Psychostimulantien

Psychostimulantien

Zur Wirkungsweise

Amphetamin und Methylphenidat sind beides Derivate von Phenylethylamin. Im Unterschied zum Dopamin fehlt ihnen eine Hydroxy-Gruppe und deshalb können sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Die Behandlung von ADHS mit Ritalin ist zwar erfolgversprechender als die mit Amphetamin, doch war es auch der Werbedruck der Pharmafirmen, dass "Speed" (Amphetamin (alpha-Methylphenethylamin, auch Phenylisopropylamin oder umgangssprachlich "Speed") quasi über Nacht aus den Rezepten der Ärzteschaft verschwand.1

Psychostimulantien bzw. Amphetaminabkömmlinge wirken nicht auf einen spezifischen Ort des Gehirns, sondern wie eine Dusche auf weite Teile des gesamten zentralen Nervensystems. Im Vordergrund der Forschung steht die Wirkung auf das dopaminerge System. Dopamin beeinflusst Wahrnehmung und Gefühle, es kann auch Depressionen auslösen. Hinter der Wirkung von Drogen, also das Hochgefühl von Glück, Freude und Zuversicht, vermuten wir eine verstärkte Ausschüttung von Dopamin. Deshalb spricht man auch vom Dopamin-Belohnungssystem. An Tieren konnte nachgewiesen werden, dass die Injektion von Drogen in bestimmte sensible Hirngebiete dazu führt, dass sich dort eine erhöhte Konzentration von Dopamin ergibt. Diese Stimulation tritt ein bei Opiaten, Kokain und Amphetaminen. Andere Drogen hemmen wiederum einen anderen bekannten Neurotransmitters, das Noradrenalin. Diese Hemmung zieht dann indirekt eine Erhöhung der Konzentration von Dopamin nach sich. Indirekt stimulieren Drogen wie etwa Opiate, Alkohol, Barbiturate und Benzodiazepine. Die körpereigenen Endorphine wirken ebenfalls auf diese Weise. Nikotin und Koffein stimulieren übrigens auch das dopaminerge Belohnungssystem.
Methylphenidat (wie z. B. auch Kokain) hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin in die Präsynapse durch die Ausschaltung der Dopamin(rück-)transporter DAT 2. Die Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt wird um das etwa zehnfache erhöht, nachdem sich die abgebende Nervenzelle entleert hat. Dieser durch Methylphenidat ausgelöste Prozess läuft im Gehirn normalerweise als Folge der Wahrnehmung eines äußeren oder inneren Reizes ab. Der künstlich erzeugte Anstieg von Dopamin führt dazu, dass jede weitere Freisetzung von Dopamin durch äußere oder innere Reize gehemmt wird. Ein Schüler kann sich jetzt also drei bis vier Stunden besser konzentrieren und wird weniger von störenden inneren und äußeren Einflüssen abgelenkt 3. Über den Zusammenhang zwischen der medikamentös bedingten Dopaminzunahme im synaptischen Spalt und dem Verhalten der ADHS-Kinder, wissen wir jedoch noch nichts4. "Ob im Gehirn unruhiger Kinder tatsächlich zu wenig (oder vielleicht auch zu viel) Dopamin freigesetzt wird, lässt sich auch mit Hilfe der neuen bildgebenden Verfahren bisher nicht nachweisen" 5.
Als Amphetamin hält Methylphenidat wach, schärft die Sinne und verbessert die Aufmerksamkeit und die Selbstkontrolle und macht ruhig und gefasst. Das gilt nicht nur für ADHS, sondern auch allgemein. Davon auszugehen, dass die Wirkung von Methylphenidat das Vorliegen von ADHS beweise, ist somit grundfalsch. In entsprechender Dosierung und Anwendung (Injektion oder Schnupfen) erzeugt es eine Sucht wie das ihm sehr ähnliche Kokain. Wird das Medikament medikamentös korrekt verabreicht, dann scheint jedoch keine körperliche Suchtgefährdung zu bestehen 6
Trotz tausender Studien zur Medikamentenwirkung werden die Nebenwirkungen und Folgen einer Methylphenidat-Medikation erst in letzter Zeit intensiver untersucht. Dabei zeigen sich besorgniserregende Befunde: Moll, Hüther u.a. machten 2001 den Anfang und fanden im Tierversuch, dass Methylphenidat dauerhafte Hirnveränderungen bzw. -schädigungen erzeugt (Moll 2001). Hüther machte auf ein möglicherweise erhöhtes Parkinsonrisiko aufmerksam (Hüther 2002). Weitere Befunde neuerer kritischer Tierstudien kommen aus renommierten USA-Hochschulinstituten. In 4 Tierstudien konnten die Forscher bei Übertragung der Befunde auf den Menschen die Vermutungen begründen, dass

Ritalin - das Wundermittel

Auch Ritalin (Methylphenidat) schrieb eine Erfolgsgeschichte ohne seinesgleichen, die nicht zuletzt auf den dubiosen Marketing-Tricks der Pharmaindustrie gründet . Auch für die Kinder und Jugendlichen außer Rand und Band bietet die Pharmaindustrie out of the box Hilfe an aus der Pillendose Inzwischen gibt es kaum mehr normale Schüler, sondern nur noch hochbegabte, teilleistungsgestörte und selektiv förderbedürftige Kinder. Überall schlummern die versteckten Talente, deren irrlichternde Assoziationsfetzen nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden müssen, damit aus einem verkannten ein bekanntes Genie wird. Die Diagnose ADHS7 wird inflationär gebraucht und avancierte zum Oberbegriff für jede bunte Verhaltensauffälligkeit.

Leon Eisenbergs Bekenntnis
Der weltweit renommierte Kinderpsychiater Leon Eisenberg aus den Vereinigten Staaten probierte in den sechziger Jahren an seinen lebhaften Patienten verschiedene Psychopharmaka aus, um die Kleinen ruhig zu stellen. Nach Entdeckung einer entsprechenden Pille, um die Kinder gefügig zu machen, erhob Eisenberg im Namen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die kindliche Lebhaftigkeit zu einer neuen Erkrankung. Es ergab sich eine äußerst lukrative, für wachsenden Gehirne jedoch hochgefährliche, Einnahmequelle der global arbeitenden Pharma- und Ärzteindustrie. Millionen von Kindern auf der ganzen Welt schlucken seit Jahrzehnten Ritalin, weil sie angeblich ADHS haben. Der Pharmariese Novartis und andere Anbieter setzen seit Jahrzehnten Milliarden in diesem Geschäft um. Kurz vor seinem Tod 2009 enthüllte der damals 87-jährige Eisenberg dann den Schwindel: Niemals sei er davon ausgegangen, dass seine Erfindung einmal derart populär würde, »ADHS ist ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung«! 89
Methylphenidat (kurz: MPH) ist ein Arzneistoff mit stimulierender Wirkung. Er gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen, die auch bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADS/ADHS) verabreicht werden. Daneben findet Methylphenidat Anwendung bei der Narkolepsie (eine Schlaf-Wach-Störung mit Symptomen wie Tagesschläfrigkeit, Kataplexie, fraktioniertem Nachtschlaf, auch übersetzt als "unerholsamer Schlaf"). Methylphenidat unterliegt betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften: In Deutschland ist es als verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft10 und unterliegt einer gesonderten Verschreibungspflicht.
Geschichte von Wirkstoff und Diagnose

1887 synthetisierte Lazar Edelnau eine Vorläufersubtanz von Methylphenidat, das Amphetamin. Mitte der 1920er Jahre suchte Gordon Alles einen künstlichen Ersatz für Ephedrin, das bis zu dieser Zeit aus der Pflanze Ephedra vulgaris (dem Meeträubel) gewonnen wurde. Das Amphetamin wurde als Asthma-Mittel ein, 1932 kam es unter der Bezeichnung Benzedrin auf den Markt. 1936 berichtete der "Lancet" begeistert von dem Stimulans, das die Stimmung, das Verhalten und die kognitiven Leistung positiv beeinflussten könne.11 1937 verabreichte dann der Chefarzt des "Emma-Pendleton-Bradley-Heims", Charles Bradley, erstmalig an Kinder Benzedrin. Viele Patienten der psychiatrischen Klinik hatten große Schmerze. Deshalb verschrieb Bradley ihnen Benzedrin, um ihre Stimmung aufzuhellen. Dabei ergab es sich, dass Benzedrin, ein zentrales Stimulans, bei den behandelten Kindern eine Konzentrationssteigerung bewirkte. Hyperaktive Kinder schienen zudem ruhiger zu werden. Paradoxerweise wirkte ein antriebssteigerndes Medikament für Erwachsene bei Kindern beruhigend. Schon Bradley warnte vor der großzügigen Medikamentenvergabe: "Jeder unsachgemäße Gebrauch des Benzedrin zum Zwecke der symptomatischen Behandlung könnte die Ursachen von Reaktionen, denen in jedem Fall angemessene Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste, maskieren."12

Die Karriere der heute wohl bekanntesten aller seelischen Kinderkrankheiten nahm schon im Jahre 1935 ihren Anfang. Ärzte aus den USA versuchten damals, zappeligen und unkonzentrierten Grundschülern ein Hirnleiden anzuhängen. Die unruhigen Kinder hätten mit den Folgen einer Gehirnentzündung zu kämpfen, hieß es, und litten am sogenannten post-enzephalitischen Syndrom. Da viele der angeblich betroffenen Kinder niemals eine Enzephalitis hatten, konnte sich dieser Begriff jedoch nicht durchsetzen.

Schmidt ergänzt dazu13: Der Pharma-Chemiker Leandro Panizzon entdeckte im Jahre 1944 rein zufällig das Methylphenidat. Er suchte nach einem Stimulans ohne die bekannt gewordenen Nebenwirkungen und ohne Missbrauchspotential. Eigenversuche bei neu entwickelten Substanzen von Arzneimittelchemikern waren derzeit fast schon eine Sache der Ehre. Also wurde das Methylphenidat auch von Panizzon und seiner Frau eingenommen Seine Ehefrau Marguerite („Rita“) war begeistert von der belebenden Wirkung. Besonders beeindruckt war Marguerite davon, dass sich ihre Leistung im Tennisspiel nach Einnahme von Methylphenidat steigerte. Der Handelsname "Ritalin" leitete sich von ihrem Spitznamen ab. Kurzum hat man also nicht ein Medikament zur Therapie einer bereits existierenden Erkrankung gesucht oder gefunden, sondern war zufällig auf einen neuen Wirkstoff (ein Amphetaminderivat), gestoßen, von dem man noch gar nicht recht wusste, was man damit anfangen sollte. K. Conners und Leon Eisenberg gaben dann später einen dem Ritalin verwandten Wirkstoff, nämlich Dexedrine, versuchsweise an zwei Schulklassen mit farbigen Unterschichtkindern in Baltimore, USA. Das Ergebnis war, dass sich das ansonsten nervige und rüpelhafte Verhalten der Schüler auffallend "normalisierte". Man hatte also ein Mittel gefunden, um das Verhalten der Kinder an Ghetto-Schulen chemisch zu beeinflussen. Auch hier lagen keine medizinischen Diagnosen bei den Kindern vor. Es handelte sich um verhaltensschwierigee Ghetto-Kids, deren Sozialverhalten mit der chemischen Keule angepasst werden sollte, ohne kostenintensiv an ihren chronisch traumatisierenden psychosozialen Verhältnissen in der Sozialpolitik etwas zu verbessern. Immer noch fehlte jedoch eine richtige Krankheit, gegen die man das Mittel hätte helfend einsetzen können. Die Gesellschaft hätte den Skandal ja wohl kaum akzeptiert, dass man verhaltensschwierige (delinquente14) und psychosozial benachteiligte Kinder mit einem Psychopharmakum chemisch ruhigstellt. Also ging man auf die Suche nach einer offiziellen medizinischen Krankheit, um das Mittel auch erfolgreich vermarkten zu können. Zuerst hatte man die Idee, dass Kinder eben dann krank seien, wenn das Mittel bei ihnen wirkte und dass sie als gesund einzustufen sind, wenn das Mittel nicht wirkte. Die Erkrankung bekam den Namen "funktionelle Verhaltensstörung", was die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA aber bald untersagte, weil das Krankheitsbild zu unspezifisch war. Also benannte man das Leiden um in "minimale zerebrale Dysfunktion (MCD)", was sich aber wissenschaftlich betrachtet ebenfalls als unbrauchbares Konstrukt erwies 1516. Nachdem in Folge ab 1980 das Syndrom "hyperkinetische Störung" durch Kindergärten und Schulen geisterte, erfand der amerikanische Psychiatrieverband dann endgültig das Kürzel "ADHS" . 17.

