The Brave New World

Brave New World

Ist es möglich ein Regime ohne Terror und Gewalt zu begründen? Ein Regime, das auf der gewaltfreien Manipulation der Gedanken und Gefühle seiner Bewohner gründet? Diese Frage beschäftigte Aldous Huxley, der 1931 in seiner berühmten Dystopie "Schöne neue Welt" eine solch negative Zukunft im 7. Jahrhundert n.F. (nach Ford) illustriert. Der Zukunftsroman beschreibt eine Gesellschaft, in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ gewährleistet scheinen. 27 Jahre später greift er seine düsteren Gedanken erneut auf, schreibt den Essay "Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt"1. und stellt besorgt fest, dass unsere Gesellschaft der Schönen neuen Welt schon beträchtlich näher gekommen ist.
In den 1930ern spiegelte "Brave New World" Huxleys Alptraum einer technisierten und entindividualisierten Welt wieder. Die Versklavung der Massen wurde erzielt durch die Droge »Soma«, die ein garantiertes und genormtes Glück versprach. Um größere Gefühlsschwankungen zu vermeiden, die zu negativen Verstimmungen führen können, nehmen die Menschen regelmäßig das Soma ein, eine Droge, die stimmungsaufhellend und anregend wirkt und auch als Aphrodisiakum verwendet wird. Anders als Alkohol hat es keine Nebenwirkungen und wird synthetisch hergestellt.
Nach 27 Jahren verglich er 1959 seine Visionen von 1932 mit dem aktuellen Status und er stellte fest, dass ein Teil seiner Vorahnungen in der Zwischenzeit bittere Realität geworden sind. Dazu gehört auch die Manipulation der Menschheit durch »Soma«. Der Neuroleptika-Prototyp Chlorpromazin (Chlorazin, Largactil, Propaphenin) trat ab Beginn der 50er Jahre in der Psychiatrie seinen Siegeszug an und bald darauf entwickelte man auch die ersten Tranquilizer. Huxley entdeckte weitreichende Ähnlichkeiten von den neuen Substanzen mit seinem mythischen »Soma« 2. Wäre er besser mit den schädlichen Auswirkungen der »chemischen Knebel« vertraut gewesen, dann hätte er sein »Soma« vermutlich in den Tranquilizern verortet, obwohl diese ja nicht frei von unangenehmen Nebenwirkungen sind, schon wegen ihres Suchtpotentials.
  • 1. Huxley, Aldous: »Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt«, in: ders.: »Schöne neue Welt. Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt«, München 1987, S. 245-368
  • 2. Aldous Huxley 1987, S. 319f.

Kommende Termine

Benutzeranmeldung