von 35 Kilogramm dazu führen, dass sich der Betroffene nicht mehr wohl fühlt in seiner Haut. Aus  diesem Umstand kann selbstredend keine glückliche sexuelle Beziehung erwachsen. Der gesunde Partner kann gleichzeitig den kranken fülligeren Partner als unattraktiv empfinden. Die Zunahme des Gewichts als Nebenwirkung der Medikamente kann also gar nicht bagatellisiert werden, sondern kann sehr wohl ein Grund für den Wechsel des Präparats sein.

Empfindet nur einer der Partner Lust, so kann es passieren, dass sich der eine abgelehnt und der andere bedrängt fühlt.

Im Grunde genommen ist der Verzicht auf Sexualität ja kein echtes Problem. Schließlich erleben und überleben Singles ja oft auch solche langen Phasen. Der abgewiesene Partner fühlt sich jedoch abgelehnt, zurückgewiesen und minderwertig. Daraus erwächst dann eine Verletzung. Er glaubt, nicht mehr geliebt zu werden und hat das Gefühl, es nicht mehr wert zu sein, sexuelle Zuwendung zu erhalten. Hilfreich kann dann sein, zu wissen, dass sehr empfindliche Menschen nicht unbedingt den Partner ablehnen, sondern nur oft in ihrer Sexualität gestört sind. Es wäre grundfalsch, sich daraufhin beleidigt zurückzuziehen, den anderen zu bedrängen oder ihn emotional zu erpressen. Eventuell sollte der abgewiesene Partner eher auf die Kunst der Verführung zurückgreifen.

Verführung

Der Alltagstrott des alltäglichen Lebens führt dazu, dass die Partnerschaft an Spannung und Leidenschaft verliert. So stehen in der Familie stets zahlreiche Aufgaben an - der Einkauf, die Zubereitung der Mahlzeiten, das Ausführen des Hundes, die Probleme mit den Kindern,  der Stress am Arbeitsplatz. Diese Aufgaben beanspruchen den jeweiligen Menschen völlig und kosten viel Zeit und Nerven. Romantik und Sexualität  haben da nur wenig Raum.  Wer kann auch schon aus dem alltäglichen Stress heraus direkt in eine romantische Stimmung zu verfallen, wenn er nicht gerade ein unsensibler Mensch ist?  Seelisch verletzbare Menschen sind aber höchst sensibel und sie tun sich naturgemäß auch sehr schwer damit, umzuschalten.

Also muss man in einer Partnerschaft ganz bewusst Zeit und Raum einplanen um wieder zueinander zu finden. Paare, die diese Grundregel nicht beachten laufen Gefahr, sich voneinander zu entfremden. Je phantasievoller man den Alltag durchbricht, desto besser klappt es auch mit der Beziehung. Möglichkeiten gibt es deren viele:

  •   der Urlaub am Wochenende ohne Kindern, Schwiegereltern und Hund
  •   das romantische Essen bei Kerzenschein und Musik, während Telefon und Klingel abgeschaltet sind
  •   der Besuch eines Konzerts oder Theaters mit einem anschließendem Glas Wein in einem gemütlichen Lokal
  •   das gemeinsame Duftbad mit anschließender partnerschaftlicher Massage
  •   die Pflege eines gemeinsamen Hobbys
  •   das überraschende und grundlose Geschenk für den Partner

  
Besonders kommunikativ kann die gegenseitige Massage sein. Dazu bedarf es weder einer besonderen Technik noch anatomischer Kenntnisse, um den Partner dazu zu bringen, sich wohl und entspannt zu fühlen.  Nötig sind dazu lediglich ein ruhiger Platz, ein Räucherstäbchen und etwas Massageöl. Die einfühlsamen Berührungen können einer neue Beziehung Wärme und einer bestehenden Beziehung neue Frische verleihen. Eventuell empfiehlt sich ja die Lektüre eines der zahlreichen Bücher zu diesem Thema, die sich auf dem Markt befinden.

Eine glückliche sexuelle Beziehung gründet auf den Pfeilern der Zeit und der Ruhe. So bedarf es der Zeit und der Ungestörtheit, den Körper des Anderen zu erkunden und herauszufinden, was ihm besonders gut tut. Da jeder Mensch in dieser Beziehung anders tickt, gibt es auch kein Standardrezept. Es gibt keine gleichen Knöpfe, auf die man nur drücken muss, um den anderen zu stimulieren. Je mehr Phantasie man diesbezüglich walten lässt, desto mehr Erfolg wird man auch haben. Wer jedoch der Meinung ist, es genüge, selbst Lust zu empfinden, der darf sich auch nicht darüber wundern, dass er keinen  Erfolg hat. Es kommt ohnehin nur selten vor, dass beide Partner gleichzeitig Lust verspüren.