In den 1960ern verhalf dann Leon Eisenberg dem Krankheitsbild, unter neuem Namen, zum Durchbruch. Der Arzt, der abends zu Hause mit seinen eigenen Kindern spielte und sich tagsüber um schwierige Schüler kümmerte, an denen er Psychopharmaka ausprobierte. Zuerst testete er mit Dextroamphetamin, dann verschrieb er Methylphenidat zum Pausenbrot. Im Ergebnis wurden dann die temperamentvollen Kinder gefügig.
1967 kämpften dann Leonberg und sein Kollege Mike Rutter auf einem Seminar der Weltgesundheitsorganisation um die Aufnahme der angeblichen Hirnstörung als eigenständige Krankheit in den Katalog der psychiatrischen Leiden (DSM). Die derzeit eher psychosomatisch geprägten Ärzte lehnten das ab. Jedoch ließen Eisenberg und Rutter nicht locker und setzten sich durch. 1968 wurde die "hyperkinetische Reaktion des Kindesalters" im "Diagnostischen und Statistischen Manual" aufgenommen und befindet sich immer noch dort unter dem inzwischen gebräuchlichen Namen ADHS.18

Der aktuelle Status
Eine Erkrankung also, die es vielen recht machte. Die Annahme, ADHS habe genetische Ursachen, sei also angeboren, entlastete die Eltern ungemein. Demnach liege es nämlich nicht an der Erziehung, wenn das eigene Kind nicht wie erwünscht funktioniert. Und so gab es 2012 in jeder deutschen Grundschulklasse statistisch gesehen ein Kind mit der Diagnose ADHS. Um Tobemarie und Zappelphilipp zu beruhigen, erhalten sie Mittel wie Medikinet und Ritalin verabreicht. Das erfreut wiederum die Industrie, die sich jedes Jahr über neue Verkaufsrekorde freuen kann. Der Verbrauch des darin enthaltenen Betäubungsmittels Methylphenidat steigerte sich von 34 Kilogramm im Jahre 1993 auf 1760 Kilogramm im Jahre 2010.19

1988 verschrieben die Ärzte aus den USA zwei Tonnen der Tabletten, 1997 waren es dann bereits 14 Tonnen. Über sechs Millionen Schulkinder standen derzeit in den Vereinigten Staaten unter dem Einfluss von Ritalin.

Bis 2011 sind innerhalb von 20 Jahren die Verordnungen für Methylphenidat, bekannt als Ritalin oder Medikinet, um mehr als das Hundertfache in die Höhe geschnellt. Wurden 1990 weniger als 500.000 Tagesdosen des Psychopharmakons verschrieben, betrug die Verordnung im Jahr 2000 schon 13,5 Millionen Einheiten, um im 2010 auf 55 Millionen Tagesdosen zu steigen. Amerikanische Kinderärzte der Vereinigung Amerikanischer Kinderärzte empfehlen inzwischen, dass schon Vierjährige die Pillen schlucken sollen. Die Gesellschaft muss sich im Gegenzug fragen, welchen Grad an Bewegungsdrang und frei flottierender Aufmerksamkeit sie für erträglich hält. Die Grenzen werden immer enger gezogen. Weniger Freiräume zu lassen und Kinder damit als behandlungsbedürftig zu erklären, kann nicht sinnvoll sein, 20

Die Aufmerksamkeitsstörungen entwickelten sich um 2000 zur "Modediagnose". Die Fachleute warnen inzwischen vor der bedenkenlosen Anwendung des Arzneimittels, weil nicht jedes unruhige, lebhafte Kind auch automatisch als hyperaktiv eingestuft werden kann. Die Kinderärzte und Kinderpsychiater sind regelmäßig überfordert mit der exakten Diagnose und rezeptieren auch bei anderen Störungen das Ritalin.
Die derzeit herrschende Lehre, ADHS sei eine spezifische neuropsychologische Krankheit, hält einer genaueren wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind nicht spezifisch für ADHS. Andere komorbide psychiatrische Diagnosen und Lernprobleme wie Depressionen, psychoreaktive Verhaltensstörungen und Ängste überschneiden sich in der Symptomatik mindestens zu 60 Prozent mit ADHS 21.
Auch der führende amerikanische ADHS-Fachmann Barkley meint, dass sich die ADHS-Kinder Dingen, die sie in ihrer momentanen Situation vorfinden, durchaus aufmerksam zuwenden können. Es handelt sich also nicht um ein Aufmerksamkeitsproblem. Worauf sie sich jedoch nicht konzentrieren können, das ist das, was danach kommt, was jeweils als nächstes zu tun ist, um auf die jeweilige Zukunft des aktuellen Verhaltens vorbereitet zu sein. Sie halten nicht inne, um an die Folgen dessen nachzudenken, was momentan abläuft. Sie haben also kein Aufmerksamkeitsproblem, sondern ein Problem mit ihren Intentionen" 22

Die Pharmafirmen überbieten sich gegenseitig mit immer neuen Entwicklungen für den lukrativen ADHS-Markt. Beim Wirkstoff Atomoxetin, von der Firma Lilly als "Strattera" vertrieben, sollen die Nebenwirkungen wie Schlaf- und Appetitlosigkeit geringer sein als bei Ritalin.
Nur wenige Monate nachdem Strattera® zur Behandlung von Kindern mit ADHS in den Handel gebracht worden ist, musste der Hersteller Lilly weltweit Warnbriefe an Ärzte verschicken: Denn Atomoxetin erhöht das Risiko, dass Kinder und Jugendliche an Selbstmord denken.Aggressives Verhalten bis hin zur Äußerung von Morddrohungen war bereits bei Markteinführung als Problem bekannt.

In den USA wird inzwischen ein Mittel namens "Adderal" häufiger als Ritalin verschrieben. Allein im ersten Halbjahr 2006 nahm die Firma Shire durch den Verkauf von Adderal 426,8 Millionen Dollar ein, das ist die Hälfte des Gesamtumsatzes des Pharmakonzerns. Das Medikament besteht aus verschiedenen Dextroamphetamin-Derivaten, deren Wirkung auf das Gehirn unerforscht ist. Adderal soll die Wiederaufnahme von Dopamin in die präsynaptischen Neuronen blockieren und deren Ausschüttung in den extraneuronalen Raum erhöhen. Die Substanz kehrt demnach den Mechanismus der Wiederaufnahme um und macht aus einem bestehenden Vakuum eine Pumpe.
Die chemischen Labors der Pharmaindustrie werkeln auch an neuen Applikationsformen, um den großen Bedarf decken zu können. So verkauft die Firma Noven Pharmaceuticals ein Pflaster (Daytrana), so dass die ADHS-lindernden Substanzen über die Haut eingenommen werden. Shire vertreibt auch dieses Produkt seit Juni 2006.

Seit Dezember 2010 darf Ritalin nur noch von Fachärzten für Verhaltensstörungen von Kindern und Jugendlichen und nicht mehr von den Hausärzten verschrieben werden. Die Diagnose von ADHS sollte sich nicht mehr allein auf Symptome stützen, sondern auf eine eingehende Untersuchung. Die Gabe von Psychopharmaka für Kinder sollte ohnehin die ultima ratio, der letzte Schritt, sein.23

Im Oktober 2006 erteilte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) eine vorläufige Genehmigung für NRP-104, ein ADHS-Medikament, das von New River Pharmaceuticals synthetisiert und wiederum von Shire vertrieben wird. Die Aktienkurse der beiden Firmen schossen nach dieser Meldung exorbitant in die Höhe. Zwar basiert auch dieses Medikament auf Amphetaminverbindungen, doch soll laut Aussage der beiden Unternehmen weniger Missbrauch möglich sein. NRP-104 soll also eine sichere Droge sein. Die Chemie hinter diesem Mittel war vergleichsweise simpel: Ein herkömmliches Amphetamin-Molekül wurde mit einer Aminosäure versehen. Im menschlichen Körper ist die Substanz dann so lange inaktiv, bis sie auf ein Enzym trifft, das die Aminosäure absprengt und das Amphetamin verfügbar macht. Dieser Prozess findet in der Hauptsache in der Leber statt. Dadurch soll dann auch eine langsame, aber kontinuierliche Abgabe über den Tag verteilt erfolgen. Problematisch ist nur, dass verschiedene Menschen auch verschiedene Anzahlen der Enzyme haben, jeder Mensch verstoffwechselt also unterschiedlich. Die Drug Enforcement Administration (DEA) hat NRP-104 nicht als scharf zu kontrollierenden Substanz (Schedule I oder II) klassifiziert 24. Das ist natürlich ein klarer Marktvorteil für Shire und ihren Partner New River Pharmaceuticals .25

Die Vereinigung US-amerikanischer Kinderärzte erweiterte unlängst die Richtlinien zur Abgabe von Methylphenidat an Kinder. In Zukunft darf Kindern ab vier Jahren der Wirkstoff verabreicht werden; die Grenze wurde also um zwei Jahre nach unten verschoben. Die Leitlinie empfiehlt immerhin, Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren zunächst verhaltenstherapeutisch zu behandeln und erst dann Methylphenidat zu verschreiben, wenn sich keine signifikanten Erfolge einstellen. Dort, wo keine verhaltenstherapeutische Betreuung verfügbar ist, kann die Medikation mit Methylphenidat jedoch gleich beginnen. Der Behandelnde hat bei den Grundschulkinder im Alter von 6 bis 11 Jahren die Wahl, ob er zu Ritalin und/oder zur Verhaltenstherapie. Für die 12- bis 18-Jährigen wird jedoch empfohlen, gleich auf Methylphenidat zurückzugreifen, möglicherweise ergänzt durch therapeutische Maßnahmen.

Nach der Diagnose von ADHS bei einem Kind, werden schnell Medikamente verschrieben, wobei der Einsatz von Mitteln wie Ritalin sehr kontrovers diskutiert wird. Die Psychiater haben nun alternative Therapien verglichen. Die Meta-Analyse brachte zu Tage, dass noch zu wenig methodisch gute Studien über die Alternativen zu Ritalin existieren.26

Gegenstimmen

"Betrachten wir zum Beispiel die Probleme heranwachsender Jugendlicher. Lange Zeit waren Schwärmereien wie die eines Tom Sawyer als etwas in diesem Alter völlig Natürliches gewertet worden. In den sechziger Jahren wurden sie jedoch plötzlich als krankhaft eingestuft, und man schoss gleich mit schwerem Kaliber. Plötzlich hieß es in der Terminologie der fünfziger und sechziger Jahre, dass solche Verhaltensweisen zumindest durch »geringfügige Hirnfunktionsstörungen« verursacht würden. Mit anderen Worten: Tom Sawyer hatte einen Dachschaden. Diese Diagnose wurde zwar später als völlig absurd wieder verworfen, doch dafür begann man sich auf Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche zu stürzen, weil es manchmal anstrengend ist, Jungen im Klassenzimmer zur Ruhe zu bringen. Ohne auch nur einen Blick auf die Lehrerpsyche zu werfen, griffen Erziehungswissenschaftler dankbar nach dieser neuen Pathologisierung der Knabenpsyche. 1968 wurde die »hyperkinetische Reaktion«, die sich angeblich während der Kindheit oder Adoleszenz durch Ruhelosigkeit und Unaufmerksamkeit manifestiert, zum offiziellen Fachbegriff: 1980 erfand man dafür die Formulierung „hyperaktive Aufmerksamkeitsschwäche“ 27

Auch der ehemalige Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Hamburger Uniklinik Eppendorf, der verstorbene Prof. Dr. Peter Riedesser hat eindringlich erklärt, dass oftmals familiäre Probleme zugrunde liegen. Diesen müsse man sich zuwenden und sie untersuchen. Auch sind allermeist Jungs betroffen, was auch damit zusammenhängt, dass diese oft ein ungezügelteres Temperament haben als ihre weiblichen Altersgenossen. Nun werden aber gerade in den Kinderbetreuungsanstalten als auch in der Schule am Verhalten der bräveren Mädchen oft der von den Kindern eingeforderte Verhaltenskodex festgemacht. Wenn die Jungs also naturgemäß wilder spielen, dann gelten sie bald schon als verhaltensauffällig. ADHS ist also eher als das Problem der unverstandenen Jungen von heute zu verstehen. 28

Den bewegungsintensiven Kindern kann man oft auch ohne Pillen helfen, etwa durch simple Änderungen im Alltag. Als Beispiel mag die Geschichte eines jungen Engländers taugen, der Ende des 19. Jahrhunderts zur Schule ging und nach den Maßstäben unserer Zeit wohl als hyperaktiv einzustufen wäre. Um seine überschüssige Energie abzureagieren, vereinbarte der unruhige Geist mit seinen Lehrern, dass er nach jeder Stunde einmal um das Schulgebäude rennen durfte. Tatsächlich wurde der Alltag dadurch erträglich – für den Schüler und seine Lehrer gleichermaßen. Im späteren Leben hat der Engländer dann allerdings gänzlich auf Sport verzichtet. Sein Name: Winston Churchill.

Die Diagnose von ADD ist schwierig. Die aufwendigen Magnetresonanzaufzeichnungen des Gehirnstoffwechsels, die die amerikanischen Forscher für den Nachweis des Fehlens von Dopamin verwendet haben, entsprechen nicht den Möglichkeiten der praktizierenden Kinderärzte und Kinderpsychologen. Also besteht eine große Gefahr dafür, dass Ritalin auch Kindern verabreicht wird, deren Verhaltensauffälligkeit aus anderen Gründen herrührt.

Walter Bockemühl, Chef der rheinland-pfälzischen AOK, ist der Meinung, dass gerade bei ADHS das als Ritalin bekannte Methylphenidat oft nur auf Wunsch der Eltern verordnet wird - mit steigender Tendenz. Zwischen 2004 und 2011 habe sich der Umsatz bei Ritalin in Rheinland-Pfalz von 1,5 Millionen auf 4,5 Millionen Euro erhöht29

Wie wirkt Ritalin?

Die gängige Forschungshypothese lautet, dass Ritalin den Stoffwechsel des Gehirns beeinflusst. Die Hirnregionen, welche Aufmerksamkeit und Bewegung steuern, haben zu wenig vom Neurotransmitter Dopamin. Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die an den Synapsen (Nervenenden) freigesetzt werden und bei der Kommunikation der Neuronen vermittelnd eingreifen. Sie funktionieren also als Botenstoff. Dopamin ist so ein Stoff, der Signale überträgt und im zentralen Nervensystem emotionale und geistige Reaktionen beeinflusst und letzten Endes Bewegungsentwürfe, wie etwa die Mimik steuert. Störungen im Dopaminhaushalt beobachten und vermuten wir bei verschiedenen Krankheiten: Die Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) lässt sich beispielsweise auf einen Mangel an Dopamin in bestimmten Bereichen des Gehirns erklären. Auch bei der Schizophrenie wird ein Ungleichgewicht im Vergleich zum gesunden Menschen vermutet. Das Dopamin hat nicht nur die Funktion als erregender Neurotransmitter, sondern ist auch als Vorstufe des Noradrenalin und Adrenalin bedeutsam. Das Fehlen von Dopamin geht einher mit einer gestörten Datenverarbeitung im Gehirn. Die Gründe dafür konnten die Forscher bislang noch nicht herausfinden. Unklar ist auch, was bei der Einnahme von Ritalin im Gehirn tatsächlich passiert und aus welchem Grunde man die zumeist hyperaktiven Kinder mit einem aufputschenden Mittel paradoxerweise so weit beruhigen kann, dass sie dem Unterricht folgen und für einige Stunden angemessen funktionieren können. Bekannt ist jedoch, dass bei intravenöser Applikation Methylphenidat den Transportmechanismus DAT des Neurotransmitters Dopamin blockiert, was die Dopaminkonzentration im Gehirn steigert. Es war dann der Verdienst von Nora D. Volkov et al.30, die die Änderung des Dopamin-Levels31nach der Einnahme von Methylphenidat-Tabletten32) ebenfalls zu einer signifikanten Änderung des Dopamin-Levels führt. gemessen haben. Der Wirkstoff blockiert also auch bei oraler Einnahme den Transportmechanismus 33 und trägt damit bei zu der erwünschten Erhöhung der Dopamin-Konzentration im Gehirn.34 Die Resultate des des New Yorker Forscherteams decken sich mit anderen Forschungsergebnissen 35, die bei Patienten mit ADHD eine erhöhte Tätigkeit des Transportmechanismus DAT gefunden haben, wodurch der Botenstoff Dopamin zu schnell aus den Zellen entfernt wird. An der Untersuchung nahmen 11 Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren teil, die nicht unter ADHD litten. Die Forscher meinen, es gäbe keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Dopamin-Konzentration auch bei ADHD-Patienten nach Einnahme von Methylphenidat steigt. Wobei die Steigerung ganz unterschiedlich ausfällt. Ungeklärt ist bislang auch, ob die Wirkung des Medikaments auf den Transportmechanismus DAT bei dauerhafter Anwendung nachlässt. Die Wissenschaftler wandten des Abbildungsverfahren PET (Positronen- Emissions- Tomographie) im Striatum, einem Teil des Endhirns, an, um die Werte zu messen. Die Studie brachte zudem auch zusätzliche Erkenntnisse über die Wirkung von Ritalin (hier wird der Wirkstoff meist gespritzt) bei missbräuchlicher Verwendung durch Drogenkonsumenten. Die orale Einnahme als Tablette hat nämlich ganz offensichtlich nicht den gleichen von Drogenkonsumenten erwünschten Effekt. Daraus folgert sich aber auch die Frage, ob der Wirkstoff Methylphenidat möglicherweise bei oraler Einnahme nicht bzw. zu wenig wirkt. Der Bericht im Journal of Neuroscience führt dazu aus, dass die Dopaminkonzentration bei oraler Einnahme im vergleichbarem Ausmaß zur intravenösen Applikation steigt. Dennoch hätten die Testpersonen kein "High"-Gefühl gehabt, von dem die Testpersonen aus früheren Studien, die den Wirkstoff intravenös verabreicht bekamen, berichteten. Dies habe zu tun mit der unterschiedliche Zeitspanne bis sich die volle Wirkung entfaltet. Nach der intravenösen Applikation steigt die Konzentration des Dopamins im Gehirn nämlich innerhalb weniger Minuten, während es bei oraler Einnahme etwa 1 Stunde dauert, bis die volle Wirkung erreicht. Dieser längere Zeitraum gibt dann den Körper die Gelegenheit zur langsamen Anpassung. Das Ritalin greift wie Kokain in den Stoffwechsel von Dopamin ein, es könnte also Kokainabhängigen dabei helfen, von ihrer Sucht wegzukommen - vergleichbar dem Methadon, welches bei Heroinsucht als Substitut Einsatz findet. Menschen, die von Kokain abhängig sind, können ähnlich wie Menschen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ihre Impulse schlecht kontrollieren; sie tun sich schwer damit, spontane Reaktionen zu unterdrücken. In einem weiteren Experiment in den USA erhielten die Testpersonen, die 8 bis 18 Jahren lang regelmäßig Kokain konsumiert hatten, das Methylphenidat injiziert. Bei Reaktionstests am Computer schnitten die Testpersonen besser ab als die Kontrollpersonen des Versuchs, die lediglich eine Salzlösung injiziert erhalten hatten. Die Droge hat Im Gehirn der Probanden im präfrontalen Cortex die Aktivität der Nervenzellen verändert. Die Süchtigen suchen aber den massiven Kick von Kokain und werden mit dem Ersatzstoff daher weniger anzufangen wissen als manche Heroinsüchtige mit Methadon, wobei auch Methadon bei einer beträchtlichen Anzahl von Heroinkonsumenten versagt und daher in manchen Ländern Heroin an diese abgegeben wird. Hochdosiertes Ritalin kann jedenfalls im Belohnungszentrum des Gehirns von Mäusen ähnliche Veränderungen verursachen wie bei Kokainabhängigenn. Nora Volkow, die Direktorin des Nationalen Instituts für Drogenmissbrauch in den USA warnte davor, Kinder und Jugendliche mit ADHS mit Ritalin oder ähnlichen Präparaten zu behandeln. Neuere Untersuchungen im Tierversuch ergaben, dass Methylphenidat die synaptischen Verknüpfungen in der Amygdala verändert, die Wirkung kann also über die Dauer der Anwendung hinaus bestehen bleiben. Eine Bewertung, ob dies positiv oder doch eher nachteilig für den Anwender ist, lässt sich aus Experimenten mit Tieren jedoch kaum ableiten.

Das menschliche Gehirn ist jedoch viel plastischer und in seiner Entwicklung von Erfahrung viel abhängiger, als die Forscher für ADHS es bisher zur Kenntnis nehmen. Die moderne Hirnforschung belegt, dass Erfahrungen und Umwelteinflüsse die Hirnstrukturen und –funktionen formen. Zum Beispiel führt die frühe Trennung der Jungtiere von ihren Eltern zur vermehrten Bildung synaptischer Verschaltungen (spines) im Gehirn, wie man sie z.B. auch bei Schizophrenen oder beim Fragilen X-Syndrom fand. Auch die dopaminerge D1-Rezeptorendichte war deutlich erhöht. Die Tiere zeigten als Folge dieser Hirnveränderungen vermehrt hyperaktives Verhalten 36

Die Kurzzeiteffekte von Ritalin sind inkonsistent, Nebenwirkungen aber häufig und Langzeiteffekte über 12 Wochen hinaus sind nicht belegt37.

Zur genetischen Herkunft von ADHS

Eine weitere Arbeitshypothese ist die genetische Herkunft von ADHS. : Daran zweifelt seit 2005 auch die Bundesärztekammer. "Allerdings sind die genannten genetischen Polymorphismen in der Bevölkerung weit verbreitet, sie erhöhen das Risiko für ADHS jeweils nur gering (1.2 bis 1.9-fach) und erklären jeweils weniger als 5% der Verhaltensvarianz. Daraus ist abzuleiten, dass das Auftreten einer ADHS nicht auf die Veränderung eines einzelnen Gens zurückzuführen ist. Vielmehr ist im Sinne einer multifaktoriellen Genese an Wechselwirkungen verschiedener Gene und/oder die Wechselwirkungen zwischen genetischen und exogenen Faktoren (z. B. mütterliches Rauchen) zu denken. Letztere sind bislang noch wenig erforscht" 38. Der vorletzte Satz beeindruckt dabei am meisten - erwägt man doch einen umweltbezogenen Faktor für die der Entstehung von ADHS betont man seine bisher mangelhafte Berücksichtigung (Stichwort: Epigenetik).

Zur Erblichkeit von ADHS

Die Erblichkeit menschlichen Verhaltens ist derzeit ohnehin nicht absolut ermittelbar. Sie wird geschätzt und die Ergebnisse fallen je nach Stichprobe ganz unterschiedlich aus. Sie sind zwar abhängig von der jeweiligen Variation der beobachteten Merkmale in der gerade untersuchten Stichprobe. In der berühmten sog. "Minnesota-Zwillingsstudie", in der z.B. eine angebliche Erblichkeit des Intelligenzquotienten zu 70 Prozent ermittelt wurde, gab es eine nur geringe Variation der Umweltbedingungen, unter denen die untersuchten, getrennt aufgewachsenen Zwillinge aufgewachsen waren, so dass der Schätzwert für Erblichkeit hoch ausfallen musste. Wenn der Milieufaktor stark variiert hätte (der eine Zwilling wuchs beispielsweise in einer europäischen Königsfamilie und der andere bei ungarischen Zigeunern oder afrikanischen Buschmännern auf), hätte das den Wert für Erblichkeit wesentlich reduziert. 39

Trivial sind die genetischen Forschungsergebnisse zu ADHS auch deshalb, weil die Gene an allem menschlichen Verhalten irgendwie beteiligt sind, also auch an normalem Verhalten. Denn ob es sich bei ADHS-Verhalten um krankhaftes oder gestörtes Verhalten handelt, unterliegt keineswegs objektiven, sondern sehr subjektiven, kulturell und gesellschaftlich bedingten Beurteilungskriterien. Dabei wissen wir noch fast gar nichts darüber, wie Gene an komplizierten und durch Lernerfahrungen stark mitgeprägten menschlichen Verhaltenskomplexen beteiligt sind.Selbst bei anerkannten psychiatrischen Störungen wie der Schizophrenie hat man nach vielen Jahrzehnten intensiver genetischer Forschungsarbeit noch keine klaren Erkenntnisse gewonnen.

Die Behauptung, ADHS sei überwiegend genetisch bedingt, ist also unzulässig. Es handelt sich lediglich um eine Forschungshypothese und nicht um eine wissenschaftliche Tatsache.

Vererbbarkeit von ADHS und die Zwillingsforschung

Ob nun ADHS vererbbar ist, deckt sich mit der Frage nach der Genetik. Die Fragwürdigkeit genetischer Ursachen wurde oben schon diskutiert. Die Behauptung einer Vererbbarkeit bezieht sich meistens auf Familien- und Zwillingsstudien. Im individuellen Einzelfall lassen sich dann ohnehin keine Aussagen über den Anteil genetischer versus umweltbezogener Faktoren machen 40. Doch erlaubt auch der Gruppenvergleich aus familiären Verhaltenshäufungen keine solchen Schlüsse, weil sich in den Familien die genetischen und psychosozialen Umwelteinflüsse immer untrennbar mischen. Auch bei Zwillingsstudien sind wenig sinnvoll, weil eineiige, gemeinsam aufwachsende Zwillinge zwar dieselbe psychosoziale Umwelt teilen, jedoch gänzlich voneinander unterscheidbare psychologische Erfahrungen haben können. Zum Beispiel haben auch Zwillinge voneinander unterscheidbare Geschwisterrollen.

Selbst Zwillinge teilen 9 Monate lang denselben mütterlichen Blutkreislauf. Daraus ergibt sich dann, dass die hohe Mongolismuskonkordanz bei Zwillingen nicht auf Vererbung, sondern auf das relativ hohe Lebensalter der Mütter zurückzuführen ist 41. Getrennt aufwachsende eineiige Zwillinge wachsen, oft in sehr ähnlichen psychosozialen Kontexten auf, so dass sich ihre Verhaltensgemeinsamkeiten stets auch durch ihre geteilte Umwelt erklären lassen kann. Diskonkordanzen bei Zwillingen wurden bislang noch überhaupt nicht untersucht. Lässt man aber bei zwei Gruppen von Menschen alle Diskonkordanzen außer Acht und sucht man lediglich die Konkordanzen, dann wird man auch schnell in der gewünschten Richtung fündig. Übersehen wird auch oft, dass sich die frühe psychologische Umwelt bei eineiigen Zwillingen von derjenigen von Einlingen und zweieiigen Zwillingen gänzlich unterscheidet. Die Bindungsforschung hat bewiesen, dass Geschwisterkinder zu 50 bis 65% denselben Bindungstyp an die Mutter aufweisen, Zwillinge aber nur zu 30 bis 50 %. Zwillinge zeigten sich also häufiger ganz unterschiedlich an die Mutter gebunden 4243.