Es besteht zwar die Möglichkeit, sich in Büchern über Liebestechniken und erogene Zonen schlau zu  machen, doch ist es regelmäßig besser, auszuprobieren und den Partner zu fragen, was ihm denn gefällt. In Beziehungen, die über Jahre hinweg gepflegt werden, wissen die Partner meistens recht genau, wie sie vorzugehen haben, damit die Sexualität auch gelingt. Solche Beziehungen laufen dann leicht Gefahr, dass nichts Neues ausprobiert wird und Sexualität an sich langweilig wird.

Falls die Beziehung gerade im Entstehen ist, dann benötigen gerade dies sensiblen und empfindsamen Betroffenen eine Atmosphäre voller Vertrauen und Geborgenheit, um ihre Sexualität entfalten zu können. Falls schon zu beginn Fehler gemacht werden, dann kann sich das auf die gesamte Beziehung auswirken. Also ist es das oberste Gebot, sich auch Zeit zu lassen. Baut sich eine Beziehung langsam auf, dann kann dies auf Dauer mehr Befriedigung vermitteln als ein One-Night-Stand.

Bahnt sich eine Beziehung gerade an, dann gibt es auch keine Möglichkeit, den zu verführen, der sich nichts macht aus einem. Daran ändern auch all die Gebrausanweisungen, Tricks und Techniken nichts, die es so im Angebot gibt. Erotik in der Beziehung macht sich schon nach dem Kennenlernen bemerkbar, lange bevor man in körperlichen Kontakt tritt. Das Weitere ergibt sich dann mehr oder weniger automatisch.
Anfangs steckt der Betroffene oft in einem Zwiespalt. Er weiß nicht, ob er dem Anderen von seiner Krankheit erzählen soll. Ist die Beziehung jedoch ernst gemeint und soll sie länger dauern, dann ist es unabdinglich, dem Anderen mit einigen erklärenden Sätzen von der Erkrankung zu informieren. Geht es jedoch mehr um einen One-Night-Stand, dann kann sich diese Information eher als überflüssig oder störend herausstellen. Natürlich bedarf es eines gewissen Vertrauens, um von der Krankheit zu erzählen, doch sollte man sich damit nicht zu viel Zeit lassen, weil der Andere dies als Vertrauensbruch auffassen könnte.

Hat man starkes Interesse daran, mit dem Anderen eine Beziehung aufzubauen, dann erzählt man ohnehin nach und nach von seinem Leben, seinen Besonderheiten, von Fehlern und Schwächen. So steht es früher oder später auch an, von möglichen psychotischen Beeinträchtigungen zu sprechen. Dies ist wichtig, weil ja die oft vorkommende Heftigkeit einer Liebesbeziehung durch Hochgefühle und Trennungsbefürchtungen den psychisch leicht verletzbaren Betroffenen schnell in eine Krisensituation bringen kann. Hat man einen neuen Menschen kennen gelernt, wird wohl keiner ein Interesse daran haben, diesen sofort mit der Aussage, man sei schizophren, erschrecken und quasi in die Flucht schlagen.  So will die eigene Instabilität zum rechten Zeitpunkt übermittelt werden. Dazu könnte etwa die eben durchlebte tolle Liebesnacht passen, um ein solches Gespräch auch etwas entspannter anzugehen.

Sexualität in der akuten Psychose

Gerade in der akuten Psychose erhält die Sexualität einen anderen Stellenwert als wenn man gesund ist. Die Wahrnehmungen sind verzerrt und man ist von Wahnideen getragen. Der gesunde Partner muss Rücksicht darauf nehmen. Sieht eine Frau ihren Mann als den Teufel samt Hörnern und Pferdefuss, dann wird sie es als Horror empfinden, mit diesem Mann schlafen zu müssen. Dieses Erlebnis würde sie als quälend empfinden, sie würde Panik verspüren.

Bekommt der Partner nun mit, dass er mit einem Wahngebilde ausgetauscht worden ist, dann kann er auch weiterhin mit dem Betroffenen kommunizieren, indem er ihn in den Arm nimmt, tröstet und zum Ausdruck bringt, dass es ihm sehr Leid tut, was der Partner im Moment erleben muss. Es ist dabei wichtig, bei seinem eigenen Erleben zu bleiben und dennoch Mitgefühl auszudrücken für das Erleben des Partners.
Ist die Wahnfigur positiv besetzt, dann kann der Sex stimulierend wirken. Bei negativer Besetzung kann der Sex wiederum traumatisierend wirken.