Da es nur wenige eineiige, sehr früh getrennte Zwillinge gibt, kann man damit auch keine zuverlässige Studien anstellen. Diese Zwillingsstudien weisen Stichproben-, Methoden- und Diagnosefehler auf. In einer amerikanischen Schizophrenie-Studie fand der Autor in den gesamten USA ganze 19 getrennt aufgewachsene eineiige Zwillingspaare44 - doch war keiner unter ihnen schizophren. Jackson fand seinerzeit in der gesamten 40jährigen Schizophrenieliteratur nur zwei eineiige, schizophrene Zwillingspaare 45. Die bisher umfassendste allgemeine Zwillingsstudie, die Minnesota-Studie, musste sich mit 59 getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingspaaren abfinden 46. Zudem besagt die Konkordanz eines bestimmten Verhaltens noch lange nichts über deren Krankhaftigkeit. Bekommen die beiden Kinder rote Haare, dann sagt das zwar etwas über Vererbung, aber noch nichts über eine Störung aus.

Eltern erleiden oft den Trugschluss, dass es für die Vererbung von ADHS spreche, wenn nur eines ihrer Kinder diese Diagnose erhält, die anderen aber nicht. Dabei wachsen doch alle ihre Kinder in derselben Familie, also unter scheinbar identischen Umwelteinflüssen auf. Die Eltern schlussfolgern nun, dass nur eines ihrer Kinder ADHS geerbt habe und die anderen zum Glück nicht. Dabei erleben selbst Geschwisterkinder ihre Familie ganz unterschiedlich und sind obendrein auch ganz unterschiedlichen erzieherischen Einflüssen ausgesetzt. Geschwisterkinder unterscheiden sich übrigens in ihrer Persönlichkeit (bis hin zum Intelligenzquotienten) meist mehr als zwei willkürlich herausgegriffene fremde Kinder gleichen Alters. Die Geschwister erleben ihre Umwelt auch ganz verschieden, weil das familiäre Zusammenspiel mit den Eltern, Geschwistern, Freunden für jedes der Kinder eine völlig unterschiedliche Umwelt innerhalb derselben Familie schafft. Und genau diese subtilen Unterschiede formen die Entwicklung der Persönlichkeit weitaus stärker als die geteilten Gemeinsamkeiten 47.

Neben der allgemeinen Kritik an der Zwillingsforschung liegt ein sehr ernstes Problem, das alle ADHS-Studien, also auch diejenigen zur Vererbung und Genetik betrifft, in der erschreckenden Unzuverlässigkeit der Diagnostik von ADHS. Die meisten Diagnosen entsprechen nämlich nicht einmal dem Mindeststandard der ärztlichen Diagnoserichtlinien. 75 % der Kinder, die mit Stimulanzien behandelt werden, erfüllen gar nicht die diagnostischen Kriterien für ADHS und fast 60 % der Diagnosen waren ganz einfach falsch 4849.

Die Problematik der Definitionsvielfalt

Die Diagnosekataloge aus Deutschland stimmen nicht überein mit denen aus den USA. Unterhalten sich also drei Fachleute über das Thema ADHS, dann meint wahrscheinlich jeder von ihnen etwas anderes. Ganz abgesehen von den vielen nur ganz einseitig informierten und stark verängstigten Eltern verhaltensschwieriger Kinder, denen man eingeredet hat, dass ihre Kinder an einer genetischen Hirnfunktionsstörung leiden, die mit Psychostimulanzien behandelt werden müsse.

Ähnliche Störungsbilder

Es gibt bekanntlich zahlreiche Störungsbilder, die eine identische oder sehr ähnliche Symptomatik zeigen können wie ADS bzw. ADHS und die differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen. ADD ist nämlich eine Ausschlussdiagnose - vor der Diagnose von ADD sind also andere Ursachen50 für auffälliges Verhalten abzuklären:

  • Depressive und bipolare Störungen
  • Angststörungen
  • Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Spielsucht, Esstörungen etc.
  • Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten / Verhaltensstörungen bei Kindern
  • Lernstörungen, insbesondere Schreib- und Leseschwäche
  • Psychotische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
  • Zwangsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Tic-Störungen
  • Hypo- und Hyperthyreoidismus
  • Schlafstörungen
  • Erberkrankungen (Chromosomale Störungen wie z.B. Klinefelter-Syndrom)
  • Hirnverletzungen, Traumata

Max Friedrich (Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters in Wien) schätzt, dass von den jährlich 2.500 Kinder, die vorgestellt werden, etwa 20 eine echte ADS haben, also knapp 10 Promille. 15 Prozent sind nur nervös im Sinne des "Zappelphilipp". Also besteht der Verdacht, dass die meisten Kinder, die auf Ritalin gesetzt werden, das Leiden gar nicht haben, das diese Verordnung begründen könnte.

Höchstwahrscheinlich werden unter der Diagnose ADD eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Phänomene zusammengefasst mit unterschiedlichen Ursachen (teils neurophysiologisch, teils psychosozial, teils psychodynamisch)51. Eine rein symptomatologische ADD-Diagnostik ist nicht ausreichend und die standardmäßige Verschreibung von Ritalin, teils ohne Effektüberprüfung, müsste kritischer unter die Lupe genommen werden. Zudem stellt sich doch die Frage, wer am meisten Interesse daran haben könnte, dass eine organisch begründete "Krankheit" ADD existiert und mit Medikamenten behandelt wird, und das gleich massenweise.

Die verschriebene Menge hat sich von 1995 mit 0,7 Millionen Tabletten zu 1999 mit 31 Millionen Tabletten vervierzigfacht. Damit kommen ähnliche Verhältnisse auf uns zu wie in den USA, wo Apotheken zu Schulbeginn mit "Ritalin im Sonderangebot" werben.
Die zunehmende Produktion und Verwendung der Droge Ritalin kann dabei auf die Behandlung von ADD-Kindern zurückgeführt werden.

Nebenwirkungen

Schon im Jahre 1986 veröffentlichte das International „Journal of the Addictions“ eine Studie über sämtliche wissenschaftliche Publikationen, die sich bis dahin mit den Nebenwirkungen von Ritalin auseinandergesetzt haben. Mehr als hundert unerwünschte kamen dabei zusammen: Dazu zählen: paranoide Psychosen und Wahnvorstellungen, hypomanische und manische Symptome, Halluzinationen der Augen und Ohren (mitunter stärker als bei der Droge LSD), extreme Abkapselung, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Suchtgefahr, psychische und physische Abhängigkeit, Nervenzuckungen und Verkrampfungen, Aggressivität.

Zwar gibt es inzwischen Tausende von Studien zur Medikamentenwirkung, doch werden die Nebenwirkungen und Folgen einer Methylphenidat-Medikation erst in den letzten Jahren seit 2001 intensiver untersucht. Es ergeben sich besorgniserregende Resultate: In Versuchen mit Tieren fand man heraus, dass Methylphenidat dauerhafte Hirnveränderungen bzw. -schädigungen erzeugt 52. Es besteht zudem ein erhöhtes Parkinsonrisiko 53. Weitere kritische Tierstudien aus renommierten USA-Hochschulinstituten ergaben, dass Ritalin bei Kindern hirnmolekulare Veränderungen im Striatum bewirkt 54und dass Ritalin bei Kindern zu bleibenden und dramatischen dopaminergen Hirnveränderungen im Erwachsenenalter führt. 55 56.

Eine Studie der University of Texas, USA, mit vorläufig nur 12 Kindern, die mit Methylphenidat behandelt wurden, hat ein Besorgnis erregendes Ergebnis erbracht, das in folgenden Studien aber nicht wiederholt werden konnte: Bei allen 12 Kindern wurden schon nach dreimonatiger normaldosierter Einnahme von Methylphenidat Chromosomenbrüche festgestellt, die mit Bluttests zur Feststellung eines Krebsrisikos nachweisbar sind. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist dreimal höher. Die Wissenschaftler zeigten sich erstaunt darüber, dass bislang so wenige solcher Studien über Nebenwirkungen durchgeführt wurden, da ja schon 1996 bei Mäusen Leberkrebs nach der Gabe von Methylphenidat festgestellt worden war.

Mögliche Nebenwirkungen sind Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Magenbeschwerden. Niedrige orale Dosen (2,5-20 Milligramm) führen zu Reaktionen, die den biochemischen Vorbereitungen des Körpers in Schreck-, Flucht- oder Angriffsreaktion entsprechen: Der Blutdruck erhöht sich, der Puls beschleunigt sich, die Bronchialmuskulatur entspannt sich, die Aufmerksamkeit ist erhöht, Euphorie, Erregung, Wachheit, das Müdigkeitsgefühl ist vermindert, Appetitverlust, Stimmungsaufhellung, die motorische Aktivität ist verstärkt, Rededrang, die Leistungsfähigkeit nimmt kurzfristig zu, Geschicklichkeit und Feinmotorik können sich verschlechtern. Diese unerwünschten Wirkungen klingen dann im Lauf der Therapiedauer meistens ab. Dazu kommen als Nebenwirkungen Übererregbarkeit, Müdigkeit, Traurigkeit, Ängstlichkeit, Weinerlichkeit, Kopfschmerzen Schwindel, Gewichtsverlust, Mundtrockenheit, Durchfall und Verstopfung. Bei mäßiger Dosierung (20-50 Milligramm) wird die Atmung stimuliert, leichtes Zittern, Unruhe, weitere Steigerung der motorischen Aktivität, Schlafstörungen und ausgeprägtere Erregungszustände. Müdigkeit und Appetit werden stärker unterdrückt. Eine Überdosierung führt dann zu Krämpfen, Fieber, Zittern bis hin zum Kreislaufkollaps und zur Lähmung des Atems. Bei regelmäßiger Einnahme klingen diese unerwünschten Wirkungen häufig ab. Wird das Medikament länger angewendet, dann können beim plötzlichen Absetzen ausgeprägte Depressionen und Müdigkeit als Entzugssyndrom auftreten. Bis sich das Schlafmuster vollständig normalisiert hat, können einige Wochen vergehen. Es bestehen auch risikobehaftete Wechselwirkungen beim Mischkonsum mit anderen Substanzen: Die Wechselwirkungen mit Alkohol sind unkalkulierbar, es besteht die Gefahr einer Alkoholvergiftung. Cannabis wirkt verstärkend auf die Wirkung von Ritalin, Halluzinationen können auftreten. Die gemeinsame Verwendung mit Ecstasy belastet den Kreislauf stark und es besteht die Gefahr eines stärkeren Flüssigkeitsverlustes. Ängstliche Personen, Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion und psychischen Erkrankungen (Schizophrenie, Tourette-Syndrom, Depression etc.) und Schwangere sollten kein Ritalin konsumieren. Methylphenidat ist möglicherweise krebserregend ist.57 Der Zusammenhang zwischen chromosomalen Abweichungen und Krebs ist gut dokumentiert.

Die psychologischen Folgen einer ADHS-Diagnose bei Kindern mit ihren Implikationen für die Beziehung zwischen den Eltern und dem betroffenen Kind sind ebenso wie die psychologischen Auswirkungen einer medikamentösen Langzeitbehandlung sehr ernst zu nehmen. Dennoch wird auf diesem Gebiet nicht geforscht. Die Mediziner registrieren mit Erschrecken, wie sich die Gesellschaft lieber der Psychopharmaka bedient, als an den Umweltbedingungen der Kinder etwas nachhaltig zu verbessern. Leidet ein Kind viele Jahre lang unter seiner gestörten Familie und wird es dann lediglich mit Medikamenten beruhigt, dann kann man von einer modernen Form der Kindesmisshandlung sprechen.

Die Behandlung mit Ritalin zeitigt psychosoziale Konsequenzen, die bislang völlig ausgeblendet wurden. Die Kinder schlucken das "Rita" meistens nur widerwillig, weil sie sich auf gesunde Weise gegen die stigmatisierende Zuschreibung einer angeblichen Krankheit wehren. Oft fühlen sich die Kinder unter der Einwirkung von Ritalin nicht mehr wie "sie selbst". Manche erleben die Medikamentierung als Strafe für ihr "schlechtes" Verhalten. Die Kinder wachsen im Bewusstsein heran, bei ihnen sei "eine Schraube locker", ihr Gehirn sei irgendwie gestört oder defekt. Die Folgen einer medikamentösen Behandlung kindlicher Verhaltensschwierigkeiten auf das Selbstwertgefühl und die psychosoziale Entwicklung der betroffenen Kinder sind sicher gravierend. Dennoch scheint die Wissenschaft die Implikationen schlichtwegs zu ignorieren.
Der Ruf nach einer Gesamttherapie

Die Fachverbände für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland lehnen es ab, grundsätzlich auf die Behandlung mit Methylphenidat zu verzichten, ausschließliche Behandlung mit Methylphenidat ohne begleitende psychotherapeutische Interventionen zu behandeln und mit hohen Dosen zu behandeln, weil dies unzureichende Behandlungsstrategien seien
Selbst die Hersteller von Ritalin empfehlen inzwischen, das Mittel Kindern mit "hyperkinetischen Verhaltensstörungen im Rahmen einer Gesamttherapie" zu verordnen.

70 bis 80 Prozent der Kinder zeigen nach der Einnahme von Ritalin die erwünschten Änderungen im Verhalten. Das Medikament ist kein Heilmittel, sondern unterdrückt lediglich Symptome und muss daher andauernd eingenommen werden. Das erwünschte Verhalten muss über andere Therapieformen eingeübt und gefestigt werden. Zuerst ist da eine Verhaltenstherapie angebracht, doch können auch Entspannungsmethoden, Ergotherapie und Übungen aus der Psychomotorik hilfreich sein, In einer signifikanten Zahl von Fällen kann die Umstellung der Ernährung Erfolge bringen.

Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit können mittels Neurofeedback können lernen, ihre sogenannten langsamen Hirnpotenziale zu steigern – um so die Neurone in bestimmten Hirngebieten quasi schon vorzuaktivieren, wenn sie eine Aufgabe erwarten. Ein anderer Ansatz ist es, bestimmte Frequenzbänder zu stärken oder zu schwächen, etwa die langsamen Thetawellen. Das Training der langsamen Hirnpotenziale scheint dabei am besten zu wirken. In einer kleinen Studie wurde auch die Wirkung von Neurofeedback mit der von Ritalin verglichen: Die Effekte waren gleich groß. Ritalin hat jedoch massive Nebeneffekte und wirkt nicht langfristig. Also sind Neurofeedback und Verhaltenstherapie im Moment die einzig sinnvollen Behandlungsmethoden. Dennoch verschreiben die meisten Ärzte einfach Ritalin – weil es schneller geht und weil ihnen das die Pharmaindustrie so eingeredet hat. 58
Hüthers Gegenmodell
Steckbrief Gerald Hüther

Gerald Hüther ist ein deutscher Neurobiologe und Autor wissenschaftlicher, wie auch populärwissenschaftlicher Bücher und anderer Schriften. Er arbeitete und publizierte bis 2005 aktiv auf dem Gebiet der experimentellen Hirnforschung.

Kontroverse um Auswirkungen von SSRIs und Methylphenidat auf die Hirnentwicklung

In einer Studie untersuchte Hüther als Mitarbeiter einer psychiatrischen Studiengruppe der Universität Göttingen an fünf Ratten die Auswirkungen von SSRIs und Methylphenidat (Ritalin) auf die Hirnentwicklung.59 Er äußerte 2002 die Befürchtung, die Verwendung von Methylphenidat bei Kindern mit ADHS könnte als Spätfolge „Bewegungsstörungen ähnlich denen bei Parkinson-Kranken“ auslösen.60 Diese Hypothese wurde von an der Studie direkt beteiligten Forscherkollegen, so etwa Aribert Rothenberger, zurückgewiesen61 und 2002 auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie skeptisch aufgenommen.62 2006 sah die Bundesärztekammer in ihren Leitlinienempfehlungen zu ADHS auf der Grundlage der evidenzbasierten Medizin keinen Anhalt für Hüthers Befürchtungen.63 Eine neuere Arbeit von Veit Roessner unter Beteiligung internationaler ADHS-Experten, so etwa Terje Sagvolden, Stephen Faraone, Aribert Rothenberger, konnte mit identischer Methodik an Ratten, die als Modelltiere für ADHS und für ADS gelten, sogar eher positive Langzeitveränderung durch die Verwendung von Methylphenidat nachweisen.64

Hüthers entwicklungsbiologisch und entwicklungsphysiologisch begründetes Modell 65 66 6768

Krankheitsmodelle sind stets Vereinfachungen von in der Regel sehr komplexen und individuell sehr unterschiedlich verlaufenden Prozessen. Unzulässige Verallgemeinerungen, die Überbetonung einzelner Aspekte und die redaktionistische Vernachlässigung weiterer Aspekte des Prozesses sind inbegriffen. Trotzdem benötigen wir solche Modelle, um den krankmachenden Prozess zu verstehen, ihn rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu korrigieren. Je früher eine solche Korrektur stattfindet, umso leichter fällt es. Also sind vor allem die Krankheitsmodelle besonders hilfreich, aus denen sich präventiv nutzbare, diagnostische und therapeutische Handlungsstrategien ableiten lassen.

Die neueren Befunde können in eine Modellvorstellung des Prozesses münden, der zur Ausbildung von ADHD führt. Einbezogen wurden Erkenntnisse der neurobiologischen ADHD-Forschung, der Entwicklungsbiologie und der Entwicklungspsychologie.
Es wird dabei davon ausgegangen, es Kinder gibt, die bereits als Neugeborene und während ihrer Kleinkindphase erheblich wacher, aufgeweckter, neugieriger und leichter stimulierbar sind als andere Gleichaltrige. Fabei bleibt unberücksichtigt, ob diese Kinder zum Zeitpunkt ihrer Geburt bereits ein stärker ausgebildetes dopaminerges, den Antrieb steigerndes System besitzen, ob dieses Merkmal genetisch bedingt oder erst während der intrauterinen oder frühen postnatalen Entwicklung entstanden ist. Wichtiger ist es, zu fragen was das Kind im weiteren Verlauf seiner Entwicklung während der ersten Lebensjahre aus dieser Gabe macht, bzw. machen muss. Die weitere Ausreifung des dopaminergen Projektionsbaumes ist abhängig von der Häufigkeit, in der das dopaminerge System durch die Wahrnehmung neuer Stimuli und Reize aktiviert wird. Kinder mit dieser besonderen Wachheit und Stimulierbarkeit laufen in unsere Welt leicht Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten:
Die Kinder sind schon besonders aufgeweckt und all zu leicht durch neue Stimuli (unkonditionierte Reize) reizbar. Also wird ihr dopaminerges System wesentlich häufiger als das von anderen, "normalen" Kindern aktiviert und die axonalen Fortsätze der Nerven werden zu einem verstärktem Auswachsen angeregt. Das dopaminerge, antriebssteuernde System entwickelt sich also immer besser arbeitet immer wirkungsvoller, also lassen sich diese Kinder immer leichter durch alle möglichen neuartigen Reize stimulieren und anregen. Nun gilt es, den Teufelskreis zu durchbrechen, da es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann ein solches Kind durch seinen überstarken Antrieb, seine enorme innere Unruhe, seine stete Suche nach neuen Stimuli, also durch seine Ablenkbarkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit auffällig wird.Das Kind ist dabei nicht dazu in der Lage, seinen überstarken Antrieb zu kontrollieren und muss stets herumzappeln und Neues entdecken und sich darüber begeistern, anstatt sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Dabei wird es auch immer mehr zu einer Belastung für Spielgefährten, die es ablehnen. Es belastet auch Eltern und Erzieher, die nicht damit umgehen können und die weitere Entwicklung des Kindes (spätestens mit dem Schuleintritt) gefährdet sehen.

Also ergibt sich ein zweiter Teufelskreis. Die besonders häufige und intensive Nutzung der in seinem Gehirn angelegten und für die Steuerung seiner ungerichteten Motorik, seiner unselektiven Wahrnehmung und seiner ungezielten Aufmerksamkeit zuständigen Verschaltungen der Nervenzellen verbesserten sich diese komplexen Verschaltungsmuster immer mehr. Die anderen, weniger intensiv genutzten neuronalen Verschaltungen konnten sich entsprechend weniger stark entwickeln. Herät das Kind nun durch sein Verhalten zunehmend in psychosoziale Konflikte, wird es emotional verunsichert und es kommt es im Zuge der dadurch ausgelösten Stressreaktion zu einer vermehrten Ausschüttung von bestimmten Transmittern und Hormonen, die wiederum dazu beitragen, die neuronalen Verschaltungen und synaptischen Verbindungen zu stabilisieren und zu bahnen, welche das Kind zur Wiederherstellung seines emotionalen Gleichgewichtes aktiviert 69. Versucht das Kind nun, durch Zappeln sein emotionales Gleichgewicht wiederherzustellen, dann entwickelt es sich einem immer "besseren" Zappelphilipp bis hin zu einen motorischen Tic. Geht es den Weg des Störens, dann wird es zu einem immer "besseren" Störenfried und wird zu einem ungeliebten Außenseiter. Versucht es das durch Weghören, dann wird es zunächst auf einem, womöglich gar auf beiden Ohren "taub". Weiß sich dann keiner mehr zu helfen, dann bekommt das Kind eben Ritalin verordnet.

Das Modell steht und fällt darin, ob es nun gelingt, solchen Kindern, die sich bereits sehr früh durch außergewöhnliche Aufgewecktheit und Stimulierbarkeit auszeichnen, durch vorausschauende erzieherische Maßnahmen (sichere Bindungen, Strukturierung des Tagesablaufes, Schaffung eines ruhigen und gehaltenen Entwicklungsumfeldes) aus dem Teufelskreis der Selbststimulation und der dadurch verursachten emotionalen Verunsicherung heraus zu helfen.

Nach Hüther führen deprivierende frühe Erfahrungen bei von Hause aus reizoffenen Kindern stattdessen zu einer Stimulation des Wachstums des dopaminergen Systems. Das System wird dadurch stärker und intensiver ausgebildet, als das normalerweise der Fall ist.

Die Arbeitsgruppe Entwicklungspharmakologie

Die Arbeitsgruppe Entwicklungspharmakologie, die im Zusammenhang der Forschungen des Göttinger Neurobiologen Hüther entstanden ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Wundermittel für gestresste Eltern wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen. Hüther weist darauf hin, dass es so gut wie keine Forschungen zu der Frage gibt, wie sich die Ritalin-Gabe auf die Entwicklung des menschlichen Gehirns auswirkt. Experimente mit Kindern verbieten sich aus ethischen Gründen, doch zeigt es sich an Ratten eindeutig, dass Methylphenidat die Ausreifung des dopaminischen Systems negativ beeinflusst. Spärlich sind auch die Langzeitforschungen über Nebenwirkungen von Ritalin. Zudem ist die Theorie "Stoffwechselstörung" eine zwar gängige aber dennoch unbewiesene Annahme. Ursache und Wirkung sind unklar: Denn auch psychosoziale Einflüsse verändern die Stoffwechselprozesse im Gehirn. Die einseitige Zuschreibung "genetischer Defekt des Stoffwechselsystems" steht somit auf recht wackeligen Füßen. Die meisten deutschen nicht-medizinischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten stehen dem Trend, die ADD-Diagnose massenweise zu verteilen und mit Ritalin zu behandeln, recht kritisch gegenüber. Und zwar sei ein Großteil der als ADD diagnostizierten Beeinträchtigungen bei genauer Diagnostik als andere psychische Störungen einzuordnen. Auch sei die ADD-Diagnose zumindest als alleiniger Verursacher der vorhandenen Probleme des Kindes sehr fraglich. Der Trend läuft dahin, "normale", nur etwas lebhafte Kinder mit der ADD-Diagnose zu belegen70 und Ritalin zu verschreiben, gemäß der zirkulären Diagnose: wenn Ritalin wirkt, liegt ADD vor. Selbst die medizinischen Kinder- und Jugendpsychiater geben in ihren Leitlinien die Empfehlung zu sorgfältiger Differentialdiagnostik und zurückhaltender Medikation.71

Zur Heilbarkeit von ADHS

Psychopharmaka heilen ADHS nicht, verändern künstlich, dämpfen Wahrnehmung und Verhalten für kurze Zeit. Beim Absetzen des Medikaments stellt sich dann das "gestörte" Verhalten unverändert wieder ein. Die früher vorherrschende ausschließlich medikamentöse Behandlung, aus heutiger Sicht ein gravierender Kunstfehler, schuf aus dieser Beobachtung den Mythos der Unheilbarkeit. Inzwischen können wir sagen, dass ADHS psychotherapeutisch-psychoedukativ mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit heilbar ist so wie alle anderen kindlichen Verhaltensstörungen auch. Dabei darf jedoch nicht länger allein am Kind herumtherapiert werden, ohne das das Kind störende Milieu (Familie, Kindergarten, Schule usw.) mit zu behandeln. Diese familientherapeutisch-systemische Sicht und Methodik wird auch auf anderen Feldern der Psychotherapie längst erfolgreich angewendet. Bei ADHS jedoch noch nicht. Da wird –wenn überhaupt- immer noch kindzentriert einseitig verhaltenstherapeutisch lediglich mit dem kindlichen Symptomträger gearbeitet. Die unvollständige und unzureichende Herangehensweise und Methodik, die die gesamte Umwelt des Kindes unberücksichtigt lässt, erklärt denn auch, dass sie im Vergleich zur Medikation eher bescheidene Erfolge zeitigt72. Geradezu symptomatisch ist es, dass eine halbe Million Beiträge zum Thema ADHS existieren, die sich der medikamentösen Behandlung widmen und nur 3.000, die sich mit der psychotherapeutischen Praxis auseinandersetzen73.

Missbrauch von Ritalin

Es gibt auch immer mehr Missbräuche. Jugendliche nehmen die Methylphenidate wegen ihrer anregenden Wirkungen ein: zur Vertreibung von Müdigkeit, zur Aufmerksamkeitssteigerung, um nächtelang studieren zu können oder um die euphorisierende Wirkung zu erleben. Die pharmazeutischen Tabletten werden zumeist oral eingenommen oder auch pulverisiert nasal. Einige der abhängigen Anwender lösen die Tabletten in Wasser und spritzen sich die Mischung. Die unlöslichen Füllmittel der Tablette verstopfen dabei kleine Blutgefäße und können ernsthafte Schäden in der Lunge und der Augennetzhaut verursachen. Mitte der 1990er Jahre war Ritalin in den USA eine Party-Droge, welche die Schulkinder in pulverisierter Form wie Kokain schnupften.