Die Sexualität kann in der Psychose in verschiedenen Formen auftreten. Mal ist sie kaum vorhanden und dann wieder überdimensional gesteigert. Manch einer bekommt schon bei erotischen Gedanken eine Orgasmus und ein Anderer erlebt wiederum seine gesteigerte sexuelle Empfindsamkeit als sexuelle Manipulation von fremden Kräften. In diesem Falle kann er das Gefühl haben, es würden quälende und beschämende Experimente und Manipulationen mit ihm vorgenommen werden. Dann gibt es wiederum Psychoseerfahrene, die aufregende sexuelle Erfahrungen mit gänzlich Fremden haben. Das können real vollzogene Erlebnisse sein oder Ereignisse, die sich in ihrer Phantasie abgespielt haben.

Was kann der gesunde Partner nun tun, um dem Kranken zu helfen? Zunächst einmal muss er seine eigenen Bedürfnisse dem Betroffenen gegenüber zurücknehmen. Er muss zwar nicht auf Sexualität verzichten, jedoch behutsamer vorgehen. Die Initiative zum Sex sollte im besten Falle stets vom kranken Partner ausgehen. Auf keinen Fall darf der Betroffene sexuell bedrängt werden. Sexualität lebt von der Freiheit. Insbesondere eine erkrankte Frau kann sich schwer damit tun, nein zu sagen. Das Ausnutzen ihrer Wehrlosigkeit wird sie als etwas Unfreiwilliges erleben, auch wenn sie sich ohne Gegenwehr beteiligt. Genau genommen wäre es in diesem Falle sogar eine Vergewaltigung.

Leider beobachtet man in psychiatrischen Einrichtungen immer wieder, dass wehrlose und willenlose Frauen der Anmache der männlichen Mitpatienten und sogar von externen Männern ausgesetzt sind. Sie lassen sich dann scheinbar freiwillig auf Beziehungen ein, die sie im Normalzustand nie eingegangen wären. Gerade in diesem Falle fällt es den Mitarbeitern der Einrichtungen nicht leicht, auf der einen Seite die psychotischen Frauen zu schützen und auf der anderen Seite den freien Willen erwachsener Menschen zu beachten.

Ein Student macht die Bekanntschaft einer jungen hübschen Frau, die im Studentenwohnheim zu Besuch ist. Seine lockigen Haare, sein Bart und die Kette mit dem Kreuz, welches er um den Hals trägt, führen dazu, dass die Frau in ihm Jesus wiedererkennt. Sie sei Jesu Braut und schlafe mit allen Männern, in denen sie ihren Meister wiedererkenne. Da sie eine Abtreibung hinter sich hat nähme sie auch die Pille. Gerne würde sie nun mit dem jungen Mann schlafen. Das taten sie dann auch schließlich.

So wie der junge Mann würden viele junge Männer ein solches Angebot wohl kaum abweisen.

Eine andere junge Frau schläft in ihrem psychotischen Liebesbedürfnis mit jedem Mann, der sie halbwegs freundlich behandelt. Sie ist Stammgast in einem Patientencafé und von den männlichen Gästen schleppt sie jeden Abend ein anderer nach Hause ab. Die Tatsache ihrer psychischen Krankheit stört die Männer dabei keineswegs. Eine Studentin, die dies beobachtet, sieht jedoch keine Möglichkeit, die junge Frau zu schützen. Im Gespräch sagt die kranke Frau nämlich, die Beziehungen seien sei ihr klarer Wille.

Eigentlich kann man nur an die Männer appellieren, sich anständig zu verhalten und die psychotische Frau nicht auszunutzen. Doch scheint genau dies ein Problem zu sein.

Einige Betroffene verdrängen in der gesunden Phase ihre Sexualität und erleben mit der Psychose quasi einen Dammbruch. Die Die verdrängte Sexualität bricht sich in höchstem Maße Bahn und wird als kraftvolle Energie erlebt. Diese Energie wurde vorher nicht abgearbeitet durch Sex. Sie hat sich aufgestaut und bricht über den Betroffenen herein. Sie kann sogar Auslöser der Psychose sein. Die Energie verhindert den Schlaf, erzeugt Ruhelosigkeit und Überaktivität. Der Betroffene versucht dann, die Sexualität bewusster auszuleben, indem er sich beispielsweise darum bemüht, mit seinem Partner die Sexualität wieder mit Lust und Freude zu genießen.

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