Die DAK hat im Gesundheitsreport die Krankschreibungen von 2,5 Millionen erwerbstätigen Mitgliedern ausgewertet. Es ergab sich, dass Mittel wie Methylphenidat oft abweichend von ihrer Zulassung verschrieben werden. Ergebnis für den Zeitraum 2005 bis 2007: Bei dem gegen Demenz zugelassenen Wirkstoff Piracetam weisen lediglich 2,7 Prozent der DAK-Versicherten die Diagnose auf. 83 Prozent bekamen das Mittel bei zulassungsüberschreitenden Diagnosen. 16 Prozent der Versicherten erhielten das Piracetam sogar ganz ohne Diagnose. Das Antidementivum wird wohl als 'cognitive enhancer' (Aufputschmittel für das Gehirn) verwendet.74

In den Vereinigten Staaten dopen sich auf manchem Campus bis zu ein Viertel der dort Studierenden mit verschreibungspflichtigen Stimulanzien. Im April 2008 befragte de Fachzeitschrift «Nature» ihre Leser, wer unter ihnen schon Ritalin oder Modafinil (Vigil) konsumiert haben, um seinen Fokus und sein Gedächtnis zu schärfen. 20 Prozent gestanden, schon zur Pille gegriffen zu haben. Die Hälfte davon aus therapeutischen Gründen. 86 Prozent der 1400 Teilnehmer an der Umfrage waren der Meinung, dass den gesunden Erwachsenen der Zugang zu Smart Drugs erlaubt sein sollte. Sie sahen in den Nebenwirkungen ein akzeptables Risiko. Bekommen haben sie es per Rezept oder aber via Internet.75 In Deutschland ergab die Umfrage «Doping am Arbeitsplatz» , dass 13 Prozent Der Befragten Medikamente gegen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen einnehmen. Psychopharmaka gegen Angst, Unruhe und Nervosität erfreuten sich einer größeren Beliebtheit, nämlich 44 Prozent.76

Modafinil (Vigil) hat viele unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen. Ursprünglich war es nur für schwere Narkolepsie zugelassen, doch schaffte es die Herstellerfirma Cephalon, das Verschreibungsspektrum des Medikaments ab 2004 auf Schlaf-Apnoe und Schlafstörungen bei Schichtarbeitern auszudehnen. Zusätzlich vermarktete Cephalon Modafinil als geeignetes Mittel gegen Müdigkeit, Abgespanntheit und andere Off-Label-Verwendungen.
2008 verdonnerte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Cephalon zu einer Strafe über 425 Millionen US-Dollar wegen unsachgemäßer Vermarktung Im Februar 2011 entschied der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Modafinil für alle Anwendungen abgesehen von der schweren Narkolepsie „nicht mehr als günstig angesehen wird“. Das Risiko, durch Nebenwirkungen Schaden zu nehmen ist deutlich höher als die vom Anwender erhoffte Wirkung.
Dennoch ist die Beliebtheit des Mittels ungebremst – auch und gerade für nicht-medizinische Zwecke. So verfünffachte sich der Umsatz mit Modafinil in den USA von 196 Millionen US-Dollar im Jahr 2002 auf 988 Millionen Dollar im Jahr 2008. Und es wird noch mehr Absatz erwartet.77

Die Schweizer Journalistin Brigit Schmid unterzog sich einem Selbstversuch berichtet . Sie schreibt:

"Der Zustand, in den mich Ritalin während sieben Tagen versetzt, könnte das treffen, was der Neuropsychologe Hennric Jokeit «Abstraktion des Ich von sich selbst» nennt. Im Essay «Neurokapitalismus» beschreiben er und die Journalistin Ewa Hess ein Zusammengehen von Kapitalismus, Neurowissenschaft und pharmazeutischer Industrie. Der Wohlstandskapitalismus hat dazu geführt, dass wir uns unablässig selbst verwirklichen wollen. Das erleichtern uns heute Neuropsychopharmaka, die das emotionale Erleben modulieren und die aufmerksamkeitsökonomische «Fitness» verbessern. «Angebot und subjektive Bedürftigkeit erzeugen einen Markt, der Milliarden umsetzt und dort expandieren wird, wo sich das postpostmoderne Selbst in der Leistungsgesellschaft defizitär erlebt, also in Schule, Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und im Alter.»
Beschleunigungstechnologien der Globalisierung wie Handy, Flugzeug und Internet zwingen uns, unsere Aufmerksamkeit chemisch zu beeinflussen. Nach der Rationalisierung von Raum und Zeit folgt der Angriff aufs Ich: Ritalin befähigt, persönliche Grenzen zu überwinden, um Schritt halten zu können. Gleichzeitig wird so die kapitalistische Produktivität gesteigert. Jeder Chef hätte Freude, wenn er meinen Arbeitseinsatz sähe. Andere Bedürfnisse werden vernachlässigbar. In Jokeits Worten: «Mit der Pharmakologie zur kognitiven Leistungssteigerung werden Human Resources auf neuronaler Ebene des Selbst angezapft. Was folgt, ist die Abstraktion des Ich von sich selbst.»" 78
10-Milligramm-Arbeitswut
Ritalin als Turbolader fürs Hirn

Jürgen Walter wertete in einem Literaturüberblick auf der Basis US-amerikanischer Forschung unter dem Titel "Kann Ritalin (Methylphenidat) die Schulleistungen von Schülern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsproblemen verbessern?"79 durch. Dabei konzentriert er sich auf die Auswirkung der Gabe von Ritalin speziell auf den Lern- und Schulleistungsbereich. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich eine kurzfristige verhaltensmäßige "Handhabbarkeit" von hyperkinetischen Kindern ergibt. Doch begleiten diese Verbesserungen im Verhalten so gut wie gar nicht Verbesserungen im Bereich der schulischen Leistungen. Die relativ positiven Urteile der Lehrer konnten spezielle Tests kaum bestätigen. Zunächst klingt es paradox, dass Psychostimulantien zwar relativ verlässlich die Kernsymptomatik verbessern, jedoch mittel- und langfristig kaum die Schulleistungen. Doch kann angenommen werden, dass Ritalin zum einen wohl kaum die angesammelten Defizite im Wissens und in den Kompetenzen ausgleichen kann und zum anderen hohe Aufmerksamkeit, niedrige Impulsivität und geringe Hyperaktivität zwar notwendige, aber wohl nicht ausreichende Determinanten bei der Messung von Schulleistung sind.80

Die Universität Nottingham erforscht unter dem Titel “Motivation, Inhibition and Development in ADHD Study” (MIDAS), was im Gehirn von Kindern mit AHDS vor sich geht. Die Kinder wurden vor verschiedene Aufgaben gestellt und es zeigte sich, dass beinahe der gleiche Effekt wie bei der Verabreichung von Ritalin erzielt wurde, wenn die Kinder für richtige Lösungen Belohnungen wie Lob erhielten. Medikation und Belohnung wurden über das EEG visualisiert, da nach Beantwortung mit der richtigen Lösung ereigniskorrelierte Potenziale zu sehen sind. Die Belohnungen bei Kindern mit AHDS waren etwas schwächer als die medikamentöse Therapie. Dennoch erwies es sich, dass vor allem bei leichten Erkrankungsfällen auch die reine erzieherischen Maßnahme eine positive Wirkung erzielt. Ritalin oder vergleichbare Medikamente sollte man also auf schwere Erkrankungen beschränken 81.

Wirkungen von Ritalin

Wirkungen 82

  • stimmungsaufhellend und euphorisierend
  • vermittelt ein Gefühl erhöhter Energie
  • steigert die Aufmerksamkeit, Wachheitsgrad und Leistungsfähigkeit
  • senkt den Appetit
  • vertreibt Müdigkeit
  • Blutdruck und Puls steigen
  • die Pupillen erweitern sich
  • die Muskulatur wird stärker durchblutet
  • Sauerstoff- und Glucosekonzentration im Blut steigen an
  • Zum Teil können auch empathogene und halluzinogene Effekte auftreten.
Das Suchtpotential von Ritalin
Sie steuern unsere Flugzeuge, fahren unsere Busse oder kommen uns auf der Straße im Auto entgegen: Auch in Deutschland gibt es immer mehr Ritalinsüchtige, Sie bekommen ihren Stoff vom Arzt verschrieben. Zwar ist die Droge legal ist, doch bedeutet dies nicht, dass sie weniger gefährlich ist als illegale Drogen. So stuft die amerikanische Drogenbehörde DEA das Ritalin als ebenso gefährliche Droge ein wie etwa Heroin und Kokain. Ritalin macht ebenso stark abhängig und kann sich mit seinen Nebenwirkungen locker mit Crack messen. Mittlerweile sind weltweit Millionen von Menschen – meist Kinder und Jugendliche – süchtig nach Ritalin. Für den Hersteller Novartis ist der Deal ein Milliardengeschäft.
Das leistungssteigernde Amphetamin macht stark süchtig. Langzeitstudien zu dem Medikament fehlen bislang. Das heißt, dass niemand die wirklichen Folgen des Ritalinwahnsinns für die Gesellschaft kennt. Allein in den Jahren von 1991 bis 1999 verzwanzigfachten sich die Verschreibungen, um sich in den letzten Jahren nochmals zu verhundertfachen. Die meisten der Verschreibungen erfolgten nach der umstrittenen Diagnose Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS). Das Ritalin kann ADS/ADHS jedoch nicht heilen und dämpft nur die Symptome ab. Die Nebenwirkungen des Medikaments für die meist jungen Patienten sind dabei äußerst bedenklich.

Der aktuelle Forschungsstand zeichnet ein kontroverses Bild. Die theoretisch-pharmakologische Überlegungen wie auch eine Reihe tierexperimenteller und klinischer Ergebnisse deuten ganz klar auf die suchtbegünstigende Wirkung von Methylphenidat hin, doch weisen einige klinische Arbeiten in die entgegengesetzte Richtung. Kinder mit HKS (Hyperkinetisches Syndrom), die mit Methylphenidat behandelt wurden, scheinen gemäß gegenüber Suchterkrankungen weniger anfällig als nicht medikamentös behandelte Kinder mit HKS. In der medikamentös behandelten Gruppe sank das Suchtrisiko nicht unter das der Normalbevölkerung. Damit ist erwiesen, dass Methylphenidat das Drogenproblem nicht lösen wird, da das bei Kindern mit HKS erhöhte Suchtrisiko lediglich auf das Normalmaß reduziert werden konnte.83
Eine engmaschige ärztliche Betreuung ist dringend geboten bei der Anwendung von Methylphenidat. Der mangelnden Compliance der Kinder kann man mit gezielten Auslassversuchen - am günstigsten in den grossen Ferien - begegnen. Falls die Auslassversuche geplant erfolgen und alle Beteiligten einschließlich des Lehrpersonals mit einbeziehen, dann ergibt sich ein umfassendes Bild der bisherigen Medikationseffekte und man hat die Möglichkeit, eine weitere Notwendigkeit der pharmakologischen Behandlung zum Wohle des Kindes besser einzuschätzen. Die Suchterkrankung als Langzeitfolge scheint - wenn überhaupt - nicht auf dem Methylphenidat, sondern auf dem ohnehin erhöhten Suchtrisiko von Kindern mit HKS insbesondere in Kombination mit einer Störung des Sozialverhaltens zu gründen. Die beschriebenen begünstigenden Langzeiteffekte auf die Entwicklung einer Sucht erklären sich höchstwahrscheinlich wiederum aus der Stabilisierung der schulischen und familiären Situation des Kindes sowie aus der Minderung seiner Frustration in nahezu allen Lebensbereichen.84

Die US-Army, die Armee der Vereinigten Staaten, rekrutiert keine Anwärter, die Ritalin einnehmen. Es genügt schon, wenn man als Kind Ritalin eingenommen hat und die pharmazeutische Droge inzwischen nicht mehr nimmt, um als dienstuntauglich eingestuft zu werden.

Beim Absetzen von Ritalin stellt sich eine gedrückte bis depressive Stimmung ein. Das liegt daran, dass die Rezeptoren so überreizt sind, das sie eine normale Ausschüttung von Neurotransmittern, wie sie durch reale Erlebnisse zustande kommt, nicht mehr in ausreichendem Maße stimulieren kann. Das Ritalin treibt also ähnlich wie Kokain den Anwender in die psychische Abhängigkeit. Nach Absetzen von Ritalin können die ADS-Symptome massiver auftreten als vor Beginn der Medikation.

Gehirn-Scans an Versuchstieren zeigten, dass Ritalin, das mit der Droge Speed chemisch verwandt ist, den Blutstrom in alle Hirnbereiche um fünfundzwanzig Prozent senkt. Kokain bewirkt eine ähnlich starke Hemmung des Blutstroms.

Steckbrief: Ritalin® ist eine Droge,

  • die nichts heilt.
  • an der Hersteller wie Händler überdurchschnittlich gut verdienen.
  • die, wie auch Speed und Kokain, in den Dopamin- und Noradrenalinhaushalt im Gehirn eingreift.
  • die auf das Bewusstsein wirkt und Symptome von geistiger Krankheit erzeugt.
  • die Sucht und Abhängigkeit erzeugen kann.85
  • die beim Absetzten, heftige Reaktionen hervorrufen kann.
  • die, wie jede andere Droge, im Körper in den Zellen eingelagert wird und noch über viele Jahre nach Absetzen auf den Verstand und damit auf geistige Prozesse wirkt.
  • die, wie jede Droge, Vitaminmangelzustände produziert (Das Entfernen der Droge aus dem Stoffwechsel des Körpers verbraucht im Körper ein Übermaß an Vitaminen). Dieser Vitaminmangel schädigt das Herz-Kreislaufsystem und führt bei mehrmonatiger Einnahme zu einer Neigung zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Atherosklerose und Herzschwäche.
  • die die Fähigkeit einer Person grundsätzlich verringert.
  • die Unruhe, Agressivität und Übererregbarkeit auslösen kann.
  • die Hirngefäße entzünden und sogar verschließen kann.
  • die psychotische Reaktionen mit Sinnestäuschungen auslösen kann.
  • die zu hepatitischem Koma führen kann.
  • die viele Langzeitschäden und weitere Probleme verursachen kann.
  • die zum Tode führen kann.86

Drogen eignen sich zwar dazu, Symptome zu behandeln, aber sie helfen nicht dabei, die Ursachen anzugehen. Das Ritalin® macht den Betroffenen einfach bewegungsärmer und betäubt ihn ein wenig. Die eigentliche Ursache der Probleme bleibt jedoch nach wie vor bestehen.
Viele der mit Ritalin® behandelten Symptome liegen auf der geistigen Ebene. Probleme, die auf der geistigen Ebene liegen, können wohl kaum mit körperlichen Mitteln (Drogen) behandelt werden. Der Misserfolg ist von vornherein schon vorprogrammiert. Die Folge ist lediglich, dass Ritalin® immer mehr und immer länger verschrieben wird, Kein Wunder, weil das ursprüngliche Problem ja bestehen bleibt. Das alles mag gut für den Hersteller dieser Drogen sein, ist jedoch denkbar schlecht für die betroffenen Kinder.

Die unter der Hyperaktivität liegenden Probleme sind sehr komplex und mitunter von gesellschaftlicher Natur.

Und alle profitieren sie davon: Mutter und Vater müssen sich keine Gedanken machen über die Ursachen und glauben fälschlicherweise, dem Kind damit zu helfen. Das Schulpersonal muss sich mit den Kindern nicht mehr so intensiv auseinandersetzen. Der behandelnde Arzt kann sich den Patienten erhalten, der ja wiederkommen wird, weil das zugrunde liegende Problem nicht in Ordnung gebracht wurde. Und die Pharmaindustrie kann mit jedem neuen Patienten über einen langen Zeitraum Geld mit der Vergabe der Medikamente verdienen.Für die Gesellschaft bedeutet dies aber auch, dass schädliche Drogen in riesigem Ausmaß in die Gesellschaft gebracht werden. Die Kinder in diesem Ausmaß unter bewusstseinsverändernde, süchtig machende Drogen zu setzen wird die Gesellschaft für lange Zeit schädigen.
1996 - Das schwarze Jahr für Ritalin

1996 kam in den USA heraus, dass die grösste amerikanische Non-Profit-Organisation CH.A.D.D87 , die sich mit ADS/ADHS auseinandersetzt und Informationskampagnen an Schulen, öffentlichen Veranstaltungen und in den Medien betreibt, vom Ritalin-Hersteller Ciba-Geigy88 (heute Novartis) in Millionenhöhe gesponsort worden ist. Die Organisation empfahll selbstredend Ritalin als bestes Mittel gegen Hyperaktivität. 90 Prozent der gesamten Ritalin-Produktion werden in den USA an den Mann gebracht. 1988 wurden zwei Tonnen Tabletten verschrieben und 1997 bereits 14 Tonnen, die von über sechs Millionen Schulkindern konsumiert werden.

Folgen für die heranwachsende Generation

Ritalin verursacht im Gehirn der Kinder gravierende Fehlfunktionen. Wer Ritalin schluckt, der läuft Gefahr für eine Atrophie oder ein Schrumpfen des Gehirns oder andere permanente physische Abnormitäten im Gehirn. Zudem verzögert sich das Wachstum, weil es die Zyklen der Wachstumshormone stört, die von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet werden.

Die psychoaktiven Medikamente boomen in den USA, weil das amerikanische Gesundheitssystem über 90 Prozent seiner Leute in sogenannten "Managed Care"-Systemen versichert. Dort wird sehr auf die anfallenden Kosten geachtet. In Folge soll der Einsatz von Psychopharmaka die teure persönliche Betreuung durch Therapeuten ersetzen. Die Kassen bezahlen auch keine psychotherapeutische Leistung, Ritalin hingegen schon. Die Ausgaben für psychiatrische Behandlungen sanken dann auch um 80 Prozent. Der amerikanische Kinderarzt, Familientherapeut und Ritalin-Kritiker Lawrence Diller kritisierte schon, dass es eben viel leichter sei, bei einem Kind eine Störung festzustellen und ihm Tabletten zu geben, als auf seine Bedürfnisse einzugehen.

Die Gefahr der Heranzüchtung einer ganzen Generation von Junkies, wird stillschweigend in Kauf genommen. Schließlich gibt es bis bis zu diesem Zeitpunkt sicher andere Medikamente, mit denen man vom Ritalin wieder wegkommt

Es kommt nun darauf an, zu verhindern, dass die ADHS-Diagnostik nicht völlig aus dem Ruder läuft und eine ADHS-Generation entsteht. Pillen sind auf jeden Fall das falsche Mittel der Wahl, um gegen Erziehungsprobleme anzugehen. Neben trennschärferen Diagnosen sollte man nachdenken über andere Therapieoptionen wie zum Beispiel ein effektives Elterntraining oder Verhaltenstherapie, meint die Barmer Krankenkasse.89. Manfred Döpfner, Experte für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Köln, ergänzt dazu, dass diese Behandlungsalternativen oftmals fehlen: Falls es überhaupt ausreichend viele Praxen gibt, dann sind Wartelisten bei den Therapeuten und Psychologen sehr lang. Die Krankenkassen stehen nun in der Pflicht, die therapeutischen Kapazitäten für Eltern und Kinder auszubauen - und natürlich zu bezahlen.90

2011 hatten 750.000 Menschen in Deutschland die Diagnose ADHS - ein Plus von 49 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Bekamen 2006 noch 32.000 der 10- bis 14-Jährigen Ritalin verordnet, waren es fünf Jahre später bereits 42.000. Von 2006 bis 2011 war der Geburtsjahrgang 2000 am stärksten betroffen - mit mehr als 19 Prozent der in dem Jahr geborenen Jungen. Rechnet man nun die Zahlen hoch, dann ergibt sich, dass bei jedem vierten männlichen Jugendlichen bis zur Vollendung des 22. Lebensjahres mindestens einmal ADHS diagnostiziert wurde. Bei den Mädchen und jungen Frauen wäre es bei jeder zehnten.91

Die Zahl der diagnostizierten ADHS-Fälle bei den unter 19-Jährigen zwischen 2006 und 2011 ist um 42 Prozent gestiegen. So erhielten 2011 mehr als 620.000 Kinder und Jugendliche die Diagnose - der größte Teil davon (472.000) sind Jungen .92

Es fällt auf, dass Kinder besonders in bildungsfernen Haushalten - Kinder junger Eltern, Kinder von Eltern mit geringerem Bildungsniveau - und Kinder von Geringverdienern - eine auffällige Tendenz zu ADHS aufweisen.93

Ähnliche Entwicklungen bei der bipolaren Störung

Und schon greift die nächste vermeintliche Kinderkrankheit um sich. Die bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung) wurde noch bis in die 1990er bei Kindern kaum diagnostiziert. Und jetzt gehört sie in den USA zu den häufigsten kinderpsychiatrischen Diagnosen. Die Anzahl der gerade erst einmal zwei, drei Jahre alten Patienten wegen dieser Störung hat sich in knapp zehn Jahren um das vervierzigfacht.
Der amerikanische Nervenarzt Joseph Biederman hat der Krankheit zu ihrem Durchbruch verholfen. Sie ist sozusagen sein Lebenswerk . Er fertigte entsprechende Studien an, hielt die passenden Vorträge - und hat dabei ordentlich die Hand aufgehalten. 1,6 Millionen US-Dollar erhielt Biederman nur im Zeitraum von 2000 und 2007 von pharmazeutischen Firmen, weil er als deren Berater und für sie als Meinungsbildner (im Branchenspott: "Mietmaul") auftrat. Die meisten seiner industriellen Sponsoren stellen Neuroleptika her und profitieren davon, wenn die Kinder mit der Diagnose bipolare Störung ihre Präparate konsumieren.
Doch dämpfen die verwendeten Substanzen nicht nur das Seelenleben der jungen Patienten, sondern haben auch eine schwere Nebenwirkung: Innerhalb von fünf Wochen nehmen die kleinen Konsumenten mehr als fünf Kilogramm zu. Zusätzlich zu dieser Mast mit Medikamenten wächst in den Vereinigten Staaten und anderen Industrienationen eine Generation von Menschen heran, die bereits Psychopillen zu sich nahmen, bevor ihr Erinnerungsvermögen einsetzte. Die täglichen Tablette ist für sie so selbstverständlich leben wie das Glas Milch zum Frühstück.
Ungeklärt ist auch hier die Frage, was in den sich noch entwickelnden Gehirnen durch die Medikamente angerichtet wird. Eventuell wird hier schon der Grundstock gelegt für ein lebenslängliches Pillenschlucken. Der Kritiker Allen Frances resümiert: "Es ist ein Experiment außer Kontrolle."
Betroffen sind aber nicht nur die Jugendlichen - auch Bewohner von Seniorenheimen konsumieren immer mehr Neuroleptika. Inzwischen sind sie die pharmazeutische Wirkstoffklasse mit dem größten Umsatz: Jährlich verdient die Industrie allein in den USA mehr als 14 Milliarden Dollar an ihnen.94

In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass das atypische Neuroleptikum Sycrest®, das zur Behandlung "manischer Episoden bei der Bipolar-I-Störung" Erwachsener zugelassen ist, lebensgefährliche allergische Reaktionen auslösen kann. Sycrest® (Wirkstoff: Asenapin) wurde in Deutschland im Dezember 2010 eingeführt. Das Medikament wurde in den USA bis Juni 2011 knapp 300.000 Mal verschrieben. Während dieser Zeit kam es zu 52 Meldungen einer allergischen Typ-1-Reaktion. 95

  • 1. Stefan und die Geschichte vom Ritalin -Jörg Auf dem Hövel 04. November 2006
  • 2. Krause, K.-H., Dresel, St., Krause, J.: Neurobiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-störung. Psycho 26, 2000
  • 3. Hüther, G. /H. Bonney: Neues vom Zappelphilipp. Walter 2002
  • 4. Volkow, ND, Wang GJ, Fowler JS, Ding YS.: Imaging the effects of methylphenidate on brain dopamine: new model on its therapeutic actions for attention-deficit/hyperactivity disorder. Biol Psychiatry. Jun 1;57(11):1410-5. Epub 2005 Jan 12, 2005.
  • 5. Hüther, G. /H. Bonney: Neues vom Zappelphilipp. Walter 2002
  • 6. dagegen spricht sich Barkley aus. erklärt anhand einer Studie zum Thema, ob die Stimulanzienbehandlung von Kindern deren späteren Drogenmissbrauch fördere, dass der spätere Missbrauch von Kokain im Erwachsenenalter durchaus gefördert wird. Er bringt diesen statistisch bedeutsamen Zusammenhang dann aber methodisch wieder zum Verschwinden. Siehe Barkley, R. A., Fischer, M., Smallish, L. and Fletcher, K.: Does the Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder With Stimulants Contribute to Drug Use/Abuse? A 13-Year Prospective Study. PEDIATRICS Vol. 111 No. 1, pp. 97-109, January 2003
  • 7. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) soll eine angeborene psychische Störung sein. Man geht davon aus, dass rund 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland davon betroffen sind, in der Hauptsache Jungen. Mögliche Symptome sind bei betroffenen Kindern: Regeln in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft werden nicht akzeptiert, Stören im Unterricht, starke Ablenkbarkeit, Wutanfälle, aggressives Verhalten, schlechte Schrift, chaotisches Ordnungsverhalten, Ungeschicklichkeit, häufige Unfälle, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Null-Bock-Mentalität, Leistungsverweigerung, stark vermindertes Selbstwertgefühl; bei Erwachsenen: Unbeständigkeit in beruflichen und sozialen Bindungen, Ängste, Depressionen.
  • 8. Ritalin: Wie die Pharmaindustrie unsere Kinder vorsätzlich zerstört - Kopp Online 02. April 2012
  • 9. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 10. Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes
  • 11. Stefan und die Geschichte vom Ritalin -Jörg Auf dem Hövel 04. November 2006
  • 12. Stefan und die Geschichte vom Ritalin -Jörg Auf dem Hövel 04. November 2006
  • 13. Schmidt (o.J.) schilderte ausführlich die Entstehungsgeschichte von Ritalin
  • 14. Anfang der 1960er Jahre wurde Ritalin dann regelmäßig und mit Erfolg bei "delinquenten Jugendlichen" eingesetzt, Anfang der 1970er Jahre berichtete Gerhardt Nissen über den ersten Einsatz der Substanz in Deutschland .
  • 15. Schmidt, H.-R.: Ich lerne wie ein Zombie. Plädoyer für das Abschaffen von ADHS. Centaurus 2010 Schmidt, M. H. Das MCD-Konzept ist überholt. Dt Ärztebl 89, B-273-276, 1992
  • 16. Jörg Auf dem Hövel: Stefan und die Geschichte vom Ritalin
  • 17. Blech, J.: Die Krankheitserfinder. Wie wir zu Patienten gemacht werden. Fischer 2003
  • 18. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 19. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 20. Ritalin für Vierjährige Süddeutsche am 25. Oktober 2011
  • 21. Furman, L. What is attention-deficit hyperactivity disorder (ADHD)? J Child Neurol.;20(12):994-1003, 2005
  • 22. Barkley, R. A: frontline-Interview 2001
  • 23. Kinderärzte verteidigen Verschreibung von Ritalin am 22. März 2012 im Trierer Volksfreund
  • 24. FDA Issues Approvable Letter for NRP104 (lisdexamfetamine dimesylate) for the Treatment of ADHD
  • 25. Stefan und die Geschichte vom Ritalin
  • 26. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/2015890/ - Deutschlandfunk vom 19.Februar 2013
  • 27. Shorter, Edward.: Geschichte der Psychiatrie. Rowohlt 2003
  • 28. Ritalin: Wie die Pharmaindustrie unsere Kinder vorsätzlich zerstört - Kopp Online 02. April 2012
  • 29. Kinderärzte verteidigen Verschreibung von Ritalin am 22. März 2012 im Trierer Volksfreund
  • 30. Nora D. Volkow. Gene-Jack Wang, Joanna S. Fowler, Jean Logan2, Madina Gerasimov, Laurence Maynard, Yu-Shin Ding, Samuel J. Gatley,
  • 31. Journal of Neuroscience
  • 32. Es war bis dahin unbekannt, inwieweit die üblicherweise bei ADHD oral eingenommenen therapeutischen Mengen (in den USA häufig 10 - 20 mg/ 2-4 mal täglich http://www.psychohelp.at/html4/psychologie_nachrichten/hyperaktivitaet/r...
  • 33. (im Versuch zu 50 - 75%)
  • 34. Die Erhöhung der Dopaminkonzentration fiel jedoch bei den Testpersonen recht unterschiedlich aus. Die Ursache dafür soll noch weiter untersucht werden, da hier die Antwort dafür liegen könnte, warum das Medikament nicht bei allen Patienten (gleich) wirkt.
  • 35. Andrew Gifford, and Dinko Franceschi (2001). Therapeutic Doses of Oral Methylphenidate Significantly Increase Extracellular Dopamine in the Human Brain . The Journal of Neuroscience, 21, pp.1-5.
  • 36. Braun, A. K.: Die Bedeutung der Umwelt für die Entwicklung des kindlichen Gehirns. Frühe Kindheit 4, 2001
  • 37. Timimi, S. u.a.: . A critique of the international consensus statement on ADHD. Clinical Child and Family Psychology Review, Vol. 7, No. 1, 2004
  • 38. Bundesärztekammer August 2005
  • 39. Wie Pinel ausführt, ist allerdings die Grundannahme der Summation von genetischer und umweltbezogener Varianz, wie sie all diesen genetischen Studien zugrunde liegt, bereits falsch: "Wie die früheren Versionen der Erbe-Umwelt-Dichotomie ist die Frage nach den Anteilen beider Einflüsse im Ansatz falsch gestellt (Pinel, J.P.J.: Biopsychologie. Spektrum 1997). Wenn man eine Beethoven-Sinfonie hört: Wer will den jeweiligen Anteil der Instrumente, der Musiker, des Dirigenten, der Komposition, der Raumakustik oder des musikalischen Sensoriums des Publikums berechnen?“, so Pinel (Pinel, J.P.J.: Biopsychologie. Spektrum 1997).
  • 40. Pinel, J.P.J.: Biopsychologie. Spektrum 1997
  • 41. Penrose, L. S.: Value of genetics in medicine. Brit. M. J., 2: 903, 1950
  • 42. Sagi, A., M. van Ijzendoorn, 0. Aviezer, E Donnell, N. Koren-Karie, T Jods und Y. Harel: Attachments in a multiple-caregiver and multiple-infant environment: The case of the Israeli kibbutzim. In: E. Waters, B. Vaughn, G. Posada und K. Kondo-Ikemura (Hrsg.): Caregiving, Cultural, and Cognitive Perspectives on Secure-Base Behavior. New Growing Points of Attachment Theory and Research. Chicago (Univ. of Chicago Press), 71—91, 1995
  • 43. Dornes, M.: Die emotionale Welt des Kindes. Fischer 2000
  • 44. Jackson 1960
  • 45. Jackson 1960
  • 46. Bouchard, Jr. u.a.: Sources of human psychological differences: The Minnesota study of twins reared apart. Science 250, 1990
  • 47. Plomin, R., Dunn J.: Warum Geschwister so verschieden sind. Klett-Cotta 1996
  • 48. Angold, A, Erkanli, A, Egger, HL, Costello, EJ.: Stimulant treatment for children: a community perspective. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry Aug; 39(8): 2000
  • 49. Lehmkuhl, G., Lehmkuhl, U.: Editorial in Praxis Kinderpsychol. Kinderpsych. 6, 2002
  • 50. Die vollständige Liste bei Spitczok v. Brisinski 2002
  • 51. Aus ihrer Forschungsübersicht bisheriger Vergleiche von ADHS mit anderen neuropsychologischen, neurobiologischen und genetischen Korrelaten ziehen die Autoren den ernüchternden Schluss, dass es bisher keine klare ADHS-Spezifität gibt (Banaschewski 2005).
  • 52. Moll, GH, Hause, S, Ruther, E, Rothenberger, A, Huether, G.: Early methylphenidate administration to young rats causes a persistent reduction in the density of striatal dopamine transporters J Child Adolesc Psychopharmacol Spring;11(1):15-24, 2001
  • 53. Hüther, G. /H. Bonney: Neues vom Zappelphilipp. Walter 2002
  • 54. Brandon, CL, Steiner H.: Repeated methylphenidate treatment in adolescent rats alters gene regulation in the striatum. Eur J Neurosci. 2003 Sep;18(6):1584-92
  • 55. Carlezon, W. A. Jr, Mague, SD, Andersen SL: Enduring behavioral effects of early exposure to methylphenidate in rats. Biol Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1330-7.
  • 56. Brandon, CL, Marinelli M, White FJ.: Adolescent exposure to methylphenidate alters the activity of rat midbrain dopamine neurons. Biol Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1338-44
  • 57. Eine Studie des M. D. Anderson Cancer Center (Universität Texas). In dieser Studie zeigten sich bei 12 Kindern (Standarddosengabe) nach drei Monaten chromosomale Abweichungen (wie z.B. Mutationen).Study Shows Methylphenidate Linked to Chromosomal Changes - newswise 24. Februar 2005
  • 58. Das ist wie Radfahren am 14. Oktober 2011 im Spektrum der Wissenschaft:
  • 59. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11322741
  • 60. Hat Ritalin Spätfolgen?, Berliner Zeitung, 23. April 2002
  • 61. http://wwwuser.gwdg.de/~ukyk/dgkjpp.pdf
  • 62. http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=202&node...
  • 63. http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3161.3163.3168
  • 64. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20211696
  • 65. Quelle: http://www.ads-kritik.de/HuetherStudie.htm (02-03-13)
  • 66. Hüther, G.: Stress and the adaptive self-organization of neuronal connectivity during early childhood. Int. J. Devl. Neuroscience 16 (1998) 297 - 306.
  • 67. Hüther, G.: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Vandenhoeck & Ruprecht, 2001.
  • 68. Hüther, G., Adler, L., Rüther, E.: Die neurobiologische Verankerung psychosozialer Erfahrungen. Zsch. Psychosom. Med. 45 (1999) 2 - 17.
  • 69. Hüther, G.: Stress and the adaptive self-organization of neuronal connectivity during early childhood. Int. J. Devl. Neuroscience 16 (1998) 297 - 306.
  • 70. Huang-Pollock u. a. sind der alten Grundfrage noch einmal nachgegangen, ob es bei ADHS wirklich selektive Aufmerksamkeitsstörungen gibt, und haben Aufmerksamkeitsstörungen bei ADHS-diagnostizierten Kindern des primär unaufmerksamen Typs sowie bei solchen des kombinierten (hyperaktiven und unaufmerksamen) Typs gesucht - und keine gefunden! In keiner der beiden ADHS-Untergruppen fanden sie selektive Aufmerksamkeitsstörungen. Sie schließen daraus, dass wahrscheinlich die meisten ADHS-diagnostizierten Kinder eine völlig normale Aufmerksamkeit haben. Dass es bei ADHS einen Subtyp der primär aufmerksamkeitsgestörten Kinder überhaupt gibt, ziehen sie denn auch in Zweifel (Huang-Pollock 2005).
  • 71. offizielle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
  • 72. siehe auch die sog. MTA-Studie 1999
  • 73. Hüther, G. /H. Bonney: Neues vom Zappelphilipp. Walter 2002
  • 74. DAK-Gesundheitsreport 2013
  • 75. Akademiker-Elite: Alle nur gedopt? - Nature-Leser outen sichscinex 10. April 2008
  • 76. DAK-Gesundheitsreport 2009
  • 77. Ungeprüfte (Neben-)Wirkung - Risiken von Neuro-Enhancern - scinexx
  • 78. "10 Milligramm Arbeitswut - Ritalin ist die Modepille der Leistungsgesellschaft. Ein Selbstversuch" - Brigit Schmid, 14. August 2009
  • 79. "Kann Ritalin (Methylphenidat) die Schulleistungen von Schülern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsproblemen verbessern?" - Heilpädagogische Forschung (2001, Heft 3)
  • 80. Kann Ritalin (Methylphenidat) die Schulleistungen von Schülern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsproblemen verbessern? - Heilpädagogische Forschung (2001, Heft 3)
  • 81. Groom, Madeleine J., Scerif, Gaia, Liddle, Peter F., Batty, Martin J. Liddle, Elizabeth B., Roberts, Katherine L., Cahill, John D., Liotti, Mario & Hollis, Chris (2010). Effects of Motivation and Medication on Electrophysiological Markers of Response Inhibition in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Biological Psychiatry, 67, 624-631.
  • 82. Rätsch, Christian (1998). Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung. Stuttgart: Wiss. Verl.-Ges. Aarau
  • 83. Michael Huss & Ulrike Lehmkuhl (o.J.). Heute hyperkinetisch, morgen süchtig? Risiken und Chancen in der Entwicklung von Kindern mit Hyperkinetischen Syndrom (HKS). WWW: http://www.liga-kind.de/neu/pages/301huss.htm (02-03-07)
  • 84. Michael Huss & Ulrike Lehmkuhl (o.J.). Heute hyperkinetisch, morgen süchtig? Risiken und Chancen in der Entwicklung von Kindern mit Hyperkinetischen Syndrom (HKS). WWW: http://www.liga-kind.de/neu/pages/301huss.htm (02-03-07)
  • 85. Michael Huss & Ulrike Lehmkuhl (o.J.). Heute hyperkinetisch, morgen süchtig? Risiken und Chancen in der Entwicklung von Kindern mit Hyperkinetischem Syndrom (HKS)
  • 86. Study Shows Methylphenidate Linked to Chromosomal Changes - newswise 24. Februar 2005
  • 87. Homepage von CHADD"Children and Adults with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder (CHADD), is a national non-profit, tax-exempt (Section 501(c)(3)) organization providing education, advocacy and support for individuals with ADHD. In addition to our informative website, CHADD also publishes a variety of printed materials to keep members and professionals current on research advances, medications, and treatments affecting individuals with ADHD. These materials include Attention magazine and a free electronically mailed informational newsletter, as well as other publications of specific interest to educators, professionals, adults with ADHD, and parents."
  • 88. Ciba Geigy, der Hersteller von Ritalin, fusionierte 1996 mit Sandoz zu Novartis. Es entstand größenmäßig die Nummer 1 in der Forschung und die Nr. 2 beim Umsatz für pharmazeutische Produkte, mit einem Jahresumsatz von 18,5 Milliarden Dollar und einem Geschäftserlös von 3,2 Milliarden Dollar im Jahre 1996.
  • 89. "Arztreport 2013" der Barmer Krankenkasse
  • 90. Immer mehr Kinder auf Ritalin - Stern vom 29. Januar 2013
  • 91. Krankenkasse warnt vor "Generation ADHS" - Stern vom 30. Januar 2013
  • 92. "Arztreport 2013" der Barmer Krankenkasse
  • 93. Krankenkasse warnt vor "Generation ADHS" - Stern vom 30. Januar 2013
  • 94. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 95. Bipolare Störungen: Schwere Allergien auf Sycrest Ärzteblatt am 2. September 2011:

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